mini|Die Inschrift DNb im mittleren Register. Die altpersische Sprachversion links vom Eingang und die anderen rechts davon DNb ist die Bezeichnung einer Inschrift von Dareios I. (D). Sie wurde in Naqsch-e Rostam (N) entdeckt und von der Wissenschaft mit einem Index (b) versehen. Die Inschrift liegt in altpersischer, elamischer und babylonischer Sprache vor. Der Zusatz in aramäischer Sprache wird auf die Zeit der Seleukiden datiert.
Inhalt Walther Hinz sieht die Inschrift DNb als Fortsetzung der Inschrift DNa und beginnt deshalb mit dem 7. Paragraphen:
Als Ergänzung dient die alternative Übersetzung des letzten Absatzes (§9 bei Walther Hinz) von Rüdiger Schmitt. Er stützt sich dabei auf die Erkenntnis von Nicholas Sims-Williams aus dem Jahr 1981, nach der der Schlussteil in einer aramäischen Übersetzung aus Elephantine überliefert ist, der in die Inschrift DB von Bisotun zwischen den Paragraphen 55 und 60 integriert wurde.
Beschreibung Die Inschrift DNb befindet sich im sogenannten Mittleren von insgesamt drei Registern an der Felswand von Naqsch-e Rostam am Grab von Dareios I. Der altpersische Text liegt zwischen den beiden Säulen links von der Türe zur Grabkammer. Die elamische Sprachversion liegt rechts von der Türe mit einer darunter liegenden aramäischen Inschrift mit 25 Zeilen aus der Zeit der Seleukiden. Die babylonische ist rechts von der elamischen Sprachversion angelegt. Der altpersische Text umfasst 60 Zeilen, der elamische 43 und der babylonische 39 Zeilen. Die Inschriften befinden sich in situ (am Ursprungsort) und sind in einem schlechten Zustand. Die meisten Zeichen sind beschädigt oder „ganz im Felsen verschwunden“.Herzfeld 1938, S. 11; Kent 1953, S. 109; Schweiger 1998, Bd. 2, S. 191.
Die altpersischen Zeilen 1 bis 49 von DNb sind inhaltlich weitgehend identisch mit dem Text der Inschrift XPl. Die letzten 10 Zeilen von DNb fehlen bei der Inschrift von Xerxes I. Diese letzten Zeilen sind mit einem Zwischenraum vom vorherigen Text abgesetzt. Der Abstand zu den Schlusszeilen ist auch bei der elamischen (Zeilen 35–43) und babylonischen (Zeilen 32–39) Sprachversion vorhanden.Schmitt 2009, S. 11 und 21.
Forschungsgeschichte 1843 schrieb Niels Ludvig Westergaard die ersten 15 Zeilen der altpersischen Sprachversion ab. Eugène Flandin und Pascal Coste veröffentlichten ein paar Zeilen aus der Mitte der altpersischen Version und Christian Lassen die Zeilen 1 bis 7 in Keilschrift. Vollständige Transliterationen und Transkriptionen scheiterten an mangelhaften Vorlagen. 1911 veröffentlichte Franz Heinrich Weißbach auf der Basis der Fotografien von Antoin Sevruguin die altpersische Sprachversion. Seine elamische und babylonische Transliteration scheiterte am schlechten Zustand der Inschriften, die auf den Fotografien sehr undeutlich erkennbar waren.Franz Heinrich Weißbach: Die Keilinschriften am Grabe des Darius Hystaspis. Leipzig 1911, S. 19.
Ernst Herzfeld untersuchte die Inschrift erneut und veröffentlichte seine Ergebnisse 1938. Er reproduzierte alle sichtbaren Zeichen und Teile von Zeichen der altpersischen, babylonischen und aramäischen Sprachversionen, transkribierte die altpersische und babylonische Version und übersetzte sie in die deutsche Sprache.Herzfeld 1938. Walther Hinz publizierte 1969 die altpersische und elamische Version. In derselben Ausgabe enthalten ist die Transliteration der babylonischen Version von Rykle Borger. Diese basiert auf den Bildern von Erich Friedrich Schmidt, auf die Walther Hinz ebenfalls zurückgegriffen hat, und den Zeichnungen von Ernst Herzfeld. Rykle Borger schreibt zu seiner Arbeit: „Für eine endgültige Neuausgabe der babylonischen Fassung ist Arbeit am Original unerläßlich. […] Die Arbeit am sehr schlecht erhaltenen und nach Herzfeld ständig weiter verfallenden Original dürfte ein zweifelhaftes Vergnügen sein. […] die Arbeit auf Grund der Photographien ist jedoch geradezu eine Plage, reinstes Augenpulver, wobei die erreichbaren Ergebnisse in keinem Verhältnis zum Müheaufwand stehen.“Hinz 1969, S. 53. Noch 2009 bemerkt Rüdiger Schmitt, dass „sowohl von der Sprachform wie vom Erhaltungszustand her diese Inschrift einer der schwierigsten altpersischen Texte überhaupt ist.“Schmitt 2009, S. 105.
Lange Zeit trug die Inschrift die Bezeichnungen „Dar.NRb“ oder „NRb“, bis sie Roland Grubb Kent 1953 in das Regelwerk integrierte und ihr die Bezeichnung DNb gab.
Literatur Franz Heinrich Weißbach: Die Keilinschriften der Achämeniden. Hinrichs, Leipzig 1911, S. xviii und 92–95. (Digitalisat). Franz Heinrich Weißbach: Die Keilinschriften am Grabe des Darius Hystaspis. Leipzig 1911, S. 19, 27–30 und Tafeln VI–VIII. (digital.slub-dresden.de) Ernst Herzfeld: Altpersische Inschriften. Erster Ergänzungsband zu den Archaeologischen Mitteilungen aus Iran. Berlin 1938, S. 4–13, Nr. 4 und Tafel III. (archive.org, Digitalisat) Roland Grubb Kent: The Nakš-I Rustam Inscriptions of Darius (=Language. Band 15, Nr. 3). Linguistic Society of America 1939, S. 160–177, hier 160–166. (jstor.org) Roland Grubb Kent: Old Persian. Grammar, Texts, Lexicon. 2. Revidierte Edition (=American Oriental Series. Band 33). New Haven 1953, S. 109 und 138–140. (Digitalisat). Walther Hinz: Die dreisprachige untere Grabinschrift des Darius. In: Altpersische Funde und Forschungen. Berlin 1969, S. 53–62. (degruyter) Erich Friedrich Schmidt: Persepolis III: The Royal Tombs and other Monuments (=Oriental Institute Publications. Band 70). University of Chicago Press, Chicago 1970, Tafeln 34 bis 36. (oi.chigaco.edu) François Vallat: Corpus des inscriptions royales en élamite achéménide. Dissertation Université la Sorbonne, Paris 1977, S. 155–158. (archive.org, Digitalisat) Nicholas Sims-Williams: The final paragraph of the tomb-inscription of Darius I (DNb, 50-60): the Old Persian text in the light of an Aramaic version (=Bulletin of the School of Oriental and African Studies. Band 44). Cambridge 1981, S. 1–7. Pierre Lecoq: Les inscriptions de la Perse achéménide traduit du vieux-perse, de l’élamite, du babylonien et de l’araméen. Paris 1997, S. 221–224. (elamit.net) Günter Schweiger: Kritische Neuedition der achaemenidischen Keilinschriften. 2 Bände. Schweiger VWT-Verlag, Taimering 1998, Bd. 1, S. 66–76; Bd. 2, S. 191–230. Rüdiger Schmitt: The Old Persian Inscriptions of Naqsh-i Rustam and Persepolis. (= Corpus Inscriptionum Iranicarum. Part I Inscriptions of Ancient Iran. Vol. I The Old Persian Inscriptions. Texts II). School of Oriental and African Studies, London 2000, ISBN 0-7286-0314-4, S. 33–44. Amélie Kuhrt: The Persian Empire. A Corpus of Sources from the Achaemenid Empire. London/New York 2007. ISBN 978-0-415-43628-1, S. 503–505. Rüdiger Schmitt: Die altpersischen Inschriften der Achaimeniden. Editio minor mit deutscher Übersetzung. Reichert, Wiesbaden 2009, S. 11 und 105–111. (Digitalisat)
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Einzelnachweise
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