Die Cannone da 105/28 ist eine mittlere Feldkanone, welche die italienischen Streitkräfte im Ersten und Zweiten Weltkrieg eingesetzt haben. Ihre Konstruktion ist eng mit der französischen Canon de 105 Mle 1913 von Schneider verwandt, da es sich um eine Lizenzfertigung mit leichten Änderungen durch das italienische Werk handelt.
Entwicklung mini|Instellungbringen eines Geschütz 105/28 während des Ersten Weltkrieg Die italienischen Königlichen Streitkräfte hatte vor dem Beginn des Ersten Weltkriegs die Idee, die eigenen Streitkräfte nur mit leichten Feldkanonen und Haubitzen als schweren Waffen auszurüsten. Hierzu wurde im Jahr 1914 die Obice da 149/12 als Waffe der Feldartillerie eingeführt. Seitens des italienischen Generalstab wurde jedoch erkannt, dass sich dadurch eine Lücke in der Wirkung der eigenen Waffen ergab. Auch in Frankreich wurde die Lücke zwischen den 75-mm-Feldkanonen und den großkalibrigen Feldhaubitzen (Canon lourds de campagna) erkannt. Der französische Konzern Schneider reagiert schnell, da man bereits im zaristischen Russland ein Geschütz für eine solche Anforderung entwickelt hatte, die 107-mm-Feldkanone M1910, welche im Putilow-Werk gebaut wurde. Problematisch war für Ansaldo und die italienischen Streitkräfte, dass das Königreich formell mit dem Deutschen Kaiserreich verbündet war und Frankreich ein historischer Gegner des Deutschen Kaiserreichs war. Trotzdem entwickelte man basierend auf dem französischen Entwurf der Canon de 105 Mle 1913 ein sehr ähnliches, aber doch weiterentwickeltes Geschütz. Hierbei blieb jedoch die Konstruktion von Rohr und Verschluss unverändert.
Technische Beschreibung Bei der Cannone da 105/28 wurde ein größerer Schild verwendet als bei dem französischen Schwestergeschütz, was die Unterscheidung der beiden Waffen sehr erleichtert. Eine starke Einschränkung beim Ursprungsgeschütz war der geringe Seitenrichtbereich. Durch konstruktive Veränderungen gelang es diesen von 6° auf 14° zu erweitern.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde eine stärkere Anpassung an die aktuellen Marschgeschwindigkeiten mechanisierter Verbände angestrebt. Hierzu wurde die Lafette überarbeitet und ursprünglichen Holzspeichenräder wurden nach 1937 gegen gummierte Leichtmetallräder (Elektron) ausgetauscht. Als der Krieg zu Rohstoffknappheit führte, begann man für das Geschütz Stahlblechräder zu verwenden.
10,5-cm-Kanone 338 (j) Die Bezeichnung 10,5-cm-Kanone 338 ist die spezielle deutsche Bezeichnung für die italienische Version dieser 105-mm-Feldkanone entsprechend der Kennblätter fremden Geräts. Ergänzt wird die Herkunftsbezeichnung (j) für Jugoslawien. Das Geschütz war von Italien in der Zwischenkriegszeit an Jugoslawien verkauft worden. Diese Geschütze vielen während der deutschen Operationen gegen die Balkanstaaten (Balkan-Feldzug) und nach der Besetzung Jugoslawiens den nunmehrigen Besatzungstruppen in die Hände. Die Wehrmacht nutzte praktisch alle Waffen, die nicht vollständig unbrauchbar waren und so wurden auch dies Geschütze von der Wehrmacht vereinnahmt.
10,5-cm-Kanone 338 (i) Die bereits bekannte Typenbezeichnung 10,5-cm-Kanone 338 wurde nach dem Waffenstillstand von Cassibile von den deutschen Streitkräfte auch für das entsprechende Artilleriegerät der ehemaligen königlichen italienischen Streitkräfte übernommen und mit der Kennung (i) für Italien versehen. Teils wurde die Waffen den verbündeten Streitkräften der RSI (Italienischen Republik) übergeben, doch häufig wurden die Waffen auch unmittelbar von den deutschen Streitkräften selber genutzt.
Museale Rezeption Die Canonne da 105/28 wurde lange Zeit verwendet und durch den Waffenstillstand von Cassibile war Italien am Ende des Zweiten Weltkriegs nicht gezwungen, die Geschütze zu verschrotten. So finden sich heute in Museen und an Erinnerungsorten noch Geschütze dieses Typs. So zum Beispiel:
Museo Histórico Militar de Cartagena - Cartagena / Spanien Fort de la Pompelle - Puisieulx / Frankreich Belgrade Military Museum - Belgrad / Serbien Polpenazze del Garda - Ecke Via Lago Lucone / Via Castelletto - Polpenazze del Garda / Italien Raibler See / Valle Rio del Lago - Tarvisio / Italien Sacrario militare di Asiago - Asiago (Viale Eroi) / Italien Batteria Battisti (4 Geschütze) / Doss Trento - Trient / Italien
Literatur
S. 138
Terry Gander, Peter Chamberlain: Enzyklopädie deutscher Waffen 1939–1945. 2. Auflage. Spezialausgabe. Motorbuchverlag, Stuttgart 2006, ISBN 3-613-02481-0.
Weblinks
105mmCannone da 28 105 28