mini|Die namensgebende 40-Réis-Kupfermünze Als Brummer wurden deutsche Söldner, meist aus Schleswig-Holstein, bekannt, die 1850 im Zusammenhang mit dem La-Plata-Krieg von Brasilien angeworben wurden und später überwiegend als Siedler dort verblieben. Der Name geht auf die umgangssprachliche Bezeichnung der Söldner für die großen Kupfermünzen zurück, in denen der Sold ausgezahlt wurde.Carlos Eduardo Piassini: A participação política de imigrantes germânicos no Rio Grande do Sul: os Brummer Kahlden, Haensel, Koseritz e ter Brüggen, 1851-1881, Universidade Federal de Santa Maria, 2016, brasilianisches Portugiesisch, Seite 55, abgerufen am 17. Januar 2024
Geschichte Seit den 1820er Jahren kam es in Südamerika zu wiederholten politischen und militärischen Konflikten, deren Ursache in der zunehmenden Rivalität zwischen dem Kaiserreich Brasilien und der Argentinischen Konföderation um die Vorherrschaft auf dem Kontinent lag. Das Engagement Argentiniens im Uruguayischen Bürgerkrieg veranlasste Brasilien, dort ebenfalls einzugreifen. Ab 1851 entwickelte sich der La-Plata-Krieg.
Als Folge der zunehmenden Spannungen beschloss Brasilien 1850, seine Truppen durch bis zu 26.000 ausländische Soldaten zu verstärken. Das Gesetz Nr. 586 vom 6. September 1850 bildete die Grundlage für Anwerbung und Ausrüstung von Söldnern.
Werbung Ab 1850 warb der brasilianische Offizier Sebastião do Rêgo Barros in Hamburg Truppen an, um sie bei militärischen Operationen gegen Argentinien und seine Verbündeten einzusetzen. Das Gesetz Nr. 586 autorisierte ihn zur Aufstellung einer Truppe und zur Beschaffung von Ausrüstung und Waffen. Im Gegensatz zu früheren Truppenwerbungen für Brasilien hatte er eine Erlaubnis des Hamburger Senats. Unterstützt wurde er dabei von Martin Valentim, einem Brasilianer, und Dr. Gustavo Smidt, einem gebürtigen Deutschen, da Rêgo Barros kein Deutsch sprach.Carlos Eduardo Piassini: A participação política de imigrantes germânicos no Rio Grande do Sul: os Brummer Kahlden, Haensel, Koseritz e ter Brüggen, 1851-1881, Seite 62, Universidade Federal de Santa Maria, 2016, brasilianisches Portugiesisch, abgerufen am 14. Dezember 2022; Fußnote Nr. 68, unter Berufung auf Juvêncio Saldanha Lemos: Os Mercenários do Imperador: A primeira corrente imigratória alemã no Brasil (1824-1830) Deren Einsatz sollte Misserfolge wie die Werbung von deutschen Söldnern 1828 unter Kaiser Dom Pedro I. vermeiden, doch scheint es, dass die beiden Assistenten die mangelnde Sprachkenntnis ihres Vorgesetzten zu ihrem Vorteil ausnutzten. Die Rekrutierung von Männern zwischen siebzehn und fünfzig Jahren fand in mehreren Städten des Deutschen Bundes statt, wobei Werber, Annoncen in der Presse, Flugblätter und klassische Aufmärsche mit Trommelwirbeln auf öffentlichen Plätzen zum Einsatz kamen. Nicht überall wurden die Werber geduldet: so wurde die Werbung in Berlin zwar gestattet, jedoch wurde ein Agent Barros' bei dem Versuch festgenommen, preußische Reserveoffiziere anzuwerben, die noch dienstpflichtig waren.Carlos Eduardo Piassini: A participação política de imigrantes germânicos no Rio Grande do Sul: os Brummer Kahlden, Haensel, Koseritz e ter Brüggen, 1851-1881, Universidade Federal de Santa Maria, 2016, brasilianisches Portugiesisch, Seite 61–63, abgerufen am 14. Dezember 2022
Diplomatische Verwicklungen ergaben sich durch die Intervention des argentinischen Konsuls Luiz Bahne, der die Werbung zu verhindern versuchte. Zusätzlich warnte er in der Presse vor Kannibalen, Giftschlangen, Kriminalität und Krankheiten, um potentielle Rekruten abzuschrecken. Der Brummer Christoph Lenz berichtete über den Versuch, bei der Seereise nach Brasilien auf einem Transportschiff unter einem Vorwand eine Meuterei anzuzetteln, das Schiff zu übernehmen und nach Argentinien umzuleiten, um es an den Kriegsgegner zu verkaufen.Albert Schmid: Die „Brummer“. Eine deutsche Fremdenlegion in brasilianischen Diensten im Kriege gegen Rosas. Mit einem Anhang: Erinnerungen und Erlebnisse eines alten Brummers von Christoph Lenz, Seite 33. Centro, Porto Alegre 1949. Aus: A Nação, Beilage, Nr. 15683–15690. Digitalisat bei Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
In der deutschen Öffentlichkeit stieß die Anwerbung der Truppen auf ein geteiltes Echo, zum Teil wurde in der Presse heftige Kritik an der Überredung junger, unerfahrener Männer zum Kriegsdienst geübt. Berichten über Desertionen wurde viel Raum gegeben, möglicherweise, um weitere Deserteure zu ermutigen.Carlos Eduardo Piassini: A participação política de imigrantes germânicos no Rio Grande do Sul: os Brummer Kahlden, Haensel, Koseritz e ter Brüggen, 1851-1881, Universidade Federal de Santa Maria, 2016, brasilianisches Portugiesisch, Seite 63–64, abgerufen am 14. Dezember 2022 Ablehnende Stimmen gab es auch in Brasilien. Neben der offenen Abneigung gegen Söldner, die nur einer despotischen Regierung verpflichtet seien, wurde befürchtet, dass es zu Spannungen mit den brasilianischen Truppen kommen würde, da die Söldner im Hinblick auf Ausrüstung, Entlohnung und disziplinare Handhabung bessergestellt seien.Carlos Eduardo Piassini: A participação política de imigrantes germânicos no Rio Grande do Sul: os Brummer Kahlden, Haensel, Koseritz e ter Brüggen, 1851-1881, Universidade Federal de Santa Maria, 2016, brasilianisches Portugiesisch, Seite 76, abgerufen am 14. Dezember 2022
Die Werbung fand große Resonanz unter Schleswig-Holsteinern, wo viele Veteranen des soeben zu Ende gegangenen Ersten Schleswigschen Krieges und der Revolutionen 1848/1849 zur Rekrutierung zur Verfügung standen.Christian Koller: The British Foreign Legion – Ein Phantom zwischen Militärpolitik und Migrationsdiskursen, in: Militärgeschichtliche Zeitschrift, 2015, 74(1–2), Seite 27–59. Nach den Erinnerungen eines Brummers, Carlos von Koseritz, handelte es sich neben entlassenen Soldaten auch um Abenteurer aller Art, Söldner, die bereits in Afrika und Indien gekämpft hatten, aber auch Studenten, Kadetten und entlaufene Schüler von Militärakademien. Sie waren oft so verzweifelt, dass sich Offiziere als Unteroffiziere anwerben ließen. Dazu kam eine Anzahl von Kriminellen und sozial gescheiterten Personen.Carlos Eduardo Piassini: A participação política de imigrantes germânicos no Rio Grande do Sul: os Brummer Kahlden, Haensel, Koseritz e ter Brüggen, 1851-1881, Universidade Federal de Santa Maria, 2016, brasilianisches Portugiesisch, Seite 61, abgerufen am 14. Dezember 2022 Ein Teil der Rekruten bezweifelte offenbar auch, in Brasilien tatsächlich als Soldaten eingesetzt zu werden. Sie wollten vielmehr auf diese Weise eine Überfahrt nach Südamerika erlangen, da sie sich dort lukrative Arbeits- und Geschäftsmöglichkeiten versprachen. Ungefähr die Hälfte der Rekruten bestand aus ausgebildeten Handwerkern.Carlos Eduardo Piassini: A participação política de imigrantes germânicos no Rio Grande do Sul: os Brummer Kahlden, Haensel, Koseritz e ter Brüggen, 1851-1881, Universidade Federal de Santa Maria, 2016, brasilianisches Portugiesisch, Seite 65, abgerufen am 14. Dezember 2022 Etwa siebzig Rekruten setzten sich nach Empfang von 25 Talern Handgeld und Verpflegung wieder von der Truppe ab.
Zusammensetzung mini|Organigramm (Portugiesisch) Die Truppe bestand aus einem Bataillon Infanterie, vier Batterien Artillerie und zwei Pionierkompanien sowie einem Führungsstab.Carlos Eduardo Piassini: A participação política de imigrantes germânicos no Rio Grande do Sul: os Brummer Kahlden, Haensel, Koseritz e ter Brüggen, 1851-1881, Universidade Federal de Santa Maria, 2016, brasilianisches Portugiesisch, Seite 71–72, abgerufen am 14. Dezember 2022 Die insgesamt 1800 Mann umfassende Truppe wurde auch „Deutsche Legion“ genannt. Die vereinbarte Dienstzeit der Söldner betrug vier Jahre. Danach standen ihnen ein kostenloser Rücktransport in die Heimat, ein Entlassungsgeld von 80 Milreis oder 25 Hektar Kolonieland zu.
In Kiel erwarb Rêgo Barros Waffen und andere Ausrüstung für zwei jeweils 800 Mann starke Bataillone. Die Uniformen, die mit denen der schleswig-holsteinischen Truppen fast identisch waren, wurden an die brasilianischen angepasst. Da die Käufe in aller Eile getätigt wurden und die Händler dies ausnutzten, gab es große Unterschiede in der Qualität der Ware.Carlos Eduardo Piassini: A participação política de imigrantes germânicos no Rio Grande do Sul: os Brummer Kahlden, Haensel, Koseritz e ter Brüggen, 1851-1881, Universidade Federal de Santa Maria, 2016, brasilianisches Portugiesisch, Seite 70, abgerufen am 14. Dezember 2022
„Brummer“ war zunächst die Bezeichnung der Söldner für die großen 40-Réis-Kupfermünzen, in denen der Sold ausgezahlt wurde. Diese Bezeichnung ging schließlich auf die Truppe selbst über.Manfred Kuder: Die Deutschbrasilianische Literatur und das Bodenständigkeitsgefühl der deutschen Volksgruppe in Brasilien. Eine literaturgeschichtliche und volkstumskundliche Untersuchung. In: Ibero-Amerikanisches Archiv, Band 10, Nr. 4 (1936/37), S. 394–494; Digitalisat bei JSTOR, abgerufen am 12. Dezember 2022.
Einsatz in Brasilien In Brasilien wurden die Brummer als 15. Infanteriebataillon in die brasilianische Armee eingegliedert. Die Verständigung mit den brasilianischen Verbindungsoffizieren, Majore Fegerstein und Resin, und den Regierungsstellen war anfangs gut. Die Kommandeure erhielten persönliche Audienzen bei Kaiser Dom Pedro II. Nach der Ankunft in Rio de Janeiro und einer kurzen Ruhepause wurden die Truppen mit Dampfschiffen nach Rio Grande do Sul weitertransportiert. Das Infanteriebataillon wurde in Pelotas untergebracht, die Artillerie verblieb in Rio Grande.