mini|Toraschrein der Beit Yaacov-Synagoge in Skopje.

Die Geschichte der Juden in Nordmazedonien reicht zweitausend Jahre zurück und beginnt in der römischen Antike, als Juden erstmals in die Region kamen. Heute leben nach dem Holocaust und der Auswanderung, insbesondere nach Israel, etwa 200 Juden in Nordmazedonien, hauptsächlich in der Hauptstadt Skopje und einige wenige in Štip und Bitola.

Altertum Die ersten Juden kamen im ersten Jahrhundert v. Chr. während der Römerzeit in das Gebiet, das heute als Nordmazedonien bekannt ist. Sie flohen vor der Verfolgung in anderen von den Römern kontrollierten Gebieten und ließen sich in der römischen Provinz Macedonia nieder. Die Anwesenheit von Juden in Nordmazedonien wird durch einen Brief von Herodes Agrippa I. an Caligula bestätigt.

In Stobi wurden die Überreste einer jüdischen Synagoge ausgegraben, die aus dieser Zeit stammt. Die Funde lassen die Schlussfolgerung zu, dass damals an diesem Ort eine entwickelte jüdische Gemeinde existierte. Aus einer Inschrift der Synagoge – wohl der wichtigsten, die bisher in einer Diaspora-Synagoge gefunden wurde – geht hervor, dass Tiberius Polycharmus im Jahr 165 n. Chr. seine Villa in eine Synagoge umbaute. Polycharmus, der als „Vater der Synagoge“ bezeichnet wird, errichtete einen Gebetssaal, einen Speisesaal (Triclinium) und einen überdachten Säulengang (Portikus) und nutzte das obere Stockwerk des Komplexes als Wohnsitz für sich und seine Nachfolger.

Mittelalter Die jüdische Gemeinde bestand in Nordmazedonien (wie auch im übrigen Mazedonien) nach der römischen Herrschaft fort. Die mittelalterliche jüdische Bevölkerung Nordmazedoniens bestand bis zum 14. und 15. Jahrhundert hauptsächlich aus romaniotischen Juden. Der Erste Kreuzzug dezimierte die jüdische Bevölkerung in Pelagonien und Skopje. Die Juden in Nordmazedonien hatten jedoch weiterhin prominente Mitglieder in ihren Gemeinden. So konvertierte beispielsweise der Philosoph Leo II. Mung zum Christentum und wurde von 1108 bis 1120 als Nachfolger von Theophylakt von Ohrid Erzbischof von Ohrid. Ein führender jüdischer Gelehrter, der 1328 in Ohrid geborene Judah Leon ben Moses Mosconi, schrieb Kommentare, in denen er feststellte, dass falsche Auslegungen der Heiligen Schrift oft auf eine Vernachlässigung der Grammatik zurückzuführen sind. Später wurde er Leibarzt des Königs von Mallorca, wo er eine umfangreiche Bibliothek zusammenstellte, die noch Jahrhunderte später von Gelehrten genutzt wurde. Die erste bekannte Synagoge in Skopje, Beth Aharon, wurde im Jahr 1366 erbaut.

Osmanische Herrschaft

Die jüdische Gemeinde in der Region blieb bis in die osmanische Zeit hinein klein. Der nächste große Zustrom von Juden in die Region kam mit der portugiesischen und spanischen Inquisition. Bayezid II., der Sultan des Osmanischen Reiches, hieß die sephardischen Juden willkommen, die in sein Reich einwanderten. Sie erhielten weitreichende Autonomie und verschiedene Rechte, darunter das Recht, Immobilien zu kaufen, Synagogen zu bauen und im gesamten Osmanischen Reich Handel zu treiben. Wohlhabende Handelsstädte im heutigen Nordmazedonien wie Skopje, Monastir (das heutige Bitola) und Štip zogen viele Juden an. Die Juden in diesen Städten waren hauptsächlich in den Bereichen Handel, Bankwesen, Medizin und Recht tätig, und einige von ihnen erreichten sogar einflussreiche Positionen. Der jüdische Friedhof in Bitola wurde 1497 angelegt, kurz nachdem die ersten sephardischen Juden in die Gegend gezogen waren. Der Friedhof ist der älteste jüdische Friedhof in Nordmazedonien, wenn nicht sogar auf dem gesamten Balkan.

Die Beziehungen zwischen den Juden und der lokalen nicht-jüdischen Bevölkerung waren im Allgemeinen gut. Eine Bestätigung für die guten Bedingungen für Juden in Nordmazedonien (und der weiteren mazedonischen Region) sowie im osmanischen Europa im Allgemeinen findet sich in einem Brief des mazedonischen Juden Isaac Jarfati aus dem 15. Jahrhundert an deutsche und ungarische Juden, in dem er sie über die günstigen Bedingungen im Osmanischen Reich informierte und sie zur Einwanderung auf den Balkan ermutigte. Ein italienischer Reisender schrieb 1560, dass es in Skopje mehr Juden als andere Bevölkerungsgruppen gab. Im 17. Jahrhundert hatte Skopje zwei Synagogen, Beit Aron und Beit Yaacov. In Bitola gab es neun Synagogen und in Štip zwei.

Mehrere bedeutende jüdische Philosophen wurden in Nordmazedonien geboren oder lebten dort eine Zeit lang, darunter Samuel de Medina, Josef ben Lev, Shlomo Koen, Kirco Blazevski, Jaakov tam David Yahia, Ishaak ben Samuel Adrabi, Aharon ben Josef Sason und Salamon. Im Jahr 1680 starb der in Jerusalem geborene jüdische Religionsphilosoph Nathan von Gaza und wurde in Skopje begraben. Sein Grab wurde nach seinem Tod zu einer Pilgerstätte, bis sie im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde.

Als Enea Silvio Piccolomini 1689 Skopje niederbrannte und 1863 ein Großbrand in Bitola ausbrach, verringerte sich die jüdische Bevölkerung in den beiden größten jüdischen Zentren Nordmazedoniens erheblich. Im Jahr 1689 betrug die jüdische Bevölkerung von Skopje 3.000 von insgesamt 60.000 Einwohnern. Die jüdische Gemeinde war fast ausschließlich sephardisch, und die meisten sprachen zu Hause Ladino.

Im 18. und 19. Jahrhundert verringerte sich die Religiosität unter der jüdischen Bevölkerung. „Nur das mystische Studium der Kabbala blieb ein zentraler Bestandteil der jüdischen Praxis in Mazedonien“. Als Ende des 19. Jahrhunderts in Mazedonien auch Nicht-Muslime Militärdienst leisten mussten, emigrierten viele Juden in die Vereinigten Staaten. 1895 gründete die Alliance Israélite Universelle eine Schule in Bitola. Zu dieser Zeit sprachen mehr als 30 Prozent der mazedonischen Juden Französisch.

Juden beteiligten sich an der Befreiungsbewegung gegen die osmanische Herrschaft. Eine große Zahl mazedonischer Juden machte beim Ilinden-Preobraschenie-Aufstand mit. Einer der bemerkenswertesten Teilnehmer war Rafael Moshe Kamhi, der eine der Rebellengruppen anführte. Er war es, der unter dem Spitznamen Skanderbeg (Skender-beg) an den frühen Aktivitäten der Bewegung teilnahm. Während des Aufstandes von 1903 leitete er eine Einheit in Debar. Mentes Kolomonos, Santo Aroesti, die Brüder Muson und Avram Nisan sind weitere bekannte Teilnehmer des Aufstands, die Waffen sammelten und die Rebellen mit Geld versorgten.

Königreich Serbien und Königreich Jugoslawien

Nachdem Vardar-Mazedonien (das Gebiet entspricht in etwa den Grenzen der heutigen Republik Nordmazedonien) Teil des Königreichs Serbien geworden war, erhielten die Juden vollständige Bürgerrechte. Während des Ersten Weltkriegs wurden die jüdischen Gemeinden in kleineren Gebieten wie Dojran und Strumica, die sich in der Nähe der Frontlinie befanden, von den Kämpfen stark betroffe, und viele Juden flohen aus dem Gebiet. Die Aufteilung Mazedoniens an Griechenland (Griechisch-Makedonien oder „Ägäis-Makedonien“/Makedonia) und Serbien („Vardar-Makedonien“/Süd-Serbien) wirkte sich nachteilig auf die Juden in den kleineren Zentren aus, da ihnen die meisten ihrer Handelsaktivitäten zum größten jüdischen Handelszentrum auf dem Balkan, Thessaloniki, unmöglich gemacht wurden.

Im Königreich Jugoslawien konzentrierte sich die jüdische Gemeinde von Vardar-Mazedonien vor dem Zweiten Weltkrieg auf Bitola (etwa 8.000 Juden), Skopje (etwa 3.000 Juden) und Štip (etwa 500 Juden).

Mit dem Gesetz über die Glaubensgemeinde der Juden im Königreich Jugoslawien vom 14. Dezember 1929 wurde das Verhältnis zum Staat neu geregelt und die traditionelle jüdische Selbstverwaltung zum Teil abgeschafft. Offiziell blieben die jüdischen Gemeinden „Selbstverwaltungs-Körperschaften“, tatsächlich mussten sie ihre Statuten dem Justizministerium zur Bestätigung vorlegen, und das Ministerium sprach auch das letzte Wort, wenn sich jüdische Gemeinden gründeten, spalteten, vereinten oder auflösten.

Zweiter Weltkrieg und Holocaust mini|300x300px|Gemäß den bulgarischen Antisemitismusgesetzen wurden jüdische Häuser gekennzeichnet (linkes Schild) und Zugangsbeschränkungen eingeführt (rechtes Schild). Das Bild wurde im Holocaust-Museum in Skopje aufgenommen.|links

Der Jugoslawische Putsch vom März 1941 folgte den Balkanfeldzug der Wehrmacht und die deutsche Besetzung Jugoslawiens. Parallel dazu, wurde der Druck auf das bis dahin neutrale Bulgarien verstärkt, welches im gleichen Monat ein Verbündeter der Achsenmächte wurde. In der folge, ordnete Hitler während der Wiener Verhandlungen (20.–22, April 1941) die Überlassung der Verwaltung großer Teile Makedoniens sowie das Pomoravije an Bulgarien an.Konrad Clewing (Hrsg.), Oliver Jens Schmitt (Hrsg.): Südosteuropa im Zweiten Weltkrieg (1939-1945): die territoriale und politische Neuordnung des Balkans, In: Geschichte Südosteuropas: Vom frühen Mittelalter bis zur Gegenwart, S. 578–579, Regensburg, 2011, ISBN 978-3-7917-2368-6 Die Region um Debar, Struga und Tetovo wurde Teil des italienischen Protektorats Albanien. Thessaloniki,´mit seinen über 55.000 Juden wurde direkt von der Wehrmacht kontrolliert.

Auf Basis der Klodius-Popow-Vereinbarung überquerten bulgarischen Truppen ab Ende April die Grenze, und obwohl Bulgarien die Region faktisch besetzt hatte, erkannten die zuständigen deutschen Behörden nur die bulgarische Militärverwaltung an, nicht aber die Zivilverwaltung. Seit den Anfängen der Unabhängigkeitsbewegung im späten 19. Jahrhundert hatten die slawischsprachigen Bewohner Vardar-Mazedoniens versucht, sich von der türkischen (und später serbischen) Herrschaft zu befreien, entweder als autonomer Staat oder als Teil Bulgariens. Und so wurde die bulgarische Armee bei ihrem Vormarsch von der Mehrheit der Bevölkerung freundlichAndrew Rossos: The British Foreign Office and Macedonian National Identity, 1918-1941, In. Slavic Review, Band 53, No. 2 (Summer, 1994), S. 369–394, Online-Version und vielerorts auch als Befreier empfangen und konnte wie die Polizei Kräfte aus der lokalen Bevölkerung rekrutieren. So machten lokale Kräfte in bestimmten Bataillonen 40 bis 60 Prozent der Soldaten aus.Raymond Detrez: The A to Z of Bulgaria, Scarecrow Press, 2. Edition, 2010, ISBN 0-8108-7202-1, S. 485.

Das bulgarische Parlament verabschiedete bereits im Dezember 1940 ein antisemitisches Gesetz mit der Bezeichnung Gesetz zum Schutz der Nation, das im Januar 1941 in Kraft trat. Nach Angaben des United States Holocaust Memorial Museum untersagten die bulgarischen Behörden am 4. Oktober 1941 den Juden Mazedoniens, jede Art von Industrie oder Handel zu treiben, und zwang sie, ihre Geschäfte an Nicht-Juden zu verkaufen. Derartige Gesetze und Verordnungen waren in der Region nicht neu, da das Königreich Jugoslawien bereits 1939 ein eigenes antisemitisches Gesetz erlassen hatte. Auch wenn das Gesetz für ganz Bulgarien galt, gab es Unterschiede bei der Umsetzung. So waren alle Juden mit einer bulgarischen Staatsangehörigkeit von der Verfolgung geschützt. Einer Ausdehnung der bulgarischen Staatsangehörigkeit auf die jüdische Bevölkerung Vardar-Mazedoniens widersetzte sich jedoch Nazideutschland. Auch kam es in den von Bulgarien verwalteten Gebieten zur Ghettoisierung wie in Bitola, wo Juden gezwungen waren, aus den jüdischen Vierteln der Stadt, die relativ wohlhabend waren, in die ärmeren Stadtteile umzuziehen. Im Laufe des Jahres 1942 wurden immer härtere Maßnahmen gegen die Juden in Vardar-Mazedonien sowie im besetzten Nordgriechenland verhängt. Die bulgarische Regierung verlangte u. a., dass alle „jüdischen Haushalte 20 Prozent des Wertes ihres gesamten Vermögens“ abtreten mussten.