Walter Wilhelm Max Lange (* 6. Januar 1886 in Leipzig; † 12. April 1954 in StuttgartDr. phil. Walter Lange. [Todesanzeige] und Dr. Walter Lange †. In: Sächsisches Tagesblatt 9 (1954) vom 25. April, .) war ein deutscher Dramatiker, Schriftsteller, Historiker und Museumskurator.

Leben und Wirken Walter Lange wurde als Sohn eines Stadtamtmannes geboren. Nach dem Besuch der Thomasschule studierte er in Leipzig und Tübingen zunächst Theologie, später Philosophie, Geschichte und Germanistik. Von 1907 bis 1908 arbeitete er in der Lexikonredaktion am Bibliographischen Institut Leipzig mit, anschließend ging er bis 1910 als Hauslehrer nach Livland. 1913 wurde er mit der Arbeit Richard Wagner. Leben und Werk, ein religiös-sittliches Problem promoviert. Nach einer kurzen Anstellung als wissenschaftlicher Mitarbeiter im kultur- und universalgeschichtlichen Institut der Universität Leipzig und als Beschäftigter in der kulturhistorischen Abteilung der Bugra meldete er sich als Freiwilliger im Ersten Weltkrieg. 1919 begann er als Direktionsassistent und später als Kustos im Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig zu arbeiten. Zum 1. Mai 1933 trat er in die NSDAP ein (Mitgliedsnummer 2.993.842),Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/24770746 wurde aber im Dezember 1934 wegen einer früheren Logenzugehörigkeit ausgeschlossen.Bundesarchiv R 9361-V/26649 Im Rahmen des Zweiten Weltkriegs wurde Lange 1940 einberufen und nahm an Feldzügen in Frankreich, Griechenland und Russland teil.

1945 wurde er Direktor des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig, im Rahmen der Entnazifizierung allerdings bereits zum 1. April 1946 wieder entlassen. Ab diesem Zeitpunkt arbeitete Walter Lange als freischaffender Schriftsteller. Im November 1950 verließ er seine Heimatstadt Leipzig und siedelte nach Stuttgart über. 1952 kuratierte er dort noch die Ausstellung für kirchliche Kunst im Rahmen des 4. Deutschen Evangelischen Kirchentages, bevor er sich wegen einer schweren Augenerkrankung zur Ruhe setzen musste.

Bereits ab 1910 verfasste Walter Lange Dramen und Schauspiele, die u. a. in Leipzig, Ulm und Dessau aufgeführt wurden. Als Richard-Wagner-Verehrer schrieb er mehrere Bücher über den Komponisten, hinzu kamen zahlreiche Veröffentlichungen in Buch- und Artikelform zur Leipziger Stadtgeschichte sowie Firmen- und Jubiläumsschriften. Lange war u. a. Mitglied im Leipziger Kunstverein, im Verein für die Geschichte Leipzigs, in der Société "Union Musicologique", im Fürstlichen Institut für musikwissenschaftliche Forschung zu Bückeburg, in der Fraternität der Notarien und Literaten Leipzig und bis zu dessen Auflösung Vorstandsmitglied im Deutschen Patriotenbund.

Walter Lange war zweimal verheiratet, in erster Ehe ab 1919 mit Anna Katharina Elsa Lange (geb. Leib), in zweiter Ehe von 1941 bis zu seinem Tod mit Magdalena Lange (geb. Dinsch). Mit seiner ersten Ehefrau hatte er einen 1920 geborenen Sohn namens Hans Walter Heinrich Lange.

Werk (Auswahl)

Dramen und Schauspiele Sonnenwende (1910) Friedrich, (1925) Bismarcks Sturz. Ein Seherschicksal, (1927) Die blaue Blume, ein deutsches Mysterium (1933) Der königliche Führer, (1934) Eike, der Spiegler. Ein Kampf um deutsches Recht, (1934) Die Vollendung. Schauspiel um Richard Wagner, (1940)

Sonstige Schriften Richard Wagner. Leben und Werk, ein religiös-sittliches Problem. Leipzig 1913, . Richard Wagners universale Bedeutung. Anläßlich der Erschliessung der Richard Wagner-Sammlung "Rudolph E. Hagedorn" im Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig. Wunderlich, Leipzig 1920, . Richard Wagner und seine Heimatstadt Leipzig. Siegel, Leipzig 1921, . Heinrich Laubes Aufstieg. Ein deutsches Künstlerleben im papiernen Leipzig. Haessel, Leipzig 1923, . mit Clovis Clad: Der Rauchwarenhandel und seine Beziehungen zu Leipzig. Fischer & Wittig, Leipzig 1923, . mit Andreas Paulsen: Deutschlands Jubiläumsfirmen. Handelskammerbezirk Leipzig. Rege, Deutscher Jubiläumsverlag, Leipzig 1925/1926, . Das erste Halbjahrtausend der Kürschner-Innung zu Leipzig 1423–1923. Eine Würdigung. Kürschner-Innung, Leipzig 1925, . Fünfzig Messen im Grossen Reiter. Ein Geburtstagssermon. Hoppe, Leipzig 1925, . Mein Nachtbuch. Erste Vigilie. Kuhwald & Stentzler, Leipzig 1926, . Die Stadt Leipzig. Fischer & Wittig, Leipzig 1926, . Cantatefeier im Biedermeier. Ein Quodlibet in Prosa. Fleischer, Leipzig 1927, . Von der Senfte zur Kraftdroschke. Ein Beitrag zur Geschichte des Leipziger Verkehrswesens 1705–1927. Festschrift. Koch, Leipzig 1927, . Die Goldene Laute. Vom alten Fuhrmannsgasthofe zur modernen Großgarage. Erha-Verlag, Leipzig 1928, . 100 Jahre F. W. Munckelt, Leipzig. Eine Würdigung. Metzger & Witting, Leipzig 1928, . Cantate. Die Stadt Leipzig. Fischer & Wittig, Leipzig 1928, . Das tausendjährige Leipzig. Die Stadt der Mitte. Rege, Deutscher Jubiläumsverlag, 1928/1929, . Fünfzig Jahre Johann Georg Bernhardt, Tuchgrosshandlung. Leipzig 20. Oktober 1880–1930. Bernhardt, Leipzig 1930, . Clemens Thieme. Zum siebzigsten Geburtstage am 13. Mai 1931. Verlag Deutsche Buchwerkstätten, Leipzig 1931, . Der Tunnel. 1831 bis 1931. Verlag Deutsche Buchwerkstätten, Leipzig 1931, . Weib und Welt. Ein Wagnerbuch. Verlag Deutsche Buchwerkstätten, Leipzig 1931, . Vom Klein-Paris zur Groß-Stadt. Ein Stück mitteldeutscher Verkehrsgeschichte anläßlich des 60jährigen Bestehens der Großen Leipziger Straßenbahn. 1872–1932. Große Leipziger Straßenbahn, Leipzig 1932, . Das Leipziger Handwerk auf Grund der Akten und Urkunden sowie der Literatur alphabetisch und chronologisch nach dem ersten Auftreten in der Geschichte Leipzigs. Innungsausschuß des Leipziger Handwerks, Leipzig 1933, . Die Autofernstrasse am Kreuz. Die Messestadt Leipzig im Autofernstrassenplan – eine wegebauliche Betrachtung (= Schriften zur Presse-Berichterstattung über Geschichte, Organisation und Bedeutung der Reichsmesse in Leipzig. Band 7). Leipziger Messamt, Leipzig 1933, . Gustav Schürmann. [Lebensskizze]. Leipzig 1933, . Hundert Jahre Buchhandlungs-Gehilfen-Verein zu Leipzig. [1833-1933]. Buchhandlungs-Gehilfen-Verein, Leipzig 1933, . Der königliche Führer. Friedrich des Grossen Weg zur Unsterblichkeit (= Hirts deutsche Sammlung. Sachkundliche Abteilung. Geschichte und Staatsbürgerkunde. Gruppe 6: Persönlichkeiten. Band 3). Hirt, Breslau 1933, . Das tönende Buch der Stadt Leipzig. Bibliographisches Institut, Leipzig 1935, . Hoch zu Roß durchs Osterland. Reclam, Leipzig 1935, . Der harfende Greif. Dreiviertel Jahrhundert im Dienste der Schwarzen Kunst. [Zum 75jährigen Jubiläum des Hauses Oscar Brandstetter]. Brandstetter, Leipzig 1937, . Richard Wagners Sippe. Vom Urahn zum Enkel. Beck, Leipzig 1938, . Von Wappen und Waffen. Eine waffenfrohe Geschichte. Geschrieben anläßläßlich des 125jährigen Bestehens der Büchsenmacherei J. D. Moritz' Sohn und des 25jährigen Inhaberjubiläums Bernhard Curt Moritz. Leipzig 1938, . Mars und Musen. Aus meinem Kriegstagebuch, Feldzug in Griechenland 1941. [Gedichte]. Leipzig 1941, .

Literatur Hermann A. L. Degener (Begr.): Wer ist's? Unsere Zeitgenossen. Biographien von rund 15.000 lebenden Zeitgenossen. 9. Ausgabe, Degener, Berlin 1928, , S. 909. Walter Engemann: Dr. Walter Lange zum Gedächtnis. Anläßlich der 75. Wiederkehr seines Geburtstages. Stuttgart 1961. Lina Frubrich, Anselm Hartinger (Hrsg.): Vergessene Rück(an)sichten. Provenienzforschung am Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig. Leipzig 2022, ISBN 978-3-910034-89-1, S. 21 f.

Weblinks

Walter Lange. Fotografie mit Autogramm, Fritz Reinhard, vor 1936, Stadtgeschichtliches Museum Leipzig, Inv.-Nr.: F/2140/2006

Einzelnachweise

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