Nicola Brandt (geboren 1983 in Windhoek, Südwestafrika) ist eine namibische Fotografin und Videokünstlerin. Sie wurde bekannt als Vertreterin einer jungen Generation namibischer Kunstschaffender, insbesondere durch ihre Auseinandersetzung mit der deutschen Kolonialgeschichte (Deutsch-Südwestafrika) und ihre Erinnerungsarbeit in der namibischen Landschaft.

Leben Nicola Brandt wurde in einer deutschstämmigen Familie im damaligen Südwestafrika geboren. Sie machte ihren Bachelor of Arts an der John Cabot University in Rom. Danach studierte sie Kunstgeschichte am St. Catherine’s College der University of Oxford und schloss 2008 mit einem Master ab. Sie besuchte auch die Ruskin School of Art in Oxford. Im März 2015 wurde sie in Oxford promoviert mit der Dissertation „Emerging landscapes: memory, trauma and its afterimage in post-apartheid Namibia and South Africa“.

Künstlerisches Werk mini|Die lutherische Kirche und das Reiterdenkmal an ihrem ersten Standort (1912–2009) Brandt beschäftigte sich mit der Kolonialgeschichte Deutsch-Südwestafrikas, insbesondere mit dem Massaker an den Herero und Nama, das von 1904 bis 1908 von den Truppen des Generals Lothar von Trotha verübt wurde und als erster Völkermord des 20. Jahrhunderts gilt. Zu diesem Projekt wurde sie durch die Demontage des Reiterdenkmals inspiriert, einer Reiterstatue, die zum Ruhm der deutschen Kolonialherrschaft auf einem imposanten Sockel in Windhoek stand. Das Denkmal wurde zunächst im Jahr 2009 von seiner zentralen Stelle verlegt und schließlich 2013 in den Innenhof der Alten Feste gestellt.

Brandt stellte fest, dass es in der namibischen Landschaft keine Markierungen oder Gedenkstätten an den Orten gibt, an denen die Gräueltaten begangen wurden. Im Laufe ihrer Recherchen stellte sie außerdem fest, dass nur wenige Menschen diese schreckliche Geschichte kennen. Daraufhin produzierte sie 2014 die Fotoserie The Earth Inside und das Video Indifference, das auf der Biennale von Venedig 2015 gezeigt wurde. Auf den Fotos ist jeweils eine Herero-Frau in traditioneller Kleidung von hinten inmitten einer verlassenen Landschaft zu sehen.

Auszeichnungen und Preise 2010–2014: Hugh Pilkington Scholarship, Christ Church, University of Oxford 2014: Besondere Erwähnung der Jury bei den Namibian Film and Theatre Awards: Indifference 2016: IFA (Institut für Auslandsbeziehungen), Wellcome Trust: Participant in Seed Award in Humanities and Social Science 2017–2018: Gerda Henkel Foundation Fellowship 2019: Best Exhibition 2019: The Artists Association, Oslo 2020–2021: Kowitz Foundation Grant to produce „Conversations Across Place“

Ausstellungen (Auswahl) Einzelausstellungen

2014: The Earth Inside, National Art Gallery of Namibia, Windhoek

Gruppenausstellungen 2011: Fuori Campo, Galleria Fuori Campo, Piazza del Campo, Siena, Italien 2011: Wlotzkasbaken, International Photography Festival, Galleria Edieuropa, Rom, Italien 2012: Namibia: Definitions of Space, London Festival of Architecture 2012,  Ambika P3, University of Westminster, London 2012: In Site: Art as a Mode of Enquiry, Ashmolean Museum, Oxford 2015: Land Matters in Art, Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und Namibian Ministry of Land Reform, St. Johannes-Evangelist-Kirche, Berlin-Mitte 2015: mit Christoph Schlingensief, Unrecounted: Historical Amnesia in Germany and Namibia, Filmgalerie 451 und National Art Gallery of Namibia, Conservatorio Benedetto Marcello, Palazzo Pisani, Venedig 2015: Re-presenting Photography in Namibia, Annual Visual Art Museum Programme (AVAMP), Windhoek 2016: Kunst einer Jungen Generation, Museum Würth, Künzelsau, Deutschland 2016: Mo(ve)ments: African Digital Subjectivities, Yale School of Art, Yale University, New Haven 2016: AKAA – Also Known As Africa, Guns & Rain Gallery, Carreau du Temple, Paris 2017: Another Antipodes: Urban Axis, PS Art Space, Fremantle, Australien 2017: AKAA – Also Known As Africa, Guns & Rain Gallery, Carreau du Temple, Paris 2018: Tomorrow's Today, Guns & Rain Gallery / Investec Cape Town Art Fair, Südafrika 2018: Namibia. The Art of a Young Generation, Museum Würth Erstein, Elsass, Frankreich 2018–2019: Ovizire ∙ Somgu: From Where Do We Speak?, MARKK Museum & M. Bassy, Hamburg 2019: The Burden of Memory: Considering German Colonial History in Africa, Goethe-Institut, Yaoundé, Kamerun, 2019: Hannah Ryggen Triennial: Faig Ahmed, Alighiero e Boetti, Nicola Brandt, Alexandra Kehayoglou, Lise Bjørne Linnert, Ahmed Umar + Hannah Ryggen, Nordenfjeldske Kunstindustrimuseum, Trondheim, Norwegen 2020: Landscapes, National Art Gallery of Namibia, Windhoek 2021: Territories under my skin, Changing Room, Berlin 2022/23: Freiburg und Kolonialismus: Gestern? Heute!, Städtische Museen Freiburg, Freiburg im Breisgau 2022: Good Neighbours, Nirox Foundation, Südafrika 2023: Mit Gift Uzera und Muningandu Hoveka: Man of War: Leave My House. Goethe-Institut Namibia, Windhoek 2024: Into One’s Own: Reckoning with Monuments and Memory. Guns & Rain Gallery, Johannesburg, Südafrika 2024: Decolonial Memorial Design Presentation. Gutshof Britz, Museum Neukölln, Berlin 2024/25: Entanglements, Rhodes Trust, University of Oxford 2024/25: In Situ, Goodman Gallery, Oude Leeskamer, Stellenbosch, Südafrika 2025: Unresolved: Memory, Protest and Waiting. Guns & Rain Gallery, Johannesburg, Südafrika 2026: Kolonialismus & Widerstand. Wege des Erinnerns. Kuratierte Touren für Smartphone durch die Dauerausstellung. Museum Fünf Kontinente, München

Veröffentlichungen

Literatur

Inhaltsverzeichnis.

Weblinks Homepage von Nicola Brandt

Nicola Brandt - Steidl Verlag

Einzelnachweise

Kategorie:Künstler (Namibia) Kategorie:Fotograf (21. Jahrhundert) Kategorie:Absolvent der University of Oxford Kategorie:Namibier Kategorie:Geboren 1983 Kategorie:Frau