Mayer & Cie., Stammsitz ursprünglich in Zürich, heute Zug, gehörte mit seinem Pelzfellhandel über Jahrzehnte zu den bedeutendsten Rauchwarenhandelsfirmen Mitteleuropas. Das Fellangebot ist, im Gegensatz zu den meisten Anbietern, breit gefächert. Gründer des Unternehmens war der deutsch-schweizerische jüdische Kaufmann Bernhard Mayer (geb. 22. Juli 1886 in Laufersweiler; gest. 18. Juli 1946).Werner Merzbacher to be honoured in New York. In: Winckelmann International Fur Bulletin 2394 Sales Report 525, 10. Juni 1996, S. 2 (englisch). Bernhard Mayer und Werner Merzbacher erlangten auch durch ihre bedeutenden Kunstsammlungen internationale Bekanntheit.

Geschichte Bernhard Mayer begründete sein Pelzunternehmen 1896 in Belgien zusammen mit dem völlig mittellosen Kürschnergesellen Charles Mueller, zuerst Mueller & Co., dann Mayer & Co. genannt. Mueller war neun Jahre lang Werkstattleiter, bis man einen anderen Werkführer einstellte. Die Finanzierung des branchenbedingt größere Summen erforderlichen Unternehmens übernahm Bernhard Mayers Onkel Lazarus. Belgien war damals ein wichtiger Absatzmarkt der sich neu entwickelnden Pelzindustrie, in Brüssel gab es bis dahin nur eine Firma, die Pelzkonfektion herstellte. Das neue Unternehmen hatte, trotz der anfangs mangelnden Warenkenntnis von Mayer, einen guten Start und konnte bald vergrößert werden, und zwar vor allem mit jungen Männern aus seiner Verwandtschaft. Als erster trat sein Freund Katz in die Firma ein, der im Gegensatz zu Mayer, über beträchtliche Geldmittel verfügte. Anfangs fuhr Bernhard Müller von Brüssel aus selbst noch täglich als Geschäftsreisender in die Provinz, wie üblich mit Zylinder.

Nach einigen Jahren wurde die erste Filiale in Paris eröffnet, die Leitung übernahm der langjährige Mitarbeiter Pionkowski, der es, trotz dort großer Konkurrenz, zu einem der führenden Unternehmen der Hauptstadt ausbaute. Es folgten Berlin, Zürich und zuletzt Amsterdam. Die Geschäfte in Berlin und Amsterdam übernahmen je einer der Brüder von Bernhard Mayer, in Zürich sein Vetter Charles. Die „besonders entgegenkommende“ Finanzierung übernahm die Brüsseler Bank Credit Liègeois, deren Direktor ebenfalls mosaischen Glaubens war.

mini|Arthur Segal: „Mayer & Co, Pelze“ (Gemälde, 1919, Kunsthaus Zürich) Die große Expansion der Firma brachte es mit sich, dass man begann, in den Ursprungsländern zu kaufen. Bernhard Mayer besuchte regelmäßig die Pelzauktionen in London. In einigen Fellarten, zum Beispiel dem damaligen Modeartikel Tibetlamm, wurde Mayer & Cie. der weltgrößte Einkäufer. Über Agenten wurde direkt in China gekauft und man konnte so billiger als die Konkurrenten anbieten. Jedes Jahr besuchte er später, zusammen mit seinem Berliner Bruder Leo Mayer, die Pelzmesse in Nischni Nowgorod. In Brüssel hatte man mit Arbeitern aus dem Pelzhandelszentrum Leipziger Brühl eine eigene Pelzzurichterei und Pelzfärberei errichtet. Das ermöglichte es dem Unternehmen, wesentlich schneller zu liefern als die Mitbewerber, ein erheblicher Vorteil in einer Branche mit nur kurzer Produktionszeit, zwischen Warenanfall im Winter und Saisonbeginn im Herbst. Den großen Umsatzeinbruch brachte das Jahr 1914 mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs; nur was für militärische Zwecke verwendbar war, konnte verkauft werden. Da Mayer vorausgesehen hatte, dass Deutschland den Krieg verlieren würde, hatte er alle deutschen Geldbestände beizeiten in Schweizer Franken umgetauscht. Nach dem Friedensschluss im Jahr 1918 fielen die Fellpreise sehr plötzlich, was auch das Warenlager von Mayer & Cie. betraf. Etwa zwei Drittel der Unternehmen der Branche mussten aufgeben.

Bernhard Mayer reiste mit seiner Frau zur ersten Rauchwarenauktion der sowjetischen Pelzhandelsfirma Sojuzpushnina in Leningrad, dem heutigen St. Petersburg. Er war von der Promptheit der Abwicklung der Auktionen so beeindruckt, die weit die in London und Amerika übertraf, dass er darüber einen Artikel für die von Otto Pohl redigierte Moskauer Rundschau verfasste. In Leningrad lernten sie den „Commissar der Pelzindustrie Stachewsky“ kennen, den man, laut Recherche von Mayer, später mit der Geiselnahme seiner Frau und Tochter zur Rückkehr aus Spanien nach Russland zwang, wonach alle drei erschossen wurden [wohl Arthur Staschewski, Handelsattaché, gebürtiger Pole, wirtschaftlicher Hauptberater Russlands gegenüber Spanien].In: Zeitgeschichte, Bände 1–2, 1973, Geyer-Edition, S. 166. Zuletzt abgerufen am 15. Dezember 2022.

In seinen Memoiren schwingt immer wieder ein gewisser Stolz auf seine Chuzpe in geschäftlichen Dingen mit. So berichtete er von einem Silberfuchsfell, das er in London scheinbar günstig für 31 Pfund ersteigerte, das sich aber als im Leder „verbrannt“, das heißt in der Faser verschmolzen, herausstellte. Er schickte es später wieder nach London und „taxierte, dass es bestimmt doch noch einen solchen Esel geben würde wie mich“. Das Fell erzielte 55 Pfund, „es war also ein besonders gutes Geschäft“.

Mayer & Cie. avancierte im Wirtschaftsaufschwung der Nachkriegsjahre mit seiner ungewöhnlichen Zunahme des Pelzabsatzes zu einem der führenden Adressen im internationalen Pelzgeschäft, wesentlich durch den Einsatz von Werner Merzbacher.Gerhard Mack: Im Feuerwerk der Farben. In: Neue Zürcher Zeitung, 25. August 2002 1989 wurde er Alleininhaber der Gesellschaft.

Der Pelzgroßhandel hatte sich jetzt vom Leipziger Brühl zu einem neuen, gleich bedeutenden Schwerpunkt um die Niddastraße in Frankfurt am Main verlagert. Mayer & Cie. verlegte spät sein Hauptlager ebenfalls dorthin; nicht vor 1980, spätestens aber 1981 ist die Firma auf der Niddastraße 58 im Fachverzeichnis der Branche eingetragen.Winckelmann Fachadressbuch der Rauchwaren- und Pelzwirtschaft und des Kürschnerhandwerks, Nr. 87 und 89, 1979 und 1981, S. 44. Am 3. Februar 1986 zog man von der Niddastraße, jetzt Nummer 56 (c/o Transall Box, vormals Kühne & Nagel), in die Räume der Transall in der Mainzer Landstraße 59–63, ein Teil der früheren Räumlichkeiten der dort ausgezogenen Pelzkonfektionsfirma Ofra;Mayer & Cie. in der Mainzer Landstraße 59-63. In: Winckelmann Pelzmarkt, Nr. 834, 7. Februar 1986, S. 18. später zur c/o Westra GmbH, Düsseldorfer Straße 1–7. Nach einem steten Rückgang des Pelzabsatzes, zum Schluss verstärkt durch die Covid-19-Epidemie, verbunden mit einer Infektion der Nerzzuchten und dem gleichzeitigen Nerzskandal in Dänemark, wurde das deutsche Lager von Mayer & Cie. AG zum Jahresende 2022 aufgegeben. Es befand sich zuletzt in Frankfurt auf der Hanauer Landstraße 287 (3. Etage).Anzeige Mayer & Cie AG. In Pelzmarkt Newsletter des Deutschen Pelzverbandes, November 2022, S. 1.

mini|Abriss auf der Niddastraße, mit dem alten Schriftzug des Felllagers von Mayer & Cie. (2002) Unter dem als Geschäftspartner eingetretenen Werner Merzbacher war Mayer & Cie., Zürich in großem Umfang Finanzier etlicher anderer, teils bedeutender Unternehmen der Pelzbranche. 1964 übernahm er als zweitgrößter Gläubiger beispielsweise die Bankenforderung an das Pelzkonfektionsunternehmen Kroll & Ziper, so dass die Firma erhalten blieb. Geschätzt wurden die Gesamtschulden des Firmenchefs Reuber, Schwesterfirmen Almiro und Riva, auf etwas über 10 Millionen Mark.Werner Merzbacher (Mayer & Cie., Zürich) übernahm Bankenforderung an Kroll & Ziper. In: Winckelmann Pelzmarkt. Nr. 742, 19. April 1984, S. 10. Ein Umfang der finanziellen Arrangements lässt eine Meldung im Juli 1987 erkennen. Mayer & Cie., Zürich beteiligte sich als neuer Mehrheitseigner an dem bereit mehrfach in Schwierigkeiten geratenen Pelzeinzelhandelsunternehmen Furrari Inc., New York und überbot damit in letzter Minute das koreanische Pelzstaatshandelsunternehmen Jindo, ohne dass es allerdings bis dahin zu einem endgültigen Abschluss kam, die Verhandlungen mit Jindo wurden wieder aufgenommen. Es hieß, dass Mayer & Cie. 4 Millionen US-$ zur Befriedigung der Gläubiger und als Betriebskapital einbringen wollte. Die Firma war mit US-$ 500.000 nicht nur der größte abgesicherte Branchengläubiger, sondern stand auch finanziell hinter einigen der anderen Großgläubiger, so dass man annahm, dass sie mindestens mit zwei Millionen Dollar betroffen war. Letztlich zogen sich die Verhandlungen zwischen Furrari, Mayer & Cie. und Jindo doch noch einige Zeit hin.Mayer & Cie. neuer Mehrheitseigner von Furrari Inc. In: Winckelmann Pelzmarkt. Nr. 909, 24. Juli 1987, S. 5.Furrari Inc.: Verhandlungen mit Jindo wieder aufgenommen. In: Winckelmann Pelzmarkt. Nr. 917, 18. September 1987, S. 7.Furrari $5 Million unsecured debtors. In: Winckelmann International 2093 Fur Bulletin, 14. August 1987, S. 3 (englisch).The Furrari Affair. In: Winckelmann International 2096 Fur Bulletin, 19. September 1987, S. 3 (englisch).Furrari problem may be settled. In: Winckelmann International 2098 Fur Bulletin, 2. Oktober 1987, S. 3 (englisch).

Neben dem Großhandel führte Werner Merzbacher im Jahr 2004 noch in bester Lage, direkt neben dem Hotel Baur au Lac, das Detailgeschäft A. C. Bang, eines der letzten verbliebenen Pelzgeschäfte in Zürich. Dessen damaligen Jahresumsatz bezifferte er auf sechs bis sieben Millionen Franken. Um 1980 hatte Merzbacher die ersten Kontakte mit dem bedeutenden chinesischen Fellhandel, in dem er mehr zukünftiges Potential sah als in dem zurückgehenden Markt in Europa. Hauptpartner war Tientsin International mit Sitz in Hongkong, an deren Gerberei sich Mayer & Cie. beteiligt hatte. 2004 erklärte Merzbacher, dass er sich mittlerweile als Bieter auf den großen Pelzauktionen in Dänemark und Finnland zurückhält und stattdessen, als eine Art Handels-Banker, sich darauf verlegt, anderen Auktionsteilnehmern gegen Zins das Kapital für ihre Einkäufe vorzustrecken.Werner Merzbacher: Nerze, Nerze, und Kandinsky. www.handelszeitung.ch, 26. Mai 2004. Zuletzt abgerufen am 21. Dezember 2022.

Im Jahr 2014 übernahm die Mayer & Cie. AG per Fusionsvertrag die Aktiven und Passiven der Immobilienverwaltung Hocka AG in Zug, wo sie seit 1997 ihren Geschäftssitz hat, 2022 in der Alpenstrasse 1.Mayer & Cie AG, Zug, Schweiz www.northdata.de. 28. August 2014. Zuletzt abgerufen am 20. Dezember 2022. Das Online-Nachschlagewerk für Schweizer Handelsregister- und Wirtschaftsinformationen Moneyhouse gab als zeichnungsberechtigte Personen im Juli 2019 als „neu eingetragen oder mutierend [= geändert im Handelsregister]“ an: Jessica Eve Hellmann von Küsnacht ZH in Zürich, Karin Andrea Merzbacher von Kilchberg ZH in Zürich und Thomas Julian Merzbacher von Kilchberg ZH in Zollikon.Neueste SHAB-Meldungen: Mayer & Cie AG. Moneyhouse, 3. Juli 2019. Zuletzt abgerufen am 20. Dezember 2022.

Mayer & Cie., Berlin mini|Mayer & Cie., Berlin, Anzeige. Neu aufgenommen: Pelz-Mäntel, Pelz-Garnituren, Pelzhüte, Felle (1922) Die Berliner Zweigniederlassung Mayer & Cie. wurde von Leo Mayer am 4. Juli 1904 in einem alten Industriegebäude auf der Lindenstraße 38, Ecke Kommandantenstraße eröffnet. Inhaber waren damals Bernhard Mayer und Leo Katz. Leo Mayer erhielt Prokura und die alleinige Führung des Berliner Hauses.