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Das Nachon-Museum der Judenheit Italiens (, inhaltlich abweichende Eigenbezeichnung auf ) ist ein Museum in Jerusalem, Israel. Es widmet sich der Sammlung, Erhaltung, Pflege, Erforschung und Präsentation immateriellen und materiellen Erbes der Juden Italiens, vor allem wie es sich in ihrer Kunst widerspiegelt.NN, „Il Tempio Italiano a Gerusalemme: garantire il futuro di un punto d’incontro storico tra Italia e Israele“ (6. April 2011), auf: Israele.net notizie e stampa; abgerufen am 6. Dezember 2022.

Das 1983 eröffnete Museum ist das einzige seiner Art auf der Welt, das Kunst und Kulturgut jüdischer Gemeinden aus ganz Italien präsentiert. Betreiberin und Eigentümerin des Museums ist die , eine als rechtsfähiger Verein organisierte Synagogengemeinde von Juden meist italienischer Abkunft. Lebendiges Herzstück des Museums ist in der ersten Etage des Alten Hospizes deren Synagoge Tempio Italiano der Synagogengemeinde italienischen Minhags.

Lage Das Museum hat seinen Sitz im Alten Hospiz (Rechov Hillel 25), dem westlichen Gebäude des Bauensembles Mitcham Schmidt, in der westlichen Neustadt Jerusalems.

Geschichte Das Museum entstand aus einer unbeabsichtigt entstandenen Sammlung italienischer jüdischer Kunst hauptsächlich des synagogalen Raums sowie anderer Zeugnisse der Judenheit Italiens, die ab 1950 vor allem Umberto Schlomoh Na(c)hon (; 1905–1974) nach Israel gebracht hatte. Den Anstoß dazu gab eine Initiative Nachons und anderer Mitglieder der Chevrat Jehudej Italjah in Israel in Absprache und Zusammenarbeit mit bestehenden Synagogengemeinden in Italien, die die Güter (Liegenschaften und Kulturgut) aufgelöster Gemeinden verwalteten.

Prächtige italienische jüdische Kunst hauptsächlich in aufgegebenen Synagogen wurde in den 1940er Jahren beschädigt sowie zerstört und verfiel in den 1950er Jahren mit diesen, schlummerte bestenfalls, verstreut in ländlichen Räumen Italiens. Aus seiner Zeit ab Februar 1945 als Delegierter der Sochnut in Italien,Chiara Renzo, “‹Our Hopes Are Not Lost Yet›: The Jewish Displaced Persons in Italy. Relief, Rehabilitation and Self-understanding (1943–1948)”, in: Quest. Issues in Contemporary Jewish History. Journal of Fondazione CDEC, Nr. 12 (Dezember 2017) ‹Miscellanea 2017›, S. 89–111, hier S. 100. . kannte Nachon die Situation aus eigener Anschauung.

Synagogen und ihre Kunstwerke verwaisten, weil italienische Juden seit ihrer Emanzipation 1861 aus Kleinstädten in Italiens Metropolen gezogen waren und im Zweiten Weltkrieg ab 1943 deutsche Besatzer viele in der Schoaʾh ermordet hatten. In Israel entstanden zur gleichen Zeit neue Zentren jüdischen Lebens und Lehrens, wo geflohene überlebende Juden aus Europa und ausgewiesene oder vertriebene Juden aus arabischen und islamischen Ländern neu begannen. Ihre neuen Synagogen waren in ihrer Ausstattung genauso karg wie das Leben allgemein in den entbehrungsreichen Anfangsjahren Israels.

Die Initiative wünschte Schönheit und Zierde verlassen dastehender, im Bestand gefährdeter italienischer jüdischer Kunst in diese israelische Kargheit zu bringen,Willy Guggenheim und Annemarie Meier, Jerusalem, Zürich: Atlantis, 11968, S. 112. ISBN 978-3-458-17175-1. um in Israel Menschen zu erbauen und dabei die Kunst wieder mit Leben zu erfüllenAdreina Contessa, “From Italy to Jerusalem. The birth of the Umberto Nahon Museum of Italian Jewish Art”, in: The Italian Jewish Cultural Centre in the Heart of Jerusalem, Ruhama Bonfil (; Hrsg.), Jerusalem: , 2014, S. 53–68, hier S. 53. Keine ISBN. und so vor Verfall oder Zerstörung zu retten. In Israel gab die Initiative dann vor allem Aronot haQodesch in neue Synagogen jüngst entstandener Qehillot.Vgl. Umberto Schlomoh Nahon (), “Batté Keneseth d’Italia in Israele”, in: Scritti in memoria di Sally Mayer, Jerusalem: Fondazione Sally Mayer scuola superiore di studi ebraici, 1956, S. 259–277, und ders., , Tel Aviv-Jaffa: , 1970 / (Das Jahr 5730 () des jüdischen Kalenders dauerte vom 13. September 1969 bis 30. September 1970 des gregorianischen Kalenders, jeweils zum Sonnenuntergang.), darin Indizes und 23 Seiten Einleitung auf Englisch und Italienisch (Aronoth qodesh e arredi rituali dall’Italia in Israele).Adreina Contessa, “From Italy to Jerusalem. The birth of the Umberto Nahon Museum of Italian Jewish Art”, in: The Italian Jewish Cultural Centre in the Heart of Jerusalem, Ruhama Bonfil (; Hrsg.), Jerusalem: , 2014, S. 53–68, hier S. 60. Keine ISBN.

Doch unter den nach Israel herüber geretteten Objekten italienischen jüdischen Lebens der Renaissance, des Barock bis hin zur Gegenwart waren auch Hunderte, die sich nicht eigneten, in neuen Synagogen wieder Teil jüdischen Lebens zu werden. Sie bildeten unbeabsichtigt den Anfang der Sammlung des heutigen Nachon-Museums. Im Jahre 1955 richtete Nachon in einem Raum neben dem Tempio Italiano eine erste ständige Schau solcher Kunstwerke und Zeugnisse der Judenheit Italiens ein, was über die Jahre viele weitere Sachspenden aus dem In- und Ausland anregte. Die so stets wachsende Sammlung zog Interessierte und Forscher von nah und fern nach Jerusalem. Nach Nachons Tod 1974 benannte die Chevrat Jehudej Italjah die Kollektion als Sammlung Nachon. Auch als Museum erhält die Sammlung weiter Sachspenden, wie den Nachlass Emanuele Luzzatis.Lisah Lalutzashvili (), “” (den 30. August 2022), auf: News 02 ; abgerufen am 31. Dezember 2022.

Für diese Sammlung reifte die Idee, ein Museum zu gründen, obwohl das Nachons ursprünglichem Anliegen, verwaistes italienisch-jüdisches Kulturgut wieder in lebendigen jüdischen Gebrauch zu bringen, entgegensteht. David Cassuto (), ab 1974 Nachfolger Nachons als Präsident der Chevrat Jehudej Italjah, sorgte für die Umsetzung der Idee eines Museums und für seine Anerkennung als Kulturinstitution beim Kulturministerium. David Cassuto, Enkel Umberto Cassutos, erstellte in seiner Funktion als Architekt einen Erhaltungsplan für den Mitcham Schmidt, der die Renovierung der Gebäude und Einrichtung eines Museums der Judenheit Italiens empfahl.Moscheh Caine (), „“ (den 5. Juli 2015), auf: ; abgerufen am 13. November 2022. Von 1981 bis 1983 ließ dann die Qeren liJruschalajim (Fonds für Jerusalem) das Alte Hospiz im Inneren renovieren, bevor in letzterem Jahr das Museum seine Pforten öffnete

mini|Estherrolle (Megillat Ester), 2016 Die Besucherzahlen zu Beginn des 21. Jahrhunderts oszillierten mit einem gewissen Abwärtstrend zwischen 35.000Für den Berichtszeitraum sind 34.000 Besucher gemeldet. Vgl. Annual Report 2005/6 – The Jerusalem Foundation, HaQeren liJruschalajim (Hrsg.), Jg. 6, S. 42.Für den Berichtszeitraum sind 40.000 Besucher gemeldet. Vgl. Annual Report 2009 – The Jerusalem Foundation, HaQeren liJruschalajim (Hrsg.), Jg. 10, S. 17.Für den Berichtszeitraum sind 35.000 Besucher gemeldet. Vgl. Annual Report 2011 – The Jerusalem Foundation, HaQeren liJruschalajim (Hrsg.), Jg. 12, S. 20. und 60.000.Für den Berichtszeitraum sind 42.087 Besucher gemeldet. Vgl. Annual Report 2007 – The Jerusalem Foundation, HaQeren liJruschalajim (Hrsg.), Jg. 8, S. 25.Für den Berichtszeitraum sind 49.256 Besucher gemeldet. Vgl. Annual Report 2008/9 – The Jerusalem Foundation, HaQeren liJruschalajim (Hrsg.), Jg. 10, S. 16. Auf Initiative der Trägerin Chevrat Jehudej Italjah, geleitet von Präsident Elijahu Ben-Simrah (), Richter am Bezirksgericht Jerusalem, begann das Nachon-Museum sich zu modernisieren, eine Aufgabe, die die 2009 neu angestellte Kuratorin zur Chefsache machte.Adreina Contessa, “From Italy to Jerusalem. The birth of the Umberto Nahon Museum of Italian Jewish Art”, in: The Italian Jewish Cultural Centre in the Heart of Jerusalem, Ruhama Bonfil (; Hrsg.), Jerusalem: , 2014, S. 53–68, hier S. 65. Keine ISBN.

Zum Museum gehört auch eine Restaurationswerkstatt, die Giuliano Orvietos wegweisender Initiative zu verdanken ist.Adreina Contessa, “From Italy to Jerusalem. The birth of the Umberto Nahon Museum of Italian Jewish Art”, in: The Italian Jewish Cultural Centre in the Heart of Jerusalem, Ruhama Bonfil (; Hrsg.), Jerusalem: , 2014, S. 53–68, hier S. 67. Keine ISBN. Er und weitere Restauratoren dieser in Israel einzigartigen Einrichtung stellen landesweit synagogales Mobiliar und andere hölzerne und textile Kunst wieder her. Die Qeren liJruschalajim gewährte dem Museum 2010 einen Zuschuss für Restaurierungen von Exponaten.Annual Report 2010 – The Jerusalem Foundation, HaQeren liJruschalajim (Hrsg.), Jg. 11, Seite wie gesondert angegeben. Keine ISBN. Im Jahre 2011 dann sensibilisierte das Museum das Publikum für professionelles Restaurieren durch das genannte öffentliche Arbeiten am Torahschrein von 1543 zuletzt aus der Synagoge zu Sermide.

Ab 2011 durchliefen der Tempio Italiano und das Nachon-Museum eine kritische Phase ihrer Existenz: Um die Fortsetzung und Entwicklung ihrer Aktivitäten zu sichern, musste der Trägerverein Chevrat Jehudej Italjah das Eigentum am Alten Hospiz erwerben, das bislang der Stadt Jerusalem gehörte, die sich angesichts hoher Immobilienpreise mit Verkaufsgedanken trug. Aus diesem Grund wurde auch in Italien die Subskription für eine entsprechende Spendensammlung eröffnet. Schließlich erwarb die Chevrat Jehudej Italjah 2014 dank großzügiger Spenden der schweizerischen Brüder Maurice Dwek und Solo Dwek aus dem gleichen JahreAnnual Report 2014 – The Jerusalem Foundation, HaQeren liJruschalajim (Hrsg.), Jg. 14, S. 56. die Immobilie Rechov Hillel Haus Nr. 25 (Altes Hospiz) zu Eigentum aus Händen der Stadtverwaltung.Kuti Fundaminsky (), „“ (den 27. August 2016), auf: Ynetnews.com ; abgerufen am 6. Dezember 2022.

Dies ist eine bedeutende wirtschaftliche Veränderung, womit die Chevrat Jehudej Italjah sich einen wichtigen Vermögenswert schuf, der ihr als besitzlose Sicherheit bei Banken finanziellen Rückhalt bietet. Der Erwerb ermöglichte das Alte Hospiz 2015/2016 um eine dritte Etage aufzustocken, die als Boutique-Hotel genutzt dem Trägerverein ein Einkommen aus Mieten verschafft. Von seinem relativ kleinen Budget von jährlich etwas über einer Million Neuer Schekel stammt ein Drittel aus unabhängigen Einnahmen und der Rest aus Unterstützung. Viele Spenden sind für besondere Projekte und zur Vermehrung der Sammlung bestimmt. Private Spender und kommerzielle Sponsoren, ein italienischer Nudelhersteller und eine italienische Versicherung, unterstützen das Museum. Italiens Ministerpräsident Mario Draghi besuchte den Tempio Italiano und das Nachon-Museum am 13. Juni 2022 vor seinem Treffen mit Naftali Bennett.Meʾir Gilboʿa (), “” (den 14. Juni 2022), auf: ; abgerufen am 4. Januar 2023.

Bau

Das Museum befindet sich im Alten Hospiz (vor Umzug ins neue Paulus-Haus 1908 Hospiz am Jaffator genannt), das Theodor Sandel von 1885 bis 1887 errichtete und zuletzt verschiedenen Nutzern (Jugendorchester Jerusalem, einem Stamm religiöser Pfadfinder und der Synagoge Tempio Italiano) diente bzw. im Falle des letzteren dient.

Sammlung Das Museum zeigt sakrale Gegenstände (Torahrollen, Torahschreine, Nerot Tamid, Torahmäntel, Parochot etc.), Gebetbücher, Ritualgerät in Kupfer, Messing oder versilbert (Bsamimbüchsen, Chanukkijjot, Rimmonim), Haushaltsgegenstände und Dinge des täglichen Gebrauchs, Gegenstände, die zu den Rites de Passage gehören (Ketubbot), Heimtextilien, Dokumente und historische Zeugnisse der Judenheit Italiens. Geschäftsführer Gilʿad Leviʾan () erklärt: „Wir haben in unserem Besitz seltene Stücke von der Renaissance bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Darunter der zweitälteste erhaltene Aron haQodesch der Welt, eine 300 Jahre alte Synagoge, in der hier an Schabbat gebetet wird, und ein Brief, den Herzl am Vorabend seines Todes an den Papst sandte.“Im hebräischen Original: “” Vgl. Kuti Fundaminsky (), „“ (den 27. August 2016), auf: ; abgerufen am 6. Dezember 2022.