Karl Rhamm (* 14. August 1842 in Helmstedt; † 2. November 1911 in Innsbruck) war ein Ethnograph, der sich vor allem auf dem Gebiet der germanisch-slawischen Altertumskunde hervortat.

Leben und Werk Sein Vater war der letzte Wolfenbüttler Obergerichtspräsident Eduard Rhamm; dieser entstammte dem westfälisch-baltischen Adelsgeschlecht Rhamm, verzichtete jedoch wie bereits sein Vater auf die Führung des Adelstitels. Seine Mutter Mathilde, geborene von Heinemann, war die Schwester des Wolfenbüttler Bibliothekars Otto von Heinemann. Sein Bruder war Albert von Rhamm.

Karl Rhamm besuchte die Große Schule in Wolfenbüttel.U. Wahnschaffe und P. Zimmermann (Bearb.): Album des Herzoglichen Gymnasiums (der Herzoglichen Grossen Schule) zu Wolfenbüttel 1801–1903. Zweite Ausgabe, Wolfenbüttel 1903, S. 79. Schon als Gymnasiast bereiteten ihm ethnographische Studien eine besondere Freude. Sein 1862 begonnenes Jura-Studium an den Universitäten Heidelberg, Göttingen, Kiel, Berlin, Marburg und Tübingen, brach Karl Rhamm 1869 krankheitshalber wegen eines Nerven- und AugenleidensU. Wahnschaffe und P. Zimmermann (Bearb.): Album des Herzoglichen Gymnasiums (der Herzoglichen Grossen Schule) zu Wolfenbüttel 1801–1903. Zweite Ausgabe, Wolfenbüttel 1903, S. 79. nach dem ersten Staatsexamen in Tübingen ab. Von 1862 bis 1904 war er Mitglied der Burschenschaft Allemannia Heidelberg.Wolf-Diedrich Reinbach (Hrsg.): Goldenes Buch der Burschenschaft Allemannia zu Heidelberg. Neubearbeitung zum 150. Stiftungsfest 2006. Öffentliche Fassung. Burschenschaft Allemannia, Heidelberg 2006, S. 76 (Festschrift zum 150. Stiftungsfest. Bd. 1)

Er wurde Privatgelehrter und soweit seine Sehstörungen es zuließen, widmete er sich den ethnographischen Studien. Er bereiste ganz Deutschland, ab 1878 auch den Balkan, die Türkei, Vorderasien, Russland, die Nordseeländer, Skandinavien und die Schweiz. Rhamm trieb eingehende ethnographische Forschungen zur Flurgeschichte und den Hausformen. Ab 1881 hielt er sich häufig in Österreich auf sowie in Krapina-Töplitz (Krapinske Toplice). Nach kleineren Veröffentlichungen fasste er seine vergleichend-europäische Studien unter dem Gesamttitel „Ethnographische Beiträge zur germanisch-slavischen Altertumskunde“ zusammen, das er nicht vollendete. Er veröffentlichte größere Abhandlungen und Rezensionen in den wissenschaftlichen Zeitschriften Ausland und Globus.U. Wahnschaffe und P. Zimmermann (Bearb.): Album des Herzoglichen Gymnasiums (der Herzoglichen Grossen Schule) zu Wolfenbüttel 1801–1903. Zweite Ausgabe, Wolfenbüttel 1903, S. 79.

Seine umfangreiche Arbeit wurde zu seinen Lebzeiten kaum gewürdigt. Forscher wie Viktor Geramb und Bruno Schier sahen später trotz einiger Fehldeutung in Rhamms Werk eine der bedeutendsten Leistungen der deutschen Hausforschung und in seiner Person einen Wegbereiter der volkskundlichen Kulturraumforschung. Der 2. Band ist für die österreichische Haus- und Geräteforschung noch heute wichtig.

Veröffentlichungen Dorf und Bauernhof in altdeutschem Lande, wie sie waren und wie sie sein werden. Leipzig 1890.

Einzelnachweise

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