mini|Charlotte Schaedrich (März 1919) Johanne Charlotte Schaedrich,Heiratsregister-Nr. 348/1938 des Standesamts Berlin-Tempelhof (als Johanne Charlotte Schädrich) auch Schädrich, (* 19. Dezember 1896 in Teuchern; † nach 1970 in Chemnitz) war eine deutsche Schauspielerin, Konzert- und Operettensängerin in der Stimmlage Sopran.

Leben Charlotte Schaedrich wurde als Tochter von Friedrich Schädrich und seiner Frau Marie, geborene Pörschmann geboren. Wo sie ihre gesangliche Ausbildung erhielt, ist nicht bekannt. In den Inskriptionslisten des Cöniglichen Konservatorium Leipzig und der Weimarer Musikschule ist sie nicht nachgewiesen. Es ist auch denkbar, dass sie Gesangsunterricht in einer der vielen privaten Gesangsschulen Leipzigs erhielt.

Schaedrich begann als ausgebildete Konzertsängerin ihre sängerische Laufbahn unter dem Namen „Lotte Schädrich“ bei Unterhaltungskonzerten.Unterhaltungskonzert unter Mitwirkung der Konzertsängerin Fräulein Lotte Schädrich. In: Leipziger Tageblatt vom 19. Februar 1914, Seite 16. Nach Auftritten mit dem Leipziger Vokal-Quartett folgte ab 1919 eine über viele Jahrzehnte erfolgreiche Bühnenlaufbahn an großen deutschen Theater- und Operettenbühnen.

Am 28. September 1927 trat sie ab Bremen eine Schiffsreise mit der Bremen nach New York an. Ein längerer Aufenthalt in den USA ist nicht nachweisbar.

Am 6. August 1938 heiratete sie in Berlin-Tempelhof den Schauspieler Fritz Karl Dahlke (1895–1962). Am 13. März 1962 starb Fritz Karl Dahlke in Karl-Marx-Stadt.

Bühnenlaufbahn Am 3. Mai 1916 wurde der Verein Leipziger Vokal-Quartett e. V. mit der Sopranistin Charlotte Schaedrich, der Altistin Ida Elisabeth Grundmann (1888–1943), dem Tenor Karl Sonne (1881–1964) und dem Bassbariton Richard Arno Wilhelm Gelbe (1897–1966) eingetragen.Sächsisches Staatsarchiv Leipzig; Polizeipräsidium Leipzig PP-V 664 und PP-V 3086, Akten des Polizeiamtes der Stadt Leipzig betreffend den Verein „Leipziger Vokal-Quartett“ Die Altistin und der Bassist waren Gründungsmitglieder des schon seit 1909 konzertierenden Gesangsquartetts. Das Leipziger Vokal-Quartett bot Charlotte Schaedrich auf Grund seiner künstlerischen Qualität eine solide Grundlage für ihre künstlerische Laufbahn. Sie konnte sich mit dem Quartett ein wertvolles Repertoire erarbeiten.

Die ersten nachgewiesenen Auftritte hat sie mit dem Leipziger Vokal-Quartett in einem Konzert am 9. Dezember 1917 in der Alberthalle des Leipziger Krystall-Palastes und am selben Abend in einem Liederabend des Quartetts im Leipziger Auguste-Schmidt-Haus. Mitwirkende in diesem sonntäglichen Nachmittagskonzert war die Künstlervereinigung für volkstümliche Kammermusik unter der Leitung von Gewandhaus-Konzertmeister Heinrich Schachtebeck (1886–1965).Programm Sammlung Sonne, Markkleeberg Das Vokalquartett brachte drei Lieder für Quartettgesang des Österreichers Robert Fuchs (1847–1927) und vier der Zigeunerlieder von Johannes Brahms zu Gehör. Im Abendkonzert bot das Leipziger Vokal-Quartett vier Madrigale, zwei Quartette von Felix Mendelssohn Bartholdy, zwei Quartette von Robert Schumann und vier Zigeunerlieder von Brahms mit Klavierbegleitung dar. Vier Quartette von zeitgenössischen Komponisten rundeten den Abend ab.

Es lassen sich weitere fünf Konzerte des Leipziger Vokal-Quartetts mit Charlotte Schaedrich nachweisen. 23 Volksliederabende gab das Quartett Juni/Juli 1918 in Wilna für Soldaten der Litauischen Militärverwaltung. Die Auftritte fanden in den Wilnaer Arbeitsstuben, der Wilnaer Deutschen Kirche und dem Offizierskasino statt. Ein Sonderkonzert gab das Quartett am 2. Juli 1918 im Stadt-Theater Grodno (heute Belarus).

Im Konzert des Leipziger Vokal-Quartetts am 26. August 1918 im Wilnaer Offiziers-Kasino der Militärverwaltung Litauen wurde auch das „Wiegenlied“ (Колыбельная), Text von Aleksander Lermontow (1814–1841), Melodie Alexander Gretschaninow aus einem Zyklus von 5 RomanzenA. Gretschaninow, Piano, Op.1, Nr. 5, Edition M. P. Belaijeff, Leipzig 1912, Verlag c. G. Röder, S. 16, 17 vorgetragen. In der Regel wurde immer nur die erste Strophe des Liedes in einer deutschen Nachdichtung von J. Lagin gesungen.Kammersänger Walther Ludwig, Wiegenlied, Schellackplatte, Grammophon (LC 0040) (L) [Seite 1 von 2], Matrizennr. 9185GR9, Spiegel: 62824A An diesem Abend wurde die zweite Strophe, eine Nachdichtung Charlotte Schaedrichs, erstaufgeführt.

Im März 1919 verabschiedete sich Charlotte Schaedrich vom Leipziger Vokal-Quartett.Foto S. Genthe Leipzig, Sammlung Sonne, Markkleeberg mini|Charlotte Schaedrich als Bastienne Leipzig 1920

Mit der Spielzeit 1920/21 begann ihre Karriere als Sängerin am Neuen Operettentheater Leipzig.Schaedrich, Johanna Lotte, in: Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (Hrsg.): Deutsches Bühnenjahrbuch. Berlin. 32. Jahrgang 1921. Seite 498 (Leipzig I) und Seite 872 (Register)Schaedrich, Charlotte, in: Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (Hrsg.): Deutsches Bühnenjahrbuch. Berlin. 33. Jahrgang 1922. Seite 517 (Leipzig I) und Seite 854 (Register) Von 1924 bis 1927 war sie als Soubrette am Residenz-Theater Dresden engagiert. Mit Beginn der Spielzeit 1928/29 hatte sie Auftritte in Leipzig und wechselte dann nach Dresden an das Residenz-Theater und Centraltheater.Andreas Schwarze, Privat-Theaterarchiv Dresden Im Januar 1930 sang sie am Centraltheater in der Dresdner Erstaufführung der Lehár-Operette Das Land des Lächelns die Prinzessin Mi.Andreas Schwarze • Wingolf R. Lachmann: Mythos Central-Theater: Eine Dresdner Kulturgeschichte, 2021. Seite 268. ISBN 978-3-7543-4015-8 Ende des Jahres 1934 hatte sie ein Engagement in Berlin. Während der Sommerspielzeit 1935 trat sie im Städtischen Naturtheater Berlin-Friedrichshagen und parallel dazu im Theater am Schiffbauerdamm als Partnerin von Fritz Tellheim in der Operette Der Vogelhändler auf.

Von 1938 bis 1943 hatte sie kein festes Engagement, sang aber am Central-Theater Chemnitz eine Reihe von Gastrollen. 1942/43 war sie wieder in Chemnitz als gastierende Künstlerin Charlotte Schaedrich-Dahlke zu finden.Bühnenjahrbuch 1942, Liste gastierende Künstler, S. 145 1945 wurde das Central-Theater in Chemnitz bei einem Bombenangriff zerstört.

Von 1945 bis 1950 war sie am Central-Theater Limbach engagiert.Bühnenjahrbuch 1948, S. 287/88 Ab der Spielzeit 1952 war Charlotte Schaedrich bis zum Ende ihrer künstlerischen Laufbahn bei den Chemnitzer Städtischen Theatern engagiert.Statistik Theater Chemnitz Charlotte Schaedrich trat nach dem Zweiten Weltkrieg auch in einigen Sprechrollen im Chemnitzer Schauspielhaus auf. Während ihrer künstlerischen Laufbahn war sie allein in Chemnitz in mehr als 40 Premieren besetzt. Den letzten Auftritt in einer Premiere hatte sie am 21. April 1970 im Schauspiel Auferstehung, einem Stück nach dem Roman von Leo Tolstoi.

Repertoire (Auswahl) mini|Charlotte Schaedrich als Marie in Zar und Zimmermann Sie trat als Bühnenkünstlerin in mehr als 85 Rollen,Sammlung Sonne, Markkleeberg oft als lebenslustige Soubrette, aber auch als Opernsängerin und im Schauspiel auf.Deutsches Bühnen-Jahrbuch 1921, Nr. 30004, S. 870

1920/21: Neues Operettentheater Leipzig (Zentraltheater): Theresa in Die Frau im Hermelin, Lorle in Schwarzwaldmädel, Sohn des Agamemnon in Die schöne Helena, Hederl in Das Dreimäderlhaus, Bastienne in Bastien und Bastienne, Marie in Zar und Zimmermann 1924–1926: Residenz-Theater Dresden: Valencienne in Die lustige Witwe, Miss Gabel Gibson in Die Zirkusprinzessin 1928/29: Neues Operettentheater Leipzig (Zentraltheater): Wiener Blut, Die große Unbekannte, Die Herzogin von Chicago 1929/30: Residenz-Theater Dresden: Die Rose von Stambul 1929/30: Rotterbühne Berlin: Das Land des Lächelns (Gastspiel?) 1929/30: Centraltheater Dresden: Liebe und Trompetenblasen, Bella Giretti in Paganini, Miotte in Die drei Musketiere, Mascha in Der Zarewitsch, König Kuckuck, Mi in Das Land des Lächelns, O Lia San in Viktoria und ihr Husar 1933/34: Central-Theater Chemnitz: Meier macht alles 1938: Central-Theater/Operettenhaus Chemnitz: Gastauftritt in Der Juxbaron 1940–1943: Central-Theater/Operettenhaus Chemnitz, als Gast: in Liselott (1940), Drei alte Schachteln (1942) und Herzen am Ziel (1943) 1945–1950: Centraltheater Limbach/Sachsen, Auftritte in den Gesellschaftsräumen des ehemaligen „Hotel Hirsch“. 1950: Hohenstein-Ernstthaler Gesellschaftshaus: Bunte Veranstaltung „Rennfieber“. 1951: Gastspiel Kreistheater Chemnitz-Rochlitz: Gasparone 1951/52: Operettentheater Dresden: Kartentante in Im weißen Rößl, Madame Quimper-Karadec in Pariser Leben, Petronella in Boccaccio, Der Graf von Luxemburg, Einen Jux will er sich machen (Schauspiel Chemnitz), Treffpunkt Herz, Der Zigeunerbaron, Bolero, Die schöne Helena, Paganini, Anhilte in Die Csárdásfürstin 1956: Auftritt in der „Bütt“ zum Chemnitzer Stadtfasching mit Rosi Schönfeld.Chemnitzer Amtsblatt 2006, 8. Ausgabe Nr.8, S. 4 1952–1970: Theater Karl Marx-Stadt/Chemnitz Operette und Musical: Der Graf von Luxemburg, Gräfin CoselGräfin Cosel. Besetzungsliste. Musicallexikon der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg (Uraufführung, Spielzeit 1955/56, als Gräfin Reuß), Polenblut, Der Vetter aus Dingsda ; Sterne, Geld und VagabundenÜbersicht zu Geigers Inszenierungen (1946 bis 1969), in: Romy Petrick: "War ich gut?": Der Dresdner Nachkriegsregisseur Erich Geiger. Tectum Verlag Marburg, 2016, Seite 209. ISBN 978-3-8288-6482-5. (Spielzeit 1957/58), Ein Florentiner Hut (Uraufführung, Spielzeit 1959/60), Der Kuss der Juanita, Die lustige Witwe mit Fritz Wellhoff und Hans Hoff, Der Aushilfsgatte, Freier Wind; Eva, bist Du noch zu retten?Eva, bist du noch zu retten? (Ruma Elsa). Besetzungsliste. Musicallexikon der Albert-Ludwigs-Universität FreiburgDieses Musical übertrug das Fernsehen der DDR, Zeitschrift „Funk und Fernsehen der DDR“, Nr. 6/1962, Seite 16 (Deutschsprachige Erstaufführung: Oktober 1961); Himmel, so ein Theater (Operettenrevue), Die Abenteuer der Perichole (Premiere, Spielzeit 1963/64), Rendezvous am Wolfgangsee, Mamselle Nitouche, Orpheus in der Unterwelt, Das Feuerwerk, Frau Luna (als Frau Pusebach) Schauspiel: Brokat aus Frankreich (von Paul Herbert Freyer, Uraufführung Spielzeit 1957/58), Der Talisman, Man klatscht über Margit (Musikalisches Lustspiel), Der kaukasische Kreidekreis, Die Scheidung, Auferstehung, Das andere Ich.

Fernsehauftritte 1936 Am 1. August 1936 begann in Deutschland das Zeitalter des elektronischen Fernsehens.

Schon Ende 1936 wirkte Charlotte Schaedrich in zwei frühen deutschen Fernsehsendungen mit. Im Rahmen des aus dem „Fernsehlabor“ im Berliner „Studio Rognitzstraße“ täglich gesendeten einstündigen Programms trug sie live am 18. Oktober 1936 das Pfeiferlied aus der Operette Frühlingsluft von Josef Strauß und das Lied der Geisha aus der gleichnamigen Operette von Sidney Jones vor. Sie saß dabei in einer engen Kabine, ähnlich heutiger Passfotokabinen. Sie musste im Sitzen singen und durfte keine großen Gesten machen, da sie sonst nicht von dem schmalen Fernseh-Abtast-Leuchtstrahl erfasst worden wäre. Außerhalb der Kabine begleitete sie ein Pianist.Deutsches Fernsehmuseum. Beiträge von Günter Bartosch (1928–2013). Kapitel: „Das "Fernsehlabor" in der Rognitzstraße“ und „Januar 1937 - die Show brauchte Raum“. Abgerufen am 27. Dezember 2022

Am 28. November 1936 war sie in „Buntes Bild zum Wochenende“, einer der ersten Fernsehshows, gemeinsam mit der Schauspielerin Else Elster und dem Geiger Gerhard Misch (Mitglied des Rundfunkorchesters Berlin) zu sehen und zu hören.

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