mini|hochkant|Henry Pelham, britischer Premierminister von 1743 bis zu seinem Tode 1754 Die Regierung Pelham war die Regierung im Königreich Großbritannien in der Zeit vom 24. November 1744 bis zum 6. März 1754 mit einer kurzen Unterbrechung zwischen dem 10. und 12. Februar 1746.
Die Regierung wurde von Henry Pelham gebildet, der bereits seit dem 27. August 1743 formell das Amt als Premierminister bekleidete, und löste die Regierung Carteret ab. Anfang 1746 wünschte König Georg II. einen Wechsel des Premierministers, und Pelham verlor die Macht, aber nur kurz. Aus diesem Grund befand sich kurzzeitig vom 10. bis zum 12. Februar 1746 die Regierung Bath–Granville im Amt, das wegen der Amtsdauer auch Short-lived ministry („Kurzzeit-Ministerium“) oder wegen seiner Größe spöttisch als Silly Little Ministry („Dummes kleines Ministerium“) bezeichnet wurde.
Nach seiner Rückkehr ins Amt stellte Pelham eine verstärkte breite Koalition (Broad Bottom) von Whigs auf. Die zweite Regierung dauerte von Pelhams Wiedererlangung der Macht am 12. Februar 1746 bis zu seinem Tod am 6. März 1754. Die Regierung bestand ausschließlich aus Mitgliedern der liberalen Whigs, die seit den Wahlen zum Unterhaus (House of Commons) vom 30. April bis 11. Juni 1741 mit 286 der 558 Sitze im House of Commons nur noch über eine knappe absolute Mehrheit verfügte. Die konservativen Tories, unter der Führung von Sir Watkin Williams-Wynn, 3. Baronet verlor neun Mandate und kam auf 136 Sitze, während die Patriot Whigs, eine Abspaltung der Whigs unter William Pulteney, 48 Mandate hinzugewannen und nunmehr mit 131 Sitzen im Unterhaus vertreten waren. Die Regierung Pelham wurde nach dem Tode von Premierminister Henry Pelham am 6. März 1754 von der Ersten Regierung Newcastle am 16. März 1754 abgelöst.
Regierungsjahre 1744 bis 1754 Unterhauswahl 1747 Während der fast zehnjährigen Amtszeit der Regierung Pelham kam es nur einmal zu Unterhauswahlen, und zwar vom 26. Juni bis zum 4. August 1747. Aus dieser Wahl gingen die Whigs als klare Sieger hervor und konnten sich um 52 Mandate auf 338 Sitze im House of Commons verbessern. Die Tories unter Sir Watkin Williams-Wynn, 3. Baronet, verloren noch einmal 19 Sitze und waren nunmehr mit 117 Abgeordneten vertreten, während die Patriot Whigs 37 Mandate verloren und jetzt mit 94 Mitgliedern dem Unterhaus angehörten. Neun weitere Mitglieder des Unterhauses waren parteilos.
Der Jakobitenaufstand von 1745, Regierungskrise von Februar 1746 und andere innenpolitische Ereignisse mini|hochkant|Charles Edward Stuart, der sogenannte „Bonnie Prince Charlie“ mini|hochkant|William Augustus, Duke of Cumberland wurde wegen seiner brutalen Unterdrückung des Jakobitenaufstandes von 1745 The Butcher („Der Schlächter“) genannt (Gemälde von Joshua Reynolds, 1758) mini|hochkant|links|William Pitt der Ältere, späterer Premierminister, übernahm ab Mitte der 1740er Jahre verschiedene Regierungsämter Am 23. Juli 1745 begann der „The Forty-Five“ genannte Jakobitenaufstand von 1745. Der katholische Thronprätendent (The Young Pretender) Charles Edward Stuart, der sogenannte „Bonnie Prince Charlie“ und Sohn des alten Thronprätendenten (The Old Pretender) James Francis Edward Stuart, landete auf der zu den Äußeren Hebriden gehörenden Insel Eriskay, um zu versuchen, die Throne von England und Schottland zu erobern. Am 25. Juli 1745 wurden britische Soldaten aus den Niederlanden zurückgebracht, um der Bedrohung zu begegnen. Am 2. September 1745 gelang es den Jakobiten, britische Regierungstruppen unter General John Cope in der Schlacht bei Prestonpans vernichtend zu schlagen. Eine Woche später marschierten die Jakobiten am 11. September 1745 in Edinburgh ein, woraufhin Charles Edward Stuart am 17. September 1745 selbst in Edinburgh eintraf und dort seinen Vater zu König James VIII. von Schottland proklamierte. Am 4. Dezember 1745 marschierten die Jakobiten nach Derby, mussten sich aber bereits am 6. Dezember 1745 zurückziehen. Am 18. Dezember 1745 gelang ihnen ein kleinerer Sieg in Penrith. Jakobitische Truppen waren am 16. Januar 1746 erfolgreich gegen königliche Truppen in der Schlacht bei Falkirk. Die Jakobiten wurden am 16. April 1746 in der Schlacht bei Culloden vernichtend durch Regierungstruppen unter William Augustus, Duke of Cumberland geschlagen.Chambers, S. 217 Dieser wurde fortan von seinen Feinden als The Butcher („Der Schlächter“) für seine Brutalitäten bei der Unterdrückung sowohl der Jakobiten als auch der schottischen Clans bekannt, die der jakobitischen Sympathie verdächtigt wurden. Culloden war die letzte Feldschlacht auf britischem Boden. Mit der Unterstützung durch Flora MacDonald floh Bonnie Prince Charlie am 20. September 1746 schließlich nach Frankreich, nachdem er zuvor fünf Monate durch die Highlands umhergezogen war. Nach der Niederschlagung des Jakobitenaufstands von 1745 verbot das Parlament das Tragen von Schottenmustern, sogenannten Tartan, bei Androhung von Haftstrafen in einer Reihe von Gesetzen, die entwickelt wurden, um die kulturelle Individualität der schottischen Highlands auszurotten.Cassell’s, S. 310 f.Chambers, S. 295Gondrom, S. 22
König Georg II. von Großbritannien weigerte sich am 10. Februar 1746 William Pitt, den Älteren als Staatssekretär für Krieg (Secretary at War) in die Regierung zu berufen. Nach dem Scheitern der Versuche, eine Regierung zu bilden, kehrten Pitt und seine Kollegen jedoch in ihre Ämter zurück, und Pitt wurde zum gemeinsamen stellvertretenden Schatzmeister für Irland ernannt. Am 6. Mai 1746 wurde Pitt Generalzahlmeister der Streitkräfte (Paymaster-General of the Armed Forces) und Henry Fox Staatssekretär für Krieg. Am 11. Mai 1749 wurde der Consolidation Act, ein Gesetz zur Verbesserung des Dienstes in der Royal Navy, verabschiedet.
Im Einklang mit merkantilistischen Wirtschaftstheorien verabschiedete das britische Parlament 1750 den Iron Act, der die Kapazität der amerikanischen Kolonien zur Herstellung von Eisenwaren einschränkte. Sie durften Roheisen produzieren, das zur Herstellung von Eisenwaren exportiert wurde, konnten aber keine eigenen Eisenprodukte herstellen. Der Versuch scheiterte jedoch und Eisenhütten in Amerika missachteten die Bestimmungen des Gesetzes.Cassell’s, S. 313 f. Am 31. März 1751 verstarb der Prince of Wales Friedrich Ludwig von Hannover, wodurch sein Sohn Georg Wilhelm Friedrich neuer Thronfolger wurde. Im März 1751 stimmte das Parlament in einem Gesetz für die Annahme des auf dem Kontinent bereits genutzten Gregorianischen Kalenders. Durch das Gesetz wurde der 1. Januar 1752 zum Beginn des neuen Jahres bestimmt. Am 14. September 1752 trat dieses Gesetz vom März 1751 in Kraft. Die elftägige Differenz zwischen dem julianischen und dem gregorianischen Kalender wurde dadurch aufgehoben, dass der Zeitraum vom 3. bis 13. September aus dem Jahr gestrichen wurde. Londoner Randalierer protestierten gegen den Verlust von elf Tagen ihres Lebens, wehrten sich jedoch hauptsächlich gegen den Verlust von elf Tagen Gehalt.
Der Staatssekretär für den Norden Thomas Pelham-Holles, 1. Duke of Newcastle-upon-Tyne, der auch Kanzler der University of Cambridge war, stiftete 1751 die jährliche Verleihung einer Medaille für klassische Studien. Am 17. März 1752 verabschiedete das Oberhaus (House of Lords) ein Gesetz, wonach die schottischen Ländereien, die in den jakobitischen Aufständen von 1715 und 1745 verwirkt wurden, der Krone zuerkannt und ihre Einnahmen für die Entwicklung der Highlands verwendet werden sollten. König Georg II. erteilte am 8. März 1753 seine königliche Zustimmung zu einer Grundsteuer in Höhe von zwei Schilling pro Pfund in England und Wales. Das Parlament verabschiedete am 7. Juli 1753 das Einbürgerungsgesetz für Juden (Jewish Naturalization Act), um die rechtliche Diskriminierung von Juden in Großbritannien zu beenden. Die Maßnahme, die auf weit verbreiteten Widerstand stieß, wurde bereits ein Jahr später 1754 wieder aufgehoben. 1753 verbot das Ehegesetz (Marriage Act) die Eheschließung durch nicht lizenzierte Geistliche und forderte die Ausrufung von Aufgeboten in anglikanischen Kirchen. Das britische Parlament erteilte am 5. April 1753 eine Gründungsurkunde für das British Museum zur Unterbringung der Sammlung von Hans Sloane. Die Bibliothek von Sir Robert Bruce Cotton wurde in die Bibliothek des British Museum verlegt.Cassell’s, S. 317
Nach dem Tode von Premierminister Henry Pelham am 6. März 1754 trat sein Bruder Thomas Pelham-Holles, 1. Duke of Newcastle-upon-Tyne, seine Nachfolge an.
Der Österreichische Erbfolgekrieg und andere Außenpolitische Ereignisse mini|Aufeinandertreffen der französischen und britischen Garden in der Schlacht bei Fontenoy (Gemälde von Edouard Detaille) mini|hochkant|Der „Clive of India“ genannte General und Kolonialadministrator Robert Clive erzielte in den 1750er Jahren zahlreiche militärische Erfolge in Indien (Porträt von Nathaniel Dance-Holland) Im Zweiten Schlesischen Krieg als Teil des Österreichischen Erbfolgekriegs kam es am 8. Januar 1745 zur Bildung der Quadrupelallianz von Warschau zwischen dem Erzherzogtum Österreich, dem Königreich Großbritannien, dem Kurfürstentum Sachsen und der Republik der Vereinigten Niederlande gegen das Königreich Preußen zur Wiedereroberung Schlesiens und Wegnahme einiger brandenburgischer Besitzungen, die zwischen Österreich und Sachsen geteilt werden sollten.Chambers, S. 64, 766Heinrich Pleticha, S. 78 f. Am 13. April 1745 entschloss sich Großbritannien, Subventionen an die Erzherzogin von Österreich Maria Theresia zu zahlen. Am 11. Mai 1745 wurden britische Truppe unter dem Befehl von William Augustus, Duke of Cumberland durch französische Truppen unter dem Kommandeur von Moritz von Sachsen in der Schlacht bei Fontenoy im heutigen Belgien geschlagen.Chambers, S. 293 Die Franzosen eroberten in der Folge die Österreichische Niederlande.
Am 16. Juni 1745 eroberten britische Truppe die Kap-Breton-Insel in Nova Scotia von den Franzosen und daraufhin die Festung Louisbourg. Am 26. August 1745 versprach König Georg II. durch die Konvention von Hannover Friedensverhandlungen mit dem Königreich Preußen und gab die Unterstützung für Österreich auf. Am 7. Juli 1746 verschlechterte sich die Rivalität Großbritanniens und Frankreichs in den Kolonien infolge des Österreichischen Erbfolgekriegs. Eine französische Flotte unter Admiral Bertrand François Mahé de La Bourdonnais landete in Pondicherry in Südostindien und am 21. September 1746 eroberte französische Truppen unter Joseph François Dupleix im Ersten Karnatischen Krieg Madras von den Briten.
In der Schlacht bei Lauffeldt bei Maastricht erlitten Truppen unter William Augustus, Duke of Cumberland am 2. Juli 1747 eine erneute Niederlage gegen die französische Armee unter Moritz von Sachsen. Im Juli 1747 schloss Großbritannien zwar eine Allianz mit dem Russischen Kaiserreich, lehnte eine Unterstützung des russischen Feldzuges gegen Schweden allerdings ab. Am 6. Juli 1747 brachen französische und spanische Truppen die britisch-österreichische Blockade der Republik Genua. In der Konvention von Sankt Petersburg stimmten Großbritannien, die Vereinigten Niederlanden und Russland am 21. Dezember 1747 überein, russischen Truppen die Passage durch Deutschland zu erlauben und Großbritannien mit 30.000 Mann zu unterstützen. Am 17. Oktober 1748 konnten die Franzosen die britische Belagerung von Pondicherry beenden.