Die Sprache der Bienen ist eine Monografie des Verhaltensforschers Jürgen Tautz. Das Buch ist erstmals 2021 im Münchner Knesebeck Verlag erschienen, und es erreichte 2022 die zweite Auflage.

Inhalt Der Bienenexperte Jürgen Tautz befasst sich in dem Buch in einer kritischen Darstellung mit der Kommunikationsform Bienensprache, einem Teilgebiet der Forschungen über Honigbienen. Der Inhalt ist in vierzehn Abschnitte plus einem Anhang mit vier Abschnitten gegliedert. Der grundsätzliche Aufbau des Inhalts thematisiert drei in der bisherigen Verhaltensforschung an Honigbienen verfolgten Hypothesen zur KommunikationJürgen Tautz: Die Sprache der Bienen. Knesebeck Verlag, München 2021, 2. Auflage 2022, Abb. 1, S. 15.: Phase eins Schicken Phase zwei Suchen Phase drei Locken

Schon auf den ersten dreizehn Seiten, einer Beschreibung der gegenwärtigen Problemlage, formuliert der Autor den Schlüsselsatz seiner Aussagen: „Die Nachtänzerinnen können allein auf der Basis der Informationen aus dem Tanz das gewünschte Ziel einer Futterquelle gar nicht erreichen.“Jürgen Tautz: Die Sprache der Bienen. Knesebeck Verlag, München 2021, 2. Auflage 2022, S. 9 (Seitenziffer nicht ausgedruckt).

Tautz gibt danach einen kurzen Überblick zur Kommunikationsforschung an Honigbienen, die nachweislich mit Feldstudien von Aristoteles vor mehr als zweitausend Jahren begann und über Arbeiten von Charles Butler und Maurice Maeterlinck zu den fundamentalen Erkenntnissen des Karl von Frisch geführt haben.Jürgen Tautz: Die Sprache der Bienen. Knesebeck Verlag, München 2021, 2. Auflage 2022, S. 20–36 (letzte Seitenziffer nicht ausgedruckt). Deswegen trägt der nächste Abschnitt die Überschrift Mit Karl von Frisch beginnt die Blütezeit der Bienenforschung. Hier beschreibt der Autor in einer chronologischen Reihung die Erkenntnisse des Forschers von Frisch, die 1973 mit einem anteiligen Nobelpreis für Medizin geehrt wurde.Jürgen Tautz: Die Sprache der Bienen. Knesebeck Verlag, München 2021, 2. Auflage 2022, S. 37–65 (letzte Seitenziffer nicht ausgedruckt).

Trotz des Nobelpreises waren längst nicht alle Bienenforscher von der funktionellen Bedeutung der Bienentänze überzeugt. Seit den 1960er Jahren wurden abweichende Auffassungen insbesondere vom Biologen Adrian Wenner (* 1928)Islapedia: Adrian Wenner vertreten. Wenner und Kollegen haben in ihren Forschungen stärker die olfaktorische Wahrnehmungen der Honigbienen bei ihrer Futtersuche bekräftigt. Die neuen Erkenntnisse bewirkten eine anhaltende wissenschaftliche KontroverseJürgen Tautz: Die Sprache der Bienen. Knesebeck Verlag, München 2021, 2. Auflage 2022, S. 67–70., über die Wenner und Wells im Jahr 1990 ein englischsprachiges Buch veröffentlichten.Adrian M. Wenner, Patrick H. Wells: Anatomy of a Controversy: The Question of a Language Among Bees. Columbia University Press, New York 1990.

Tautz beschreibt im nächsten Abschnitt die aufwändigen Experimente des Evolutionsbiologen James L. Gould, die er im Rahmen seiner Dissertation durchführte.James L. Gould: Honeybee Communication. The Dance-Language Controversy. Dissertation. Rockefeller University, New York 1975.Jürgen Tautz: Die Sprache der Bienen. Knesebeck Verlag, München 2021, 2. Auflage 2022, S. 73–88 u. Abb. 21, S. 87.

In den sich anschließenden drei Abschnitten werden Forschungsergebnisse aus dem Inneren des Bienenstockes sowie aus der Vermessung der Tanzfigur in Raum und Zeit verhandelt.Jürgen Tautz: Die Sprache der Bienen. Knesebeck Verlag, München 2021, 2. Auflage 2022, S. 91–136 Hier erkennt Tautz eine bemerkenswerte Redundanz der Informationen, wodurch deren Störanfälligkeiten reduziert werden.Jürgen Tautz: Die Sprache der Bienen. Knesebeck Verlag, München 2021, 2. Auflage 2022, S. 109. Gleichwohl reichen die Informationen aus dem Bienentanz zur Zielfindung nicht aus: Fliegt eine rekrutierte Biene in den angezeigten Sektor hinein, muss sie dort auf Hilfen treffen, die sie zum Ziel bringen, eine komplexe, mehrstufige Fernorientierung ersetzt die Vorstellung einer Tanzsprache, die Rekruten direkt zu einem Ziel bringen.Jürgen Tautz: Die Sprache der Bienen. Knesebeck Verlag, München 2021, 2. Auflage 2022, S. 121. In diesem Zusammenhang gelangt Tautz zu der These, dass die nur groben Ortsangaben des Tanzes im Bienenstock danach durch hinreichende Anschlussreize im Feld ergänzt werden müssen, um eine konkrete Futterquellen finden zu können.Jürgen Tautz: Die Sprache der Bienen. Knesebeck Verlag, München 2021, 2. Auflage 2022, S. 145 u. Abb. 31, S. 146. Als Anschlussreize werden Blütendüfte und die Kommunikation zwischen den Bienen im Feld genannt.Jürgen Tautz: Die Sprache der Bienen. Knesebeck Verlag, München 2021, 2. Auflage 2022, S. 158.

Zu den Anschlussreizen zählt Tautz die Kommunikation zwischen den Bienen, die sich im Schwarmverhalten zeigen, sowie das Pheromone Geraniol der Nasanov-Drüse als Botenstoff.Jürgen Tautz: Die Sprache der Bienen. Knesebeck Verlag, München 2021, 2. Auflage 2022, S. 187–195. Doch hinsichtlich der Duftstoffe fehlt es an Forschungen und deswegen stellt Tautz in dem Abschnitt Die Kommunikation zwischen Bienen neu denken die Frage „Welche Rolle spielt der Duft in der Bienenkommunikation?“ Hierzu, so stellt der Autor fest, liegen keine physiologischen Arbeiten vor.Jürgen Tautz: Die Sprache der Bienen. Knesebeck Verlag, München 2021, 2. Auflage 2022, S. 229–252.

Anhang Im Anhang befindet sich, neben einem Tipp zum Dressieren von Honigbienen, eine Liste von insgesamt 291 Literaturangaben sowie eine Erklärung einiger wichtiger Begriffe. Das Glossar hat einen Umfang von 25 Fachwörtern. In seinen Dankesworten richtet Jürgen Tautz speziell einen Dank an den Freiburger Entomologen Michael BoppreAlbert-Ludwigs-Universität: Michael Boppre., der zu den Botenstoffe der Insekten forscht.Jürgen Tautz: Die Sprache der Bienen. Knesebeck Verlag, München 2021, 2. Auflage 2022, S. 227–253 (letzte Seitenziffer nicht ausgedruckt).

Gestaltung Das Buch, das einen Umfang von mehr als 250 Seiten hat, ist bibliophil gestaltet. Dazu gehören insgesamt 54 Abbildungen. In dieser Zahl eingeschlossen sind 24 farbige Grafiken der Grafikdesignerin Silke Arndt. Gleichsam wie ein Running Gag fliegen oder krabbeln gezeichnete Honigbienen über die Seiten sowie über die beiden Buchdeckel.

Ausgaben Jürgen Tautz: Die Sprache der Bienen. Mit Grafiken von Silke Arndt. Knesebeck Verlag, München 2021 u. 2. Auflage 2022, ISBN 978-3-95728-503-4, Rezension. Rezension von Niklas Kästner: Überschätzte Tänze? Ein neuer Blick auf die Sprache der Bienen. Abgerufen am 7. Oktober 2022.

Siehe auch Richard Axel, Nobelpreisträger für die Erforschung der olfaktorischen Wahrnehmung (2004) Linda B. Buck, Nobelpreisträgerin für die Erforschung der olfaktorischen Wahrnehmung (2004)

Literatur Lars Chittka: The Mind of a Bee. Princeton University Press, Princeton 2022, ISBN 978-0-691-18047-2, Rezension.Jürgen Tautz: Vielleicht haben sie ja doch ein Bewusstsein. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 3. September 2022, Nr. 205, S. 10. James L. Gould: Honeybee Communication. The Dance-Language Controversy. Dissertation. Rockefeller University, New York 1975. James L. Gould, Carol G. Gould: The Honey Bee. Freeman, New York 1988, ISBN 978-0-7167-6010-8. Martin Lindauer: Zur Kontroverse über die Bienen-Sprache. In: Entomologia Generalis, Band 18, Nr. 3/4 (1994), S. 279–283.Schweizbart’sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart. Maurice Maeterlinck: Das Leben der Bienen. Aus dem Französischen übersetzt von Friedrich von Oppeln-Bronikowski. Eugen Diederichs Verlag, 47. bis 49. Tausend, Jena 1929. Randolf Menzel, Matthias Eckoldt: Die Intelligenz der Bienen. Knaus Verlag, München 2016, ISBN 978-3-8135-0665-5. Tania Munz: The Dancing Bees. Karl von Frisch and the Discovery of the Honeybee Language. The University of Chicago Press, Chicago 2016, ISBN 978-0-226-02086-0. Deutsche Ausgabe: Der Tanz der Bienen. Karl von Frisch und die Entdeckung der Bienensprache. Aus dem Englischen übersetzt von Barbara Sternthal. Czernin Verlag, Wien 2018, ISBN 978-3-7076-0648-5. Adrian M. Wenner, Patrick H. Wells: Anatomy of a controversy: the question of a "language" among bees. Columbia University Press, New York / Oxford 1990, ISBN 978-0-231-06552-8.

Weblinks College of Creative Studies: Adrian Wenner. Robert Knauer: Der Schwänzeltanz wird überschätzt. In: Spektrum der Wissenschaft vom 27. Mai 2021.

Einzelnachweise

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