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Der Tempio Italiano (offiziell auf , laut Namensinschrift ,Das letzte Wort der Inschrift an der östlichen Außenfassade der Synagoge lautet abweichend von gängiger Orthographie statt , was aber in Aussprache und Bedeutung keinen Unterschied macht. Dieser Name bestand zunächst, um den Gebrauch des Landesnamens Italien zu vermeiden, das ja am 10. Juni 1940 als Achsenmacht Britannien den Krieg erklärt hatte. , daher auch oder ) ist eine von über 1.000 Synagogen in Jerusalem, Israel.Miriam Magall, Jerusalem – heilige Stätten der Juden, Paderborn und München: Fink, 12010, S. 94. ISBN 978-3-7705-5039-5.

Die Betstätte ist eine Vereinssynagoge der Gesellschaft der Juden Italiens für geistliches Tun (), einer als gemeinnützig anerkannter rechtsfähiger Verein organisierten Gemeinschaft und Qehillah von Juden meist italienischer Abkunft. Die Synagoge ist eine von vieren dieses Minhags (jüdischen Brauchs) in Israel, davon drei in JerusalemEin Minjan italienischen Brauchs kommt zusammen an Schabbatabenden im Beit Knesset Ohel Nechamah (Rechov Chopin), an Schabbatmorgenden in der Evelina-de-Rothschild-Schule (Dazu ein Eintrag in der englischen Wikipedia namens «Tehilla-Evelina de Rothschild Secondary School») im Rechov Ben-Labrat, beide in Jerusalem. Vgl. Hillel Moscheh Sermonita () und Angelo Mordechai Piattelli (), (Machsor zum Jom Kippur nach Brauch der Kinder Roms), Jerusalem: 5778jüd. Kal., S. 11 des Vorworts. und eine in Netanjah, in denen Bnej Roma (Kinder Roms, d. h. Vertreter des italienischen Brauchs) in Gebeten den nach ihnen benannten Ritus pflegen.

Der Tempio Italiano ist das lebendige Zentrum der italienisch-jüdischen Präsenz in Israel, beinah ein Muss für jeden Gast in Jerusalem. Er ist, was die Ausstattung angeht, die älteste Synagoge der heiligen Stadt, nachdem nichtjüdische arabische Eroberer des Jüdischen Viertels der Altstadt in ihrem Zerstörungsbemühen dort 1948 und 1949 systematisch 34 Synagogen, darunter alle historisch bedeutenden der Stadt, vernichtet hatten,David Green, “This Day in Jewish History Hurva Synagogue Reduced to Rubble” (27. Mai 2013), in: Haʾaretz; abgerufen am 4. Januar 2023. deren Wiederaufbau längst nicht abgeschlossen ist und deren jetzige Intérieurs aus Repliken zerstörter Originale oder aus alten Stücken fremder Herkunft bestehen, unter anderem solchen aus verwaisten italienischen Synagogen.

Lage Der Tempio Italiano befindet sich im ersten Stock des Alten Hospizes im Rechov Hillel 25, westlicher Bau des Ensembles Mitcham Schmidt in der westlichen Neustadt Jerusalems.

Geschichte Die Gemeinde Chevrat Jehudej Italjah liFʿullah Ruchanit nutzte seit 1952 für ihre Versammlungen Räume der renommierten koedukativen religiösen Oberschule Beit haSefer haTichon heDati haʿIroni Maʿaleh (Zu ihren Absolventen gehören Jehuda Amichai, Chaim Beʾer, Hadassa Ben-Itto, Amos Funkenstein, Rivka Miriam, Alexander Rubowitz, Moshe Zimmermann und andere bekannte Personen.), da sie anfangs noch keine eigenen Gemeinderäume besaß. Auf der Suche nach einem eigenen Gemeindedomizil schlug Friedensrichter und Verleger Alfonso Pacifici (; 1889–1981Zu ihm findet sich in der hebräischen Wikipedia ein Eintrag namens «».) vor, für dessen Ausstattung das Intérieur einer verwaisten italienischen Synagoge ins Mandatsgebiet Palästina zu holen, wozu bereits 1944 Federico Luzzatto die verlassene Synagoge Coneglianos in Venetien als bestens geeignet empfahl. Die Gemeinde beschloss, sich um die Translokation der Synagoge Coneglianos zu bemühen.

Mörderischer Verfolgung in Süddeutsch- und dem Rheinland entronnene aschkenasische Juden erhielten 1398 als erste ihrer Religionsgemeinschaft Aufenthaltstitel für Conegliano, italienische Juden zogen bald hinzu und stellten schließlich die Mehrheit. Die Gemeinde wechselte vom aschkenasischen (also deutschen) zum italienischen Brauch. Im Jahre 1637 ließ die Republik Venedig die Juden Coneglianos in ein Ghetto zwingen und jeweils nachts einschließen, wo dann die neue Synagoge entstand,Miriam Magall, Jerusalem – heilige Stätten der Juden, Paderborn und München: Fink, 12010, S. 91. ISBN 978-3-7705-5039-5. deren Intérieur im Tempio Italiano erhalten ist.

Viele Juden Italiens, die in Kleinstädten lebten, hatten nach ihrer Emanzipation 1861 im Zuge der Arbeitsmigration und Binnenwanderung des 19. Jahrhunderts ihre Heimat verlassen, so auch Conegliano. Um 1900 war die Synagoge verwaist, letztmals feierten dort Soldaten aus Österreich-Ungarns Heer im Ersten Weltkrieg während der Piaveschlachten im Tischri (September / Oktober) 1918 Schabbat und Jom Kippur, begleitet vom k. und k. Feldrabbiner Harry Deutsch,David Cassuto () und Angelo Mordechai Piattelli (), “Gli Italkim di Rechov Hillel (dal 1952 a oggi)”, in: La Rassegna mensile di Israel, Bd. 80, Nr. 2/3 (Mai-Dezember 2014) ‹L’Italia in Israele: Il contributo degli ebrei italiani alla nascita e allo sviluppo dello Stato d’Israele›, S. 183–196, hier S. 183. bevor der Bau weiter verfiel.

mini|Kijor aus Conegliano im Korridor zum Tempio Italiano, links vom Eingang, 2016 Die Chevrat Jehudej Italjah gewann die Jerusalemer Kunstakademie Bezalʾel als kunstsachverständige Partnerin und zusammen beantragten sie am 26. März 1946 auf dem Congresso (Generalversammlung) der Unione delle comunità israelitiche italiane (Dachverband italienischer jüdischer Gemeinden) in Rom, das bewegliche Inventar der Synagoge Conegliano übernehmen und ausführen zu dürfen. Der Vorstand der Comunità ebraica di Venezia, die die Liegenschaften der aufgelösten Synagogengemeinde Conegliano betreute, und ihr Großrabbiner Elio Toaff, dessen Bruder Renzo Toaff (; 1913–1997Zu ihm gibt es in der hebräischen Wikipedia einen Eintrag namens «».) seit 1946 einer der Parnassim (Vorsteher) der Chevrat Jehudej Italjah war,Der Gynäkologe Renzo Toaff war von 1958 bis 1981 Leiter der Joseph-Serlin-Klinik. genehmigten am 7. Oktober 1948 die Übergabe des Inventars der Synagoge.

Inzwischen übernahmen die israelischen Behörden 1948 den Mitcham Schmidt, Bauensemble der katholischen Schmidt-Schule für Mädchen des Kölner Deutschen Vereins vom Heiligen Lande, und als solches seit 1939 als Eigentum feindlicher Ausländer angesehen, aus britischem Gewahrsam (). Nachdem Lazaristen (Brüder vom gleichen Orden ihrer ehemaligen Rektoren Patres Schmidt und Schmitz) die bewegliche Habe der Schule bis Oktober 1950 in den neuen Schulstandort im Paulus-Haus überführt hatten, übergaben die Behörden den Mitcham Schmidt als neues Domizil an den Beit haSefer haTichon Maʿaleh.Moscheh Caine (), „“ (den 5. Juli 2015), auf: ; abgerufen am 13. November 2022. Die Stadt Jerusalem als Schulträgerin übernahm den Mitcham Schmidt.

Im Jahre 1950 dann enteignete die israelische Regierung, gemäß einem Gesetz der Knesset, alles beschlagnahmte deutsche Vermögen entschädigungslos im Vorgriff auf eine Regelung israelischer Forderungen an Deutschland.Diese Forderungen bezogen sich auf die Eingliederung geschätzter 70.000 Flüchtlinge und 430.000 Überlebender der NS-Judenverfolgung in Deutschland und Europa. Vgl. zu den Zahlen: Niels Hansen, Aus dem Schatten der Katastrophe: Die deutsch-israelischen Beziehungen in der Ära Konrad Adenauer und David Ben Gurion. Ein dokumentierter Bericht mit einem Geleitwort von Schimʿon Peres, Düsseldorf: Droste, 2002, (=Forschungen und Quellen zur Zeitgeschichte; Bd. 38), S. 186. ISBN 3-7700-1886-9. Die Bundesregierung und Israel vereinbarten dann 1952 am Rande des deutsch-israelischen Luxemburger Abkommens ein Verfahren zur Anerkennung und Abgeltung der gegenseitig vertretenen Forderungen (Deutschland vertrat enteignete Palästinadeutsche und Israel jene seiner Bürger, die mit dem nackten Leben deutschem Judenmord entkommen waren),Vgl. “Abkommen zwischen der Regierung des Staates Israel und der Regierung der Bundesrepublik Deutschland vom 10. September 1952”, in: Bundesanzeiger Nr. 70/53 sowie in: United Nations Treaties Series, Bd. 345, S. 91ff.Niels Hansen, Aus dem Schatten der Katastrophe: Die deutsch-israelischen Beziehungen in der Ära Konrad Adenauer und David Ben Gurion. Ein dokumentierter Bericht mit einem Geleitwort von Shimon Peres, Düsseldorf: Droste, 2002, (=Forschungen und Quellen zur Zeitgeschichte; Bd. 38), S. 267. ISBN 3-7700-1886-9. wobei sich die konkrete Einigung bis 1962 hinzog.Vgl. Abkommen über deutsches weltliches Vermögen in Israel vom 1. Juni 1962, in Kraft ab 13. August 1962, bekanntgegeben am 13. September 1962 im Bundesanzeiger Nr. 195/62, das israelische Zahlungen in Höhe von insgesamt 54 Millionen DM festlegt.

Fürs allmorgendliche Schulgebet wünschte die Maʿaleh-Schule eine Betstätte,Moscheh Felber (), “” (den 26. Dezember 2011), in: Haʾaretz; abgerufen am 12. Dezember 2022. während die Chevrat Jehudej Italjah liFʿullah Ruchanit () Raum für eine eigene dauerhafte Synagoge suchte. Ende April 1951 erlangten Umberto Schlomoh Nahon (;Zu ihm gibt es in der hebräischen Wikipedia einen Eintrag namens «». 1905–1974)Der Milanese Nahon, bzw. , wie sein Name auf hebräisch lautet, hatte ab 1933 deutschen Flüchtlingen im Königreich Italien geholfen. Dazu begründete er das Comitato Italiano di Assistenza per gli Ebrei Profughi della Germania mit. Tage nach dem Novemberpogrom brachte er seine Organisation am 15. November 1938 in Zusammenarbeit mit Renzo Luisado in Mailand ins Comitato di assistenza per gli ebrei in Italia ein, das Benito Mussolini am 1. Dezember 1939 auflösen ließ. Nach 1949 widmete er sich der Rettung italienischen jüdischen Kulturgutes nach Israel. Vgl. Daria Brasca, “The Goods of Jewish Emigrants in the Trieste Free Port during the Second World War”, in: Transfer of Cultural Objects in the Alpe Adria Region in the 20th Century, Christian Fuhrmeister und Barbara Murovec (Hrsg.), Köln: Böhlau, 2022, (= Brüche und Kontinuitäten: Forschungen zu Kunst und Kunstgeschichte im Nationalsozialismus; Bd. 6), S. 189–234, hier S. 192, auch Fußnote 15 ebendort. ISBN 978-3-412-51887-5. und Renzo Toaff eine Einigung mit der Schule, in der vormals katholischen Kapelle im ersten Stock des westlichen Gebäudes des Ensembles Mitcham Schmidt (das wegen seiner früheren Funktion Altes Hospiz genannt wird), die angestrebte Synagoge einzurichten, die unter der Woche den Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften zur Verfügung stehen würde und an Schabbat und anderen jüdischen Feiertagen der Chevrat Jehudej Italjah dienen sollte.Angelo Mordechai Piattelli () im Auftr. der Chevrat Jehudej Italjah liFʿullah Ruchanit, , in: The Italian Jewish Cultural Centre in the Heart of Jerusalem, Ruhama Bonfil (; Hrsg.), Jerusalem: , 2014, S. 41–52, hier S. 48. Keine ISBN.

Das bewegliche Inventar der Synagoge zu Conegliano wurde 1949 geborgen und wartete sicher verpackt mit fertigen staatlichen Exportpapieren aufs Verschiffen, während sie selbst 1950 abgerissen wurde. Doch die religiöse Gemeinde Chevrat Jehudej Italjah und der weltliche Immigratenverband Irgun ʿOlej Italjah (Organisation der Einwanderer aus Italien) stritten um Rechte und Zuständigkeiten, bis Venedigs Qehillah ein Ultimatum bis Mitte Januar 1951 stellte, woraufhin die Streitparteien sich vermittelt durch Nahon und Rabbiner Dr. Emanuele Menachem Artom (auch Hartom, ;Zu ihm gibt es in der hebräischen Wikipedia einen Eintrag namens «». 1916–1992) einigten. Das Inventar ging auf die Reise.

Der eigentlichen Partnerin Bezalʾel gegenüber verheimlichte die Chevrat Jehudej Italjah die Verschiffung des Inventars, da man befürchtete, die Kunstakademie könnte dessen Einbau und Anpassung an räumliche Gegebenheiten aus konservatorischen Gründen ablehnen und verhindern. Nach Ankunft der Kisten Ende April 1951 im Hafen von Haifa dauerte es ein Jahr Torahschrein, Bimah, Gestühl und Wandtäfelungen in der Kapelle des Alten Hospizes zu installieren, wobei die Frauenempore zunächst fortgelassen wurde.