Arnd Henze (* 25. September 1961 in Einbeck, südl. Niedersachsen) ist ein deutscher Journalist und Publizist.
Leben und Karriere Aufgewachsen in Einbeck, Göttingen und Garbsen, arbeitete Arnd Henze bereits während der Schulzeit für die Lokalzeitung Rundblick und den Norddeutschen Rundfunk. Dort moderierte er u. a. die Jugendsendung „Der Club“. Während des Studiums der Evangelischen Theologie in Göttingen, Heidelberg und am Graduate Theological Union im kalifornischen Berkeley produzierte er zahlreiche Hörfunkfeatures zu gesellschaftspolitischen Themen. Breitere Diskussion löste er in den späten 80er Jahren mit investigativen Arbeiten zur Verwicklung der evangelischen Kirche in der NS-Zeit aus, u. a. zur Rolle des damaligen Bischofs August MarahrensZustimmung zu erwiesenem Unrecht? Bischof Marahrens und die nationalsozialistische Obrigkeit. In: Lutherische Monatshefte, 12/1987, S. 544–547. und zum Eisenacher „Entjudungsinstitut“Kontinuität theologischer Judenfeindschaft vor und nach 1945 – Walter Grundmann und das Eisenacher „Entjudungsinstitut“. Selbstverlag, Göttingen 1987..
Nach dem Volontariat und einer kurzen Phase als freier Autor wurde er 1992 außenpolitischer Redakteur und Reporter beim WDR. Vor allem aus den USA berichtete er regelmäßig für aktuelle Sendungen wie Tagesschau, Tagesthemen sowie den „ARD-Weltspiegel“. In dieser Zeit entstanden zahlreiche Sozialreportagen und Dokumentationen.
Von 2012 bis 2019 war Henze Fernsehkorrespondent im ARD-Hauptstadtstudio mit dem Schwerpunkt Außen- und Sicherheitspolitik. Seit 2019 ist er wieder in Köln im Bereich Investigative Recherche und WDR Doku tätig. Für große Resonanz sorgte im Oktober 2020 die Dokumentation Ich weiß nicht mal, wie er starb – Wie ein Pflegeheim zur Coronafalle wurde, für die Henze gemeinsam mit Co-Autorin Sonja Kättner-Neumann mehrfach ausgezeichnet wurde.
Arnd Henze ist berufenes Mitglied der 13. EKD-Synode und beteiligt sich mit Vorträgen und Aufsätzen an sozialethischen Debatten zu Themen wie Krieg und Frieden, Klimaschutz, Demokratie und Antisemitismus. 2019 erschien sein Buch Kann Kirche Demokratie? Wir Protestanten im Stresstest, das sich mit dem antidemokratischen Erbe des Protestantismus und gegenwärtigen Anfälligkeiten für autoritäre Versuchungen beschäftigt. Auf Vortragsreisen in die USA hat Henze mehrfach zu Fragen globaler Gefährdungen der Demokratie und zu Themen kirchlicher Zeitgeschichte referiert. Im März 2026 erschien sein politisches Sachbuch Mit Gott gegen die Demokratie. Warum der christliche Nationalismus alle angeht, das von den Medien breit aufgenommen und diskutiert wurde. Im Juni 2026 wurde sein Buch auf die Bestenliste "Sachbuch des Monats" gesetzt.
Von 1993 bis 2012 leitete er das „Dellbrücker Forum“, das sich mit insgesamt 111 Podiumsveranstaltungen zu einem bundesweit wahrgenommenen Ort gesellschaftlicher Debatten entwickelt hatte. Auf dem Evangelischen Kirchentag in Stuttgart im Juni 2015 moderierte er vor mehr als 11.000 Teilnehmern die Veranstaltung Die Welt ist aus den Fugen mit Kofi Annan und Frank-Walter Steinmeier. Darüber hinaus leitete Henze seit 1999 zahlreiche Bürgerbeteiligungsverfahren zu kontroversen Projekten der Stadtentwicklung.
Filmografie Dokumentationen (Auswahl) 1992 Grüne Revolution in Iowa, WDR 1992: Saddams Spiel mit dem Feuer, WDR 1992/93: div. Filme für die Reihe „Rückblende“, u. a. zu Baubeginn Mount Rushmore, Ernennung Thurgood Marshall und Ermordung Martin Luther King, WDR 1993: Mississippi Blues – Die Müllarbeiter von Memphis, WDR 1995: Kreuzzug gegen Teenagemütter (mit Angela Andersen), ARD 1998: Ärzte im Fadenkreuz – Abtreibungskrieg in den USA (mit Angela Andersen), WDR 2000: Gute Nachricht aus Sing Sing (mit Marcel Kolvenbach), WDR 2020: Ich weiß nicht mal, wie er starb – Wie ein Pflegeheim zur Coronafalle wurde (mit Sonja Kättner-Neumann), ARD
Auszeichnungen (Auswahl) 2003: Marler Fernsehpreis für Menschenrechte 2018: Concordia-Preis für Presse- und Informationsfreiheit 2021: Medienpreis der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (1. Platz) 2021: Publizistikpreis der Stiftung Gesundheit (1. Platz) 2021: Andere-Zeiten-Journalistenpreis (1. Platz) 2022: Medienpreis Wirtschaft NRW (1. Platz)
Schriften Mit Gott gegen die Demokratie. Warum der christliche Nationalismus alle angeht. Gütersloher Verlagshaus - Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH, Gütersloh 2026, ISBN 978-3-641-34502-0. Kann Kirche Demokratie? Wir Protestanten im Stresstest. Herder, Freiburg 2019, ISBN 978-3-451-37979-6. Medienmacht und Biotop-Diskurse: Das Gemeinwohl als Herausforderung in einer globalisierten Öffentlichkeit. In: Jäger/Vierig (Hrsg.): Die amerikanische Regierung gegen die Weltöffentlichkeit? VS Verlag für Sozialwissenschaft, Wiesbaden 2018, ISBN 978-3-531-15970-6. Fehlgeleitete Widerstandsromantik. In: Kleffner/Meisner (Hrsg.): Fehlender Mindestabstand – Die Coronakrise und die Netzwerke der Demokratiefeinde. Herder, Freiburg 2021, ISBN 978-3-451-39037-1. Kontinuität theologischer Judenfeindschaft vor und nach 1945 – Walter Grundmann und das Eisenacher „Entjudungsinstitut“. Selbstverlag, Göttingen 1986. Wem gehört Bonhoeffer? In: „Zeitzeichen“ 2019-10 (online). Eine Entschuldungserklärung – Vor 75 Jahren veröffentlichte die EKD die zwiespältige Stuttgarter Schulderklärung. In: Zeitzeichen 2020-10 (online).
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