mini|Inschrift über dem Eingang des Kulturzentrums der Armee in Madrid: Si vis pacem para bellum

Si vis pacem para bellum ist ein lateinisches Sprichwort.Thomas Benfield Harbottle: Dictionary of Quotations Latin. Macmillan, New York 1909 Wörtlich übersetzt lautet es: „Wenn du (den) Frieden willst, bereite (den) Krieg vor.“Im Lateinischen gibt es – im Gegensatz zum Deutschen – keinen bestimmten Artikel. Daher ist die Übersetzung sowohl mit als auch ohne bestimmten Artikel möglich. Andere, freiere Übersetzungsversionen sind: „Wenn du Frieden willst, rüste zum Krieg“Wilfried Stroh: Cicero. Redner, Staatsmann, Philosoph (= Beck’sche Reihe. Bd. 2440). Beck, München 2008, S. 114. oder „Wer den Frieden sucht, bereite den Krieg (vor)“.

Der Klassische Philologe Eduard Wölfflin wies allerdings darauf hin, dass man den Spruch „bei allen Autoren gesucht und nirgends gefunden“ habe. Er hielt ihn deshalb „in dieser Form nicht für antik“.Zitat aus Eduard Wölfflins Vortrag:

Die Grundidee findet sich schon bei Platon:

Das Sprichwort bezeichnet auch die Quintessenz der 7. Philippica, einer nach allen Regeln der Rhetorik gehaltenen Grundsatzrede von Marcus Tullius Cicero Mitte Januar 43 v. Chr. vor dem römischen Senat. Darin stellt er sich zunächst als Anwalt des Friedens vor. Anschließend legt er dar, warum ein Friede mit Marcus Antonius erstens schimpflich, zweitens gefährlich und drittens unmöglich sei.

Außerdem kommt sie bei Ciceros Zeitgenossen Cornelius Nepos vor (Epaminondas 5, 4). Am nächsten kommt dem Satz der römische Militärschriftsteller Vegetius (um 400 n. Chr.) im Vorwort zu Buch III seines Werkes De re militari:

Weiter ausgeführt ist der Gedanke bei Augustinus (De civitate Dei XIX, 12). Aufgenommen wird er unter anderem von Johannes von Salisbury und Sedulius Scottus. Auch im Ritterspiegel von Johannes Rothe wird er behandelt und Vegetius mehrfach zitiert.Johannes Rothe: Der Ritterspiegel. Herausgegeben, übersetzt und kommentiert von Christoph Huber und Pamela Kalning. Walter de Gruyter, Berlin 2009, ISBN 978-3-11-020819-1 mini|Parabellumpistole In der Moderne entstand aus dem Spruch das waffentechnische Warenzeichen Parabellum.Boris Paraschkewow: Wörter und Namen gleicher Herkunft und Struktur. Lexikon etymologischer Dubletten im Deutschen. Walter de Gruyter, Berlin 2004, ISBN 3-11-017470-7 Auch der Originaltitel des US-amerikanischen Actionfilms John Wick: Kapitel 3 (John Wick: Chapter 3 – Parabellum, 2019) hat seinen Namen von diesem Sprichwort.

Walter Benjamin veränderte den Sinn des Sprichwortes durch Austausch des Prädikats entscheidend – er schrieb 1926 in einem Aufsatz, in dem er sich kritisch mit Strömungen innerhalb des Pazifismus auseinandersetzt:

Diese Sentenz findet sich auch am Deutschen Panzermuseum Munster.Panzermuseum Munster, Benjamin-Zitat mini|Deutsches Panzermuseum Munster Die Umkehrung des Satzes in si vis pacem para pacem taucht in einem friedenswissenschaftlichen Zusammenhang erstmals als bei John Noble (Arbitration and a congress of nations as a substitute for war in the settlement of international disputes) 1862 auf. Sie beschreibt die Entwicklung zeitgemäßer Friedenskonzepte:Peter Imbusch, Ralf Zoll (Hrsg.): Friedens- und Konfliktforschung: Eine Einführung mit Quellen. (Friedens- und Konfliktforschung Bd. 1.), Springer-Verlag, Wiesbaden 2013, ISBN 978-3-322-97349-8

Rezeption Im Asterix-Band Der große Graben (Le Grand Fossé, 1980, Seite 32) ließ Albert Uderzo streikende Legionäre ein Banner mit der Variation SI VIS PACEM EVITA BELLUM („Willst du Frieden, vermeide den Krieg“) tragen.

Literatur Carl Lang (Hrsg.): Flavius Vegetius Renatus: Epitoma rei militaris. Bibliotheca scriptorum Graecorum et Romanorum Teubneriana, B. G. Teubner, Oxford 1885. Peter Imbusch, Ralf Zoll (Hrsg.): Friedens- und Konfliktforschung: Eine Einführung mit Quellen. (Friedens- und Konfliktforschung Bd. 1.), Springer-Verlag, Wiesbaden 2013, ISBN 978-3-322-97349-8. Dieter Senghaas (Hrsg.): Den Frieden denken. Si vis pacem, para pacem. Frankfurt/M. 1995, ISBN 978-3-518-11952-5. Alexander Merkl: "Si vis pacem, para virtutes": ein tugendethischer Beitrag zu einem Ethos der Friedfertigkeit. (Studien zur Friedensethik / Studies on Peace Ethics Bd. 54.), Nomos, Baden-Baden 2015, ISBN 978-3-8487-2704-9. Sieg bedarf der Vorbereitung: Über Stärke, Liebe, Klarheit und inneren Frieden. Ein Essay über „Amat victoria curam“ und „Si vis pacem, para bellum“: Warum Vorbereitung keine Lust am Krieg bedeutet, weshalb Mut, Selbstreflexion und Klarheit zum Leben gehören und warum wahre Stärke am Ende der Liebe und dem inneren Frieden dienen sollte. Online verfügbar.

Einzelnachweise

Anmerkungen

Kategorie:Lateinische Phrase Kategorie:Sprichwort Kategorie:Geflügeltes Wort Kategorie:Militärgeschichte