The History of Sound ist ein romantisches Filmdrama von Oliver Hermanus mit Josh O’Connor und Paul Mescal in den Hauptrollen, das lose auf der gleichnamigen Kurzgeschichte von Ben Shattuck basiert. Der Historienfilm feierte im Mai 2025 bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes seine Premiere. Anfang April 2026 kam der Film in die deutschen Kinos.
Handlung Lionel stammt aus dem ländlichen US-Bundesstaat Kentucky. Dort ist er auf einer Farm mit den Liedern seines Vaters aufgewachsen. Im Jahr 1917 verlässt der talentierte Sänger seine Familie, um das Konservatorium von Boston zu besuchen. Während seiner dortigen Studienzeit macht Lionel die Bekanntschaft mit dem charmanten Komponisten David. Zwischen den beiden entwickelt sich eine tiefe Verbindung, und sie haben auch Sex. Der Kontakt bricht ab, als David Ende des Ersten Weltkriegs in die Armee eingezogen wird.
Nach Ende des Krieges begegnen sich Lionel und David wieder. Beide beschließen, im Winter des Jahres 1920 gemeinsam das ländliche Maine zu bereisen. Dort sammeln sie mit einem Phonographen amerikanische Volkslieder, um sie für zukünftige Generationen zu erhalten. David gibt vor, dass seine Universität diese Reise und die Forschung finanzieren würde.
In seinen Zwanzigern und Dreißigern durchstreift Lionel Europa. Er baut sich ein erfolgreiches und glückliches Leben auf und geht mehrere Liebesbeziehungen ein. Dennoch muss er ständig an die kurze gemeinsame Zeit mit David zurückdenken.The History of Sound. In: cinemadedemain.festival-cannes.com (abgerufen am 5. Mai 2025). Lionel schreibt David oft Briefe, hört jedoch nach einem Jahr damit auf, da er nie eine Antwort erhält. Wegen einer schweren Erkrankung seiner Mutter kommt Lionel zurück in die USA.
Nachdem er die Angelegenheiten seiner Familie geregelt hat, reist Lionel nach Maine, um David zu finden. Dort erfährt er von einem Kollegen, dass David einige Zeit nach ihrer gemeinsamen Reise gestorben ist und dass dessen Fakultät die Reise nie tatsächlich finanziert hatte. Der Aufenthaltsort der Wachszylinder ist unbekannt. Lionel trifft Davids Witwe Belle, die offenbart, dass sie weiß, wer Lionel ist. Sie erzählt, wie sie und David sich kennengelernt haben, und dass Davids Tod ein Suizid infolge eines Kriegstraumas war. Sie gibt Lionel seine Briefe zurück und verspricht, ihm die Zylinder zu schicken, falls sie gefunden werden.
1980 ist Lionel inzwischen Ethnomusikologe und wirbt gerade für sein neuestes Buch, als ein Paket mit den Wachszylindern vor seiner Haustür eintrifft, die er damals mit David auf der Reise aufgenommen hat. Auf einer Aufnahme redet David selbst und entschuldigt sich bei Lionel und dankt ihm für ihre gemeinsame Zeit. Er singt schließlich Silver Dagger, das Lied, dass Lionel beim ersten Treffen gesungen hat.
Literarische Vorlage Der Film basiert lose auf der Kurzgeschichte The History of Sound von Ben Shattuck aus dem Jahr 2018, die zuerst in der Literaturzeitschrift "The Common"Alastair James: Paul Mescal says gay drama The History of Sound with Josh O’Connor won’t happen this year. In: attitude.co.uk, 19. Mai 2022.https://www.benshattuck.com/contact und 2025 auf Deutsch erschien. Der Erzähler Lionel erklärt darin, dass er nicht nur ein perfektes Gehör besitzt, sondern Geräusche auch sehen und sogar schmecken kann. Als junger Mann war er ein hervorragender Sänger und an einem Elite-Konservatorium in Boston eingeschrieben. Es ist schwer für Lionel zu verstehen, dass nicht jeder Musik wie er hört. Lionels wankelmütige Persönlichkeit ist wahrscheinlich der Grund, warum er noch nie in seinem Leben eine dauerhafte Beziehung hatte. Das einzige Mal, dass er wirklich verliebt war, war in David, den jungen Mann, mit dem er 1919 auf seine Musikkatalogisierungsreise ging, gleich nachdem David aus dem Krieg zurückgekehrt war. Vor dem Krieg hatten sie eine kurze Affäre. David verließ das College, ließ seine Mutter alleine auf der Farm zurück und kümmerte sich nicht um die verrottende Ernte. Lionel glaubte, das Bowdoin College habe diese Studie in Auftrag gegeben, obwohl David in Wahrheit die gemeinsame Reise bezahlte. David starb vom Krieg gezeichnet wenige Monate nach dem Ende der Reise. Als Lionels Stimme Jahrzehnte später nachlässt, beginnt er mit dem Schreiben, und gelangt zudem in den Besitz von alten Wachsaufnahmen von Liedern, die David damals von ihm machte.Ben Shattuck: The History of Sound. In: thecommononline.org, 29. Oktober 2018.Stealing rather than making something: "The History of Sound" by Ben Shattuck. In: workshopheretic.blogspot.com, 26. Juli 2022.
Shattuck wurde für die Geschichte mit dem Pushcart-Preis ausgezeichnet.Karen Carlson: Pushcart 2020 XLIV: Ben Shattuck, “The History of Sound” from The Common #16. In: sloopie72.wordpress.com, 18. Januar 2022. Der US-Amerikaner ist nicht nur Schriftsteller, sondern auch Maler und lebt an der Küste von Massachusetts. Er ist Absolvent des College of Architecture, Art, and Planning der Cornell Universityhttps://www.benshattuck.com/contact und war Teaching-Writing Fellow des Iowa Writers' Workshops. Im Jahr 2017 wurde er mit dem PEN America Best Debut Short Story Award ausgezeichnet. Seine Texte wurden unter anderem im Harvard Review und in The New Republic veröffentlicht.
Die so genannten Field-Recordings, die David und Lionel im Roman erstellen, um Lieder für die Nachwelt zu katalogisieren, bescherten dem US-amerikanischen Folklore- und Musikforscher Alan Lomax Berühmtheit. Im Film Like a Complete Unknown gehört Lomax zu den Gegnern elektronisch verstärkter Musik, wie sie Bob Dylan vorantreibt.https://the-spot-mediafilm.com/reviews/review-cannes-the-history-of-sound/
Produktion Filmstab
Regie führt der Südafrikaner Oliver Hermanus. Es handelt sich um seinen sechsten Spielfilm. Bekannt wurde Hermanus vor allem durch seine Filmdramen Moffie von 2019 und Living – Einmal wirklich leben von 2022. Auch bei Moffie handelte es sich um eine Literaturverfilmung mit schwuler Thematik. Zu dem Umstand, dass seine beiden Hauptdarsteller und auch alle anderen Beteiligten während der Dreharbeiten sämtliche Lieder selbst gesungen haben, erklärte der Regisseur: „Durch das Singen am Drehort entstand eine ganz besondere Atmosphäre, etwas Wahrhaftiges, etwas Greifbares. Es war so, wie es ist, wenn Menschen in einem Raum singen. Das bewegt etwas in uns. Wir haben uns auf diese Kultur des Zusammenseins eingelassen, auf diese Weise ist ein Film entstanden, der von diesen besonderen Momenten lebt.“ Für The History of Sound schrieb Autor Shattuck auch das auf seiner Kurzgeschichte basierende Drehbuch. Mit Filmeditor Chris Wyatt arbeitete Hermanus bereits für Living – Einmal wirklich leben zusammen.
Besetzung, Synchronisation und Dreharbeiten Der Ire Paul Mescal und der Brite Josh O’Connor spielen in den Hauptrollen Lionel Worthing und David White. Chris Cooper ist die Erzählstimme von Lionels älterem Ich.Arabella Wintermayr: Spielfilm „The History of Sound“: Liebe im Anklang. In: taz.de vom 7. April 2026. Molly Price spielt Lionels Mutter und Raphael Sbarge Lionel Worthing Senior. In weiteren Rollen sind Hadley Robinson als Belle, Alessandro Bedetti als Vincent, Emma Canning als Clarissa Roux, Briana Middleton, Gary Raymond und Michael Schantz zu sehen.Olivia Popp: Oliver Hermanus's 'The History of Sound' to compete for the Palme d'Or. In: cineuropa.org, 17. April 2025. Das Casting übernahm Susan Shopmaker.
Die deutsche Synchronisation entstand nach einem Dialogbuch von Alexander Löwe und der Dialogregie von Marius Clarén im Auftrag der Interopa Film GmbH in Berlin.https://www.synchronkartei.de/film/62551
Darsteller Synchronsprecher RollePaul MescalAmadeus StroblLionel Josh O’ConnorRoman WolkoDavid Hadley RobinsonMelinda RachfahlBelle Sinclair Michael SchantzFlorian ClydeBob Sinclair Emma CanningLena SchmidtkeClarissa Roux Sam Breslin WrightMarius ClarénCollege Instructor Chris CooperAxel LutterLionel (älter) Tom NelisRainer DoeringLionels Großvater Molly PriceElisabeth GüntherLionels Mutter Peter Mark KendallLasse DreyerNathan Dion GrahamJaron LöwenbergWill Swain
Gedreht wurde von März bis Mai 2024 in New York und im Norden von Hoboken in New Jersey, hier unter anderem im Gebäude von/der Elks Lodge und in der Umgebung der 10th Street und der Willow Avenue.The History of Sound. In: uptodateactor.com. Abgerufen am 21. Dezember 2024.Caren Lissner: New Movie, 'History Of Sound,' Filming in Uptown Hoboken. In: patch.com, 7. März 2024. Als Kameramann fungierte Alexander Dynan, der zuletzt für die Filme First Reformed, Master Gardener und The Card Counter von Paul Schrader tätig war.
Marketing und Veröffentlichung Erstes Bildmaterial wurde Anfang Mai 2025 vorgestellt.Jordan Ruimy: First Look: Oliver Hermanus' 'History of Sound' With Paul Mescal & Josh O'Connor. In: worldofreel.com, 2. Mai 2025. Die Premiere des Films war am 21. Mai bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes, wo er im Wettbewerb um die Goldene Palme konkurrierte.Horaires Des Projections / Screenings Guide Festival du Cannes 2025. In: festival-cannes.com. Abgerufen am 8. Mai 2025. (PDF; 399 KB) Ende August 2025 wurde der Film beim Telluride Film Festival gezeigt.Matt Donnelly: Paul Mescal, Jeremy Allen White, Elle Fanning Kick Off Telluride With Splendor and Schmoozing on the Mountain. In: Variety, 29. August 2025. Ende September, Anfang Oktober 2025 wird er beim Filmfest Hamburg gezeigt.The History of Sound. In: filmfesthamburg.de. Abgerufen am 9. September 2025. Im Oktober 2025 sind Vorstellungen beim London Film Festival geplant.The History of Sound. In: bfi.org. Abgerufen am 3. September 2025. Die Rechte sicherte sich der Streamingdienst MUBI und plante, The History of Sound im Laufe des Jahres 2025 zu veröffentlichen.Jordan Ruimy: 'History of Sound' Bought by MUBI. In: worldofreel.com, 14. Februar 2025. Focus Features / Universal Pictures International sicherten sich die internationalen Rechte. Der Kinostart in Deutschland erfolgte am 9. April 2026.
Rezeption Kritiken Von den bei Rotten Tomatoes aufgeführten Kritiken sind 70 Prozent positiv.The History of Sound. In: Rotten Tomatoes. Abgerufen am 29. Oktober 2025. Bei Metacritic erhielt der Film einen Metascore von 64 von 100 möglichen Punkten.The History of Sound. In: Metacritic. Abgerufen am 1. April 2026. mini|hochkant|Regisseur Oliver Hermanus Thomas Schultze schreibt in seiner Kritik, mit The History of Sound stehe nun fest, dass Oliver Hermanus seinen sorgfältigen Inszenierungsstil mit Charakterentwicklung ohne Hast und mit einem klaren Fokus auf die Darstellerleistungen nunmehr verinnerlicht habe: „Jede Bewegung sitzt, jeder Ausschnitt stimmt, jede Komposition erfüllt ihren Zweck, um eine vergangene Ära mit einem Höchstmaß an Detailverliebtheit zu Leben zu erwecken, in der die Hauptfiguren mit den Konventionen der Zeit konfrontiert werden und im Zweifelsfall daran zerschellen.“ Die Wanderschaft gebe den beiden jungen Männern die Möglichkeit, ihrer gegenseitigen Leidenschaft Ausdruck zu geben. Hermanus gehe es nicht um die Beziehung, es gehe ihm um ihre Auswirkungen für das Leben von Lionel. Die Geschichte dieser großen Leidenschaft werde ganz fein gespielt von Paul Mescal und Josh O’Connor in den Hauptrollen, während sich im Hintergrund die Direktheit amerikanischer Folkmusik und die Opulenz klassischer Kompositionen verbinden zu einem Bildteppich menschlicher Erfahrung.https://the-spot-mediafilm.com/reviews/review-cannes-the-history-of-sound/