Sunbeam (dt. Sonnenstrahl) war eine englische Marke, unter der nacheinander verschiedene Hersteller Fahrräder, Motorräder, Automobile, Omnibusse, Flugzeuge und Flugmotoren vermarkteten. Die Marke bestand bis 1982.
Markengeschichte mini|Anleihe der Sunbeam Motor Car Company Ltd. vom 26. August 1919
Das Unternehmen John Marston Ltd wurde vom Geschirrhersteller John Marston 1887 gegründet. Im März 1905 wurde der Betrieb in eine Kapitalgesellschaft mit dem Namen Sunbeam Motor Car Company Limited umgewandelt, die ein Startkapital von 40.000 £ hatte. Nachdem es während des Ersten Weltkriegs zuerst Ambulanz-Fahrzeuge, dann Flugzeuge und Flugmotoren herstellte, kam das Unternehmen nach Kriegsende in finanzielle Schwierigkeiten, weil einerseits das Geschäft mit den Motoren zurückging und anderseits die Zahlungen für Kriegsmaterial ausstehend waren. Das Autogeschäft wurde von Talbot übernommen und zusammen mit Darracq in S. T. D. Motors überführt. In den 1920er Jahren gingen die Automobilverkäufe zurück, so dass sich Sunbeam 1931 mit der Gründung der Sunbeam Commercial Vehicles der Herstellung von Fahrgestellen für Omnibusse und Oberleitungsbusse zuwendete, die erst 1934 in die Kapitalgesellschaft Sunbeam Commercial Vehicles Limited überführt wurde.
1935 wurden S. T. D. Motors und Sunbeam Commercial Vehicles Limited von der Rootes-Gruppe übernommen, die Herstellung von Autos in Wolverhampton aufgegeben und dieser Werkteil an Villiers abgegeben. Für die Busfertigung interessierte sich eine Zeitlang AEC, dem gemeinsamen Projekt eines Omnibusses war aber kein Erfolg beschieden. AEC zeigte 1944 kein Interesse mehr am Unternehmen. Es 1946 an die Brockhouse-Gruppe verkauft wurde, welche das Werk in Wolverhampton hauptsächlich wegen der verfügbaren Werkzeugmaschinen übernahm. 1948 wurde das Unternehmen Sunbeam Trolleybus Company umbenannt und 1949 an Guy Motors verkauft. Die Fertigung in Wolverhampton blieb bis 1953 bestehen und wurde danach zu Guy Motors verlegt.
Motorräder mini|Sunbeam Typ 1 (1929)
Die Motorräder von Sunbeam genossen einen guten Ruf wegen ihrer Qualität. Nach wechselnden Baumustern in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg wurden in der Nachkriegszeit mehrheitlich Ein- und Zweizylinder-Motorräder mit 500 und 600 cm³ hergestellt.
Automobile Geschichte
Die Anfänge (1901–1919) mini|Sunbeam von 1903
1899 baute die ehemalige Fahrradfabrik Sunbeam den ersten Motorwagen. 1901 begann in den Moorfield Werken an der Upper Villiers Street in Wolverhampton die Serienfertigung eines Einzylindermodells. Ab 1903 wurden Motoren mit sechs, ab 1909 Motoren mit zwei Zylindern gebaut.
Die Sechszylindermodelle waren immer luxuriös ausgestattete Wagen mit großvolumigen Motoren. Für Autorennen wurden Motoren mit bis zu sieben Litern Hubraum gefertigt. Auch bei den Vierzylindern produzierte Sunbeam ungewöhnlich großvolumige Motoren mit 2,5 bis 4,7 Liter Hubraum (zum Vergleich: moderne Vierzylindermotoren haben selten mehr als 2,2 bis 2,4 Liter Hubraum).
Typ Bauzeitraum Zylinder/Ventilsteuerung Hubraum Mabley 1901–1904 1/sv 326 cm³ 12 hp 1903–1905 4/sv 2413 cm³ 12 hp 1904–1910 4/sv 2660 cm³ 16/20 hp 1905–1910 4/sv 3402 cm³ 25/30 hp 1907–1911 6/sv 5103 cm³ 20 hp 1908 4/sv 4503 cm³ 35 hp 1908–1909 4/sv 6333 cm³ 16 hp 1909 2/sv 3166 cm³ 14/18 hp 1909 4/sv 3402 cm³ 12/16 hp 1910–1911 4/sv 2413 cm³ 16/20 hp 1910–1911 4/sv 3828 cm³ 25/30 hp 1901–1904 4/sv 4676 cm³ 18/22 hp 1911–1912 6/sv 3619 cm³ 25/30 hp 1911–1912 6/sv 7014 cm³ 12/16 hp 1912–1914 4/sv 3012 cm³ 16/20 hp 1912–1914 4/sv 4073 cm³ 25/30 hp 1912–1914 6/sv 6105 cm³ 16 hp 1915 4/sv 3016 cm³ 20 hp 1915 4/sv 4072 cm³ 30 hp 1915 6/sv 6105 cm³
Sunbeam-Talbot-Darracq (1919–1935) mini|Sunbeam 1000 hp
Im Laufe des Jahres 1919 legte Sunbeam seine Aktivitäten im Automobilbau mit dem englischen Zweig von Darracq und mit Clement Talbot zusammen, woraus 1920 S. T. D. Motors (abgekürzt STD) als Zusammenschluss britischer und französischer Automobilhersteller entstand.
Die in Großbritannien verkauften Automobile behielten den Markennamen Sunbeam und Darracq (bis zum Jahre 1939). Für Frankreich bevorzugte man die Marke Talbot. Gemeinsam arbeitete man an der Konstruktion von Rennwagen. Die Produktion wurde unter der Leitung des Ingenieurs Louis Coatalen rationalisiert, und die Modelle aus Suresnes hatten einen lebhaften Erfolg, insbesondere mit dem „10cv“.
In den 1920er Jahren stellten Rennwagen von Sunbeam insgesamt fünf Weltrekorde (zwei davon von Malcolm Campbell) auf, den letzten mit dem Sunbeam 1000 hp. Angetrieben wurde dieses Fahrzeug von zwei Flugzeugmotoren Sunbeam Matabele mit zwölf Zylindern (wassergekühlter V12, DOHC, Vierventiler, Alu-Block), 22,4 Liter Hubraum und einer Leistung von maximal 500 PS (bhp) bei 2000 Umdrehungen pro Minute. In der Mitte des Fahrzeugs, wo auch der Fahrer saß, befand sich ein Dreiganggetriebe, das die Hinterräder über Ketten antrieb. Mit diesem Wagen gelang es Henry Segrave am 29. März 1927 in Daytona Beach, die 200-mph-Grenze zu durchbrechen, indem er eine Geschwindigkeit von 203,792 mph (327,97 km/h) erreichte. Der 1929 gebaute Sunbeam Silver Bullet mit 4000 bhp war nicht erfolgreich und führte zur Einstellung der Rekordaktivitäten.
Typ Bauzeitraum Zylinder/Ventilsteuerung Hubraum Leistung 16/40 hp 1919–1921 4/sv 3016 cm³ 24 hp 1919–1921 6/sv 4524 cm³ 16/40 hp 1921–1924 4/ohv 3016 cm³ 59 kW 14 hp 1921–1924 4/ohv 1954 cm³ 24/60 hp 1921–1924 6/ohv 4524 cm³ 46 kW 24/70 hp 1923–1924 6/ohv 4524 cm³ 12 hp 1924–1926 4/ohv 1598 cm³ 14/40 hp 1924–1927 4/ohv 2120 cm³ 30 kW 16/50 hp 1924 6/ohv 2540 cm³ 20/60 hp 1924–1927 6/ohv 3181 cm³ 3 litre 1926–1931 6/dohc 2916 cm³ 68 kW 30/90 hp 1926–1929 8/ohv 4826 cm³ 16 hp 1927–1933 6/ohv 2035 cm³ 32 kW 20 hp 1927–1931 6/ohv 2916 cm³ 40 kW 25 hp 1927–1933 6/ohv 3617 cm³ 53 kW 35 hp 1929 8/ohv 5447 cm³ 16 hp 1931 6/ohv 2193 cm³ 20 hp 1931–1933 6/ohv 3317 cm³ 20 hp 1933–1935 6/ohv 2916 cm³ 53 kW 20 hp 1934–1935 6/ohv 2194 cm³ 25 hp 1934–1935 6/ohv 3317 cm³ 54,5 kW Dawn 1934–1935 4/ohv 1627 cm³ 36 kW 20 hp 1935 6/ohv 2762 cm³ 43 kW
Rootes-Gruppe (1935–1967) mini|Sunbeam-Talbot 90 mini|Sunbeam Alpine Roadster (1953) mini|Sunbeam Tiger
1935 ging STD in Konkurs und wurde von der Rootes-Gruppe, zu der auch Hillman und Humber gehörten, übernommen. Der französische Teil der Firma wurde an den italienischen Unternehmer Anthony Lago verkauft und firmierte seitdem als Talbot-Lago. Während Rootes die Produktion britischer Talbot-Modelle zunächst fortsetzte, wurde die Fertigung von Sunbeam-Modellen innerhalb weniger Wochen nach der Übernahme des Unternehmens eingestellt.Graham Robson: The Cars of the Rootes Group, Motor Racing Publications, London 2007, ISBN 978-1-903088-29-6, S. 131. 1936 versuchte Rootes, mit dem Sunbeam Thirty ein Oberklassefahrzeug mit Humber-Technik zu etablieren. Das Projekt scheiterte bereits nach dem Bau von vier Prototypen.
1938 etablierte Rootes die Marke Sunbeam-Talbot auf dem britischen Markt. Die Modelle, die als Sunbeam-Talbot verkauft wurden, hatten keine Eigenständigkeit mehr. Es handelte sich bei ihnen um Großserienfahrzeuge, die leicht abgewandelte Versionen gängiger Hillman- und Humber-Modelle waren.
1953 gab Rootes die Doppelmarke wieder auf. Seitdem wurde wieder der Namen Sunbeam genutzt. 1954 erschien der Sunbeam Alpine als zweisitzige Roadster-Variante des Sunbeam 90. Bei Testfahrten erreichte der Alpine bei 2,2 Litern Hubraum und 80 PS bis zu 193 km/h, die Serienmodelle schafften durchschnittlich 170 km/h. 1953 und 1955 gewannen Sunbeam Alpines die Alpenrallye, doch schon 1955 wurde die Herstellung dieses Modells eingestellt.
1963 präsentierte Sunbeam vor dem Dogenpalast in Venedig das Modell Venezia. Es wurde in Italien produziert und basierte auf dem Super Minx. Die Karosserie stammte von der italienischen Firma Carrozzeria Touring. Das Besondere an der Venezia war das auf einen Rohrrahmen montierte Stahlgerippe, das mit Alublechen verkleidet wurde.
1964 stellte Sunbeam auf dem Pariser Autosalon den Tiger I vor, der in Europa als Alpine 260 verkauft wurde. Die Karosserie wurde von einer Alpine, die ab 1959 gebaut wurde, übernommen, den V8-Motor lieferte Ford aus den USA an. Der Tiger I war eines der sportlichsten Modelle von Sunbeam, erreichte bei 4,3 Liter-Hubraum 164 PS und 192 km/h Spitzengeschwindigkeit.
Als sportliches Alltagsauto erschien 1965 der Sunbeam Imp GT (basierend auf dem Hillman Imp, der jedoch nur 42 PS leistete) mit einem 60 PS starken Vierzylindermotor. Baugleich war der Rootes Imp GT. Die Imp GT-Modelle wurden nicht am Band gefertigt, sondern in der Rennsportabteilung von Rootes. Das Coupé wurde als Stiletto bezeichnet.
Modelle 1938–1953 (Sunbeam-Talbot) Typ Bauzeitraum Zylinder/Ventilsteuerung Hubraum Leistung 3-Litre 1938–1940 6/sv 3181 cm³ 60 kW 4-Litre 1938–1940 6/sv 4086 cm³ Ten 1938–1948 4/sv 1185 cm³ 30 kW 2 litre 1939–1948 4/sv 1944 cm³ 41 kW 80 Mark I 1948–1950 4/ohv 1185 cm³ 34,5 kW 90 Mark I 1948–1950 4/ohv 1944 cm³ 47 kW 90 Mark II 1950–1952 4/ohv 2267 cm³ 51 kW 90 Mark IIA 1952–1954 4/ohv 2267 cm³ 51–56,5 kW
Modelle 1953–1967 (Sunbeam in der Rootes-Gruppe) Typ Bauzeitraum Zylinder/Ventilsteuerung Hubraum Leistung Alpine Mark I 1953–1954 4/ohv 2267 cm³ 56,5 kW Alpine Mark III 1954–1955 4/ohv 2267 cm³ 56,5 kW Mark III 1954–1957 4/ohv 2267 cm³ 59 kW Rapier I 1955–1958 4/ohv 1390 cm³ 45,5–49,5 kW Mark IIIS 1957 4/ohv 2267 cm³ 67,5 kW Rapier II 1958–1959 4/ohv 1494 cm³ 50 kW Alpine I 1959–1960 4/ohv 1494 cm³ 57 kW Rapier III 1959–1961 4/ohv 1494 cm³ 57 kW Alpine II 1960–1963 4/ohv 1592 cm³ 59 kW Rapier IIIA 1961–1963 4/ohv 1592 cm³ 55 kW Alpine III 1963 4/ohv 1592 cm³ 56,5 kW Rapier IV 1963–1965 4/ohv 1592 cm³ 58 kW Alpine IV 1964–1965 4/ohv 1592 cm³ 60 kW Tiger 260 1964–1967 8/ohv 4261 cm³ 120,5 kW Imp 1964–1976 4/ohc 875 cm³ 29–37,5 kW Rapier V 1965–1967 4/ohv 1725 cm³ 62,5 kW Alpine V 1965–1968 4/ohv 1725 cm³ 68 kW Tiger 289 1967 8/ohv 4737 cm³ 147 kW
Chrysler Europe (1967–1978) mini|Sunbeam Rapier Fastback (1976) mini|Für die USA umbenannter Hillman Hunter: Sunbeam Arrow
1967 übernahm der US-amerikanische Konzern Chrysler die Mehrheit an der Rootes-Gruppe. In diesem Jahr fasste Chrysler die britische Rootes-Gruppe und die ebenfalls mehrheitlich zu Chrysler gehörenden Unternehmen Simca in Frankreich und Barreiros (Spanien) zu Chrysler Europe zusammen. Zunächst bauten alle Firmen Fahrzeuge unter den eingeführten Marken weiter. Das galt auch für die bisherigen Rootes-Marken. Die letzten Modelle der Chrysler-Ära, die in Großbritannien den Markennamen Sunbeam trugen, waren die vom Rootes Arrow abgeleiteten Coupés Rapier und Alpine, die bei den anderen Konzernmarken keine Schwestermodelle hatten und die der Marke Sunbeam jedenfalls auf dem Heimatmarkt eine gewisse Eigenständigkeit gaben. Sie wurden bis 1975 bzw. 1976 produziert.
Außerdem war Sunbeam in der Chrysler-Ära die bevorzugte Marke für den Export. Die Konzernleitung war der Auffassung, dass die Marke Sunbeam weltweit bekannter war als Hillman oder Humber. Deshalb wurden ab 1968 zahlreiche Varianten des Rootes Arrow – abweichend von den Zuordnungen auf dem Heimatmarkt – international als Sunbeam verkauft. So wurden aus dem viertürigen Hillman Hunter und dem Hillman Minx für kontinentaleuropäische Märkte der Sunbeam Hunter und der Sunbeam Minx; teilweise wurde auch der Humber Sceptre Mark III als Sunbeam Sceptre verkauft. In den USA schließlich vermarktete Chrysler den Hillman Hunter als Sunbeam Arrow. Auch der Hillman Avenger, der 1970 eingeführt worden war, wurde in Kontinentaleuropa als Sunbeam Avenger verkauft.