Der Arbre du Ténéré (französisch „Baum der Ténéré“) ist ein Orientierungspunkt in der Wüste Ténéré in Niger. Hier befand sich bis 1973 ein isolierter Baum.

Lage Der Orientierungspunkt liegt auf einer Höhe von . Er markiert die Grenze zwischen dem Naturschutzgebiet Aïr und Ténéré im Norden und dem Naturreservat Termit und Tin-Toumma im Süden. Am Arbre du Ténéré teilt sich die von Agadez kommende Piste: über den Brunnen von Achegour nach Dirkou und weiter südlich über die Oase Fachi nach Bilma im Kaouar-Tal. Am Orientierungspunkt befindet sich ein Brunnen. Den Salzkarawanen dient der Ort als Nachtlager. Ihren Lagerplatz in der Nähe des Brunnens nennen die Nomaden „Ad Azzaouagger“.

Geschichte Der Arbre du Ténéré war eine Schirmakazie, die als isoliertester Baum der Erde galt – angeblich der einzige in einem Umkreis von 400 Kilometern, andere Angaben nennen 150 km. Er war vermutlich der letzte überlebende Baum einer Baumgruppe, die heranwuchs, als die Wüste weniger trocken war als gegenwärtig. Der Baum stand für mehrere Jahrzehnte allein. Während des Winters 1938/39 wurde ein Schacht nahe dem Baum gegraben, es zeigte sich, dass der Baum den Grundwasserspiegel in 33 bis 36 Metern Tiefe erreicht hatte. Im Jahr 1939 schrieb der in Französisch-Westafrika stationierte Offizier Michel Lesourd über den einsamen Baum:

mini|Situation im Jahr 1985 mini|Überreste des alten Arbre du Ténéré in einem Pavillon in Niamey 1959 bemerkten Reisende beim Vergleich mit Fotos aus dem Jahr 1939, dass die Äste des Baumes deutlich abgenommen und das Laubwerk sich gelichtet hatte. Der Baum war offensichtlich durch einen Kraftwagen beschädigt worden.

Die Akazie wurde 1973 von einem – angeblich betrunkenen – Lkw-Fahrer umgefahren. Die Zerstörung des Baums wurde im November 1973 von Teilnehmern der von Citroën veranstalteten Rallye Raid Afrique entdeckt. Der damalige Leutnant und spätere Staatspräsident Ali Saibou brachte die Überreste des Arbre du Ténéré am 8. November 1973 in einem Militärtransporter nach Niamey ins Nigrische Nationalmuseum, wo sie seit 1977 in einem eigenen Pavillon ausgestellt sind.

An dem Standort der Akazie wurde ein baumähnliches Gebilde aus Metallrohren errichtet, an dessen „Ästen“ später verchromte Radkappen als Reflektoren für die Nachtfahrer angebracht wurden. 1998 errichtete Katsuyuki Shinohara in der Nähe die Metallskulptur „Tree of Wind“, mit Glaselementen als optische und Windharfen als akustische Orientierungszeichen.

Siehe auch Schadscharat al-Haya, ein ähnlicher Baum in der Wüste von Bahrain

Literatur

Henri Lhote: Au sujet de l’arbre du Ténére. In: Bulletin de liaison saharienne. Band 12 (1961), Heft 41, S. 48–54. Hélène Simart: L’arbre de Ténéré. Roman (Collection La Palme d’or). Casterman, Paris 1978 (Belletristik).

Weblinks

Danny Kringiel: Der einsamste Baum der Welt. In: Spiegel Online. Eines Tages, 11. Oktober 2016.

Einzelnachweise

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