Rheinhausen war eine Stadt im damaligen Kreis Moers, die zum 1. Januar 1975 in die Großstadt Duisburg eingemeindet wurde. Das ehemalige Stadtgebiet bildet seither den Stadtbezirk Rheinhausen.
mini|400px|Deutschlandkarte, Position von Rheinhausen hervorgehoben mini|Stadtteller mit Stadtwappen mini|hochkant=0.5|Rheinhauser Stadtflagge mit Wappen
Geschichte Frühgeschichte Siedlungsspuren lassen sich in Rheinhausen bis in die Römerzeit nachweisen. So wurden bei Kanalisationsarbeiten in der Zechensiedlung Diergardt am Ende des Grünen Weges Überreste einer römischen Wachstation gefunden, die zum Schutze des Limes dort gebaut worden war. Eine Bronzetafel und Straßenmarkierungen erinnern daran. Die alte Römerstraße am linken Niederrhein (z. T. als B 57) verläuft am Rande Rheinhausens. An der Stadtgrenze zum Moerser Ortsteil Asberg, zum Teil auf Rheinhausener Gebiet, befinden sich die Reste eines Außenlagers der Römer, genannt Asciburgium. Auch soll der aus Irland stammende Bischof Ludger unter anderem auch in der Gegend von Rheinhausen als Missionar tätig gewesen sein.
Zur römischen Vergangenheit Rheinhausens siehe auch die separaten Artikel Kleinkastell Werthausen sowie Asciburgium.
Entwicklung ab dem Mittelalter mini|hochkant=0.8|Der achteckige Schlossturm des Werthschenhofes in Friemersheim von 1487
Die Ortsteile Hochemmerich und Friemersheim wurden schon um 900 urkundlich erwähnt, und zwar als „Kirchdorf Hochemmerich“ und „Herrlichkeit Friemersheim“. In der Vita Hludovici, der Biographie Ludwigs des Frommen, wird von einer Reichsversammlung in Friemersheim berichtet, die im Jahre 799 stattgefunden haben soll. Auch Karl der Große soll hier einen Reichstag abgehalten haben und zu Beginn des 9. Jahrhunderts schenkte er Friemersheim dem Kloster Werden.Dass die Reichsversammlung in Friemersheim stattfand, ist unter Historikern umstritten. Der Hinweis auf einen Reichstag in Friemersheim geht auf eine Urkunde zurück, die inzwischen als gefälscht erkannt wurde. Während das Kirchspiel Hochemmerich schon lange zur Grafschaft Moers gehörte, wechselte die Herrlichkeit Friemersheim im 14. Jahrhundert den Besitzer. Rheinhausen wird erstmals im Heberegister des Stiftes Gerresheim (12./13. Jh.) erwähnt; Graf Vincenz von Moers erhielt 1481 den Hof Rheinhausen vom Abt zu Werden als Lehen. Die Stadtbildung ging jedoch nicht von diesem Hof aus, dessen Name erst mit der Wirtschafts- und Verkehrsentwicklung im 19. Jh. hervortrat, sondern von den Bürgermeistereien Hochemmerich und Friemersheim.
Das Gebiet der Stadt Rheinhausen gehörte bis ins 9. Jh. dem fränkischen Königshaus (Friemersheim Königshof), kam durch Schenkung zur Abtei Werden, gelangte im 14. Jh. an die Grafen von Moers, dann an Nassau-Oranien 1601, an Preußen 1702. Zuvor schlug Ludwig der XIV. im Jahre 1672 bei einem Feldzug gegen Holland auf dem Borgschenhof sein Feldquartier auf.
Die Bewohner der Grafschaft Moers wurden bereits in der Mitte des 16. Jahrhunderts protestantisch (lutherisch, später calvinistisch, auch reformiert genannt). 1702 fiel die Grafschaft Moers an das Königreich Preußen im Rahmen einer Erbfolge. 1706 wurde die Grafschaft Moers auf Antrag der Preußen vom „Deutschen Kaiser“ zu einem Fürstentum erhoben.
Zwischen 1794 und 1814 war die Region unter Napoleon französisches Territorium, u. a. wurde der Code civil hier eingeführt. Besetzung durch preußische Truppen am 6. Dezember 1813.
Beim erneuten Übergang des linken Rheinufers als Ergebnis des Wiener Kongresses an Preußen (1815) kam der Kanton Moers mit Hochemmerich zum Regierungsbezirk Kleve der Provinzialverwaltung Köln. Hochemmerich kam 1816 zum Kreis Rheinberg und nach dessen Auflösung 1823 zum Kreis Geldern. Friemersheim gehörte zum Kreis Krefeld und kam mit Hochemmerich 1857 zum neugebildeten Kreis Moers. Bis heute gelten in den linksrheinischen Stadtteilen Rheinhausen und Homberg Relikte aus dem napoleonischen Code civil, z. B. das Nur-Notar-System.
Gerichtsbarkeit Hofgerichte existierten in Hochemmerich, Friemersheim (Burg) und Asterlagen um 1324; das Schöffengericht Hochemmerich wird erwähnt 1343. Die ehemalige Herrlichkeit Friemersheim hatte ihr eigenes Gericht und die Schöffen von Friemersheim führten jahrhundertelang die Friemersheimer Rosen aus dem Wappen der Herren von Friemersheim in ihrem Siegel. In der Moerser Grafenzeit hatte Friemersheim ein Landgericht unter Vorsitz des Moerser Schultheißen, gegen dessen Entscheidungen es eine Berufungsmöglichkeit an das Obergericht in Moers gab. 1624 heißt es: „die Herrlichkeit Friemersheim besteht in einer Gerichtsbank, welches Gericht auf der Culue (Kölve) gehalten wird“; zu seinem Bezirk gehörten außer Friemersheim u. a. auch Capellen, Schwafheim, Rumeln, Kaldenhausen, Bergheim, Oestrum, Bliersheim, Rheinheim (muss wohl Rheinhausen heißen), Atrop, Werthausen und Asterlagen. In Friemersheim wurde alle 14 Tage Gericht gehalten. 1755 löste die preußische Regierung die alten Schöffengerichte auf, damit verlor Friemersheim sein eigenes Gericht.
Stadtwerdung Das spätere Stadtgebiet gehörte seit 1794 zu den Bürgermeistereien Hochemmerich und Friemersheim, die wie folgt untergliedert waren: Bürgermeisterei Hochemmerich mit den Landgemeinden Bergheim, Hochemmerich und Oestrum, zusammen rund 1704 ha. 1885: Landgemeinde Bergheim 288 ha (davon 221 ha Acker, 36 ha Wiese, 6 ha Holzungen), Landgemeinde Hochemmerich 1143 ha (davon 657 ha Acker, 248 ha Wiese, 17 ha Holzungen), Landgemeinde Oestrum 273 ha (davon 196 ha Acker, 41 ha Wiese, 12 ha Holzungen). sowie die Bauerschaften Atrop, Rheinhausen, Werthausen, Asterlagen und Winkelhausen Bürgermeisterei Friemersheim mit den Landgemeinden Bliersheim, Friemersheim, Hohenbudberg-Kaldenhausen und Rumeln, zusammen etwa 2700 ha. 1885: Landgemeinde Bliersheim 272 ha (davon 175 ha Acker, 42 ha Wiese, 12 ha Holzungen), Landgemeinde Friemersheim 778 ha (davon 467 ha Acker, 131 ha Wiese, 39 ha Holzungen), Landgemeinde Hohenbudberg-Kaldenhausen 942 ha (davon 694 ha Acker, 65 ha Wiese, 31 ha Holzungen), Landgemeinde Rumeln 699 ha (davon 507 ha Acker, 99 ha Wiese, 48 ha Holzungen).
Im französischen Département de la Roer gehörte Friemersheim von 1798/1801 bis 1814 zum Kanton Uerdingen im Arrondissement de Crévelt (Krefeld). Unter den Preußen wurde am 1. Mai 1816 die Bürgermeisterei Friemersheim im Kreis Krefeld in der preußischen Provinz Jülich-Cleve-Berg, Regierungsbezirk Düsseldorf, gebildet.Beschreibung des Regierungsbezirkes Düsseldorf nach seinem Umfange, seiner Verwaltungs-Eintheilung und Bevölkerung, Stahl, 1817, S. 117.Digitalisierte Ausgabe der ULB Düsseldorf 1823 wurde der Kreis Rheinberg aufgelöst. Sein Gebiet gehörte bis 1857 zum Kreis Geldern. Die Bürgermeisterei Friemersheim verblieb zunächst im Kreis Krefeld.Johann Georg von Viebahn (Hrsg.): Statistik und Topographie des Regierungs-Bezirks Düsseldorf, zweiter Theil, Düsseldorf 1836, S. 128 Nach einer erneuten Umstrukturierung wurde aus dem Kreis Geldern 1857 der Kreis Moers herausgelöst, in den nun auch die Bürgermeisterei Friemersheim eingegliedert wurde.
Mit der Ansiedlung der Firma Krupp 1895 ergab sich für diese das Problem, dass die Werksanlagen sich zum Teil über die Gemeinde Bliersheim, z. T. über den Gemeindebezirk Hochemmerich erstreckten. Mehrere Versuche auch der Firma Krupp, die Gemeindegrenzen zu ändern, scheiterten am Widerstand des Landrates des Kreises Moers (ein Vorschlag bestand darin, das Werksgelände Hochemmerich zuzuschlagen oder die Gemeindegrenze an der Bahnlinie neu zu ziehen). Auch eine beabsichtigte Personalunion des Bürgermeisteramtes von Hochemmerich und Friemersheim scheiterte. Ein Vereinigungsvorschlag für beide Bürgermeistereien vom 17. Januar 1909 wurde durch die Bürger Friemersheims in einer allgemeinen Volksversammlung am 7. März 1909 abgelehnt.
In den 1920er Jahren wurde der industrialisierte Süden des Kreises Moers neu gegliedert. Zunächst wurde am 1. Juli 1920 die Gemeinde Bliersheim nach Friemersheim eingemeindet.Amtsblatt für den Regierungsbezirk Düsseldorf 1920, S. 240 Bergheim und Oestrum wurden am 1. April 1921 in die Gemeinde Hochemmerich eingemeindet.Amtsblatt für den Regierungsbezirk Düsseldorf 1921, S. 147
Auf Veranlassung des Moerser Landrates wurden zur Vorbereitung des Zusammenschlusses Eingemeindungsausschüsse eingerichtet, die sich am 21. Februar 1922 grundsätzlich auf einen Gemeindezusammenschluss einigten, der vertraglich am 21. Oktober 1922 besiegelt wurde. Dabei wurden auch Vereinbarungen zur Schul-, Wasser- und Stromversorgung und zur Errichtung gemeinsamer Einrichtungen im späteren Stadtkerngebiet getroffen. Lediglich Rumeln und Hohenbudberg-Kaldenhausen bestanden weiterhin auf ihrer Selbstständigkeit, waren aber mit einer gemeinsamen Bürgermeisterei einverstanden.Helmut Mootz: der lange Kampf um die Gründung der Landgemeinde Rheinhausen; in: Jahrbuch der linksrhein. Ortsteile Duisburgs 2003/04, S. 6 (Hrsg. Freundeskreis lebendige Grafschaft)
Die Gemeinden Hochemmerich und Friemersheim wurden am 6. April 1923 durch Ministerialerlass zur neuen Landgemeinde Rheinhausen zusammengeschlossen.Amtsblatt für den Regierungsbezirk Düsseldorf 1923, S. 159 Das namensgebende Rheinhausen, nunmehr die größte Landgemeinde Preußens, war bis dahin eine kleine Bauerschaft, die sich östlich an die Dorfschaft Werthausen anschloss. Beide gehörten zur Bürgermeisterei Hochemmerich. Der Name geht zurück auf die mittelalterliche Bezeichnung vom „curia rynhusen“ (Hof Rheinhausen), der so schon anno 1218 im Heberegister der Äbtissin Gula von Gerresheim erwähnt wurde.
Zeitgleich wurden auch die Bürgermeistereien Hochemmerich und Friemersheim zur Bürgermeisterei Rheinhausen vereinigt, die neben der Gemeinde Rheinhausen die Gemeinden Hohenbudberg-Kaldenhausen und Rumeln umfasste.Amtsblatt für den Regierungsbezirk Düsseldorf 1923, S. 299 Der Südteil der Gemeinde Hohenbudberg-Kaldenhausen wurde 1927 in die Stadt Uerdingen im Landkreis Krefeld umgemeindet. Der Rest der Gemeinde Hohenbudberg-Kaldenhausen verblieb als Gemeinde Kaldenhausen in der Bürgermeisterei Rheinhausen.Amtsblatt für den Regierungsbezirk Düsseldorf 1927, S. 277 Die Bürgermeisterei Rheinhausen wurde seit dem 1. Januar 1928 als Amt Rheinhausen bezeichnet.
Auf Grund eines Erlasses des preußischen Innenministers vom 20. Juni 1934 erhielt die Gemeinde Rheinhausen am 1. Juli 1934 die Stadtrechte. Damit wurde erst neun Jahre nach dem Antrag der Gemeinde dem Antrag auf Verleihung der Stadtrechte durch den preußischen Innenminister zugestimmt; gerade auf Seiten des Kreises Moers gab es Vorbehalte. Der Provinziallandtag des Rheinlandes hatte bereits im Jahre 1930 dazu seine Zustimmung gegeben. Am 1. Juni 1934 wurde der größte Teil von Kaldenhausen nach Rumeln eingemeindet. Gebietsteile von Kaldenhausen im Bereich des Rangierbahnhofs und der Eisenbahnersiedlung Hohenbudberg kamen zu Rheinhausen. Das Amt Rheinhausen wurde aufgehoben, wodurch das um Kaldenhausen vergrößerte Rumeln zu einer amtsfreien Gemeinde wurde.Amtsblatt für den Regierungsbezirk Düsseldorf 1934, S. 259 Die Gemeinde Rumeln wurde 1950 in Rumeln-Kaldenhausen umbenannt.Amtsblatt für den Regierungsbezirk Düsseldorf 1950, S. 201
Industriegeschichte mini|hochkant=1.6|Krupp Hüttenwerke Rheinhausen Anfang des 20. Jahrhunderts mini| Querschnitt durch eine Vignolschiene mit HWR-Logo, ca. 1950
Im landwirtschaftlich geprägten Gebiet der späteren Stadt Rheinhausen gab es lange Zeit neben der 1857 gegründeten Dampfziegelei Schrooten (die bis 1963 arbeitete) nur eine Brauerei (Rheingold-Brauerei, von 1827 bis 1986) und eine Bottichfabrik. Anfang des 20. Jahrhunderts kamen eine Reihe weiterer Ziegeleien hinzu.