Hans Kortrog (* um 1470, vermutlich in Homberg/Efze; † nach 1532, vermutlich in Nordhessen, vielleicht in Homberg/Efze; Pseudonym: Meister Hans Kortrog von Homberg; Meisterzeichen: Schafschere) war ein deutscher Glockengießer. Seine Glocken finden sich heute überwiegend in evangelischen Kirchen in Nordhessen, viele wurden vor 1945 eingeschmolzen.
Biografie Kortrog wurde vermutlich um 1470 in der bereits vor 1400 in Homberg nachweisbaren Familie Kortrog geboren. Seine Ausbildung erhielt er vermutlich bei dem in Fritzlar tätigen Glockengießer Goswin. Aus dem Zeitraum von 1495 bis 1532 sind 69 Glocken für nordhessische Kirchen und Rathäuser sowie neun Glöckchen nachweisbar, von denen einige wohl in Homberg/Efze gegossen wurden. Bald nach Fertigstellung seiner letzten Glocke dürfte Kortrog gestorben sein.
Glocken Das bekannte Œuvre des Hans Kortrog besteht aus größeren Glocken und kleineren Glöckchen. Nach Forschungen von Götz J. Pfeiffer (2022) stammen insgesamt 69 Glocken und neun Glöckchen von ihm oder sind ihm zuzuschreiben. Bemerkenswert sind die anfangs zahlreichen Abgüsse von über 20 unterschiedlichen Pilgerzeichen auf den Glocken:
(Zerstörte Glocken sind mit * gekennzeichnet; dat. bezeichnet das inschriftlich belegte Jahr der Glocke. Sofern kein anderer Standort genannt ist, befindet sich die Glocke in der evangelischen Kirche des Ortes.)Götz J. Pfeiffer, 2022 Rauischholzhausen*, dat. 1495 Retterode, dat. 1496 Böddiger*, dat. 1497 Dissen, dat. 1497 Gleichen (Gudensberg), dat. 1500 Gensungen, dat. 1501 Gombeth, dat. 1502 Allendorf (Schwalmstadt), dat. 1503 Bad Berleburg, Schlossmuseum, dat. 1503 Obermeiser, dat. 1504 Schönau (Gilserberg), dat. 1504 Laisa (Battenberg), dat. 1505 Witzenhausen, dat. 1505 Gittersdorf, dat. 1506 Homberg (Ohm), dat. 1506 Krumbach (Biebertal), dat. 1506 Obermelsungen, dat. 1506 Allendorf (Schwalmstadt), dat. 1507 Lütersheim, dat. 1507 Ausbach, dat. 1508 Gilserberg*, dat. 1508 Binsförth, dat. 1509 Eifa (Hatzfeld), dat. 1509 Homberg (Ohm), dat. 1509 Meinsen (Bückeburg), dat. 1509 (ehemals Beiseförth) Battenberg*, dat. 1510 Stadthosbach, dat. 1510 Wahnhausen, dat. 1510 Alt-Wildungen, dat. 1511 Kassel, ev. Martinskirche, dat. 1511 (ehemals „Altstädter Rathaus in der Fischgasse“) Lendorf, dat. 1511 Schönberg, Kapelle, dat. 1511 Werkel*, dat. 1511 Friedigerode, dat. 1512 Fürstenhagen, dat. 1512 Kirchbauna*, dat. 1512 Wellen*, dat. 1512 Bad Wildungen, Stadtkirche, dat. 1513 Felsberg, dat. 1513 Friedigerode, dat. 1513 Ober-Gleen, dat. 1513 Schwebda, dat. 1513 Berndshausen, dat. 1514 Kämmerzell*, dat. 1514 Königswald, dat. 1514 Daubringen, dat. 1515 Marburg, Elisabethkirche, dat. 1515 Wittelsberg, dat. 1515 Breitenbach am Herzberg*, dat. 1516 Grebenau, dat. 1518 Kassel, Garnisonkirche*, dat. 1519 Oberellenbach*, dat. 1519 Besse, dat. 1520 Harle, dat. 1520 Neustadt (Hessen)*, dat. 1520 Spangenberg, dat. 1520 Großenenglis, dat. 1521 Harle, dat. 1521 Frankenberg, Klostermuseum, dat. 1522 Merxhausen, dat. 1522 Moischt, dat. 1522 Laisa (Battenberg), dat. 1523 Wetter (Hessen)*, dat. 1523 Hebel*, dat. 1524 Trockenerfurth, dat. 1524 Trockenerfurth, dat. 1524 Elsoff (Bad Berleburg), dat. 1526 Marburg, lutherische Pfarrkirche, dat. 1532 (ehemals vielleicht Marburg, Rathaus)
Literatur Götz J. Pfeiffer: „Meister Hans Kortrog von Homberg gois mich“. Person und Werke des um 1500 tätigen Glockengießers sowie genutzte Pilgerzeichen. In: Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde, Band 127, 2022, S. 39–62.
Einzelnachweise
Kategorie:Glockengießer Kategorie:Geboren im 15. Jahrhundert Kategorie:Gestorben im 16. Jahrhundert Kategorie:Mann