mini|Monika Linhard mit Arbeit „Tütengeflüster“ (2016), fotografiert von Roland Wengenmayr Monika Linhard (* 1957 in Bad Kissingen) ist eine deutsche Künstlerin. Sie lebt und arbeitet in Frankfurt a. M.

Leben Monika Linhard wurde 1957 in Bad Kissingen geboren. Ihre Familie väterlicherseits stellte mit Gerhard Linhard von 1854 bis 1865 den Bürgermeister der Stadt Bad Kissingen. Ihre Kindheit und Schulzeit verbrachte sie in Baden-Baden, Nordenham, Badenweiler, Triberg und Nürnberg. Nach einer Lehre als Holzbildhauerin an der Holzbildhauerschule Bischofsheim studierte sie von 1987 bis 1993 Freie Kunst an der Gesamthochschule Kassel bei Alf Schuler, einem Vertreter der Konkreten Kunst. Sie arbeitet seither international im Bereich Objektkunst und Rauminstallation. Monika Linhard erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Preise, unter anderem das Kunsthausstipendium der Stadt Wiesbaden (1993), das „Esslinger Bahnwärterstipendium“ (1998), das Atelierstipendium des Freistaates Bayern und das Arbeitsstipendium Neustart Kultur Plus (2023).

Von 2002 bis 2004 und von 2013 bis 2014 lehrte sie dreidimensionale Gestaltung an der Fachhochschule Trier. Als freischaffende Künstlerin lebt und arbeitet sie seit 1999 in Frankfurt a. M., und seit 2005 auf dem Kulturgelände der ehemaligen Farbenfabrik Dr. Carl Milchsack.

Werk Ausgangspunkt Monika Linhards künstlerischen Praxis ist die Analyse des Werkstoffes, dessen Eigenschaften, Formbarkeit sowie gesellschaftlichen Bezügen und Bedeutungen. Ihre Werke leben von der vollzogenen Metamorphose des Materials und seiner Installation im Raum.

Dabei greift sie vor allem auf Objekte der „Dingwelt“ zurück. Die Objekte des Alltags werden nicht im Sinne von zuvor „De-Konstruiertem“ neu zu Objekten zusammengesetzt, sondern in Reihung und Addition von Materialien. Die Assoziationen zum Alltag werden über die materiellen Eigenschaften, die Plastizität und Reaktion auf künstlerische Eingriffe hergestellt und nicht über die eigentlichen Gegenstände. Der Alltag dient als Fundus für Linhards Arbeit, in der sie die symbolischen und kulturellen Bedeutungen der Materialien hinterfragt.

Linhards Augenmerk auf die Stofflichkeit der Dinge zeigt sich unter anderem in der Installation Tütengeflüster. Über Scheinwerfern schweben grünliche Hemdchenbeutel. Ihre Öffnungen zeigen nach unten und sie blähen sich in dem warm aufsteigenden Lichtstrom auf. In der zitternden Luft reiben sich die aufgeblähten Beutel aneinander, geraten in Bewegung, erfüllen den Raum mit feinem Knistern und einem magischen grünen Leuchten. Ein weiteres Beispiel sind ihre kinetischen Installationen mit Aluminiumlamellen. Seit den frühen neunziger Jahren arbeitet sie mit diesem Material, zuerst noch mit handelsüblichen Jalousien aus Kunststoff, später aus Aluminium. Sie analysiert die bildhauerischen Möglichkeiten dieses industriell geformten „Halbzeuges“. Dabei berücksichtigt sie ganz bewusst auch das Potential des Klanges, welches diesem Material innewohnt. Rascheln, Klirren und Scheppern, wie in ihrem Werk Zwischen Bäumen, das sie während des Symposiums Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen realisierte.

Linhards Werk beruft sich weniger auf den großen Vorreiter der object trouvés Marcel Duchamp. Viel mehr spiegelt sich in ihrem Umgang mit Material ihre intensive Auseinandersetzung mit Joseph Beuys wider. Beuys hatte mit seiner Theorie der sozialen Plastik nicht nur den Kunstbegriff, sondern auch den Materialbegriff maßgeblich erweitert. Er löste den Werkstoff aus seiner dienenden Rolle heraus, indem er ihm die Eigenschaft zusprach, Ausdruck komplexer semantischer Netze zu sein.

Linhards Arbeiten haben gemein, dass die Künstlerin von den Betrachtenden fordert, nicht nur an einem Standpunkt zu verharren, sondern ihre Werke räumlich zu erkunden: deren Behauptung im Raum wahrzunehmen als auch aus nächster Nähe zu betrachten. Mit allen Sinnen tauchen die Betrachtenden ein und werden so zu im Austausch mit ihren Werken stehenden Resonanzkörpern.

Diese Ideen finden bei Linhard in Form von ortsspezifischen kinetischen Installationen, Raum- und Wandobjekten sowie mittels Fotografie Ausdruck.

Ausstellungen Einzelausstellungen (Auswahl) 2019: Wechselspiel, Galerie Söffing, Frankfurt a. M. 2019: In Situ, Kunstverein EBENE B1 Taunusanlage e.V., Frankfurt a. M. 2016: re-homing, Kloster Wechterswinkel, Bastheim 2014: Blinds, Galerie Hafemann, Wiesbaden 2013: augenblicklich Fotosequenzen, Galerie Söffing, Frankfurt a. M. 2012: Strömungen, Hauptzentrale Deutscher Wetterdienst, Offenbach a. M. 2011: sicht:wechsel, Heussenstamm-Galerie, Frankfurt a. M. 2010: Tütengeflüster, Kunstverein Neckar-Odenwald, Mosbach 2009: Windbeutel, Galerie Hafemann, Wiesbaden 2006: Zeitzonen, Galerie Wildwechsel, Frankfurt a. M. 2005: Rest für die Hälfte, ml_Zimmergalerie, Frankfurt a. M. 2004: Din tara in tara, Triade Art Foundation, Timisoara, Rumänien 2004: Von Land zu Land, Im Hagenbucher, Heilbronn 1999: unterwegs, Städtische Galerie Würzburg und Städtische Sammlung Schweinfurt 1997: Lauter Dinger, Galerie Palais Walderdorff, Trier 1997: Objekte und Zeichnungen, Adam-und-Eva Haus, Paderborn 1996: Näher und Weiter, Bahnwärterhaus Esslingen (Villa Merkel), Esslingen 1996 Vierzehn bis Hundersiebenunddreißig Teile, Kunststation Kleinsassen, Kleinsassen 1996: Capri, Saskia und Muschel, Galerie Brötzinger Art e.V., Pforzheim 1996: setzen – stellen – legen, Produzentengalerie, Kassel 1996: Monika Linhard, rdr-service & consult, Mellrichstadt 1993: Objekte und Plastiken, Kunsthaus Wiesbaden, Wiesbaden 1992: Zwischen Innen und Außen, fkf, Alter Wiehrebahnhof, Freiburg 1990: Fragmente, Engpol Medien, Alte Güterhalle, Nordheim a. d. Rhön

Gruppenausstellungen (Auswahl) 2022: WALK in and Wonder, Konkrete Kunst in der WALKMÜHLE, Wiesbaden 2022: mapping | 3 positions | lantenhammer, linhard, skiba, BBK-Galerie Unterfranken im Kulturspeicher, Würzburg 2021: „Was bleibt …“ 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland, Forum für aktuelle Kunst, Heidelberg 2021: „Hut ab! Kopf an!“ Zum 100. Geburtstag von Joseph Beuys, Kunstverein Eulengasse e.V., Onlineveranstaltung 2020: Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen, Doppelausstellung im Centrum Rzezby polskeiej w Orońsku, Polen und Kunsthalle, Wiesbaden 2019: Kunst aus dem Koffer, Burg Galerie im Volkspark, Halle a.d. Saale 2018: Perforated Walls, Kunstquartier Bethanien, Berlin 2018: Luminale. Biennale für Lichtkunst und Stadtgestaltung, Frankfurt a. M. 2018: Raumzustände. Triennale IV – Focus Franken, Kunsthalle Schweinfurt, Schweinfurt 2017: PARTI-cipation VI – Seoul 2017, Galerie SoSo, Seoul, Korea 2017: Auf Einladung. Forum für aktuelle Kunst, Villa Claudia, Feldkirch, Österreich 2017: Carte Blanche, espace despalles, Paris, Frankreich 2016: Tissue – Verdichtete Zeit, Neue Galerie Landshut e. V., Landshut 2016: PARTI-cipation V – Fladungen 2016, Rhönmuseum, Fladungen 2015: PARTI-cipation IV – Óbidos 2015, Óbidios, Brasilien 2013: Fundamental Ephemeris, BronxArtSpace, New York, USA 2013: PARTI-cipation II – Verduno 2013, Castello di Verduno, Italien 2013: Klein aber Fein, nwwk, Worpswede 2012: entlang der mainzer, Interdisziplinäres Forschungsprojekt, Frankfurt a. M. 2012: Sammlung Gottfried Hafemann, Kunsthaus Wiesbaden, Wiesbaden 2010: Ornament verbindet, Kulturspeicher Würzburg und Mainfränkisches Museum (heute Museum für Franken) Würzburg 2010: Kosmos Kiosk, Neuer Kunstverein Gießen, Gießen 2007/2008: Teilnahme an der Europäische Kulturhauptstadt 2007, Großregion Luxemburg und Sibiu 2005: Papier, Walkmühle, Wiesbaden 2005: Beeil dich!, Ernst-Sachs Bad, Schweinfurt 2004: Goldherbst 2004, galerie brötzinger art e.V., Pforzheim 2001: 3 x klingeln, Mainz 2000: 9 ½, Villa Merkel, Bahnwärterhaus & Schwörhaus, Esslingen 2000/2001: Teilnahme an der Art Frankfurt mit der „Galerie für Zeitkunst“, Bamberg 1998: Osmosen, Kunsthaus Nürnberg, Nürnberg 1998: Zum Ornament …II, Galerie Hafemann, Wiesbaden 1997: Fluß und Dynamik, Skulpturenweg, Veitshöchheim 1997: Malerei und Plastik – Setsuko Ikai und Monika Linhard, Städtische Galerie im Rathaus Büttgen, Kaarst 1996: Transparenzen, Produzentengalerie, Kassel 1995: Folie – Das Material des Bildhauers, Nassauischer Kunstverein Wiesbaden, Wiesbaden 1994: Zeitgenössische Kunst in Franken, Alte Reichsvogtei, Schweinfurt 1994: mehrfach/vielfach, fkf, Alter Wiehrebahnhof, Freiburg 1993: KunstRaumFranken, Kunsthalle Nürnberg, Nürnberg 1993: Skulptur und Video, Kunstetage Dock 4, Kassel 1991: Germination IV, Ludwig Forum für Internationale Kunst, Aachen 1991: Kunstkaufhaus, Frauenmuseum Bonn, Bonn 1991: Kunststudenten stellen aus, Bonner Kunstverein, Bonn 1989: Funktionslose Räume oder Räume ohne Funktion, Alte Brauerei Rother Bräu, Roth

Werke in Sammlungen Union Investment, Frankfurt a. M. Städtische Sammlungen Würzburg Städtische Sammlungen Wiesbaden Städtische Sammlungen Fulda Städtische Sammlungen Schweinfurt Städtische Sammlungen Esslingen Städtische Sammlungen Kaarst Regierung von Unterfranken Sparkasse Mainfranken, Würzburg Deutscher Wetterdienst Offenbach a. M. Sammlung Gottfried Hafemann, Wiesbaden Sammlung Erhard Witzel, Wiesbaden

Auszeichnungen und Stipendien 2023: NEUSTARTplus-Stipendium, Arbeitsstipendium der Stiftung Kunstfonds, Bonn 2022: Brückenstipendium, Arbeitsstipendium vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, Wiesbaden 2020: Hessen Neu eröffnen, Arbeitsstipendium vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, Wiesbaden 2020: Artist in Residence, Polnisches Skulpturenzentrum Orońsko 2014: Finalistin „Liquide Space“ Ferchau Engineering GmbH, Gummersbach 2009: Arbeitsstipendium Pilotprojekt Gropiusstadt, Berlin 2009: Sommercamp „Lucian Grigorescu – International Camp for Painting and Sculptur“ Medgidia/Rumänien 1998/99: Atelierstipendium des Landes Bayern 1999: „Leben bis zuletzt“, Auszeichnung Hospizverein Bad Kissingen e.V., Bad Kissingen 1996: Esslinger Bahnwärter für Bildende Kunst, Esslingen 1993: Stipendium der Stadt Wiesbaden 1990: Bundesförderpreis für Wissenschaft und Kunst

Lehraufträge/Schulprojekte (Auswahl) 2019–20: „Living Pictures“, Lessing-Gymnasium FFM, gefördert von kunstvoll (Kulturfonds Rhein-Main) 2015–17: Lehraufträge an der Zeichenakademie Hanau 2012–14: Lehrauftrag für dreidimensionales Gestalten an der Hochschule Trier, Idar-Oberstein 2009: Lehrauftrag Academie for Visual Arts, Frankfurt 2002–04: Lehraufträge für dreidimensionales Gestalten an der Hochschule Trier, Idar-Oberstein

Vorträge, Projekte (Auswahl) 2012: „entlang der mainzer“, Ein interdisziplinäres Kunst- und Kulturprojekt, Frankfurt a. M. 2011: „Sonntagsdinge – Montagsdinge“, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg 2009: „Von Land zu Land – Kulturelle Strategien für einen sozial ökologischen Wandel“, Museum Angewandte Kunst, Frankfurt a. M. seit 2004: Reiseprojekt „Von Land zu Land“

Literatur Monika Linhard (Hrsg.): Monika Linhard, Werkverzeichnis, Band 1: Rauminstallationen, 1989 — 2020, KANN-Verlag, Frankfurt am Main, 2022, ISBN 978-3-949312-39-7. Isa Bickmann, Monika Linhard, in: Kunstverein Ebene B1 Taunusanlage e.V. (Hrsg.): Jahrbuch 2018 – 2020, S. 9ff, Frankfurt a. M., 2021. Polnisches Skulpturenzentrum in Orońsko (Hrsg.): Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen, Oronsko, 2020, ISBN 978-83-64653-28-5. Kulturagentur Rhön-Grabfeld (Hrsg.): Monika Linhard re-homing, Bad-Neustadt / Saale, 2016, ISBN 978-3-00-054369-2. Evangelische Akademie Frankfurt (Hrsg.): entlang der Mainzer. Ein interdisziplinäres Kunst- und Kulturprojekt zur performativen Stadtkultur in Frankfurt am Main, Frankfurt a. M., 2013, ISBN 978-3-95542-036-9. Deutscher Wetterdienst (Hrsg.): Kunst im Deutschen Wetterdienst – Monika Linhard Strömungen, Offenbach, 2012, ISBN 978-3-88148-459-6.