mini|Stich aus La manière de bien emboucher, manier et ferrer les chevaux (1564). Das Tragen einer Feder anstelle einer Gerte symbolisiert die Leichtigkeit der Hilfen und Musiknoten ermöglichen es, den Takt in den Bewegungen des Pferdes wiederzugeben.
Cesare Fiaschi (geboren 1523 in Ferrara; gestorben nach dem Jahr 1570Alfonso MARESTI, Teatro geneologico et istorico dell’antiche & illustri famiglie di Ferrara, Ferrara, Nella stampa Camerale Vol. III, 1708, S. 155–156.) war ein italienischer Reitmeister und einer der Begründer der Reitkunst.
Biografie Cesare Fiaschi war Edelmann aus Ferrara, einer der berühmten Rittmeister aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts und Sohn von Girolamo Fiaschi und Eleonora Sacrati. Er stammt aus einer der bedeutendsten Familien Ferraras. Sein Vater war königlicher Knappe des französischen Königs Karl IX., während seine Mutter aus einer der angesehensten Familien Ferraras stammte. Man kann der Familie daher eine Nähe zum französischen Königshof und zur französischen Herzogin von Ferrara, Renée de France, attestieren.
Fiaschis Bruder Alfonso diente den Herzögen d‘Este und war Botschafter am französischen Hof. Er hatte die Position des Gouverneurs der Ländereien inne, die Herzog Ercole II. 1528 in Frankreich nach seiner Heirat mit seiner Frau Renée, der zweiten Tochter von Ludwig XII., erlangt hatte. Auch ein zweiter Bruder Alessandro spielte eine wichtige Rolle am Hof der Este und war Botschafter in Frankreich, Spanien, Rom und Deutschland. Zusammen mit seinem Zeitgenossen Federico Grisone war Cesare Fiaschi einer der Begründer der italienischen Reitkunst der Renaissance, die den Ursprung der europäischen Reitkunst dieser Zeit darstellte.
Das Pferd spielte in Ferrara eine wichtige Rolle trat bei allen öffentlichen Veranstaltungen in Erscheinung. In dieser Stadt wurde 1259 ein Wettrennen anlässlich einer Siegesfeier veranstaltet, das fortan jährlich wiederholt wurde. 1279 wurde in dieser Tradition der erste offizielle Palio veranstaltet, der dann 1287 von den Gilden in den Statuten der Stadt verankert wurde. Ferrara war auch für seine prächtigen Turniere berühmt, die hier abgehalten wurden.
Seine Reitakademie war die erste, in der die Bewegung des Pferdes, insbesondere der Takt der Gangarten, und der Rhythmus der Musik miteinander zu einem Tanz verbunden wurden. Der Ursprung des Reitens als Kunst um der Kunst willen.
Trattato dell'imbrigliare Sein auf Italienisch verfasstes Werk Trattato dell'imbrigliare, atteggiare, & ferrare cavalli (wrtl. Abhandlung über das Zäumen, Satteln und Beschlagen von Pferden) erlebte sehr viele Auflagen und war Gegenstand mehrerer französischer Übersetzungen unter dem Titel La manière de bien emboucher, manier et ferrer les chevaux. Die erste italienische Ausgabe von 1556 wurde in Bologna von Anselmo Giaccarelli herausgegeben und war dem französischen König Heinrich II. gewidmet. Die erste französische Ausgabe erschien 1564 und wurde von François de Prouane übersetzt.
Fiaschi Abhandlung erscheint im Vergleich zu Grisone Schrift moderner. Sie zeugt von mehr Gefühl für das Pferd und die Beschreibung der Lektionen zeugt vom Geist der sich entwickelnden akademischen Reitkunst. Fiaschi empfiehlt die Kopf-Hals-Haltung solle weder zu offen sein, noch zu eng. Um den Kopf zu heben, verwendet er den Caveçon und lehnt die Verwendung des festen Zaumzeugs ab. Er spricht von der lockeren Beweglichkeit des Kiefers, der Hankenbiegung und der Geraderichtung und immer wieder einerseits vom Nutzen für das Pferd und andererseits von der Schönheit und Anmut, die mit der gut ausgeführten Lektion einhergeht. In den Illustrationen symbolisiert das Tragen einer Feder anstelle eines Ständers die Leichtigkeit an den Hilfen und musikalische Notizen ermöglichen es, den Begriff der Kadenz in den Bewegungen des Pferdes wiederzugeben.
Dieses Werk ist auf künstlerischer Ebene aus verschiedenen Gründen interessant. Es hat eine sehr schöne Typografie, der Satz ist anspruchsvoll komponiert, es enthält zahlreiche kunstvoll im Holzschnitt gestaltete Initialen und mehrere ebenfalls als Holzschnitt gefertigte Illustrationen. Der Text besteht aus drei Büchern. Als Frontispiz eines jeden findet sich eine ganzseitige Holzschnitttafel, die eine Szene darstellt, die mit dem behandelten Thema in Zusammenhang steht. Die erste Abhandlung ist der Gebissherstellung gewidmet und wird von einer Tafel eingeleitet, die die Werkstatt eines Handwerkers zeigt, der ein von ihm hergestelltes Gebiss in das Maul eines Pferdes einpasst, das von einem Edelmann gehalten wird. Die zweite Tafel zeigt das Innere einer Reithalle und einen Reiter im Schritt, der den Ratschlägen des Reitlehrers folgt. Die dritte Tafel zeigt den Beschlag eines Pferdes im Inneren der Schmiede. Die Tafel mit der Reithalle und den kleinen Reitern, die die Grundrisse beleben, sind die einzigen bekannten Illustrationen von Menschen zu Pferd in irgendeinem italienischen Druckwerk des 16. Jahrhunderts. Jahrhunderts. Die späteren Übersetzungen werden diese drei Tafeln nicht abbilden. Das Werk umfasst vierzig Tafeln mit Gebissen, von denen die letzten vier Ansichten von zerlegten Gebissen zeigen.
Diese Stiche und die Abbildungen der Eisen, die das Werk abschließen, gehören zu den ersten, die in der Geschichte des gedruckten Buches bekannt sind. Zum ersten Mal wird in gedruckter Form ausführlich die Idee beschrieben, dass der Hufbeschlag nicht nur als Schutz verwendet werden, sondern zur Lösung verschiedener Probleme wie Gangfehler beitragen kann.Essai de Bibliographie Hippique, Général Mennessier de La Lance, Tome 1
Die venezianische Ausgabe von 1598 bei Vincenzo Somascho enthält einen Anhang zu Pferdekrankheiten, die in die Ausgabe von 1614 beim selben Verleger übernommen wurde, während die Ausgabe von 1628 in Padua bei Pietro Paolo Tozzi den Trattato di mescalzia, eine Abhandlung über den Hufbeschlag von Filippo Scacco, enthält. Diese Anhänge stammen also nicht von Fiaschi.
Obwohl Grisone Werk international nicht so erfolgreich war wie das Buch von Federico Grisone, wurde es viel rezipiert, insbesondere in seiner französischen Übersetzung, die mehrfach nachgedruckt wurde.
Themen des Trattato
Regeln einer neuen Schule des Reitens Cesare Fiaschis erklärtes Ziel war es, die Reitkunst zu kodifizieren, die Regeln für die korrekte Ausführung der verschiedenen Lektionen festzulegen und die zahlreichen bestehenden Praktiken zu ordnen. Diese Regeln sollten maßgeblich sein und den Reiter, der sie befolgte, vor Fehlerquellen schützen. Fiaschis Abhandlung ist ein Handbuch der verschiedenen Übungen, die mit einem bereits perfekt ausgebildeten Pferd durchgeführt werden können. Er beschreibt Übungen, von denen einige, wie die Passade, einen militärischen Zweck haben, und andere, deren bloße Absicht ästhetisch ist oder die es ermöglichen, seine Virtuosität zu zeigen, wie die Schulsprünge.
Er weist darauf hin, dass er bestimmte Themen nicht behandelt, die bereits von anderen Autoren geschrieben wurden, was ein Zeichen dafür ist, dass Reitabhandlungen zu dieser Zeit bereits ein weit verbreitetes literarisches Genre waren. Er bezieht sich nicht nur auf Grisone, seinen unmittelbaren Vorgänger, dessen Werk gedruckt wurde, sondern auch auf all die Autoren, deren Werke in handschriftlicher Form kursierten und die bis heute unbekannt geblieben sind. Er ist sich bewusst, dass die Regeln, die er aufstellt, Teil einer breiten Debatte sind, in der verschiedene Praktiken aufeinanderprallen.
Die Kunst des Zäumens Das erste der drei Bücher ist der Kunst des Zäumens des Pferdes gewidmet, d. h. der Wahl des Mundstücks, das dem Pferd am besten passt. Je nachdem, welche Wahl der Reiter trifft, kann er das Pferd „gewinnen oder verlieren“. Diese Wahl erfordert eine genaue Beurteilung der Morphologie des Pferdes, wobei zunächst der Rücken, die Gliedmaßen und die Füße untersucht werden müssen. Fiaschi warnte davor, die Zäumung ständig zu wechseln, um körperliche Mängel des Pferdes zu korrigieren, z. B. indem man die Schärfe des Gebisses erhöht, da dies das Gegenteil des gewünschten Effekts bewirkt, da die Quälerei das Tier erst widerspenstig macht und es dann lähmt. Die Zäumung sollte entsprechend der allgemeinen Morphologie des Pferdes und der Anatomie seines Mauls ausgewählt werden. Wie Grisone vor ihm erklärt Fiaschi, dass jede der in seiner Abhandlung vorgestellten Zäumungen einen besonderen Zweck erfüllt und entsprechend den Eigenschaften, der Haltung und den Abwehrkräften des jeweiligen Pferdes ausgewählt werden muss. Ebenso empfiehlt er, zunächst das mildeste Gebiss zu verwenden, das es gibt.
Sobald der Reiter ein Gebiss ausgewählt hat, sollte er dessen Wirkung beobachten, indem er eine dritte Person das Pferd reiten lässt. Er rät dem Leser, die Verwendung des Caveçon nicht zu früh aufzugeben, da es die Grundlagen der Dressur vermittelt und gleichzeitig das Pferdemaul schont. Er empfiehlt, ihn so lange beizubehalten, bis das Pferd eine korrekte Kopf- und Halsstellung erlangt hat. Damals wurden drei Arten von Caveçons verwendet: aus Seil, aus Leder und aus Eisen. Laut Fiaschi sollte der aus Seil, der am sanftesten ist, zuerst verwendet werden. Die aus Leder und Stahl, die strenger sind, sollten in fortgeschritteneren Trainingsphasen verwendet werden, je nach Bedarf. Im Gegensatz zu Grisone, der sie nach der ersten Phase der Dressur einsetzt, ist Fiaschi gegen die Verwendung von „falschen Zügeln“, da er der Meinung ist, dass sie das Maul des Pferdes verhärten und es unempfindlich machen.
Die höheren Schulen Das zweite Buch ist den verschiedenen Schulen, Lektionen (Maneggi) und Schulsprüngen gewidmet. Die Schulen bestehen aus verschiedenen Variationen der Passageübung und zeichnen sich durch eine Volte aus, die am Ende einer geraden Linie, dem sogenannten Repolone, ausgeführt wird. Dazu gehört auch die von Fiaschi als „Volte auf den Hanken“ bezeichnete Volte, bei der das Pferd eine Renverspirouette um die Vorderbeinen vollführt. Diese Schule wird als besonders nützlich für die „tilts“ angesehen, die mit Holzbarrieren zwischen den Teilnehmern ausgetragen wurden, da sie es dem Ritter ermöglicht, den Gegner von hinten zu überholen, während er sein Pferd noch wendet. Wie die Schulsprünge gehen diese Lektionen aus dem versammelten Galopp hervor, der dem heutigen Terre à Terre entspricht, d. h. einem sehr versammelten Galopp mit zwei Takten, in dem das Pferd seine Kräfte für den Sprung sammelt und der daher auch in Vorbereitung auf die Kapriole verwendet wird. Der Beschreibung jeder Figur fügt Fiaschi die entsprechende Musikpartitur bei.