Iwan der Schreckliche (Originaltitel: Князь Серебряный) ist ein historischer Roman des russischen Schriftstellers Alexei Konstantinowitsch Tolstoi aus dem Jahre 1862. Die deutschsprachige Erstausgabe erschien 1881 unter dem Titel Fürst Serebrjanyj, im Jahr 1882 folgte eine deutschsprachige Übersetzung unter dem Titel Fürst Serebräny. Weitere Titelvarianten deutschsprachiger Ausgaben lauten Fürst Serebriany, Der silberne Fürst, Der Bojar Iwans des Schrecklichen oder Zar Iwan der Schreckliche. Bei den aktuelleren Ausgaben dominiert die Titelvariante, bei der der russische Zar Iwan IV. genannt ist.
Kurzbeschreibung Ein russischer Bojar kehrt nach jahrelanger Abwesenheit in die Heimat zurück, wo er seine Geliebte verheiratet vorfindet und das Land geknechtet durch Blutvergießen und Ungerechtigkeit. Zerrissen zwischen Loyalität zum politischen System einerseits, aristokratischem Ehrgefühl andererseits, kann der Bojar sich nach Verhaftung, Todesurteil, Dasein als Räuberhauptmann zwar dem Zugriff des Zaren entziehen, doch seine Geliebte bleibt unerreichbar.
Inhalt Serebrjanys Heimkehr und Enttäuschung Nach fünfjähriger diplomatischer Tätigkeit in Litauen kehrt der russische Bojar Fürst Serebrjany im Juni 1565Alexej Konstantinowitsch Tolstoj: Iwan der Schreckliche. Roman. Weltbild-Bücherdienst, Augsburg 1986. S. 9. in eine grundlegend veränderte Heimat zurück: Zar Iwan hat als Instrument in seiner Fehde gegen die Bojaren eine „Leibwache“Tolstoj: Iwan der Schreckliche, S. 13. gegründet, die Opritschniks. Fünfzig dieser Serebrjany ihrer Art nach unbekannten Milizionäre überfallen ein Dorf, als Serebrjany sich mit seinem Gefolge dort aufhält.Tolstoj: Iwan der Schreckliche, S. 16. Er vertreibt die Opritschniks, befreit zwei der von ihnen mitgeschleppten Gefangenen und nimmt Matthäus Chomjak gefangen, den Führer des Opritschnik-Zugs, der Serebrjany von der Opritschnina erzählt. Chomjaks Aussagen bestätigen die beiden befreiten Opritschnik-Gefangenen, bei denen es sich um den Räuberhauptmann Wanjucha Persten und dessen Stellvertreter handelt, die jedoch ihr Räuberhandwerk verschweigen.Tolstoj: Iwan der Schreckliche, S. 19. Serebrjany, sein Reitknecht, Wanjucha Persten und dessen Stellvertreter reiten weiter in Richtung Moskau, sie trennen sich an einer Mühle. Persten gibt David, den Müller, als Vertrauensmann an, falls Serebrjany einmal die Hilfe Perstens benötige.Tolstoj: Iwan der Schreckliche, S. 25. Nachdem diese Gäste die Mühle verlassen haben, kommt ein neuer Gast: Fürst Wjasemskij, ein Bojar, der um der Karriere willen zum Opritschnik geworden ist und von dem „Hexenmeister“Tolstoj: Iwan der Schreckliche, S. 27. David Rat in Liebesdingen begehrt. Wjasemskij ist bis zur Besessenheit verliebt in Helene, welche wiederum Serebrjany Treue geschworen hatte, ehe er gen Litauen zog. Doch dann heiratete sie den greisen Bojaren Druschina Morosoff, um den hartnäckigen Nachstellungen des Zaren-Günstlings Wjasemskij zu entgehen.Tolstoj: Iwan der Schreckliche, S. 50. Serebrjany erreicht währenddessen Moskau, wo er Morosoff einen Brief aus Litauen abliefern will,Tolstoj: Iwan der Schreckliche, S. 41. doch Helene im Garten der Bojaren-Villa antrifft, ehe er mit Morosoff spricht. Dass Helene ihn küsst, wird von Morosoff gesehen, ohne dass Morosoff den fremden Mann identifizieren kann.Tolstoj: Iwan der Schreckliche, S. 51–52. Serebrjany plagen Gewissensbisse wegen dieses Kusses: Da ihm seine Heimkehr ohnehin keine Freude brachte, weil er Helene verheiratet fand,Tolstoj: Iwan der Schreckliche, S. 64. und da er den Kuss als „Verrat“ an seines Vaters Freund Morosoff ansieht, ist Serebrjany zu Tode verzweifelt: „Ich kann nicht mehr leben bis zum nächsten Tag!“Tolstoj: Iwan der Schreckliche, S. 65.
Serebrjany am Hofe Iwans des Schrecklichen Aufgrund seines Liebeskummers macht es Serebrjany auch nichts aus, sich einem Urteil des Zaren wegen des Widerstands gegen Chomjaks Überfall auf das Dorf zu stellen. Mit seinem Reitknecht Michael begibt Serebrjany sich zur Zaren-Residenz Alexandrowa Sloboda, wo der Opritschnik und Zaren-Günstling Fjodor Basmanow einen wilden Bären frei laufen lässt. Der Bär greift den aus Sicherheitsgründen entwaffneten Serebrjany an, welcher sich entschlossen gegen den Bären zu verteidigen versucht. Doch nur durch das Schwert des Opritschniks Maxim Skuratow wird Serebrjany gerettet.Tolstoj: Iwan der Schreckliche, S. 73. Da der Zar aus einem Fenster heraus Serebrjanys mutiges Verhalten gesehen hat, lädt er Serebrjany zu einem Bankett mit 700 Gästen ein.Tolstoj: Iwan der Schreckliche, S. 74. Serebrjany hat aufgrund der Masse an Gästen keine Gelegenheit, sich dem Zaren diskret zu stellen, wird jedoch Zeuge der Dekadenz des Hofes, davon, dass sich der Zarewitsch auf Kosten von Maljuta Skuratow, dem Vater von Maxim, lustig macht.Tolstoj: Iwan der Schreckliche, S. 87. Er bekommt mit, dass der Zar dem Fürsten Wjasemskij öffentlich vor den 700 Bankettgästen, allerdings verklausuliert, eine Entführung Helenes nahelegt. Als Vorwand für Wjasemskijs Eindringen bei Morosoff könne laut den Worten des Zaren dienen, dass der Zar die über Morosoff „verhängte Acht aufzuheben“ geruhte.Tolstoj: Iwan der Schreckliche, S. 88–89.
Matthäus Chomjak, immer noch blutverschmiert, kommt zum Bankett hinzu. Er berichtet von Serebrjanys Tat, der vom Zaren deswegen zum Tode verurteilt wird. Der Zar heischt im Publikum um Zustimmung,Tolstoj: Iwan der Schreckliche, S. 94. doch Maxim Skuratoff widerspricht offen, „weil du, Zar, Serebrjany nicht angehört hast, weil du ihm nicht gestattet hast, sich zu verteidigen“.Tolstoj: Iwan der Schreckliche, S. 95. Dem launischen Zaren beliebt es, Serebrjany auf Bewährung zu begnadigen und Maxim zu befördern. Doch Maxim lehnt die Beförderung ab und regt an, stattdessen in den Krieg gegen Litauen oder Livland zu ziehen. Noch lieber würde er sich nach Rjasan versetzen lassen, „um die Tataren zu bekämpfen!“Tolstoj: Iwan der Schreckliche, S. 98. Von Serebrjany hingegen verlangt der Zar zu schwören, dass er sich nicht an die Front entziehen werde, damit „du, wo du auch seist, allzeit auf meine Strafe, die ich über dich verhängen könnte, gefaßt bist“.Tolstoj: Iwan der Schreckliche, S. 102. Seinem Vater Maljuta Skuratoff gegenüber gesteht Maxim, dass er von Serebrjany beeindruckt gewesen sei und erkannt habe, „daß Wahrheit und Gerechtigkeit nicht auf eurer Seite sind“.Tolstoj: Iwan der Schreckliche, S. 105. Heimlich verschwindet Maxim vom Zarenhof.Tolstoj: Iwan der Schreckliche, S. 109–110. Später findet er vorübergehend in einem Kloster Zuflucht.Tolstoj: Iwan der Schreckliche, S. 239.
Der Zarewitsch und Fedor Baßmanoff foppen Maljuta am Folgetag wegen des Verschwindens Maxims, was Maljuta gegen den Zarewitsch und Fedor Baßmanoff besonders aufbringt,Tolstoj: Iwan der Schreckliche, S. 121. so dass er dem Zaren einzuflüstern beginnt, die dem Zar verhassten Bojaren würden den Zarewitsch als Galionsfigur bei einem Aufstand gegen den Zaren gebrauchen. Nur scheinbar rechtfertigt Maljuta den Zarewitsch: Der Thronfolger werde „so bei sich gedacht haben: Ein wenig früher oder später – es kommt auf eins hinaus.“Tolstoj: Iwan der Schreckliche, S. 124. Durch einen Zufall sieht der Zar fast gleichzeitig, wie Kaufleute gunsterheischend vor dem Zarewitsch niederknien, was Maljuta dramatisiert: Dort „huldigt ihm bereits das Volk als seinem Herrscher“.Tolstoj: Iwan der Schreckliche, S. 125. Der paranoide Zar Iwan befiehlt Maljuta daraufhin die Beseitigung des Zarewitsch.Tolstoj: Iwan der Schreckliche, S. 126. Maljuta entführt zusammen mit Chomjak den Zarewitsch, dessen Identität durch eine Kappe verschleiert bleibt.
Einerseits erfahren Wanjucha Persten und seine Räuberbande durch einen Boten von dem zwanzigköpfigen Entführer-Trupp „mit kostbaren Waffen und goldgestickten Kaftans“, der den Räubern eine lohnende Beute scheint.Tolstoj: Iwan der Schreckliche, S. 138. Andererseits erfährt auch der auf Bewährung freigelassene Serebrjany durch seinen Reitknecht Michael, der auf Wallfahrt auswärts weilte, von der Entführung des Zarewitsch, dessen Kappe ein Windstoß kurzzeitig gelüftet hatte und der deswegen von Michael erkannt worden war.Tolstoj: Iwan der Schreckliche, S. 141. Serebrjany ist es, der Maljuta, Chomjak und deren Spießgesellen als Erster erreicht und Maljuta wegen der schimpflichen Tat ohrfeigt.Tolstoj: Iwan der Schreckliche, S. 145. Anschließend stürzen sich Perstens Räuber in das Handgemenge, wobei der Räuber Mitka den Opritschnik Chomjak als denjenigen Staatsterroristen erkennt, der einst Mitkas Braut raubte.Tolstoj: Iwan der Schreckliche, S. 147. Serebrjany rettet den Zarewitsch aus dem Handgemenge, aus dem die Räuber als Sieger hervorgehen: Nur Maljuta und Chomjak sind entkommen. Die Räuber ziehen sich mit ihrer Beute in den Wald, Serebrjany kehrt mit dem Zarewitsch nach der Zaren-Residenz zurück. „Bisher hatte nur das Volk Maljuta verabscheut, jetzt teilte auch der Zarewitsch den allgemeinen Haß gegen ihn. Fortan war Iwan Maljutas einige Stütze. Der allgemeine Abscheu gegen ihn war dem Zaren ein Unterpfand seiner Treue.“Tolstoj: Iwan der Schreckliche, S. 153.
Helenes Entführung und Serebrjanys Inhaftierung