Fair Play ist ein US-amerikanischer Spielfilm von Chloe Domont aus dem Jahr 2023. In dem in der Hochfinanz von Manhattan angesiedelten Erotik-Thriller spielen Phoebe Dynevor und Alden Ehrenreich ein Paar, das für das gleiche Investmentunternehmen arbeitet. Als sie eine Beförderung erhält, von der sie beide angenommen hatten, dass er sie erhalten würde, beginnt er, sie abfällig zu behandeln und ihr auch körperliche Gewalt anzutun, um in ihrer Beziehung die verschobenen Machtverhältnisse in ihrem Beruf auszugleichen.
Die Premiere des Films erfolgte im Januar 2023 beim 39. Sundance Film Festival, wo das Werk in den US-amerikanischen Spielfilmwettbewerb eingeladen wurde. Ende September 2023 kam Fair Play in die US-amerikanischen und Anfang Oktober 2023 in die deutschen Kinos. Unmittelbar nach dem deutschen Kinostart erfolgte die Aufnahme in das Programm von Netflix.
Handlung Emily Meyers und Luke Edmunds sind ein ehrgeiziges Paar, welches heimlich zusammenlebt und gemeinsam beim New Yorker Hedgefonds One Crest Capital arbeitet. Da Beziehungen innerhalb der Firma verboten sind, halten sie ihre Verlobung geheim. Während einer Hochzeit macht Luke Emily einen Heiratsantrag, den sie nach kurzem Zögern annimmt. Kurz darauf wird ein Portfolio-Manager der Firma entlassen. Luke glaubt, dass er dessen Stelle erhalten wird, da Emily zufällig Gesprächsfetzen darüber aufschnappt. Beide feiern bereits seinen vermeintlichen Karrieresprung. Doch bei einem nächtlichen Treffen mit Firmenchef Campbell erfährt Emily überraschend, dass nicht Luke, sondern sie selbst befördert wird. Obwohl sie Luke die Nachricht vorsichtig beibringt, reagiert er zunächst scheinbar unterstützend. Mit Emilys Beförderung verändert sich jedoch die Dynamik ihrer Beziehung grundlegend. Luke fühlt sich zunehmend gedemütigt und entwickelt starken Neid auf Emilys Erfolg. Während Emily versucht, sich in der männerdominierten Finanzwelt zu behaupten, beginnt Luke, sich immer stärker mit Motivations-Seminaren zu beschäftigen, um sein Selbstwertgefühl wiederherzustellen. Ihre Beziehung wird dadurch zunehmend von Machtkämpfen geprägt. Luke weist Emilys Annäherungsversuche zurück, reagiert passiv-aggressiv und beginnt, ihre Leistungen abzuwerten. Emily erfährt von Campbell und anderen Führungskräften, dass Luke intern als schwacher Mitarbeiter gilt und man ihn eigentlich loswerden möchte. Trotzdem versucht sie weiterhin, ihn beruflich zu unterstützen. Diese Bemühungen scheitern jedoch, als Luke eine katastrophale Handelsentscheidung trifft und der Firma enorme Verluste verursacht. Aus Verzweiflung liefert Luke Emily später Insiderinformationen über ein Unternehmen, dessen Kurs angeblich zusammenbrechen wird. Emily erkennt jedoch, dass die Nutzung dieser Informationen illegal wäre, und entscheidet sich stattdessen für eine andere Handelsstrategie, die erfolgreich ist. Dadurch erhält sie einen Bonus in Höhe von über einer halben Million Dollar. Luke kann Emilys Erfolg immer weniger ertragen. Während Emily sich zunehmend an die raue Kultur ihrer Kollegen anpasst und nachts mit ihnen feiern geht, zieht Luke sich emotional zurück. Als erneut eine Führungsposition frei wird, hofft Luke verzweifelt auf eine neue Chance. Emily deutet jedoch an, dass Campbell keinerlei Interesse daran hat, ihn zu befördern. Luke sucht daraufhin selbst das Gespräch mit Campbell und versucht, sich loyal und ehrgeizig zu präsentieren, erfährt jedoch, dass die Stelle bereits anderweitig vergeben wurde. Die Spannungen eskalieren weiter. Bei einem Streit wirft Luke Emily vor, ihm seine Karriere geraubt zu haben. Emily kontert schließlich, dass Campbell ihn ohnehin feuern wollte. Kurz darauf platzt Luke betrunken in eine wichtige Investorenpräsentation hinein, beleidigt Campbell und enthüllt öffentlich die geheime Beziehung zwischen sich und Emily — ein klarer Verstoß gegen die Firmenregeln. Am selben Abend findet die von Emilys Mutter organisierte Verlobungsfeier statt. Vor beiden Familien geraten Emily und Luke erneut heftig aneinander. Als Luke andeutet, Emily habe ihre Beförderung möglicherweise durch sexuelle Gefälligkeiten erhalten, schlägt sie ihm wütend eine Flasche über den Kopf. Emily zieht sich verletzt und verzweifelt ins Badezimmer zurück. Dort folgt ihr Luke, und der Streit eskaliert weiter. Schließlich vergewaltigt er Emily, obwohl sie ihn mehrfach auffordert aufzuhören. Am nächsten Morgen versucht Emily verzweifelt, ihre Karriere zu retten. Gegenüber Campbell behauptet sie, Luke habe sie belästigt und verfolgt; ihre Beziehung verschweigt sie vollständig. Campbell zeigt jedoch keinerlei Mitgefühl und macht deutlich, dass persönliche Probleme im Unternehmen keine Rolle spielen. Als Emily später nach Hause kommt, findet sie Luke beim Packen vor. Er scheint die Ereignisse der Nacht herunterzuspielen und kündigt an, zu seinem Bruder zu ziehen. Emily fordert ihn auf, die Vergewaltigung einzugestehen und sich zu entschuldigen. Als er dies verweigert, bedroht sie ihn mit einem Messer. Erst nachdem Luke unter Tränen zusammenbricht und die Tat zugibt, lässt Emily von ihm ab. Sie befiehlt ihm, die Wohnung zu verlassen. Der Film endet damit, dass Emily das Messer fallen lässt und erschöpft lächelt.
Produktion Regie und Drehbuch Es handelt sich um das Spielfilmdebüt der preisgekrönten US-amerikanischen Kurzfilm- und Fernsehregisseurin Chloe Domont. Die 1987 geborene US-Amerikanerin realisierte einige Kurzfilme und führte bei einzelnen Folgen von Fernsehserien wie Suits, Star Trek: Discovery oder Shooter Regie und war gelegentlich am Drehbuch beteiligt. Zwischen 2017 und 2019 führte sie bei sieben Folgen der Fernsehserie Ballers Regie und schrieb auch die Drehbücher hierfür.
Besetzung und Dreharbeiten mini|hochkant=0.85|Alden Ehrenreich spielt Luke Für die weibliche Hauptrolle der Emily verpflichtete sie die britische Schauspielerin Phoebe Dynevor.Fair Play. In: festival.sundance.org (abgerufen am 8. Dezember 2022). Der US-Amerikaner Alden Ehrenreich spielt ihren Kollegen und Liebhaber Luke. Sebastian De Souza spielt Emilys und Lukes Kollegen Rory und Eddie Marsan ihren Boss Campbell, den CEO von Crest Capital.David Rooney: 'Fair Play' Review: Phoebe Dynevor and Alden Ehrenreich Mix the Personal and Professional in an Assured Erotic Thriller. In: The Hollywood Reporter, 24. Januar 2023. Abgerufen am 5. Februar 2023. Unter den Nebendarstellern findet sich unter anderem Rich Sommer, bekannt aus Mad Men.Justin Chang: Psychological thrillers 'Fair Play' and 'Magazine Dreams' jolt Sundance competition to life. In: Los Angeles Times, 22. Januar 2023. Abgerufen am 5. Februar 2023.
Als Kameramann fungierte der Niederländer Menno Mans, der zuvor unter anderem für den Actionfilm Brothers by Blood von Jérémie Guez und den Kriminalfilm Ferry von Cecilia Verheyden arbeitete.
Filmmusik Die Filmmusik komponierte Brian McOmber, der zuletzt für den Horror-Thriller It Comes at Night von Trey Edward Shults, das Filmdrama Little Woods von Nia DaCosta und den Mystery-Film-Noir Blow the Man Down von Bridget Savage Cole und Danielle Krudy tätig war. Eigentlich ist der autodidaktische Musiker studierter Molekularbiologe und war anfänglich Schlagzeuger und Perkussionist bei einer Reihe von Bands, darunter bei Dirty Projectors. Er ist dafür bekannt, bei seiner experimentellen Arbeit neue Klänge aus traditionellen Instrumenten herauszuholen. Für das Stück The Hits aus Fair Play verwendete er neben Streichern auch Perkussion, um die Schläge zu untermalen, die in der Szene zentral sind, in der es gespielt wird. Auch für das Stück Sabotage nutzte er Percussion-Instrumente wie ein Tamburin. Solche Instrumente spielte McOmber für die Aufnahme selbst, ebenso viele der Streichinstrumente. Weitere Aufnahmen entstanden mit einem Streicherquartett und einem Bassisten.Owen Danoff: 'Fair Play' Composer Talks Beating Up A Cello. In: screenrant.com. Abgerufen am 5. Februar 2023. Das Soundtrack-Album mit 16 Musikstücken wurde am 6. Oktober 2023 von Netflix Music als Download veröffentlicht. In den Wochen zuvor erschienen bereits die Stücke One Crest und Go Long.'Fair Play' Soundtrack Album Details. In: filmmusicreporter.com, 5. Oktober 2023.
Veröffentlichung Die Weltpremiere fand am 20. Januar 2023 beim Sundance Film Festival statt. Dort sicherte sich Netflix die weltweiten Verwertungsrechte an dem Film.Netflix sichert sich den Sundance-Hit „Fair Play“. In: about.netflix.com, 23. Januar 2023 (abgerufen am 28. Januar 2023). Der Verkaufspreis soll bei 20 Millionen US-Dollar gelegen haben.Samantha Bergeson, Eric Kohn: ‘Fair Play’ Director Chloe Domont on $20 Million Netflix Deal at Sundance: ‘Everyone Wants a Theatrical Run’. In: IndieWire, 25. Januar 2023 (abgerufen am 28. Januar 2023). Im September 2023 wird Fair Play beim Toronto International Film Festival gezeigt.Fairplay. In: tiff.net. Abgerufen am 15. August 2023. Am 29. September 2023 kam Fair Play in ausgewählte US-Kinos.Trailer Watch: Chloe Domont’s 'Fair Play'. In: filmmakermagazine.com, 8. August 2023. Abgerufen am 10. September 2023. Ende September, Anfang Oktober 2023 wird der Film beim Zurich Film Festival gezeigt.Fair Play. In: zff.com. Abgerufen am 15. September 2023. Der Kinostart in Deutschland erfolgte am 5. Oktober 2023. Am 6. Oktober 2023 wurde der Film in das Programm von Netflix aufgenommen.‘Fair Play’ Cast: Phoebe Dynevor Alden Ehrenreich Star in Finance Thriller. In: Tudum by Netflix. Abgerufen am 6. Oktober 2023.
Rezeption Altersfreigabe In den USA erhielt der Film von der MPAA ein R-Rating, was einer Freigabe ab 17 Jahren entspricht.https://de.linkedin.com/company/neonrated In Deutschland wurde Fair Play von der FSK ab 16 Jahren freigegeben. In der Freigabebegründung heißt es, der Film habe eine angespannte Atmosphäre und enthalte einige bedrohliche Szenen sowie Szenen sexualisierter Gewalt. Jugendliche ab 16 Jahren seien aufgrund ihres Entwicklungsstands und ihrer Medienerfahrung in der Lage, diese Szenen in den Kontext des Beziehungsdramas einzuordnen und kritisch zu hinterfragen. Zudem würden die Handlungen des Mannes eindeutig negativ und kritisch dargestellt.Fair Play. In: spio-fsk.de. Abgerufen am 5. Oktober 2023.
Kritiken Nach seiner Weltpremiere beim Sundance Film Festival fand Fair Play großen Anklang bei der englischsprachigen Filmkritik. Auf der Website Rotten Tomatoes erhielt das Werk bislang bei 86 Prozent der Kritiker Zuspruch bei eine durchschnittliche Bewertung mit 7,4 von 10 möglichen Punkten. Das Fazit der Seite lautet: „Mit einem selbstbewussten Stil, der manchmal an die besten nervenaufreibenden Thriller der 90er-Jahre erinnert, stellt Fair Play voreheliche Disharmonie mit Gier und Geschlechterpolitik in der mörderischen Finanzwelt gegenüber“. Auf der Website Metacritic hält Domonts Regiearbeit eine Bewertung von 75 Prozent, basierend auf mehr als einem Dutzend ausgewerteter englischsprachiger Kritiken. Dies entspricht allgemein positive Bewertungen („generally favorable reviews“).
Chuck Bowen erklärt in seiner Kritik im Slant Magazine, in der Finanzwelt spielende Filme seien zu einem eigenen Genre geworden, die Filmen über Pokerspielen ähnelten, da sich beide oft auf Männer konzentrierten. Chloe Domonts Fair Play verschmelze ein solches Finanzdrama mit einem romantischen Thriller zu einem Erotikthriller. Dabei habe Domont ein Genre, das stereotyp mit männlichen Fantasien assoziiert wird, geschickt in eine Geschichte der Entmannung verwandelt. Mit Fair Play habe die Filmemacherin die vertraute Vorstellung über mächtige Hedgefonds-Magnaten mit Details aus dem Beziehungsalltag verbunden, die in diesem Fall kurz vor einer tiefgreifenden Zerreißprobe steht. Auch wenn Domont den Film am Ende in moralisierende Gewässer lenke, sei Fair Play ein grandioser Film.Chucke Bowen: 'Fair Play' Review: Chloe Domont’s Gripping Depiction of Shifting Power Dynamics. In: slantmagazine.com, 24. Januar 2023. Abgerufen am 5. Februar 2023.