Helena Freseken († 21. März 1565 in Gehrden) war von 1534 bis zu ihrem Tod im Gehrdener Exil Äbtissin des Konvents des bereits 1527 aufgehobenen Klosters Kaufungen in Oberkaufungen in Nordhessen.

Sie stammte aus dem in Neheim ansässigen Adelsgeschlecht Freseken und ist erstmals im Jahre 1531 urkundlich erwähnt, als die verbliebenen Mitglieder des Kaufunger Konvents – darunter die Äbtissin Alfradis von der Borch, die Priorin Elisabeth Hake und die Kellnerin Helena Freseken – 1531 endgültig aus dem von Landgraf Philipp I. aufgehobenen Kloster Kaufungen verwiesen wurden. Sie kehrten, unter Mitnahme des Klostersiegels, zurück ins Kloster Gehrden, aus dem sie im Jahre 1509 nach Kaufungen versetzt worden waren und wo sie weiterhin als eigenständiger Konvent bezeichnet und behandelt wurden.

Der Besitz des Klosters Kaufungen wurde 1532 von Landgraf Philipp der Hessischen Ritterschaft zur Versorgung weiblicher Angehöriger dieser adligen Korporation übergeben. Die vertriebenen Nonnen fanden sich damit nicht ab, sondern betrieben von Gehrden aus die Rücknahme dieser Maßnahmen. Nach dem Tod ihrer Äbtissin Alfradis am 27. April 1534 wurde Helena Freseken, die einst von Gehrden nach Kaufungen gegangen war, am 8. Juli 1534 im Kloster Gehrden zur Äbtissin des dort exilierten Konvents von Kaufungen gewählt.Hermann von Roques (Hrsg.): Urkundenbuch des Klosters Kaufungen in Hessen. 2. Band, Siering, Kassel, 1902, S. 433, Nr. 776 Sie erhob schon kurz nach ihrer Wahl Klage beim Reichskammergericht gegen Landgraf Philipp zwecks Rückgabe der Besitztümer und Rechte des Klosters Kaufungen. Kaiser Karl V. gebot dem Landgrafen im März 1537, ihnen ihr Kloster samt dessen Besitz zurückzugeben,Hermann von Roques (Hrsg.): Urkundenbuch des Klosters Kaufungen in Hessen. 2. Band, Siering, Kassel, 1902, S. 445, Nr. 786 was Philipp jedoch ablehnte. Stattdessen drohte er dem Hochstift Paderborn, sollte es die unbotsamen Nonnen von Kaufungen und Gehrden nicht zur Rechenschaft ziehen. Helena verließ daraufhin Gehrden mit unbekanntem Ziel im Mai 1537, um dem Kloster Unbill zu ersparen.Hermann von Roques (Gregor Richter (Bearb.)): Kloster Kaufungen in Hessen (Quellen und Abhandlungen zur Geschichte der Abtei und der Diözese Fulda). Fulda, 1910, S. VII – 60 (hier 58-59) Sie handelte jedoch weiterhin, als sei sie legitime Äbtissin von Kaufungen, und verfügte Belehnungen mit ehemals Kaufunger Besitz und Ämtern.Z. B. Hermann von Roques (Hrsg.): Urkundenbuch des Klosters Kaufungen in Hessen. 2. Band, Siering, Kassel, 1902, S. 476, Nr. 801 Schreiben des Königs Ferdinand,Z. B. Hermann von Roques (Hrsg.): Urkundenbuch des Klosters Kaufungen in Hessen. 2. Band, Siering, Kassel, 1902, S. 478, Nr. 803 des Kaisers Karl V.,Z. B. Hermann von Roques (Hrsg.): Urkundenbuch des Klosters Kaufungen in Hessen. 2. Band, Siering, Kassel, 1902, S. 486, Nr. 814 und des Oberrheinischen ReichskreisesZ. B. Hermann von Roques (Hrsg.): Urkundenbuch des Klosters Kaufungen in Hessen. 2. Band, Siering, Kassel, 1902, S. 483 Nr. 812 an die Äbtissin von Kaufungen, mehrheitlich mit der Aufforderung zur Zahlung der Türkensteuer oder zur Stellung von Truppen, gelangten nicht an sie, da Landgraf Philipp sie einbehielt.Hermann von Roques (Gregor Richter (Bearb.)): Kloster Kaufungen in Hessen (Quellen und Abhandlungen zur Geschichte der Abtei und der Diözese Fulda). Fulda, 1910, S. 59 Erst 1540 wurde der Streit beendet, als Helena Freseken, Elisabeth Hake und die Kanonissin Iseke von der Becke ihren Verzicht auf die Fortführung des Prozesses gegen den Landgrafen erklärten.Robert Peters: Sprachliches Handeln zwischen benediktinischer Reform und Reformation. Niederdeutsch im hessischen Stift Kaufungen. In: Niederdeutsches Wort, Aschendorff Verlag, Münster, , Band 57, 2017, S. 7–34 (hier 16–19) (lwl.org, PDF) Erst danach war Helena wieder in Gehrden willkommen.

Helena Freseken starb am 21. März 1565. Eine Nachfolgerin als Äbtissin des Kaufunger Konvents wurde nicht mehr gewählt.

Fußnoten

Literatur Hermann von Roques (Gregor Richter (Bearb.)): Kloster Kaufungen in Hessen (Quellen und Abhandlungen zur Geschichte der Abtei und der Diözese Fulda). Fulda, 1910, S. VII – 60 (hier 60) Dietrich Christoph von Rommel: Philipp der Grossmüthige, Landgraf von Hessen: ein Beitrag zur genaueren Kunde der Reformation und des sechszehnten Jahrhunderts. I. Band. Heyer, Gießen, 1830, S. 174–176

Kategorie:Äbtissin (Kaufungen) Kategorie:Benediktinerin Kategorie:Geboren im 15. oder 16. Jahrhundert Kategorie:Gestorben 1565 Kategorie:Frau