mini|hochkant|Die Scala Santa in Rom Die Scala Santa (, ), veraltet Treppe des Pilatus, ist ein Heiligtum im Lateran in Rom, die zur Capella Sancta Sanctorum hinaufführt. Auf ihr habe Jesus von Nazaret hinaufsteigen müssen, als er zum Verhör bei Pontius Pilatus geführt wurde. Seit den Lateranverträgen gehört sie zu den exterritorialen Besitzungen des Heiligen Stuhls. Es existieren auch Kopien der Scala Santa (im oberdeutschen Sprachraum vor allem Heilige Stiege genannt).
Legende und Bedeutung der Scala Santa Nach der Überlieferung gehörte sie zum Palast des römischen Präfekten oder Statthalters für Judäa in Jerusalem.
Der Palast des Statthalters, das in , und genannte Prätorium,Der Ausdruck „Prätorium“ für den Palast des Präfekten wird im Urtext (dort πραιτώριον praitōrion), in der Einheitsübersetzung des Neuen Testaments, in der Zürcher Bibel von 2007 sowie in der Lutherbibel von 2017 verwendet. dürfte der ehemalige Palast des Königs Herodes am Westrand der Stadt Jerusalem gewesen sein, oder nach einer traditionellen christlichen (neuerdings aber zumeist abgelehnten) Auffassung die stark befestigte Burg Antonia an der Nordseite der Stadtmauer. In älteren Ausgaben der Lutherbibel, z. B. der von 1912, stand statt „Prätorium“ noch „Richthaus“.Das Deutsche Wörterbuch („der Grimm“) erklärt „Richthaus“ als haus, in welchem gericht gehalten wird, und das manchmal auch zugleich als gefängnis dient.
Zur Legende gehört es weiterhin, dass die Heilige Helena um das Jahr 326 in Jerusalem im Umkreis der mutmaßlichen Überbleibsel des Statthalter-Palastes graben ließ, wobei die Treppe gefunden wurde wie auch andere Reliquien, darunter das Kreuz Christi und der ungenähte Heilige Rock.
Die erste schriftliche Erwähnung findet die Scala Santa im Liber Pontificalis aus dem 9. Jh. Ursprünglich befand sie sich im Lateranpalast, 1589 wurde sie an die heutige Stelle versetzt.
In einer Predigt am 15. November 1545 beschreibt Martin Luther seine Skepsis an der Authentizität der Heiligen Treppe, die er bei seiner Romreise, die im Jahre 1510 oder 1511 stattfand, aufgesucht hatte:
Seit 1723 werden die Marmorstufen durch eine Holzverkleidung vor Abnutzung geschützt.
Am 19. September 1870, am Tag vor der Eroberung Roms durch die Armee Sardinien-Piemonts am Ende des Risorgimento, bestieg Pius IX. die Scala Santa.
Mehrmals wurde den Pilgern, welche die Treppe mit ihren 28 Stufen auf den Knien erklimmen, ein Ablass gewährtLuigi Prinzivalli: Die geistliche Schatzkammer: Uebersetzung der "Sammlung von Gebeten und frommen Werken, für welche die Päpste heilige Ablässe verliehen haben". In's Deutsche übertragen von Michael Haringer. Regensburg, 1888. Online zu lesen im OPAC der Bayerischen Staatsbibliothek; über die Hl. Stiege: Seiten 166/167, Scans 186/187.: Ein Ablass von neun Jahren im Fegefeuer pro Stufe durch Pius VII. 1817, ein vollkommener Ablass durch Pius X. 1908, und ein weiterer vollkommener Ablass im Heiligen Jahr der Barmherzigkeit durch die Apostolische Pönitentiarie 2015.
Kopien der Scala Santa Diese wurden vor allem im 18. Jahrhundert erbaut, oft im Zusammenhang mit Kalvarienbergen. Fast alle haben auch die 28 Stufen, die zur Erlangung eines Ablasses kniend zu erklimmen sind. Sonst sollen sie nicht betreten werden. Meistens sind beiderseits der Heiligen Stiege schmälere Stufen vorhanden, zum Hinabsteigen und für diejenigen, welche die Bußübung nicht vollziehen wollen. Manche Stiegen sind sehr schlicht (siehe das Bild zu Forchtenstein), andere weisen barocken Prunk auf.
Bayern Bad Tölz (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen): „Heilige Stiege“ in der Heilig-Kreuz-Kirche auf dem Kalvarienberg, erbaut etwa 1718. Das Bild rechts zeigt eine Tafel in der Heilig-Kreuz-Kirche, die unkundigen „Fremden“ die Bedeutung der Heiligen Stiege und das erwünschte Verhalten an diesem Ort erläutert.
Gotteszell (Kreis Regen): Heilige Stiege am Kalvarienberg. Kloster Gnadenthal in Ingolstadt: im Kloster der Franziskanerinnen Kloster Holzen in Allmannshofen (Landkreis Augsburg); hier im Anschluss an die Loreto-Kapelle. Lenggries (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen): ebenfalls auf dem Kalvarienberg, in der Heilig-Kreuz-Kapelle, erbaut 1726. Maria Medingen (Kreis Dillingen): im Kloster des ehemaligen Dominikanerinnenklosters, heute Dillinger Franziskanerinnen Mariaort bei Regensburg: in der Kalvarienbergkirche Heilig Kreuz, erbaut 1724. Windberg (Kreis Straubing-Bogen): in der kleinen Wallfahrtskirche Heilig Kreuz. Altomünster (Kreis Dachau): Kalvarienbergkapelle, 1694 erbaut. Die Heilige Stiege war ursprünglich im Freien; sie wurde im 19. Jahrhundert überdacht und in die Kapelle einbezogen. Anzing (Landkreis Ebersberg): In der Heilig-Kreuz-Kapelle (Högerkapelle), jedoch verkürzt mit nur 14 Stufen. mini|Altomünster
Übriges Deutschland mini|Heilige Stiege in Bonn Bonn, bei der Kreuzbergkirche. Rastatt (Baden-Württemberg), Schlosskirche im Schloss Rastatt.
Österreich mini|hochkant|Heilige Stiege in Forchtenstein Forchtenstein (Burgenland): im Zubau der Pfarrkirche Forchtenstein. Achenkirch: in der Kalvarienbergkirche Graz: Heilige Stiege bei der Kalvarienberg-Kirche. St. Radegund bei Graz: am Kalvarienberg; diese Stiege hat nur 14 Stufen. Salzburg: Kajetanerkirche. Die Heilige Stiege, erbaut 1712, ist neben der Kirche.
Frankreich mini|Heilige Stiege von Sainte-Anne d'Auray (1904) Basilika von Sainte-Anne d'Auray (Département Morbihan), dem wichtigsten Wallfahrtsort in der Bretagne. Die Stiege wurde bereits 1662 von Karmeliten erbaut.
Lourdes (Département Hautes-Pyrénées): Heilige Stiege (Saint Escalier) am Beginn des großen Kreuzwegs (Chemin de Croix). Auf dem Foto von 1910 ist oberhalb der Stiege die Figur des sitzenden Pontius Pilatus zu sehen, dahinter eine Kopie der Kapitolinischen Wölfin als Symbol für Rom und seine Macht, daneben SoldatenLuther nannte die Soldaten noch „Kriegsknechte“. Grimms Deutsches Wörterbuch erläutert dazu: im 16. jh. das Wort für söldner, soldat ... damals offenbar ohne herabsetzende Bedeutung, denn die knechte selber ... hörten darin einen adelichen anklang. des Pilatus. Auch die Figur einer Frau mit einem Krug ist erkennbar: Das ist eine Anspielung auf , wonach Pilatus Wasser bringen ließ; er „wusch sich vor allen Leuten die Hände und sagte: Ich bin unschuldig am Blut dieses Menschen.“Die Redeweise "Ich wasche meine Hände in Unschuld" stammt nicht aus dem Neuen Testament, sondern aus Psalm 26, Vers 6 (Lutherbibel von 2017) und gehört zur "Bitte eines Unschuldigen".
Die Bronze-Figur des Pontius Pilatus wurde am 12. August 1983 durch einen Sprengstoff-Anschlag zerstört; Fragmente dieser Figur wurden noch in über 100 m Entfernung gefunden. Die anarchistischen Attentäter wollten gegen den Besuch des Papstes Johannes Paul II. am 15. August protestieren. Wie man auf dem zweiten Bild („Zustand nach 1983“) sieht, ist nun in der Mitte der Figurengruppe an Stelle der Pilatus-Figur die Jesus-Statue getreten, die im Bild von 1910 als dritte Figur (von links her) zu sehen ist.
Pontchâteau (Département Loire-Atlantique): Heilige Stiege, zum Kalvarienberg gehörig, „dem meistbesuchten Kalvarienberg in Frankreich“, erbaut 1891. In der Mitte des Bauwerks ist Jesus, an den Händen gefesselt, vor Pontius Pilatus dargestellt; auch die oben (bei Lourdes) erwähnte Frau mit dem Krug ist zu sehen: Sie schüttet Wasser in ein Becken, in dem Pilatus seine Hände wäscht.
Italien Rom: San Michele in Sassia, auch Santi Michele e Magno genannt, die Nationalkirche der Niederländer und Friesen in Rom (deshalb auch „Friesenkirche“), nahe dem Petersplatz. Einer der beiden Eingänge ist mit der Inschrift überschrieben. mini|Scala Santa in Campli, Region Abruzzen mini|Eingang zu SS. Michele e Magno in Rom Campli, in der Region Abruzzen: neben der Kirche San Paolo. Bei dieser Stiege (erbaut um 1774) ist die Treppe zum Abstieg (gradini di discesa) ganz getrennt von der Aufstiegstreppe (gradini di ascesa). Deren Stufen sind aus Olivenholz.Damit hat diese Stiege Anteil an der Hochschätzung, ja Heiligung des Olivenbaums in der Antike, im Judentum (Genesis, insbesondere Kap. 8, Verse 8–11, vgl. Bild mit der Friedenstaube), und im Christentum: Seine letzte Nacht () verbrachte Jesus in Getsemani, einem Olivenhain. mini|links|120 px|Friedenstaube mit Ölzweig (Genesis 8,11) Reggio Emilia (Region Emilia-Romagna): in der Kirche SS. Girolamo e Vitale; die Stiege wurde bereits 1646 erbaut. mini|Scala Santa in der Anlage des Sacro Monte di Varallo Sacro Monte di Varallo, in der Provinz Vercelli (Region Piemont): Die Andachtsstätten der neun Sacri Monti („heilige Berge“) in Piemont und in der Lombardei sollten die für viele Pilger nicht oder nicht mehr erreichbaren Stätten im Heiligen Land versinnbildlichen. Sie sind (seit 2003) Bestandteile des UNESCO-Weltkulturerbes. Der Sacro Monte di Varallo (erbaut 1578 bis 1584) enthält eine Nachbildung des Palastes des Pontius Pilatus (also des Prätoriums) mit der Heiligen Stiege (Scala Santa).
Tschechien Brünn (Brno): Minoritenkirche St. Johannes; die Heilige Treppe ist in der zur Kirche gehörenden Loretokapelle. Erbaut 1733. Muttergottesberg (Hora Matky Boži): Eine Klosteranlage bei Grulich (Králíky); die Stiege befindet sich in einem Gebäude innerhalb des Kreuzgangs. Erbaut 1710. Am Anfang der Stiege sind Tafeln mit ausführlichen Erläuterungen in tschechischer und deutscher Sprache. Der Text gibt als ursprünglichen Ort der historischen Stiege in Jerusalem noch die Burg Antonia (siehe oben) an. Sonst folgt er im Wesentlichen . Für „Ecce homo“ müsste dabei allerdings stehen „Seht, der Mensch!“ (Einheitsübersetzung 2016). Prag: Kirche Mariä Himmelfahrt und Karl der Große (Kostel Nanebevzetí Panny Marie a Karla Velikého na Karlově): Gegenüber dem Kircheneingang wurde 1708 eine Heilige Stiege erbaut. Rumburg (Rumburk): am Kreuzgang in der Loretokapelle, erbaut 1767–1770.
Polen Sośnica Krakau, Piaristenkirche: Hier ist die Heilige Stiege (Święte Schody) ein Teil der Krypta. Zwei der 28 Stufen werden durch Treppenabsätze gebildet. Die ursprüngliche Bedeutung der Treppe ist in Vergessenheit geraten.
Nordamerika Die Basilika von Sainte-Anne-de-Beaupré in Kanada. Sie ist ein bedeutender Wallfahrtsort am Sankt-Lorenz-Strom, unweit der Stadt Québec. Zur Basilika gehört die Heilige Stiege von 1891, die erste in Amerika. Sie ist in einem separaten Gebäude in der Nähe der Basilika untergebracht. In Montréal, ebenfalls in Kanada, und nicht weit entfernt vom Sankt-Lorenz-Strom, gibt es eine Kapelle im Bezirk des Sanctuaire de Sacré Cœur et de Padre Pio. Diese Kapelle wurde 1905 in der Mitte des Kreuzwegs (Chemin de Croix) erbaut. Die Kapelle enthält im Obergeschoss, das man über die Stiege erreicht, eine plastische Darstellung des Letzten Abendmahls (frz.: Cène).Die Abendmahls-Gruppe, in Lebensgröße, wurde 1906 von der Union Internationale Artistique de Vaucouleurs hergestellt. Das war ein Atelier, gegründet 1865, bis 1881 unter dem Namen Institut Catholique de Vaucouleurs, in Vaucouleurs, Frankreich, Département Meuse. Die Firma existierte bis 1967. Sie lieferte kirchliche Kunst serienmäßig und nach Katalog. Weitere Werke aus Vaucouleurs gibt es in der Provinz Québec an dem Kreuzweg, der oben bei Montréal erwähnt ist, sowie in Sainte-Anne-de-Beaupré und anderen Orten. In Pittsburgh, im Staat Pennsylvania (USA), die St.-Patrick-Kirche, die älteste katholische Kirche in Pittsburgh (gegründet 1808). Diese Kirche, im Strip-Bezirk gelegen, die nach außen bescheiden wirkt, hat im Inneren eine klassische Heilige Stiege mit 28 Marmorstufen, die 1936 erbaut wurde.
Nicht mehr existierende Heilige Stiegen mini|Heilige Stiege, einst in der Theatinerkirche in München