Die Beziehungen zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten (USA) gehen auf das 18. Jahrhundert zurück und Frankreich gilt als der älteste Verbündete der USA. Ein erstes Bündnis beider Länder wurde durch ein Abkommen im Jahr 1778 besiegelt und Frankreich spielte eine wichtige Rolle als Unterstützer der Dreizehn Kolonien gegen das Vereinigte Königreich im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. Auch in beiden Weltkriegen des 20. Jahrhunderts waren die beiden Staaten Verbündete. Im 21. Jahrhundert sind beide Staaten gemeinsam Mitglieder der Militärallianz NATO sowie der OSZE und der OECD.

Geschichte mini|Treffen von George Washington und Marquis de La Fayette (1777) Die französische Präsenz in Nordamerika geht auf das 16. Jahrhundert zurück, als die Kolonie Neufrankreich etabliert wurde. Die Rivalität zwischen dem protestantischen Großbritannien und der katholischen Großmacht Frankreich löste im 18. Jahrhundert vier Kriege aus, die auch auf Nordamerika übergriffen (Franzosen- und Indianerkriege). Mit dem Siebenjährigen Krieg (1756–1763) konnten die Briten die absolute Vorherrschaft in Nordamerika erreichen. Aus Revanchismus unterstützte das Königreich Frankreich die amerikanischen Rebellen während ihres Unabhängigkeitskrieges (1775–1783) gegen die Briten mit finanzieller und militärischer Hilfe. Unter dem Eindruck des Sieges der USA in der Schlacht von Saratoga im Oktober 1777 schlossen die Franzosen am 6. Februar 1778 Handels- und Bündnisverträge, die sie verpflichteten, gegen die Briten zu kämpfen, bis die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten gesichert war und deren Unabhängigkeit danach anzuerkennen. Französische Hilfe war ausschlaggebend für den Sieg bei der entscheidenden Schlacht bei Yorktown und Frankreich trat als Vermittler bei dem Frieden von Paris (1783) auf, mit dem die Briten die Unabhängigkeit der USA anerkannten.

Die Unterstützung der amerikanischen Unabhängigkeitsbewegung hatte einen negativen Einfluss auf die französische Staatskasse und inspirierte gleichzeitig freiheitliche und liberale Bewegungen in Europa. Knapp sechs Jahre später stürzte die Französische Revolution das Ancien Régime in Frankreich. Obwohl die antimonarchistische Revolution anfangs mit Sympathie in den USA betrachtet wurde, kam es bald darauf zu Spannungen zwischen dem jungen Staat und dem revolutionären Frankreich nach der Neutralitätsproklamation der Vereinigten Staaten im Ersten Koalitionskrieg. Die Spannungen mit Frankreich eskalierten zu einem nicht erklärten Krieg, dem sogenannten Quasi-Krieg, bei denen beide Seestreitkräfte die Schiffe der jeweils anderen Seite in der Karibik angriffen. Der Konflikt endete 1800 mit dem Vertrag von Mortefontaine. Dieser beendete das amerikanische Bündnis mit Frankreich, welches in der Realität nur zwischen 1778 und 1783 Bestand hatte. mini|Durch den Louisiana Purchase (1803) erworbene Gebiete Napoleon Bonaparte verkaufte 1803 das Louisiana-Territorium für 15 Millionen US-Dollar an die Vereinigten Staaten, um seine Kriege in Europa zu finanzieren. Der Louisiana Purchase verdoppelte das Staatsgebiet der USA und ermöglichte die spätere Westexpansion, ohne dass es zu einem Krieg kam. Britische Bankiers finanzierten das Geschäft, indem sie amerikanische Staatsanleihen annahmen und Gold nach Paris verschifften.Howard Jones (2009). Crucible of Power: A History of American Foreign Relations to 1913. S. 55–62. ISBN 978-0-7425-6534-0. Im Jahre 1823 führte Präsident James Monroe die Monroe-Doktrin ein, welche sich gegen den Einfluss europäischer Mächte in Nordamerika richtete. Der kulturelle Austausch zwischen beiden Nationen wurde fortgesetzt, bemerkenswerte Ereignisse waren vor allem die intensiven Studienaufenthalte z. B. von Gustave de Beaumont und Alexis de Tocqueville, dem Autor von Über die Demokratie in Amerika (1835). Ein Buch, das in beiden Ländern populär wurde.

Während des Amerikanischen Bürgerkriegs (1861–65) blieb Frankreich, wie alle anderen Nationen auch, neutral. Napoleon III. favorisierte jedoch die Konföderierten Staaten von Amerika in der Hoffnung, die USA zu schwächen, in der Konföderation einen neuen Verbündeten zu gewinnen, den Baumwollhandel zu sichern und Einfluss in Mexiko zu gewinnen. Frankreich war nicht stark genug, um allein zu handeln, und suchte die Unterstützung der Briten, die ebenfalls für die Konföderation waren, aber letztlich nicht bereit waren, einen Krieg mit den USA zu riskieren. Napoleon III. nutzte den Krieg 1863, um den österreichischen Erzherzog Maximilian I. auf dem mexikanischen Thron zu installieren, was der Monroe-Doktrin der USA widersprach. Der diplomatische Druck der Vereinigten Staaten in Verbindung mit dem Aufmarsch von US-Soldaten an der Grenze zu Mexiko veranlasste Napoleon III. 1865, seine Truppen in Mexiko zurückzuziehen. Die demokratische mexikanische Regierung wurde wiederhergestellt und Maximilian hingerichtet. Der Sieg der Unionsstaaten, der Rückzug der Franzosen aus Mexiko und der Verkauf Alaskas durch Russland führten dazu, dass die USA in der westlichen Hemisphäre zur dominanten Macht wurden. mini|Bau der Freiheitsstatue in Paris Die Absetzung von Napoleon III. im Jahr 1870 nach dem Deutsch-Französischen Krieg trug zur Verbesserung der französisch-amerikanischen Beziehungen bei. Während der deutschen Belagerung von Paris leistete die kleine amerikanische Bevölkerung unter der Leitung von Elihu B. Washburne den Parisern umfangreiche medizinische, humanitäre und diplomatische Unterstützung, was den Amerikanern viel Anerkennung einbrachte.David McCullough, The Greater Journey, Americans in Paris (2011) S. 328. Während dieser ganzen Zeit blieben die Beziehungen freundschaftlich, was bis heute durch die Freiheitsstatue symbolisiert wird, die 1884 als Geschenk Frankreichs an die USA übergeben wurde. Von 1870 bis 1918 war Frankreich die einzige große Republik in einem Europa der Monarchien, was es an die USA band. Als Deutschland 1906 die Franzosen in Marokko herausforderte (siehe Erste Marokkokrise), ergriff Präsident Theodore Roosevelt Partei für die Franzosen. Dennoch sprachen die Franzosen, als die USA an wirtschaftlicher Macht gewannen und engere Beziehungen zu Großbritannien knüpften, zunehmend von einer angelsächsischen Bedrohung für ihre Kultur.Philippe Roger, The American Enemy: The History of French Anti-Americanism (2005) S. 172-76.

Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs erklärten sich die USA für neutral, ein Status, den sie fast drei Jahre lang beibehielten, bis sie im April 1917 auf der Seite der Triple Entente in den Konflikt eintraten. Die USA unterstützen die französischen Kriegsanstrengungen mit Krediten, Lebensmitteln und Rohstoffen. 1918 entsandten die Vereinigten Staaten über zwei Millionen Kampftruppen unter dem Kommando von General John J. Pershing, die in ihrem eigenen Sektor an der Westfront operierten. Sie verschafften den Alliierten einen entscheidenden Vorteil und trugen damit zum Zusammenbruch des Deutschen Reichs bei.A Fraternity of Arms: America and France in the Great War. By Robert B. Bruce. Lawrence: University Press of Kansas, 2003. ISBN 0-7006-1253-X Nach dem Krieg kam es zu Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden Staaten um die Nachkriegsordnung in Europa. Die Franzosen traten für die Zerstückelung Deutschlands und die Schaffung eines Pufferstaates im Rheinland ein, was die USA unter Woodrow Wilson als destabilisierend für den künftigen Frieden ablehnten. mini|Landung alliierter Truppen in der Normandie am D-Day (1944) In der Zwischenkriegszeit erlebte der kulturelle Austausch neue Höhen. Ab den 1920er Jahren zog es viele Intellektuelle, Maler, Schriftsteller und Touristen aus den USA nach Frankreich. Es kam allerdings zu diplomatischen Spannungen, weil Washington darauf bestand, dass Paris seine Kriegsanleihen zurückzahlten musste. Man einigte sich auf den Dawes-Plan, bei dem amerikanische Banken Deutschland Kredite gewährten, damit es Reparationszahlungen an Frankreich leisten konnte, das im Gegenzug seine amerikanischen Kriegskredite abdecken würde. Dieses System brach jedoch mit der Weltwirtschaftskrise zusammen. Die Machtübernahme Adolf Hitlers brachte beide Staaten eng zusammen und schon vor dem Beginn des deutschen Westfeldzugs unterstützen die USA Frankreich mit Waffen. Während des Zweiten Weltkriegs arbeiteten die USA mit den Forces françaises libres zusammen und brachen 1942 die Beziehungen zum Vichy-Regime ab. Mit der Landung alliierter Truppen in der Normandie am D-Day 1944 spielten die amerikanischen Streitkräfte eine wichtige Rolle bei der Befreiung Frankreichs.

Nach Ende des Krieges wurden beide Staaten Verbündete innerhalb der NATO und die USA unterstützten den Wiederaufbau Europas mit dem Marshallplan. Im Rahmen des Plans erhielt Frankreich 2,3 Milliarden US-Dollar ohne Rückzahlungsverpflichtung. Die Summe aller amerikanischen Zuschüsse und Kredite an Frankreich von 1946 bis 1953 belief sich auf 4,9 Milliarden US-Dollar. Obwohl die Vereinigten Staaten die französischen Bemühungen um die Wiedererlangung der Kontrolle über die Kolonien in Afrika und Südostasien offen missbilligten, unterstützten sie die französische Regierung bei der Bekämpfung des kommunistischen Aufstandes in Französisch-Indochina. 1956 kam es zur Sueskrise, als Frankreich, Großbritannien und Israel gemeinsam Ägypten angriffen, das kurz zuvor den Sueskanal verstaatlicht hatte. US-Präsident Dwight D. Eisenhower zwang sie zum Rückzug. Das Vereinigte Königreich richtete seine Nahostpolitik in der Folge auf die der Vereinigten Staaten aus, während Frankreich sich von den USA distanzierte.Robert Tombs, Isabelle Tombs (2008). That Sweet Enemy: Britain and France. New York: Random House. S. 619. ISBN 978-1-4000-3239-6. Unter Charles de Gaulle kam es zu Konflikten hinsichtlich der atomaren Bewaffnung Frankreichs, welche Eisenhower als Schwächung der NATO ansah. 1966 verkündete de Gaulle die strategische Autonomie des Landes und den Rückzug der französischen Streitkräfte aus der integrierten militärischen Struktur der NATO. Darauf kam es zum Abzug amerikanischer Truppen aus Frankreich. mini|Charles de Gaulle, Heinrich Lübke und Lyndon B. Johnson (1967) Der Vietnamkrieg der USA wurde in Frankreich aufgrund eigener Kriegserfahrungen in Algerien kritisch gesehen und war für die 68er-Bewegung in Frankreich Anlass für Demonstrationen. Die bilateralen Beziehungen verbesserten sich etwas, nachdem de Gaulle 1969 die Macht verlor. Insgesamt hatten die Vereinigten Staaten allerdings engere Beziehungen zu den anderen großen Staaten Westeuropas, Großbritannien, Deutschland und Italien. In den 1980er Jahren arbeiteten die beiden Nationen in einigen internationalen Angelegenheiten zusammen, waren sich aber in anderen, wie der Operation El Dorado Canyon und der Frage, ob ein wiedervereinigtes Deutschland wünschenswert sei, uneinig. Die Reagan-Regierung versuchte Frankreich und andere europäische Länder daran zu hindern, durch den Bau der Erdgasleitung Urengoi–Pomary–Uschhorod Erdgas aus Sowjetrussland zu beziehen. Die europäischen Regierungen, einschließlich der französischen, ließen sich nicht abschrecken und die Pipeline wurde schließlich gebaut. mini|Jacques Chirac und George W. Bush (2005)