mini|Bad Schinznach Rundbau, 1824/27 von Hans Konrad Stadler erbaut. Bad Schinznach ist eine Hotel- und Kuranlage in Schinznach Bad, seit 2020 ein Stadtteil von Brugg. 1651 wurde die schwefelstoffhaltige Quelle erstmals entdeckt und ab 1654 genutzt. 1670 verschüttete ein Hochwasser die Quelle, die erst 1690 wiederentdeckt wurde. 1696 erteilte der Kleine Rat von Bern die Konzession zur Nutzung, und rasch entwickelte sich das Bad zu einem der bekanntesten Bäder der Alten Eidgenossenschaft. Im 18. Jahrhundert war Bad Schinznach Modebad von europäischer Bedeutung und Gründungsort der Helvetischen Gesellschaft. Nach dem Bau des klassizistischen Rundbaus 1824/1827 mit einzelnen Badekabinen und Hotelzimmern besuchten vorwiegend französische und britische Gäste die luxuriösen Einrichtungen und brachten Tennis und Golf in den Kanton Aargau. Daneben war Bad Schinznach immer auch ein Ort der Heilung für kranke Menschen. Das veränderte Freizeitverhalten im 20. Jahrhundert führte zu einem schrittweisen Niedergang, der dank Investoren Ende der 1980er-Jahre gestoppt und rückgängig gemacht werden konnte. Heute gibt es in Bad Schinznach verschiedene Wellnessanlagen («Aquarena Fun», «Thermi Spa»), Kliniken (Privat-Klinik «Im Park», «aarReha»), ein Hotel (Kurhotel «Im Park») sowie Freizeiteinrichtungen (Pitch & Putt, Tennis- und Golfplatz).Titus Meier, Bad Schinznach AG, 2022, S. 56 ff. Jürg Stüssi-Lauterburg, Bad Schinznach Geschichten, 2022.

Lage Bad Schinznach befindet sich im Brugger Stadtteil Schinznach-Bad im Kanton Aargau. Es liegt an der Grenze zum Jura im Aaretal, genauer gesagt direkt an der Aare. Wenige hundert Meter nach dem Bad verläuft die Autobahn A3 Richtung Basel. Umgeben ist die Region von dem Linnerberg, dem Bözberg und dem Wülpelsberg mit dem Schloss Habsburg.

Geologie

mini|Die tektonische Struktur im Raum Schinznach Aus der Thermalquelle Bad Schinznach tritt warmes, schwefelstoffhaltiges Wasser aus, welches aus den Tiefen der Gesteinsschichten im Grenzbereich zwischen dem Faltenjura und der nördlich angrenzenden Vorfaltenzone kommt. Es wird vom artesischen Druck im Tal zwischen dem Linnerberg im Westen und dem Wülpelsberg im Osten an die Oberfläche gedrückt. Die Thermalquelle gehört zu den Heilwässern im Kanton Aargau. Kanton und Gemeinden sind gemäss Kantonsverfassung verpflichtet, Heilquellen und Heilbäder sowie deren Ruhe- und Erholungslandschaft zu schützen. 2018 genehmigte der Grossrat den kantonalen Nutzungsplan zum Schutz der Thermalquelle Bad Schinznach.

Geschichte 17. Jahrhundert mini|Samuel Jenner, im Hintergrund die Jennerhäuser in Schinznach, Bildnis von Johannes Dünz (1704) Nachdem die Aare 1651 nach einer Überschwemmung ihren Lauf geändert hatte, fand man in der Nähe des Hofes «Gottines-Husum» eine heisse, nach Schwefel riechende Quelle. Der bernische Kleine Rat liess sie 1654 untersuchen und kam zum Schluss, dass die Lage der Quelle neben der Aare nicht ideal sei, da es zu Überschwemmungen kommen konnte. Man fand auch heraus, dass die Quelle heilende Kräfte besass. Trotzdem durfte die Stadt Brugg 1657 eigene Nachforschungen anstellen und dann die Quelle fassen. Samuel Nöthiger, ehemaliger Berner Landvogt im Schenkenbergertal, interessierte sich ebenfalls für die Nutzung der Quelle. Es gelang ihm 1660, die Brugger bei der Vergabe der Badekonzession auszustechen. Die Anlage dürfte damals bereits aus zwei Gebäuden, einer Scheune und zwei Badehäusern bestanden haben.Kehrli 2012, S. 116.

Die Heilquelle gewann schnell an Beliebtheit, die Badeanlage wurde jedoch 1670 durch ein erneutes Hochwasser weggespült. Nach langem Suchen fand der Zürcher Lienhard Bindschedler 1690 die Quelle wieder. Eine nichtständige Kommission des Berner Rats konstatierte 1692 vor Ort die Wiederentdeckung der Quelle. Der Hofmeister von Königsfelden und die Landvögte von Lenzburg und Schenkenberg erhielten den Auftrag, die Insel, auf der die Quelle gefunden worden war, mit dem Festland zu verbinden. Noch im gleichen Sommer dürften die ersten Gäste in einfachen Holzzubern gebadet haben. 1693 beauftragte der Berner Rat einen Badmann, das sogenannte «Schachenhaus» zu führen. Bern hatte aber kein Interesse, das unternehmerische Risiko selber zu tragen. 1695 bewarb sich der bernische Stadtwerkmeister Samuel Jenner beim Rat erfolgreich um die Nutzungsrechte der Quelle. Sogleich fing er den Bau eines ersten Gasthauses an.

18. Jahrhundert alt=Bad Schinznach|mini|Bains de Schinznach (1780) 1700 schickte Bern erstmals seine Kranken nicht mehr nach Baden, sondern nach Schinznach. 1703 liess Samuel Jenner ein zweites Gasthaus bauen, das es durch eine Mauer mit dem ersten Gebäude verband. Östlich davon wurde 1706 eine Scheune gebaut, die «Massena-Scheune». Jenner wusste, dass er Werbung für sein Bad machen musste und lud deshalb Ärzte ein in das Bad zu kommen und Artikel über die Quelle und deren Heilkräfte zu veröffentlichen. Das Bad war in ganz Europa bekannt, da körperliche Schmerzen im Wasser gelindert wurden. Es galt als Modebad; aus ganz Europa kamen Gäste nach Schinznach. Die Popularität zeigte sich etwa darin, dass Schinznach in einem zeitgenössischen Robinson-Roman (aus den Niederlanden mit dem Titel Baron von Schinznach erschien).

1728 übernahm Abraham Morell von seinem Schwiegervater den Betrieb. Er baute für die reicheren Gäste in dem verbindenden Mauergang einen Gesellschaftssaal. Für die Armen liess er 1738 ein Armenbad erbauen, womit der die Bestimmung der Konzession von 1696 erfüllte. Auf Anregung des Baslers Isaak Iselin trafen sich aufklärerische Kräfte einmal im Jahr von 1761 bis 1779 im Bad Schinznach. Dabei gründeten sie die Helvetische Gesellschaft. Bad Schinznach gilt deshalb auch als das «Rütli der modernen Schweiz». Anstelle des Armenbades wurde 1787 das «Bernerhaus» gebaut, um Patienten des Berner Inselspitals dort unterzubringen. Von etwa 1798 bis 1800 war der Stab des französischen Generals André Masséna im Badegasthaus einquartiert, was den Kurbetrieb zum Erliegen brachte. Schliesslich reiste der General ab, ohne seine Rechnung zu begleichen.

19. Jahrhundert alt=Malerei Bad Schinznach|mini|Bad Schinznach (1850) alt=Zeichnung von Bad Schinznach|mini|Bad Schinznach (um 1900) Nach den Wirren der napoleonischen Kriege erlebte das Bad mit den Besitzern Gottlieb Rohr (1769–1844) und dessen Schwager Johann Rauschenbach (1770–1840) einen neuen Aufschwung. 1809 wurde die Verbindungsgalerie zwischen den beiden Hauptgebäuden aufgelöst und durch eine Kolonnade mit darüberliegendem grossen Speisesaal ersetzt. Der Rundbau, der im unteren Stockwerk Badekabinen und im oberen Stock Hotelzimmer enthielt, wurde von 1824 bis 1827 nach den Plänen von Hans Konrad Stadler errichtet. Ausserdem wurde der Fischteich zugeschüttet. Das Bad Schinznach war modern für seine Zeit, denn es hatte warmes Wasser (Erwärmung durch Kupferkessel) und eine Zentralheizung mit warmer Luft in den Gästezimmern.

Um 1828/1829 wurde die Quellfassung neu gebaut. Das Schwefelwasser galt weitherum als heilend. Es wurde nicht nur zum Baden genutzt. Vielmehr tranken die Gäste das Wasser oder atmeten den Dampf des erhitzten Wassers ein. Bis zur Fassung der Quelle S2 (1979) musste das Quellwasser noch erhitzt werden, bevor es zum Baden benutzt wurde.

Ein Hochwasser der Aare überschwemmte das alte Badhaus, das Armenbadhaus, die Gipsmühle und die Wohnung des Fährmanns und machte weitere Erneuerungen notwendig. Für die Kranken aus Bern und aus dem jungen Kanton Aargau war das Armenbad da, um das sich eine Badarmenkommission kümmerte. Die Finanzierung erfolgte einerseits durch die Badbesitzer, andrerseits durch Spenden reicher Gäste.

1840 liessen die Besitzer Albert Hünerwadel und Friedrich Grether-Rauschenbach ein «Conversations»- oder Billardhaus bauen. Im Erdgeschoss gab es unter anderem zwei Speisesäle und einen Saal für die Kinder, im Obergeschoss Gästezimmer.

Ein Fortschritt in der Mobilität war 1858 der Bau einer Eisenbahnlinie von Brugg nach Bern mit dem Bahnhof Schinznach Bad. Nun mussten die Gäste nicht mehr lange und unbequem mit der Kutsche anreisen, sondern konnten einfach und schnell per Zug anreisen. Dies war möglich, weil es einen Schnellzughalt in Bad Schinznach gab. Das erleichterte besonders für internationale Gäste die Anreise. Eine neue Blütezeit wurde eingeläutet: 1865 wurden ganze 40’000 Bäder ausgegeben – eine Zahl, die erst wieder Mitte des 20. Jahrhunderts erreicht werden sollte. Das Geschäft lief gut, weshalb weitere Um- und Neubauten möglich waren.

mini|Ansichtskarte Bad Schinznach, 1901 gelaufen nach Madagaskar Der Deutsch-Französische Krieg brachte 1870/71 einen grossen Einbruch der Gästezahlen. Stattdessen wurden internierte französische Soldaten gepflegt. Um nach ihrer Rückkehr weiterhin attraktiv zu sein, waren grosse Investitionen nötig. 1872 wurde deshalb eine erste Aktiengesellschaft gegründet und die Erneuerung vorangetrieben. Das Billardhaus wurde erhöht und östlich davon der Pavillon du Chemin de Fer angebaut. Man ersetzte das Wasserrad durch eine Turbine, baute ein Süsswasserbad auf der Ostseite und eine Waschanstalt auf der Nordseite. Ausserdem baute man drei grosse Reservoirs um das Badewasser zu erwärmen. Die Kurgäste waren nach wie vor begeistert von Bad Schinznach und spendeten 1881 für den Bau einer Kapelle. 1882 wurde die Quelle erneut neugefasst. 1895 baute man neue Inhalationsräume (Atmiatrie) inklusive einer Trinkhalle, westlich des Rundbaus. Um 1900 wurde ein erster Tennisplatz beim Südgarten errichtet. Das Bad Schinznach war nach wie vor ein angesehener Kur- und Badeort für reiche Gäste aus ganz Europa. Unter anderem gefiel den Gästen auch die idyllische Lage auf dem Land. Oft unternahmen die Gäste auch Ausflüge in die umliegenden Gemeinden, zum Beispiel Brugg, oder besuchten das nahegelegene Schloss Habsburg oder die Klosterkirche Königsfelden.

20. Jahrhundert In der Zeit zwischen 1884 und 1914 kamen viele internationale Gäste, meist aus England, zum Bad. Um diesen attraktiver zu erscheinen, baute man viele unterschiedliche neue Attraktionen wie z. B. einen Tennisplatz, sowie neue Dampfkammern und viele neue Bäder. Die Strategie funktionierte und viele unterschiedliche ausländische Gäste tauchten neu auf. mini|Die Kur- und Hotelanlage Bad Schinznach auf einer Luftaufnahme von Walter Mittelholzer 1928 Vor dem Ersten Weltkrieg, im spätem 19. Jahrhundert, kamen grosse Scharen von illustren und reichen Gäste aus ganz Europa zu der Anlage (vornehmlich aus Frankreich sowie England). Meistens kamen sie zu einem mehrwöchigen, in manchen Fällen mehrmonatigen Aufenthalt. Während des Ersten Weltkriegs verlor die Anlage ab 1914 viele ihrer Gäste. Stattdessen zogen Internierte ein. Schon vor dem Ende des Ersten Weltkrieges begannen die Eigentümer der «Firma Amsler & Co Schinznach Bad» darüber nachzudenken, wie sich das Bad entwickeln solle. 1918 wurden von den Zürcher Architekten Pestalozzi und Schucan Pläne für einen Neubau im Heimatstil gemacht, aus finanziellen Gründen allerdings nie realisiert.

In der Zeit von 1928/1929 erbaute die Bad Schinznach AG die Pension «Habsburg». Damals veränderte sich auch das Verhalten der Gäste deutlich. Sie wollten lieber im Freien baden. Um den neuen Erwartungen zu entsprechen, wurden neue Golf- und Tennisplätze angelegt. Diese lockten viele Besucher aus dem ganzen Kanton an und machten Bad Schinznach zu einem beliebten Ausflugsziel für gehobene Schichten. 1934 wurde die «Atmiatrie» für die Inhalationstherapien westlich des Rundbaus abgebrochen. Im Jahr darauf wurde der Park nach den Plänen des bekannten Zürcher Landschaftsarchitekten Otto Mertens umgestaltet. 1956 wurde das neue Habsburgbad- oder Passantenbad eingeweiht. Gleichzeitig wurde die bisherige «Pension Habsburg» in «Kurhotel Habsburg» umbenannt.

alt=Schinznach Bad Hauptgebäude mit Tischen und Stühlen|mini|Ostflügel in den 1960er-Jahren