mini|hochkant=1.3|Stammwappen der Leininger in Genealogische Geschichte des […] Hauses Leiningen und Leiningen-Westerburg mini|hochkant=1.3|Die Grafschaft Leiningen mit den Grafschaften Falkenstein und Wartenberg, Franz Johann Joseph von Reilly, 1793/1794 Das Haus Leiningen ist ein weitverzweigtes Grafen- bzw. Fürstengeschlecht aus dem pfälzischen Raum (im heutigen Bundesland Rheinland-Pfalz), das als ehemals reichsunmittelbares Haus dem Hochadel angehörte.

Geschichte

Ausgangspunkt

Seinen belegbaren Ausgang nahm das Geschlecht von der im 12. Jahrhundert errichteten Burg Leiningen im nordöstlichen Pfälzerwald; die Burg wurde später „Altleiningen“ genannt, als im 13. Jahrhundert, am fünf Kilometer entfernten Ostrand des Pfälzerwalds zur Rheinebene hin, die Schwesterburg Neuleiningen hinzukam.

Unterhalb der Burg Altleiningen im Tal des Eckbachs liegt die Gemeinde Altleiningen, während die Gemeinde Neuleiningen sich auf der Anhöhe um die gleichnamige Burg herum entwickelt hat. Das Stammland der Leininger um die beiden Burgen trägt heute den Namen Leiningerland und deckt sich weitgehend mit der Verbandsgemeinde Leiningerland sowie der Stadt Grünstadt.

Die Anfänge (Alt-Leiningen) Über die Frühzeit des Geschlechts bis ins 12. Jahrhundert lassen sich keine gesicherten Angaben machen. Die erste sichere Erwähnung der Familie stammt aus dem Jahr 1128, als Emicho, Graf von Leiningen eine Urkunde des Mainzer Erzbischofs Adalbert I. von Saarbrücken bezeugte.Toussaint 1982, S. 204.

Dieser Emich II. von Leiningen († vor 1138) wird in der neueren Literatur als Stammvater des Adelsgeschlechts betrachtet. Für eine Abstammung von den Emichonen, den Grafen im Nahegau, den Nachweis zu führen, gestattet die Quellenlage nicht, wenngleich sie als wahrscheinlich anzunehmen ist.Toussaint 1982, S. 205. Auch die Beziehungen zum Kreuzfahrer Emicho lassen sich nicht mehr klären; möglicherweise war er der Großvater Emichs II.Toussaint 1982, S. 71.

Emich II. baute das Kerngebiet seiner Herrschaft um die Burg Leiningen (heute Altleiningen) aus. Unbekannt ist sein Anteil am Bau oder Ausbau der Burg. In seine Zeit fällt die Gründung des Chorherrenstifts Höningen (siehe auch Höninger Lateinschule) zwischen 1119 und 1124.Toussaint 1982, S. 30. Der letzte Altleininger Graf, Reinhard August zu Leiningen-Westerburg-Altleiningen († 1929), ließ sich 1913 von Guido Philipp Schmitt, im Stil des Historismus, als sein Vorfahre Emich II. porträtieren. Das Gemälde befindet sich heute im Museum Grünstadt. Nach ihm wurde noch im gleichen Jahr das Bronzerelief des Emichbrunnens in der jetzigen Fußgängerzone Grünstadt gestaltet.Website zum Emich- oder Röhrbrunnen Grünstadt.

Nachfolger Emichs II. als regierende Grafen waren Emich III. († zwischen 1180 und 1187)Zu seiner Person und seiner Beziehung zu König Konrad III.: Wolfram Ziegler: Konrad III. – Hof, Urkunden und Politik. Böhlau, Wien u. a. 2008, ISBN 978-3-205-77647-5, S. 552 f. und Friedrich I. (Emich) († vor 1214). Die Grafen von Leiningen erhielten 1204/05 die Landvogtei über den Speyergau sowie Vogtrechte über das Kloster Limburg.

Zwischen 1212 und 1214 starben die Leininger in männlicher Linie aus.Toussaint 1982, S. 248.

Stammliste Alt-Leiningen Emich II. († vor 1138) Emich III. († zwischen 1180 und 1187) Friedrich I. (Emich) († zwischen 1212 und 1214) ⚭ Gertrud von Habsburg Elisa ⚭ Graf Ruprecht III. von Nassau Alberat, ⚭ Graf Siegfried von Peilstein-Mörle-Kleeberg Liutgard ⚭ I. Graf Simon II. von Saarbrücken, ⚭ II. Graf Lothar (Wied), 1220

Mehrere Personen entfallen, die in der Literatur als Leininger bezeichnet oder vermutet wurden: Emich I., genannt 1096 als Kreuzfahrer Embricho, 1127–1146 Bischof von Würzburg Heinrich II., 1159–1165 Bischof von WürzburgH. Grote: Stammtafeln, Leipzig 1877, S. 154. Siegfried II., 1127–1146 Bischof von Speyer Günther, 1146–1161 Bischof von Speyer

Die Teilungen Nach dem Aussterben der Leininger um das Jahr 1212 nahm der Neffe des letzten Grafen, Sohn seiner Schwester Liutgard und des Grafen Simon II. von Saarbrücken, als Friedrich II. den Namen Leiningen und das Wappen an.Franz Neumer: Ist Hochspeyer eine leiningische Gründung?, in Jahrbuch zur Geschichte von Stadt und Landkreis Kaiserslautern, Band 32/33, 1994/95, S. 17 (zitiert seinerseits Ruppersberg 1979 und Toussaint 1982). Damit begründete er die jüngere Linie Leiningen. Zum vorhandenen Leininger Besitz kamen vom Vater ererbte Güter (Hardenburg) sowie die Vogtei über das Kloster Limburg hinzu. Sein Sohn Friedrich III. erwarb 1241 die Grafschaft Dagsburg in den Vogesen. Der zweite Sohn, Emich IV., Gründer der Stadt Landau in der Pfalz, erhielt bei der Erbteilung von 1237 die Burg Landeck mitsamt allen dazugehörigen Ortschaften und Rechten und begründete die kurzlebige Linie Leiningen-Landeck, die aber schon 1289/1290 mit dem Tod seines Sohnes Emicho und Enkels Rudolf wieder erlosch. 1317 kam es unter den Enkeln Friedrichs III. zur Teilung in die beiden Linien Leiningen-Dagsburg und Leiningen-Hardenburg.

Die (ältere) Linie Dagsburg starb schon 1467 wieder aus. Letzter dieser Linie war der noch 1444 zum Fürsten ernannte Landgraf Hesso von Leiningen-Dagsburg. Dessen Schwester Margarethe, verheiratet mit Reinhard III. von Westerburg, erhielt den größeren Teil des Erbes, weshalb sich die im Westerwald beheimateten Grafen von da an Leiningen-Westerburg nannten. Der Stammsitz der älteren Dagsburger Linie, die Dagsburg, fiel an die Linie Leiningen-Hardenburg, die daraufhin den Namen Leiningen-Dagsburg(-Hardenburg) annahm.

Ab dem 15. Jahrhundert gab es also zwei gräfliche Häuser Leiningen, eine aus der älteren Dagsburger Linie hervorgegangene Familie Leiningen-Westerburg und eine aus der Linie Leiningen-Hardenburg hervorgegangene jüngere Familie Leiningen-Dagsburg, die nicht mit der älteren Dagsburger Linie verwechselt werden darf.

Stammliste von Saarbrücken-Leiningen bis zur Teilung mini|Graf Friedrich von Leiningen im Kampf, aus dem Codex Manesse Simon II. ⚭ Liutgard von Leiningen († um 1235) (⚭ (II.) Lothar von Wied) († 1. März 1244 auf Burg Wied) Friedrich II., Graf von Leiningen 1220–1237 ⚭ Agnes von Eberstein ⚭ (II) Diether V. von Katzenelnbogen Simon ⚭ (III.) Gertrud von Metz und Dagsburg ⚭ (I.) 1215 Theobald I., 1213 Herzog von Lothringen, 1216 Graf von Dagsburg und Metz; † 1217 ⚭ (II.) 1217 Theobald IV. von Champagne, König von Navarra, ⚮ vor 1223; Friedrich III. († 1287), Graf von Leiningen-Dagsburg Friedrich IV. († 1310), ⚭ Gräfin Johanna von Dagsburg Friedrich V. († 1328), Landgraf von Leiningen-Leiningen Emich von Leiningen († 20. April 1328), Bischof von Speyer 1314–1328 Gottfried († um 1343), Graf von Leiningen-Dagsburg Friedmann († 1345), Graf von Leiningen-Dagsburg Emich VI. († 1375), Graf von Leiningen-Hardenburg Emich IV. († 1281), Graf von Leiningen-Landeck Emich V. († 1289), Graf von Leiningen-Landeck Rudolf († 1290) Heinrich von Leiningen († 18. Januar 1272 wahrscheinlich in Worms) Bischof von Speyer 1245–1272 Berthold von Leiningen († 12. Mai 1285), Bischof von Bamberg 1257–1285 Kunigunde

Leiningen-Westerburg mini|Schloss Westerburg (Westerwald) → siehe auch: Stammliste des Hauses Leiningen-Westerburg mini|hochkant|Wappen der Grafen zu Leiningen-Westerburg Als Gräfin Margarethe von Leiningen-Westerburg (⚭ Reinhard III. Herr von Westerburg († 1449) aus dem Haus Runkel-Westerburg) 1470 starb, fiel der gesamte Westerburger und Leininger Besitz an ihren Enkel Reinhard, der sich von da an „Graf zu Leiningen-Westerburg“ nannte. Er vermachte seine pfälzischen Besitzungen seinem Sohn aus erster Ehe, Philipp, und teilte seine westerwäldischen Besitzungen unter den Söhnen Kuno und Georg aus zweiter Ehe. Somit entstanden zunächst auch hier drei Linien: Leiningen-Leiningen (bis 1622) Leiningen-Westerburg († 1597) Leiningen(-Westerburg)-Schaumburg (bis 1705)

Das Haus Leiningen-Leiningen erwarb im 16. Jahrhundert die Grafschaft Rixingen in Lothringen und erhielt 1570, beim Aussterben der Grafen von Zweibrücken-Bitsch, auch einen Teil von deren Herrschaft, u. a. Oberbronn im Elsass. 1569 führten die Leininger die Reformation ein, hoben das Kloster Höningen auf und gründeten an dessen Stelle eine Lateinschule, auf die das heutige Leininger-Gymnasium in Grünstadt zurückgeht.

Als 1622 Graf Ludwig von Leiningen-Leiningen starb, teilte sich dieses Haus wiederum in drei Linien: Leiningen-Leiningen († 1635) Leiningen-Rixingen († 1705) Leiningen-Oberbronn († 1665) Als 1705 mit Graf Philipp Ludwig von Leiningen-Rixingen die letzte dieser Linien ausstarb, fielen diese Teile an die überlebenden Verwandten aus der Schaumburger Linie. mini|Kloster Ilbenstadt, von 1803 bis 1921 Sitz der Grafen zu Leiningen-Westerburg

Die Hauptlinie Leiningen-Westerburg starb schon 1597 aus, ihre Besitzungen fielen ebenfalls an die Nebenlinie Leiningen-Schaumburg. 1695/1705 teilte sich auch diese Linie mehrfach. Von diesen Nebenlinien des gräflichen Hauses Leiningen existierten zwei bis in das 20. Jahrhundert: Leiningen-Westerburg-Altleiningen (besteht in einer Linie in Österreich nominell bis heute)Auf Grund des österreichischen Adelsaufhebungsgesetzes trägt der österreichische Zweig des gräflichen Hauses Leiningen-Westerburg den Adelstitel Graf nicht mehr im bürgerlichen Namen. Der letzte agnatische Namensträger Wilhelm Graf zu Leiningen-Westerburg aus der Linie Altleiningen verstarb 1929 ohne männliche Nachkommen. Dessen Schwester Eleonore adoptierte 1930 Konrad Schmitt, welcher somit den Namen Graf zu Leiningen-Westerburg-Altleiningen noch bis zu seinem Tode 1993 führte. Siehe dazu: Hans Heiberger: Das Ende der Grafen zu Leiningen-Westerburg. Grünstadt 2000, S. 12 ff., 26, 77 und 83. Leiningen-Westerburg-Neuleiningen († 1956)

Die linksrheinischen Besitzungen der Grafen wurden im Gefolge der Französischen Revolution 1793 dem französischen Staat einverleibt, die beiden Grafen von Alt- und Neuleiningen in Paris vorübergehend inhaftiert. Sie wurden im Reichsdeputationshauptschluss 1803 mit den ehemaligen Abteien Ilbenstadt und Engelthal in der Wetterau entschädigt. 1806 wurden ihre Güter den Großherzogtümern Berg und Hessen-Darmstadt bzw. den Fürstentümern Nassau-Weilburg und Nassau-Usingen einverleibt.

Leiningen-Dagsburg mini|Die Grabkapelle der Linie Leiningen-Dagsburg-Hardenburg, seitlich angebaut an der Schlosskirche Bad Dürkheim (1508) Die andere Linie, Leiningen-Dagsburg-Hardenburg, konnte sich im Besitz der Landvogtei Unterelsass dort weiteren Besitz verschaffen. 1466 erwarb diese Linie die Herrschaft Apremont in Lothringen. Eine bereits 1343 abgespaltene Linie zu Rixingen fiel 1506 an Pfalz-Zweibrücken.

Leiningen-Hardenburg konnte im 15. und 16. Jahrhundert Weißenburger Lehen erlangen, doch 1560 erfolgte eine weitere Teilung, aus der die Linien Leiningen-Dagsburg-Hardenburg und Leiningen-Dagsburg-Falkenburg (bis 1658) hervorgingen.

Leiningen-Dagsburg-Hardenburg mini|Kloster Amorbach, seit 1803 Sitz der Fürsten zu Leiningen mini|Das Schloss Waldleiningen von 1828 wurde im britischen Stil durch Karl zu Leiningen in Auftrag gegeben