mini|Wappen derer di Moro
Moro ist der Name eines alten, aus Venedig stammenden, später in Bayern ansässigen Adelsgeschlechts.
Das hier behandelte Geschlecht ist von dem möglicherweise verwandten, aber wappenverschiedenen Kärntner Adelsgeschlecht der Ritter von Moro zu unterscheiden.Adolf Matthias Hildebrandt: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch, Bd. 4 (Habsburgermonarchie), 8. Abt.: Der Kärntner Adel, Nürnberg 1880, S. 181 ff. und Tfl. 20.
Namensgebung Der Name Moro lässt sich zurückführen auf griechisch μοροσ oder italienisch moro = dunkel. Die Familie scheint zur Zeit der Namensgebung eine dunkle Hautfarbe gehabt zu haben.RegBlKB 1840, S. 136.Königl.Bay. Kreisamtsblatt Pfalz, 23. Dezember 1863, S. 1635.Vittorio Spreti: Enciclopedia storico – nobiliare italiana. Band 4 (L–O), Mailand 1931.
Geschichte Venetien Die Familie wird über mehrere Jahrhunderte vor 936 einzeln genannt.Moro family - Wikipediahttps://venere.it/de/die-bedeutung-und-geschichte-des-nachnames-moro/
Der Überlieferung nach soll im Jahre 936 ein „Domenico, Sohn eines Fremden“ nach Venetien eingewandert sein. Die sicheren Familienbelege reichen bis 982 zurück. Die Familie Moro lebte in Mira.Vittorio Spreti: Enciclopedia storico – nobiliare italiana. Band 4 (L–O), Mailand 1931, („Sehr alte Familie von Venedig“, „Domenico, Sohn eines Fremden, 936 eingewandert“). Sie gehörte bereits in den ersten Jahrhunderten der Republik Venedig den Optimaten an und wurde 1297 vom Großen Rat in das Patriziat aufgenommen, dem die Familie bis zur Auflösung der Republik 1797 angehörte. 1822 wurde ihr Adelsstand vom österreichischen Kaiser Franz I. bestätigt.BayHStA, Adelsmatrikel Adelige M 41 Nr. 2835.Franz Schröder: Repertorio genealogico delle famiglie confermate nobili e dei titolati nobili esistenti nelle provincie venete. S. 40–41.
Die Familie Moro war politisch sehr einflussreich. Zu den bekanntesten Familienmitgliedern zählen Giovanni VII. Gradenigo, 1112–1129 Patriarch von Grado, Giacomo, ein sehr aktiver Politiker während des Konflikts mit den Carraresi (1370–1380), Giovanni (14. Jahrhundert), einer der ersten Herrscher der Terraferma, Antonio, Verwalter der Terraferma, zwang 1413 Feltre, Belluno, Bassano und Bologna, sich Venedig zu ergeben, und Damiano, Verwalter der Armee des Po während des Krieges von Ferrara (1482–1484). Im 15. Jahrhundert stellte die Familie mit Cristoforo Moro (1390–1471) sogar einen Dogen von Venedig. Sein Vater war Lorenzo di Giacomo, Prokurator der Contrada San Zan Degolà. Oft hielten sich Familienmitglieder auf Kreta auf, möglicherweise weil die Ehefrau von Lorenzo di Giacomo von Kreta stammte. Dieser Familienzweig wird deshalb auch als Moro da Candia bezeichnet. Zwar erscheinen Mitglieder der Familie nicht in den Registern der Balla d’oro, in denen die Söhne der adligen Familien üblicherweise ab einem Alter von 18 Jahren eingetragen wurden. Doch stand die Familie in hohem Ansehen, wie die Wahl eines Onkels zum Prokuratoren und Cristoforos Studium in Padua belegen. Mit Blick auf die politische Schlüsselposition Mailands in Italien war in Zusammenhang mit dem Wormser Reichstag am 5. April 1495 Ludovico Sforza (gen. „Il Moro“, 1452–1508) mit Zustimmung der Kurfürsten zunächst ad personam mit dem Herzogtum belehnt worden.Gabriele Annas: Wormser Reichstag, 1495, auf historisches-lexikon-bayerns.de Eigenmächtig und ohne Wissen der Kurfürsten fasste König Maximilian I. darüber hinaus am 22. Mai 1495 den Beschluss, Ludovico Sforza und nun auch seinen Erben das Herzogtum als Reichslehen zu übertragen und diese in den Reichsfürstenstand zu erheben.Gabriele Annas, Wormser Reichstag, 1495, publiziert am 9. Dezember 2019; in: Historisches Lexikon Bayerns, https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Wormser_Reichstag,_1495 (3. August 2023) Um 1500 verlor die Familie, zu der auch Literaten wie der Philosoph Gabriele († 1650) gehörten, ihre politische Bedeutung. (italienisch) Domenico Moro († 1844) war ein italienischer Freiheitskämpfer und Mitstreiter der Gebrüder Bandiera.
Bayern mini|Peter von Moro 1770 Stadt Commandant Landshut
Die Einwanderung der venezianischen Moro nach Bayern und in den Landkreis Cham erfolgte im 18. und 19. Jahrhundert.BayHStA München, Adelsmatrikel Adelige M 41 (hier sind alle Moro mit den Daten der jeweiligen Ehefrauen aufgeführt).Georg Moro: Wie kamen die 'Moro' in den Landkreis Cham?, in: Beiträge zur Geschichte im Landkreis Cham, 39. Band, 2022, . Johann Peter Franz Anton (Giovanni Pietro Francisco Antonio) von Moro (1682–1778) trat 1709 in Italien in französische Kriegsdienste, und zwar in das Regiment Bavière.Kneschke (1865), S. 355. Regimentsinhaber war Emmanuel-François-Joseph de Bavière, ein außerehelicher Sohn des Kurfürsten Max Emanuel von Bayern mit der Gräfin Agnes Franziska Arco, der seinen leiblichen Vater im Spanischen Erbfolgekrieg unterstützte. Der bayerische Kurfürst hatte zuvor größere Verluste hinnehmen und ins Ausland fliehen müssen. Dann jedoch wendete sich 1711 mit dem Tod Kaiser Josephs I. das Glück. Max Emanuel bekam sein Land zurück,Andreas Kraus: Bayern im Zeitalter des Absolutismus (1651–1745). Die Kurfürsten Ferdinand Maria, Max II. Emanuel und Karl Albrecht. In: Max Spindler (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Geschichte, Bd. II (Das Alte Bayern. Der Territorialstaat vom Ausgang des 12. Jahrhunderts bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts.), München 1969, S. 411–472.Georg Wilhelm Hopf: Bayerische Geschichte in Zeittafeln, ein Handbuch für Lehrer und Beamte wie für alle Freunde der Vaterlandsliebe, Nürnberg 1865, S. 53–57. wodurch Johann Peter Franz Anton von Moro nach Bayern kam und dort ansässig wurde.Hefner (1856), S. 98.K. Tyroff: Wappenbuch des gesammten Adels des Königreiches Baiern. Aus der Adelsmatrikel gezogen, Siebenter Band, Nürnberg 1824 3. Siebenmachers Wappenbuch, Bayerischer Adel, neu herausgegeben von Otto Titan v. Defner, Nürnberg 1856. Er diente vier bayerischen Kurfürsten 75 Jahre im Spanischen Erbfolgekrieg (1701–1714), dem Österreichischen Erbfolgekrieg (1740–1748), im Siebenjährigen Krieg (1756–1763) und im Bayerischen Erbfolgekrieg (1778–1779). Johann Peter Franz Anton von Moro wurde Generalmajor in bayerischen Diensten und wurde am 21. August 1770 von Kurfürst Maximilian III. Joseph zum „Stadt-Commandanten zu Landshut“ bestellt.Churfürstlich bajerische Hohe Generalität, und Militär-Etat für das Jahr 1773, S. 109 f.BayHStA München, Adelsmatrikel, Adelige M 41 (Matrikelbogen).StA Landshut, Regierung Landshut A20661. Er diente im selben Regiment wie Generalmajor Janus von Montgelas, der Vater von Maximilian von Montgelas.Eberhard Weis: Montgelas‘ Vater, Janus Frhr. v. Montgelas (1710–1767). Bayerischer General und Diplomat, in: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte, Bd. 26, 1963, S. 255–322.
Die erste Frau von Johann Peter Franz Anton von Moro hieß Baronesse Anna Maria Adelheid von Lützelburg, die Tochter eines Kollegen.BayHStA München, Adelsmatrikel, Adelige M 41 (Matrikelbogen).https://data.matricula-online.eu/de/deutschland/regensburg/straubing_st_jakob/Straubing+St.Jakob+007/?pg=12 Mit ihr hatte er folgende Kinder:
Johann Baptist Josephus Antonius de Moro (* 31. Dezember 1728 in Ingolstadthttps://data.matricula-online.eu/de/deutschland/eichstaett/ingolstadt-st-moritz/9-01/?pg=136) Heinrich von Moro (* 20. November 1729 in Ingolstadthttps://data.matricula-online.eu/de/deutschland/eichstaett/ingolstadt-st-moritz/9-01/?pg=136 – 29. Februar 1786https://data.matricula-online.eu/de/deutschland/regensburg/straubing_st_jakob/Straubing+St.Jakob+027/?pg=17, s. u.). Er überlebte alle seine Geschwister, starb früh :s.u.! Eleonora Josepha de Moro (* 30. April 1731 in Straubinghttps://data.matricula-online.eu/de/deutschland/regensburg/straubing_st_jakob/Straubing+St.Jakob+006/?pg=183), Maria Anna Josepha Amalia de Moro (* 5. April 1732 in Straubinghttps://data.matricula-online.eu/de/deutschland/regensburg/straubing_st_peter/Straubing+St.Peter+006/?pg=10), Maria Ludovica Francisca Josepha de Moro (* 18. September 1733 in Straubinghttps://data.matricula-online.eu/de/deutschland/regensburg/straubing_st_peter/Straubing+St.Peter+006/?pg=15), Joseph Anton de Moro (* 26. Juli 1735 in Straubinghttps://data.matricula-online.eu/de/deutschland/regensburg/straubing_st_peter/Straubing+St.Peter+006/?pg=23), Andreas Josephus Antonius de Moro (* 11. Februar 1739 – † 12. Februar 1739 in Straubinghttps://data.matricula-online.eu/de/deutschland/regensburg/straubing_st_jakob/Straubing+St.Jakob+006/?pg=306https://data.matricula-online.eu/de/deutschland/regensburg/straubing_st_jakob/Straubing+St.Jakob+025/?pg=75), Andreas Josephus Antonius de Moro (* 28. November 1739 in Straubinghttps://data.matricula-online.eu/de/deutschland/regensburg/straubing_st_jakob/Straubing+St.Jakob+006/?pg=306) und Maximilian Emanuel Josephus Antonius de Moro (* 30. Mai 1740 – † 1. Juni 1740 in Straubing).https://data.matricula-online.eu/de/deutschland/regensburg/straubing_st_jakob/Straubing+St.Jakob+007/?pg=12https://data.matricula-online.eu/de/deutschland/regensburg/straubing_st_jakob/Straubing+St.Jakob+025/?pg=93
In zweiter Ehe (26. Januar 1752https://data.matricula-online.eu/de/deutschland/regensburg/straubing_st_jakob/Straubing+St.Jakob+020/?pg=19Vater: Florian Erasmus de Vieregg in Gerzen, Mangerni, St. Johannisbrunn und Göttersdorf; Mutter: Maria, Magdalena) heiratete Johann Peter Franz Anton von Moro in Straubing Maria Anna Monica Fryin von Vieregg aus Gerzen (* 7. Februar 1717Taufregister Gerzen 1717, † 22. Mai 1792).BayHStA München, Offizierspersonalakten Nr. 80412 (Hinterlassenschaft des Generals von Moro, Landshut, den 6. August 1778); Anmerkung: Beistand der Witwe war Kajetan Reichsfreiherr von Vieregg, Kämmerer und Hofrat. Er führte einen Siegelring, in dem das Wappen derer von Moro und das Wappen derer von Vieregg abgebildet sind:BayHStA München, Offizierspersonalakten Nr. 80412 (Brief von Johann Peter von Moro an den Kurfürsten Karl Theodor 1778). Ein Brief an den neuen Churfürsten Karl Theodor 1778:
mini|links|Johann Peter von Moro Briefumschlag (Vorderseite) an Churfürst Karl Theodor 1778 mini|Gerzen 2021 vormals Vieregg-Montgelas
1708 erhält Kurfürst Johann Wilhelm von der Pfalz die Oberpfalz und Cham, bis 1714. 1715 kehrt Max Emanuel nach Bayern zurück, am 10. April zieht er mit seiner Familie in München ein. 1724, am 15. Mai, schließen die Wittelsbacher zu Mannheim und München den Hausunionsvertrag, erneuern alte Familienverträge und sichern sich gegenseitige Hilfe zu. 1726 stirbt Max Emanuel. 1726–1745 wird Karl Albrecht Kurfürst und 1742 Kaiser. 1745–1777 Kurfürst Maximilian III. Joseph. 1745 dringen die Österreicher in Bayern ein, der Churfürst Maximilian III. Joseph flieht nach Augsburg. 1756–1763 Siebenjähriger Krieg, in dem Preußen auch in die Oberpfalz einfällt. 1771 Missernte mit großer Teuerung, in Bayern wird der Kartoffelanbau eingeführt. Der Kurfürst stirbt kinderlos, Ende der Ludwig’schen Linie.Georg Wilhelm Hopf: Bayerische Geschichte in Zeittafeln. Nürnberg 1865, S. 59–64 1771 neuer Vertrag mit Karl Theodor, "pactum successorium". 1777 fällt Bayern an Karl Theodor.Georg Wilhelm Hopf: Bayerische Geschichte in Zeittafeln für Lehrer, Beamte, wie für alle Freunde der Vaterlandskunde. Nürnberg 1865, S. 55 ff.