Dennis Christian Hövel (* 1981 in Wipperfürth) ist ein deutscher Sonderpädagoge und Institutsleiter mit den Schwerpunkten Verhalten, sozio-emotionale und psychomotorische Entwicklungsförderung am gleichnamigen Institut der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik (HfH) mit Standort in Zürich.
Leben Nach dem Abitur am Erzbischöflichen St.-Angela-Gymnasium in Wipperfürth studierte Dennis Christian Hövel an der Universität zu Köln und der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn Lehramt Sonderpädagogik sowie das Unterrichtsfach Evangelische Theologie und schloss 2009 mit dem ersten Staatsexamen ab. Das zweite Staatsexamen absolvierte er von 2009 bis 2011 am Studienseminar in Engelskirchen sowie der Jakob-Moreno-Schule Gummersbach, an der er bereits seit 2004 als freiberufliche pädagogische Fachkraft tätig war.
Zwischen 2011 und 2015 war er als Sonderschullehrer im Kompetenzzentrum sonderpädagogischer Förderung in den Bereichen Unterricht, Diagnostik, individuelle Förderung, Beratung und multiprofessionelle Vernetzung engagiert und betreute in diesem Kontext mehrere Grundschulen sowie Gymnasien.
In seinem Promotionsprojekt vollzog Hövel eine inklusive Weiterentwicklung des Programms «Lubo aus dem All!» zur Förderung sozio-emotionaler Kompetenzen in der Primarschule. Von der Fakultät I - Bildungs- und Sozialwissenschaften der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg wurde er 2014 mit dem Prädikat summa cum laude im Fach Rehabilitationspädagogik promoviert.
2015 wechselte er als Studienrat an das Department Heilpädagogik und Rehabilitation (DHR) der Universität zu Köln. Von 2015 bis 2019 war er qua Wahl auf je zwei Jahre stellvertretender Direktor dieses Departments und moderierte den Bereich Studium und Lehre. Von September 2019 bis August 2020 war er ca. ein Jahr als Vertretungsprofessor für «Didaktik des inklusiven Unterrichts» bestellt.
2020 wurde Hövel vom Hochschulrat der HfH als Professor für «Lernen unter erschwerten Bedingungen» gewählt. Von September 2020 bis Mai 2021 hatte er diese Professorenstelle inne. Im Sommer 2021 wählte ihn der Hochschulrat der HfH zum Mitglied der Hochschulleitung und damit als Nachfolger von Prof. Susanne Amft zum Leiter des Instituts für Verhalten, sozio-emotionale und psychomotorische Entwicklungsförderung. Die Institutsleitungen an der HfH erhalten kraft ihres Amtes einen Professorentitel zugesprochen (§17, Abs. 3, Organisationsreglement HfH).
Hövel ist verheiratet, hat zwei Kinder und wohnt mit seiner Familie im Schweizer Kanton Schaffhausen.
Forschungsschwerpunkte Ein Forschungsschwerpunkt von Hövel ist die Entwicklung und Implementation von evidenzbasierten Maßnahmen des Sozial-Emotionalen-Lernens (SEL). Die evidenzbasierten Maßnahmen wie «Lubo aus dem All!», «Ben & Lee», «Klaros Klasse Kinder Spiel» und eine Unterrichtsreihe zur Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen im Rahmen des Biologieunterrichts konnten in internationalen Kooperationen entwickelt und evaluiert werden. Zudem hat er diverse Überblicksarbeiten und Evaluationen in diesem Themenfeld veröffentlicht.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Weiterentwicklung der Diagnostik in der heil- und sonderpädagogischen Praxis. Ein länderübergreifendes deutschsprachiges Kooperationsprojekt in diesem Kontext ist «STAFF: Standards zur Feststellung sonderpädagogischer Förderbedarfe: Konzeption, Implementation und Evaluation von Diagnostikstandards zur Feststellung sonderpädagogischer Förderbedarfe».
Kontroversen Für Kontroversen in der Schweiz sorgten seine Aussagen, dass sich die Quote von 15 bis 20 % der Kinder mit Angststörungen, Depressionen, ADHS oder Aggressionen in den letzten 70 Jahren nicht verändert habe. Insbesondere widerspricht er als Mitglied der Hochschulleitung der HfH öffentlich Positionen der FDP, in dem er postuliert: "Würden wir alle verhaltensauffälligen Kinder separat beschulen, hätte das etwa eine Verfünffachung der Ressourcen zur Folge". Als Lösungsansatz schlägt er vor, über eine Zuteilung zu Schulhäusern nachzudenken, die nicht mehr primär über die Wohnortnähe erfolge und so sog. "Kompositionseffekte" zu adressieren. Zudem positioniert sich das Mitglied einer interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik öffentlich gegen Kleinklassen und Förderklassen.
Ausgewählte Schriften Casale, G., Hennemann, T. & Hövel, D. (2014). Systematischer Überblick über deutschsprachige schulbasierte Maßnahmen zur Prävention von Verhaltensstörungen in der Sekundarstufe I. Empirische Sonderpädagogik, 4, 33-58. https://doi.org/10.25656/01:9244 Casale, G., Husakovic, M., Hagen, T., Hövel, D. C. & Krull, J. (2017). Effekte eines Aufsatztrainings auf die Schreibleistung und das Lern- und Arbeitsverhalten bei Schülern mit ADHS in der Sekundarstufe I einer Förderschule. Empirische Sonderpädagogik, 9, 341-364. https://doi.org/10.25656/01:15389 Ferreira González, L., Hövel, D., Hennemann, T. & Schlüter, K. (2019). Auswirkungen des gezielten Einsatzes von Classroom Management Strategien im inklusiven Fachunterricht Biologie auf das Unterrichtsverhalten von Schülern unter erhöhten Risiken aus Perspektive der Lehrperson – Eine Einzelfallstudie. Empirische Sonderpädagogik, 11, 53-70. https://doi.org/10.25656/01:17770 Ferreira González, L., Hövel, D., Hennemann, T., Schlüter, K. & Osipov, I. (2019). Emotionale Kompetenzförderung im inklusiven Biounterricht. Prävention und Gesundheitsförderung, 14, 223-230. https://doi.org/10.1007/s11553-019-00702-x Hövel, D. C. & Hochstein, L. (2020). Einzelfallbefunde zur Implementation des Marburger Konzentrationstrainings in den Mathe- und Deutschunterricht. Lernen und Lernstörungen, 9, 37-47. https://doi.org/10.1024/2235-0977/a000262 Hövel, D., Hennemann, T. & Rietz, C. (2019). Meta-Analyse programmatischer-präventiver Förderung der emotionalen und sozialen Entwicklung in der Grundschule. Emotionale und Soziale Entwicklung (ESE) in der Pädagogik der Erziehungshilfe, 1, 38-55. https://doi.org/10.35468/5750 Hövel, D., Hennemann, T., Casale, G. & Hillenbrand, C. (2015). Das erweiterte LUBO-Schultraining in der Förderschule: Evaluation einer indizierten Präventionsmaßnahme in der Primarstufe der Förderschule. Empirische Sonderpädagogik, 7, 117-134. https://doi.org/10.25656/01:10824 Hövel, D., Hennemann, T., Urban, M. & Osipov, I. (2020). „Die Mischung macht den Unterschied“ – Selektive Wirksamkeitsstudie zur Förderung emotionaler und sozialer Kompetenzen mit dem Ben & Lee Programm. Emotionale und Soziale Entwicklung (ESE) in der Pädagogik der Erziehungshilfe und bei Verhaltensstörungen, 2, 30-44. https://doi.org/10.35468/5819 Hövel, D., Schmidt, L. & Osipov, I. (2018). Sozialklima in der Grundschule. Zur Wirksamkeit der Gewaltpräventionsmaßnahme Mut tut gut von VHS und Polizei. Prävention und Gesundheitsförderung, 14, 176-182. https://doi.org/10.1007/s11553-018-0658-x Hövel, D., Zimmermann, D., Meyer, B. & Gingelmaier, S. (2020). „Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt“. Der Trainingsraum: Empirische Befunde, theoretische Perspektiven, pädagogische Alternativen. Sonderpädagogische Förderung heute, 65, 291-305. https://doi.org/10.3262/SZ2003291 Offer-Boljahn, H., Hennemann, T. & Hövel, D. (2022). Learning behaviors, executive functions, and social skills. Factors influencing learning development in the transition from kindergarten to elemen-tary school: a meta-analysis. Journal of Pedagogical Research. https://doi.org/10.33902/JPR.20221175398 Offer-Boljahn, H., Hövel, D. & Hennemann, T. (2019). A Multi Component Intervention in Early Child Education: A Systematic Review. ENPAIR. https://doi.org/10.30436/PAIR19-01 Widmer, I., Diatara, M., L. & Hövel, D. (2022). Bewegungsbasierte Förderung prosozialen Verhaltens beim Schuleintritt. Eine Wirksamkeitsprüfung des Präventionsprogramms BESK. Prävention und Gesundheitsförderung. https://doi.org/10.1007/s11553-022-00962-0
Weblinks Hövel an der HFH
Einzelnachweise
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