Francis Seeck (geboren 1987 in Ostberlin) hat eine Professur für Theorien und Handlungslehre der Sozialen Arbeit mit Schwerpunkt Demokratie- und Menschenrechtsbildung an der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm inne. Seeck forscht und lehrt zu sozialer Ungleichheit, Klassismus, Sorgearbeit, politischer Bildung, Gender und Queer Studies, Antidiskriminierung und menschenrechtsorientierter Sozialer Arbeit. Seit 2010 ist Seeck in der Antidiskriminierungspädagogik und politischen Bildung tätig.

Leben und Wirken Francis Seeck wuchs als Kind einer langzeiterwerbslosen alleinerziehenden Mutter auf. Seecks Kindheit war laut eigener Aussage stark von den Auswirkungen der Klassengesellschaft geprägt. Seeck studierte von 2008 bis 2016 Kulturwissenschaften und Europäische Ethnologie an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder), der American University in Washington, D.C. und der Humboldt-Universität zu Berlin. Im Anschluss blieb Seeck an der Humboldt-Universität, um mit einem Stipendium der Rosa-Luxemburg-Stiftung zu promovieren. Die Promotion wurde von Beate Binder und Sabine Hark betreut. In ihr untersuchte Seeck mittels ethnographischer Methoden, wie trans und nicht-binäre Personen Care-Arbeit verrichten.

Von 2020 bis 2021 hatte Seeck die Vertretungsprofessur für Sozialarbeitswissenschaft und Soziologie an der Hochschule Neubrandenburg inne. Nach der Promotion an der HU Berlin im Jahr 2021 hatte Seeck dort von 2021 bis 2023 eine Post-Doc-Stelle inne. Im September 2023 wurde Seeck an die Professur für Theorien und Handlungslehre der Sozialen Arbeit an der TH Nürnberg Georg Simon Ohm berufen.

2020 gab Seeck gemeinsam mit Brigitte Theißl den Sammelband Solidarisch gegen Klassismus. Organisieren, intervenieren, umverteilen heraus. Mit der Streitschrift Zugang verwehrt. Keine Chance in der Klassengesellschaft, die 2022 erschien, thematisiert Seeck das Zusammenwirken von strukturellen Diskriminierungsformen aufgrund von Klassenherkunft oder -zugehörigkeit, sozialen Benachteiligungen und die mit ihnen verbundenen gesellschaftlichen Auswirkungen. In Seecks Arbeiten bezeichnet Klassismus die Diskriminierung anhand von Klassenherkunft und Klassenpositionen; betroffen sind Menschen, die Transferleistungen beziehen, Wohnungslose, Armutsbetroffene, Menschen ohne Schulabschluss und Kinder aus der Arbeiterklasse im Bildungssystem. Einen Schwerpunkt von Seecks Arbeit bildet die Frage, wie Klassenherkunft Habitus, Auftreten, Sprache, Verhalten und Geschmack beeinflusst und über Lebenschancen mitentscheidet. Seeck zählt zu den Folgen klassistischer Ungleichheit auch die geringere Lebenserwartung armutsbetroffener Menschen in Deutschland. Als politische Dimension von Klassismus beschreibt Seeck die geringe Einbindung von Gruppen wie der Selbstvertretung wohnungsloser Menschen, dem Netzwerk „Ich bin armutsbetroffen“ und Erwerbsloseninitiativen in politische Entscheidungsprozesse. Ein weiterer Aspekt ist die Beschämung armutsbetroffener Menschen, die Seeck als bedeutenden Bestandteil von Klassismus fasst. Seeck fordert, dass Berufsgruppen mit besonderer Entscheidungsmacht, etwa im Bereich Medizin, Justiz, Schule und Sozialarbeit, eigene klassistische Vorurteile und institutionelle Routinen reflektieren sollten.

Publikationen (Auswahl) Recht auf Trauer. Bestattungen aus machtkritischer Perspektive. edition assemblage, Münster 2017, ISBN 978-3-96042-020-0. mit Brigitte Theißl (Hg.): Solidarisch gegen Klassismus – organisieren, intervenieren, umverteilen. Unrast, Münster 2020, ISBN 978-3-89771-296-6. Care trans_formieren. Eine ethnographische Studie zu trans und nicht-binärer Sorgearbeit. transcript, Bielefeld 2021, ISBN 978-3-8376-5835-4 (PDF). Zugang verwehrt: Keine Chance in der Klassengesellschaft: wie Klassismus soziale Ungleichheit fördert. Atrium, Zürich 2022, ISBN 978-3-85535-128-2. Klassismus überwinden. Wege in eine sozial gerechte Gesellschaft. Unrast, Münster 2024, ISBN 978-3-89771-380-2. mit Claudia Steckelberg (Hg.): Klassismuskritik und Soziale Arbeit. Analysen, Reflexionen und Denkanstöße. Beltz Juventa, Weinheim 2024, ISBN 978-3-7799-7871-8.

Beiträge Rest in Protest?! Widerständige Praktiken im Kontext ordnungsbehördlicher Bestattungen. In: Lea Spahn u. a. (Hrsg.): Verkörperte Heterotopien: Zur Materialität und [Un-] Ordnung ganz anderer Räume. transcript, Bielefeld 2017, ISBN 978-3-8376-3873-8, S. 265–280. Caring for the Death? Engagierte Forschung im Feld anonymer behördlicher Bestattungen. In: Beate Binder u. a. (Hrsg.): Care: Praktiken und Politiken der Fürsorge: Ethnographische und geschlechtertheoretische Perspektiven. Opladen, Budrich 2019, ISBN 978-3-8474-2104-7, S. 159–176. Geschlechtliche Zusammen_Arbeit. Kollaborativ Forschen jenseits von Zweigeschlechtlichkeit. In: Berliner Blätter. Band 83, 2021, S. 19–27, . Kohlenkeller. In: Maria Barankow, Christian Baron (Hrsg.): Klasse und Kampf. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2022, ISBN 978-3-7425-0847-8, S. 65–81. Trans* Prekarität. Warum wir eine trans* und nicht-binäre Klassenpolitik brauchen. In: Lia Becker, Atlanta Ina Beyer, Katharina Pühl (Hrsg.): Bite Back! Queere Prekarität, Klasse und unteilbare Solidaritäten. 1. Auflage. edition assemblage, Münster 2024, ISBN 978-3-96042-123-8, S. 62–67 (PDF).

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Einzelnachweise

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