Die Gebr. Knauf KG mit Sitz im unterfränkischen Iphofen ist die Holding der Unternehmen der deutschen Knauf Gruppe, die weltweit in über 90 Ländern rund 320 Werke und 85 Rohsteinbetriebe betreiben. Das Familienunternehmen ist Hersteller und Vertreiber von Systemen für Trockenbau, Boden, Putz und Fassade unter der Marke Knauf.

Geschichte Unternehmensgründung im Saarland Die beiden Bergingenieure Alfons Knauf und Karl Knauf gründeten 1932 in Schengen an der Mosel eine Gipsgrube. Im Folgejahr erwarben sie im benachbarten Perl ein in Konkurs geratenes Kalkwerk und bauten es zu einem Gipswerk mit drei Kammeröfen um. Dieses Stammwerk ist bis heute als Trockenmörtelmischwerk für Kalkzementputze in Betrieb. Das Unternehmen nannte sich anfangs Rheinische Gipsindustrie und Bergwerksunternehmen. Erste Abnehmer für Knauf-Erzeugnisse waren Zementfabriken an Rhein und Ruhr, die aufgrund günstiger Verschiffung der Produkte in den Anfangsjahren die Existenz des Unternehmens sicherten. Die erste Expansion erfolgte 1935, als die Brüder Knauf in Siersburg ein weiteres Gipswerk erwarben und die Gipsgrube auf dem Gauberg pachteten. Als sich diese als wenig ergiebig erwies, schlossen sie einen Abbauvertrag für eine stillgelegte Gipsgrube in Mechern, in der noch bis 1960 Gips gewonnen wurde, und übernahmen 1936 einen weiteren Gipsbruch in Hüttenheim bei Iphofen. 1937 wurde die Grube Gauberg wieder geschlossen. Etwa zeitgleich eröffneten die Gebrüder Knauf Lager in Duisburg und bei Krupp in Rheinhausen. 1938 übernahm das Unternehmen einen weiteren Gipssteinbruch in Stadtoldendorf und firmierte im gleichen Jahr um in Gebr. Knauf Westdeutsche Gipswerke. Die Jahresproduktion betrug nun rund 28.000 Tonnen Gips, womit Knauf schon damals mit dem größten deutschen Gipsproduzenten Euling & Mack um die Marktführerschaft konkurrierte.Rödiger u. a. Biografie der Unternehmerfamilie Knauf. S. 15–35.

Im Zweiten Weltkrieg wurden das Gipswerk in Perl und die Gipsgrube auf dem Hammelsberg im Rahmen des Westfeldzuges zerstört. Alfons Knauf wechselte daraufhin zum Standort Iphofen, Karl Knauf nach Stadtoldendorf. Nach der Besetzung Frankreichs kehrten die Unternehmer ins Saarland zurück und bauten das Werk in Perl langsam wieder auf. 1943 pachteten sie das Gipswerk Markt Einersheim dazu. Gegen Ende des Krieges waren dann aber nur noch das Gipswerk in Siersburg, das Gipswerk in Markt Einersheim und der Steinbruch in Stadtoldendorf in Betrieb. Mit Kriegsende wurden alle Betriebe unter Zwangsverwaltung gestellt.Rödiger u. a. Biografie der Unternehmerfamilie Knauf. S. 37–40.

Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg in Iphofen mini|Sitz der Knauf Gruppe in Iphofen Luftaufnahme (Oktober 2019) In der unmittelbaren Nachkriegszeit war es zunächst nicht absehbar, ob die Familien Knauf jemals wieder in den Besitz ihrer Betriebe gelangen würden, zumal mehrere der Treuhänder bzw. Sequester versuchten, selbst in den Besitz der Unternehmen zu gelangen. Karl Knauf zog darum nach Iphofen und gründete dort 1947 die Fränkische Gipswerke GmbH, mit der man mit den unter Treuhandverwaltung stehenden früheren Betrieben konkurrieren und diese letztlich übernehmen wollte. Im Juni 1948 wurden die in der amerikanischen und britischen Zone gelegenen Betriebe rückübertragen. In Iphofen entstand dennoch ein modernes Drehofen-Gipswerk, mit dem 1950 bereits wieder der Vorkriegsumsatz erreicht werden konnte. Im selben Jahr erwarb Knauf zudem das durch die Währungsreform in Schieflage geratene Werk der Frankfurter Gipswerke GmbH im Frankfurter Osthafen. 1951 wurden dann auch die Betriebe im Saarland rückübertragen und 1953 das Werk in Iphofen vergrößert. Die saarländischen und die von Iphofen aus geleiteten Betriebe blieben zunächst unabhängig, banden sich jedoch durch Kooperationsverträge eng aneinander. Im Werk Perl nahm man die Produktion von Perllit-Deckenplatten und Gipsdielen auf, 1957 folgten Spachtelgipse, darunter auch der bekannte Gips in der Tube. Gipsplatten wurden ebenfalls in den Werken in Frankfurt und Iphofen produziert, ab Ende der 1950er Jahre dann auch Gipsfaserplatten. In Marktbreit entstand die eigene Umschlagstelle Knauf am Main. Das Unternehmen profitierte vom Bauboom der Wiederaufbaujahre während des so genannten Wirtschaftswunders.Rödiger u. a. Biografie der Unternehmerfamilie Knauf. S. 50–61.

Nach dem Vorbild von Zigarrenbändern wurden in den frühen 1960er Jahren die Verpackungen der Produkte mit farbigen Bändern gekennzeichnet. Besonders bekannt wurde dabei der Haftputzgips Rotband, der auch durch Vorführmeister direkt auf Baustellen beworben wurde. Die Herstellung erfolgte anfangs überwiegend im Werk Siersburg, wo man 1960 durch einen Werksneubau die Produktionsmenge um das Sechsfache auf 210.000 Tonnen Putzgips steigern konnte. Der wirtschaftliche Erfolg dieses Produkts ermöglichte eine Expansion des Unternehmens, das nun zahlreiche kleinere Gipswerke erwarb, darunter Sartor & Engel in Trier, Früh & Co. in Saarfels, Brill in Straßburg und eine Anhydritgrube in Veltenheim. Durch die Übernahme des Gipswerks Brill mit angeschlossenem Baustoffgroßhandel gelang es Knauf zudem, verschiedene Filialen in Frankreich (Mülheim, Nancy, Lyon, Paris) zu eröffnen.Rödiger u. a. Biografie der Unternehmerfamilie Knauf. S. 78–113.

Für die Produktion von Wandplatten aus Industriegips errichtete Knauf 1962 ein Werk in Castrop-Rauxel. Noch im selben Jahr wurde die Vertriebsniederlassung in Neuss in ein produzierendes Werk für Wandplatten umgewandelt. Später fertigte man dort Fließ-Estriche. 1964 erwarb Knauf alle Anteile an einem Gipswerk in Wittershausen, das durch die Beteiligung zweier weiterer Unternehmen zu den Vereinigten Gipswerken GmbH expandierte, wobei die Unternehmerfamilie Knauf später auch die Anteile der Partner erwarb. In Wittershausen entstand ein neues Werk zur Herstellung von Putzgips. Das alte Werk hat man der örtlichen Feuerwehr überlassen, die es im Rahmen einer Übung kontrolliert abbrannte. Das mehrfach erweiterte Werk in Wittershausen produziert heute Handputze, Maschinenputze und Stuckgips, vor allem auch für den Schweizer Markt. 1966 entstand in Königshofen ein weiteres neues Werk für Gipskartonplatten, das eine Kapazität von 15 Mio. Quadratmetern pro Jahr hatte. In Königshofen wurde bis in die 1980er Jahre produziert, danach wurde das dortige Werk geschlossen und die Anlagen anderweitig innerhalb der Knauf-Betriebe genutzt.

In den 1960er Jahren ging man im Baugewerbe von der handwerklichen zur maschinellen Zubereitung von Putzgips über. Daraufhin entwickelte man bei Knauf die Putzmaschine Gipsomat und den darauf abgestimmten Maschinenputz MP 75.Die Bezeichnung MP 75 erklärt sich aus dem Kürzel für Maschinenputz und der 75 % höheren Leistung von Maschinenputzgips im Vergleich zu normalem Putzgips, vgl. Rödiger u. a. 2003, S. 97. Die Putzmaschinen wurden von Putzmeister hergestellt, ihr Alleinvertrieb lag für zehn Jahre bei Knauf.

mini|Bahntrasse und Produktionsanlage beim Hauptsitz des Unternehmens Knauf in Iphofen (Juli 2009) 1969 traten mit Nikolaus Knauf, dem Sohn von Alfons Knauf, und Baldwin Knauf, dem Sohn von Karl Knauf, die ältesten Söhne der Unternehmensgründer als persönlich haftende Gesellschafter in die Unternehmensleitung ein. Ihre sieben Geschwister wurden 1970 Kommanditisten. Gleichzeitig begann man in den späten 1960er Jahren, die immer noch unabhängigen Betriebe im Saarland zentral innerhalb der Knauf-Gruppe von Iphofen aus zu verwalten. 1972 ging die Gebr. Knauf Saar-Gipswerke GmbH dann endgültig in der Gebr. Knauf Westdeutsche Gipswerke GmbH auf. Das Werk in Iphofen wurde ab 1968 umfassend erweitert und modernisiert. Das Werk im nahegelegenen Markt Einersheim wurde als Werk Iphofen II ebenfalls modernisiert und außerdem zum Schulungszentrum des Unternehmens ausgebaut. Das Werk in Stadtoldendorf erhielt 1970 eine Produktionsstraße für Gipskartonplatten. In Neuherberg entstand 1970/71 eine neue Produktionsstätte für Maschinenputze. Dort experimentierte man 1989 erstmals mit dem losen Transport solcher Produkte in Containern, woraus 1993 die Knauf Transport GmbH entstand.Rödiger u. a. Biografie der Unternehmerfamilie Knauf. S. 140–150. Mit der Mehrheitsbeteiligung an der Deutschen Perlite GmbH in Dortmund begann 1970 die Diversifizierung der Knauf-Produkte, indem man künftig Perlit als Zuschlagstoff für Mörtel und Putze nutzte sowie Dämmstoffbauplatten produzierte. Die Deutsche Perlite GmbH produziert heute Perlcon-Boards und Perlcon-TE an verschiedenen Standorten, darunter Iserlohn, Lübeck, Bülstringen. Das Unternehmen hat eigene Vertriebsniederlassungen in Österreich und seine Produkte werden im restlichen internationalen Markt über die Knauf-Niederlassungen vertrieben. In Iserlohn werden von der Deutschen Perlite GmbH seit 2001 in einem Joint Venture mit der United States Gypsum Corporation, dem weltgrößten Gipshersteller, Aquapanel-Zementplatten gefertigt.

1971 übernahm Knauf die Frisalit-Werke in Satteldorf und Neumorschen. Das Werk in Satteldorf wurde für die Produktion von Gipsfaserplatten modernisiert, in Neumorschen werden Maschinenputze produziert. Das Werk in Neumorschen nahm 1981 die weltweit erste Bandkontrollwaage in Betrieb und wurde wegen seiner speziellen Gewebefilter 1983 mit dem Umweltschutzpreis des Landes Hessen ausgezeichnet. In Vellberg in der Nähe von Satteldorf entstand darüber hinaus 1971/72 ein neues Gipswerk. 1972 übernahm Knauf außerdem die Mehrheit an den Kurhessischen Gipswerken in Hundelshausen, mit denen man später ein deutsch-ungarisches Joint Venture zur Produktion von Zwischenwandplatten in Székesfehérvár in Ungarn begann. 1972/73 entstand weiterhin ein neues Werk zur Gipsplattenherstellung in Lauffen ob Rottweil, 1974 ein Putzgipswerk in Embsen. Der Bau eines neuen Hauptverwaltungsgebäudes in Iphofen folgte 1974.Rödiger u. a. Biografie der Unternehmerfamilie Knauf. S. 153–169.

Neuorientierung in den 1970er Jahren Mit der Öl- und Baukrise ab 1973 stagnierte der Absatz der bisherigen Produkte. Auch bei den Rohstoffquellen vollzog sich ein Wandel. Man entschied sich daher für eine weitere Diversifizierung der Produkte sowie für die Ausweitung des Unternehmens um Anlagen- und Maschinenbau. Für den Bau seiner Gipswerke hatte Knauf zahlreiche Ingenieure beschäftigt. Die nun freigewordenen Anlagenbauer wurden in die 1974 gegründete Knauf Engineering GmbH überführt, die sich auf Planung und Bau von Gipsfabriken im Ausland konzentrierte. Zu den ersten Aufgaben dieses neuen Unternehmenszweigs gehörten die Erweiterung einer 1969 bis 1971 von Knauf errichteten Gipsfabrik in Teheran und der Bau eines Gipskombinats in Fleurus in Algerien. Weitere Großprojekte auf der ganzen Welt folgten. Bei der Beschaffung der Rohstoffe ging man vom traditionellen Gipsabbau in Gipsgruben zu der Verwendung von REA-Gips aus Abgasen über. Als Joint Venture mit Research Cottrell aus New Jersey gründete Knauf die Knauf Research Cottrell GmbH, die nach dem Bau einer Pilotanlage in Cochise County (USA) zahlreiche Rauchgasentschwefelungsanlagen zur Gewinnung hochreinen REA-Gipses entwickelte und 1985 von Noell übernommen wurde.Rödiger u. a. Biografie der Unternehmerfamilie Knauf. S. 171–183.

Zur Entwicklung von Pump- und Fördergeräten wurde 1972 die PFT Putz- und Fördertechnik GmbH & Co. KG gegründet, die kontinuierliche Mischpumpen konstruierte. Der überraschende Erfolg der Mischpumpe G4 führte schließlich zur Errichtung einer eigenen Maschinenfabrik im Werk Iphofen II, wo bis 1990 20.000 Mischpumpen G4 vom Band liefen. Zusammen mit dem Nachfolgemodell G5 wurden bis 2002 mehr als 60.000 solcher Pumpen gefertigt. Die PFT hat Tochtergesellschaften in acht Ländern und ein weltweites Vertriebsnetz in 46 Ländern.