Johann Georg Wagner (* 10. Dezember 1749 in Witzenhausen; † 16. Februar 1818 in Allendorf) war ein evangelisch-reformierter Pfarrer in der Landgrafschaft Hessen-Kassel, im Königreich Westphalen und im Kurfürstentum Hessen.
Familie und Konfession
Wagner war ein Sohn eines Konrektors in Witzenhausen, der später Pfarrer in Nassenerfurth wurde. Er soll ein Nachkomme des Adam Plaustrarius (Plaustrarius ist die latinisierte Form von Wagner) gewesen sein, der Anfang des 17. Jahrhunderts Pfarrer von Herlinghausen und Ersen warWilhelm Bach: Kurze Geschichte der kurhessischen Kirchenverfassung als Einleitung zu einer Statistik der evangelischen Kirche in Kurhessen. Elwert, Marburg 1832, S. 128. Digitalisat. und eine große Pfarrers- und Predigerfamilie begründet haben soll.Wilhelm Bach: Kirchenstatistik der evangelischen Kirche im Kurfürstenthum Hessen. Kassel 1835, S. 251–252. Digitalisat. Gemäß einem Nachruf seines Sohns haben alle männlichen Vorfahren seit Plaustrarius dem geistlichen Stand angehört.Johann Georg Wagner: Wagner, Johann George (Selbstbiographie). In: Grundlage zu einer hessischen Gelehrten- und Schriftsteller-Geschichte seit der Reformation bis auf die gegenwärtige Zeit. . Band 20. August Freyschmidt, Kassel 1863, S. 141–152, hier: S. 141. Digitalisat
Wagner war mit Katharine Louise Jakobine, geborene Schotten (1753–1808) verheiratet. Das Paar hatte vier Söhne. Der älteste, Friedrich Wagner (1786–1859), wurde Jurist und Prokurator am Distriktgericht Eschwege. Theodor und Carl Leopold WagnerWilhelm Bach: Kirchenstatistik der evangelischen Kirche im Kurfürstenthum Hessen. Kassel 1835, S. 23. Digitalisat. wurden Pfarrer, der jüngste Sohn, Johann Georg(e) Wagner, wiederum Jurist.Gerhard Bätzing: Pfarrergeschichte des Kirchenkreises Homberg. Von den Anfängen bis 1984. Elwert, Marburg 1988, S. 222 (Fußnote 2).
Wie in ganz Niederhessen herrschte auch in den Wohn- und Amtsorten Wagners seit 1605 nach dem Grundsatz Cuius regio, eius religio die reformierte Konfession vor (vgl. Konfessionsverhältnisse in der Landgrafschaft Hessen-Kassel). Das galt seit der Neueröffnung 1653 auch für die Universität Marburg. Wagner gehörte mithin der reformierten Konfession an. In Schmalkalden hingegen waren die Kirchen und Schulen in einen reformierten und einen lutherischen Zweig geteilt.Johann Georg Wagner: Geschichte der Stadt und Herrschaft Schmalkalden. Elwert, Marburg und Leipzig 1849, S. 363–367.
Leben
Wagner hat vermutlich an der Universität Marburg Theologie studiert, wo er 1769 als Respondent bei einer philosophischen Disputation von Johann Gottlieb Waldin verzeichnet ist.Auffindbar über den Verbundkatalog hebis (Hessisches Bibliotheksinformationssystem), Eintrag. Von 1774 bis 1779 wirkte er als Pfarrer in Germerode, dann bis 1792 als Diakon und zweiter PfarrerKarl Wetz: Aus zwei hessischen Stammbüchern. In: Nachrichten der Gesellschaft für Familienkunde in Kurhessen und Waldeck, Jg. 14 (1939), S. 29–33, hier: S. 29. an der Altstädter Kirche (Marktkirche St. Dionys) in Eschwege. Von 1792 bis 1803 war Wagner Inspektor der Kirchen und Schulen in Schmalkalden und zugleich Schloss- und erster Prediger dort, er war für den reformierten Zweig verantwortlich.Wilhelm Bach: Kurze Geschichte der kurhessischen Kirchenverfassung als Einleitung zu einer Statistik der evangelischen Kirche in Kurhessen. Elwert, Marburg 1832, S. 135. Digitalisat. 1803 kam er als Superintendent „am Fulda- und Werra-Strom“, Metropolitan der Klasse Allendorf und erster Prediger der Stadt nach Allendorf.Siehe etwa Kurhessischer Staats- und Adreßkalender auf das Jahr 1818. Druck und Verlag des Waisenhauses, Kassel 1818, Abschnitt „Nieder-Hessen“, S. 4–5. Digitalisat. Er gehörte mit dem Bürgermeister und dem Amtmann zu der dreiköpfigen Deputation aus Allendorf, die im Januar 1808 in Kassel den König des neu errichteten Königreichs Westphalen begrüßte.Johann Georg Wagner: Geschichte der Stadt Allendorf an der Werra und der Saline Sooden. Akademische Buchdruckerei, Marburg 1865, S. 84. 1818 starb er und es trugen ihn, wie sein Sohn in seiner Allendorfer Stadtgeschichte berichtet, „zwölf Schullehrer zu Grabe“.Johann Georg Wagner: Geschichte der Stadt Allendorf an der Werra und der Saline Sooden. Akademische Buchdruckerei, Marburg 1865, S. 142–143; Hervorhebung im Original.
Quellen
Ludwig Metz hat für Wagner einen Eintrag in der Allgemeinen Deutschen Biographie verfasst, der sich einerseits auf Angaben von Wilhelm Bach in seiner Kurzen Geschichte der Kurhessischen Kirchenverfassung, andererseits auf die einleitenden Angaben in der Autobiografie seines jüngsten Sohns Johann Georg Wagner stützt.
Schriften
Theses philosophicae / quas ... praes. Io. Gottl. Waldino … pro biennio … defendent Io. Georg. Wagner Witzenhusa Hassus et Io, Conrad. Wolff Hersfeldia Hassus alumni principales. Müller, Marburg 1769 [deutsch etwa: Philosophische Thesen, die Johann Georg Wagner, Hesse aus Witzenhausen, und Johann Konrad Wolff, Hesse aus Hersfeld, unter dem Präses Johann Gottlieb Waldin verteidigen].
Literatur
Ludwig Metz: Wagner: Johann Georg W. In: Allgemeine Deutsche Biographie, Band 40, Leipzig 1896, S. 509–510. Wikisource.
Einzelnachweise
Kategorie:Reformierter Geistlicher (18. Jahrhundert) Kategorie:Reformierter Geistlicher (19. Jahrhundert) Kategorie:Person (Landgrafschaft Hessen-Kassel) Kategorie:Person (Königreich Westphalen) Kategorie:Person (Kurfürstentum Hessen) Kategorie:Geboren 1749 Kategorie:Gestorben 1818 Kategorie:Mann