Als Herrschaft Wutental wird heute von Heimatforschern das 1318 erstmals als Woutental und 1352 als Officium WoutentalAlbert Krieger: Topographisches Wörterbuch des Großherzogtums Baden, 2 Band, Spalte 1520. in einem Berain des Klosters St. Blasien genannte Amt Wuotental auch Wuotenamt bezeichnet.

Geografie Nördlich wird der Siedlungsraum Wutental von den Hängen der Hochebene zum südlichen Schwarzwald abgegrenzt, südlich vom hier auslaufenden Höhenzug des Randengebirges zur Klettgau-Ebene. Die natürliche Abgrenzung vom Verlauf der Wutach im Osten bildet eine Engstelle bei der Reuentaler Mühle, im Westen gegen Oberlauchringen lag der Engpass beim heutigen Übergang des letzten Teilstücks der A 98 in die Bundesstraße B 314.

Dort war wegen des mäandrierenden Flusses und den andauernden Überschwemmungs- und Sumpfbereichen das Gebiet bis ins frühe Mittelalter allenfalls auf Pfaden an den beidseitigen Hängen zu umgehen.

mini|Verlauf der Steina zur Wutach. Südlich davon fließen bereits die beiden Bäche aus dem Klettgau in die Wutach

Nach dem Heimatforscher Emil Müller-Ettikon hatte der Unterlauf der Wutach „nach der Aufnahme von Steina und Schlücht in Hochwasserzeiten das Land weithin überschwemmt.“ Dadurch waren auch die Bereiche der heutigen Bebauung von Ober- und Unterlauchringen, etwa das „Ried“ als Sumpfgebiet, bis auf die Ortskerne, die auf Anhöhen lagen, nicht nutzbar. Die Straßenverbindung vom Klettgau kommend, schloss die alte Station des Gasthaus „Adler“ (wahrscheinlich schon zu Römerzeiten) in Oberlauchringen bis zur Kirche ein und führte von dort am Berghang entlang bis zu einer Furt vor dem relativ ‚stabilen‘ Wutachbogen zur Anhöhe von Unterlauchringen.Emil Müller-Ettikon: Von der Alemannischen Landnahme, in: Franz Schmidt (Hrsg.): Der Klettgau, Tiengen 1971, S. 82.

Verkehrsverhältnisse Die alte Wutachtalstraße von Blumberg über Epfenhofen nach Stühlingen folgte ungefähr der heute noch teilweise erkennbaren alten Landstraße bis Ofteringen; „sie verließ aber zwischen Ofteringen und Degernau in einer Furt das rechte Flußufer, um der FluhhaldeEs handelt sich um den Steilhang, der auch heute noch auf Höhe des Gewerbegebiets zur Wutach hin nur Straße und Bahnlinie zulässt und bis ins 19. Jahrhundert noch enger war: An der nach der Wutachregulierung nicht mehr erkennbaren „Furt vor der Fluhhalde staute sich der Fluß bei Hochwasser derart mächtig, daß in der Schwarzenbergischen Gemeinde Wutöschingen regelmäßig Schaden entstand. Die Einwohner suchten sich durch eingerammte Pfähle und Faschinen zu schützen. Die Pfähle waren teilweise 14 Fuß lang und mit Eisenschuhen versehen. So abgedrängt überflutete die Wutach dann die Horheimer Straße“, was viel Streit hervorrief. (Karl Friedrich Wernet: Das Werden der Verkehrswege im Landkreis Waldshut, Heimat am Hochrhein 2, 1965/66, S. 22). auszuweichen und kehrte bei Wutöschingen in einer zweiten Furt auf das rechte Flußufer zurück. […] Solange bei Oberlauchringen keine Brücke existierte, lenkte sie über den Berg nach Erzingen, später von Horheim über Schwerzen und Willmendingen [über die ehemalige Römerstraße] nach Bechtersbohl und Dangstetten. Alle diese Straßen waren bis 1749 nur für Gabelfuhrwerke passierbar.“

Die nun mögliche Nutzung der Verbindung nahm zu – „zwischen 1856 und 1870 steigerte sich der Tagesverkehr auf […] dem Stück Stühlingen – Oberlauchringen von achtunddreißig auf einundachtzig Zugtiere.“Angaben und Zitate im Abschnitt: Karl Friedrich Wernet: Das Werden der Verkehrswege im Landkreis Waldshut, Heimat am Hochrhein 2, 1965/66, S. 22.

Die Verbindung von Schwerzen auf dem uralten Handelsweg – später auch der Römerstraße – zum westlichen Ende der Klettgauebene führte über eine Furt (die nach der Flussregulierung verschwand) vor Horheim gleichsam als Hauptverbindung nach Norden weiter zum Siedlungsraum Ühlingen-Birkendorf, nach Grafenhausen und dem Kloster St. Blasien sowie nach Bonndorf, dem späteren Verwaltungsort der Herrschaft Wutental.

Die nach Westen hin ursprünglich abgeschlossene Lage wird schon in der Vorgeschichte den Siedlungsraum geprägt haben. Sie ließ den drei Siedlungen gute Verteidigungsmöglichkeiten gegen Eindringlinge – historisch bis gegen den Anfang des 10. Jahrhunderts anzunehmen.

Vorgeschichte Die Abgeschlossenheit um den Wutachverlauf durch die noch weitläufig bewaldeten Hügelketten im Süden und dem steilen Anstieg nördlich zum Schwarzwald hin sowie durch das Sumpf- und Überschwemmungsgelände im Westen und der Engstelle um den Fluss im Osten wird schon in der Frühzeit in den so umfassten Siedlungsplätzen der heutigen Orte Schwerzen, Horheim und Wutöschingen ein Zusammengehörigkeitsgefühl bewirkt haben. Warenaustausch, örtlich verzweigte familiäre Verbindungen, festliche Aktivitäten und gemeinsame Abwehr von Feinden waren durch die Nähe verstärkt.

mini|Hügel mit der Wallburg vom Schloßbückle aus Allerdings querte von Süd nach Nord der uralte Handelsweg, der von der Passhöhe bei Bechtersbohl durch die Waldung nach Schwerzen und über eine Furt oder Fähre nach Horheim führte, den westlichen Bereich der kleinen Landschaft. Der Weg führte weiter in den Südschwarzwald zu Siedlungsbereichen an Schluchsee und Titisee. Am Eintritt des Weges nach Schwerzen lag die vorzeitliche Festung des Semberg und gegenüber auch die Befestigung des Schloßbückle.

Ein reger Handelsverkehr ist für die keltische Zeit anzunehmen – auch ein Ausbau des Semberg – und ab der Jahrtausendwende durch die Römer, die vom Römerlager Dangstetten aus die Region besetzten. Von der Handelsroute profitierte vor allem Schwerzen – das noch bis ins Spätmittelalter die dominierende Ortschaft war – wohl noch Horheim an der Flussüberquerung, weniger das dann hier abseits gelegene Wutöschingen. Der Ort hier hatte jedoch Zugang aus dem oberen Wutachtal und von dem schwierigen, aber existenten Weg zum Klettgau über dem Siedlungsplatz von Degernau einige Vorteile. Degernau war damals eher zum Klettgau hin orientiert und konnte sich in dieser Mittlerposition auch am längsten unter einheimischem Adel halten.

Fundstellen der Vorgeschichte sind im Siedlungsraum Wutental häufig – sie reichen von der Megalithzeit (der Menhir von Degernau) zur Stein- und Bronzezeit über die Kelten mit der Wallburg Semberg bis zu römischen Funden und alamannischen Gräbern.

Siehe ausführlich: Geschichte Wutöschingen

mini|Siedlungsbereich der Alamannen um 490. Odoaker war der letzte Regent des Weströmischen Reiches Nachdem sich die Römer Ende des 5. Jahrhunderts von der Hochrheinlinie und dem vorgeschobenen Brückenkopf an der Wutach bis in den Raum Stühlingen/Schleitheim – der Stadt Juliomagus – nach Süden und dann über die Alpen zurückgezogen hatten, besiedelten nach mehreren Angriffswellen die Alamannen (seit 233 nach Christus) endgültig die Raumschaft um den Hochrhein. Hier – im 6. Jahrhundert – liegt die eigentliche Begründung der heutigen Ortschaften, entstanden aus Gruppen von Höfen verschiedener Sippen, deren ‚Namenskerne‘ oft auf die Namen jeweiliger Anführer zurückgehen. Mit einiger Sicherheit kann die Namensendung -ingen frühen Gründungen der Alamannen zugeordnet werden.Damals entstanden die Dörfer mit der Endung ‚-ingen‘ durch Höfe der Alamannen, die -heim-Orte sind nicht eindeutig bestimmbar und können auf späte alamannische oder fränkische Gründungen zurückgeführt werden (Funde); einige Namen und Endungen können auch auf keltische Siedlungen hinweisen: Schwerzen und Degernau. (E. Müller-Ettikon: Was die Namen über die Entstehung der Siedlungen verraten, in: Franz Schmidt (Hrsg.): Der Klettgau, Tiengen 1971, S. 64 ff.)

Stühlinger Vogt in Horheim war von 1575 bis 1579 der ‚edelfeste‘ Joachim Lupfer, und 1586 soll es Hans Bühelmann gewesen sein. Er hatte seinen Sitz im sogenannten Schlösschen, dem späteren Gasthaus zum Rebstock.Zitate im Kapitel: H. Ruppaner, Wutental, S. 46.

17. Jahrhundert Nach dem Aussterben der Grafen von Lupfen (Graf Heinrich VI., 1582) ging die „Herrschaft Wutental zusammen mit der Landgrafschaft Stühlingen an […] Conrad von Pappenheim“ (1534–1603). Lange Erbstreitigkeiten waren jedoch erst 1603 kurz vor seinem Tod beendet. Conrad verkaufte noch kurz vor seinem Tod 1603 die Wutental-Dörfer der Klettgauer Seite (ohne Horheim) an den Klettgauer Landgrafen Karl Ludwig zu Sulz, der von 1602 bis 1616 regierte. Nach Intervention von Kaiser Rudolf II. konnten die Horheimer – obwohl die Pappenheimer protestantisch waren – beim katholischen Glauben bleiben.H. Ruppaner, Wutental, S. 41 ff. In Europa gelang es Rudolf nicht, zwischen Katholiken und Protestanten zu vermitteln. Er starb 1612.

Die Landgrafschaft Stühlingen (mit Horheim) erbte 1603 der Pappenheimer Maximilian von seinem Vater, dem Reichserbmarschall Konrad.

mini|Das Schloss Willmendingen, 1609 erbaut durch Freiherr Johann Jakob von Beck zu Willmendingen

Willmendingen „Am 1. Januar 1607 verlieh der Landgraf des Klettgaus, Karl Ludwig von Sulz neben einem adeligen Sitz noch das Dörfchen Willmendingen mit den niederen Gerichten und allen zugehörigen Rechten zum ewigen Erblehen an Johann Jakob von Beck und seine Nachkommen.“ Er erbaute das Schloss aus einem Vorgängerbau und wurde auch zum Vogt der Landgrafschaft ernannt. Die Familie hielt Willmendingen fast zwei Jahrhunderte in Besitz, erst 1803 verkaufte Franz Xaver von Beck das Lehen an Fürst Josef II. von Schwarzenberg.H. Ruppaner, Wutental, S. 45.

„Karl Ludwig von Sulz vermachte 1616 vor seiner Abreise ins Feldlager nach Italien (Kriegszug als Truppenführer) in seinem Testament die Landgrafschaft Klettgau samt der Herrschaft Wutental (ohne das Stühlingen zugehörige Horheim) seinen Söhnen Graf Alwig X. (reg. von 1617 bis 1628) und Karl Ludwig Ernst (reg. von 1628 bis 1648).“H. Ruppaner, Wutental, S. 44.

Vorgänge unter den Landgrafen Graf Alwig XII. von Sulz (1586–1632) hatte die Landgrafschaft Klettgau 1628 ohne Wutental an seinen Bruder Karl Ludwig Ernst übergeben, „da wegen der Kriegsereignisse er selbst allzu oft abwesend sein musste.“ Alwig wurde 1632 „in Bamberg beim Kampf gegen die schwedischen Truppen des General Horn getötet.“ Sulzer-Graf Alwigs Sohn Ulrich II. erbte 1632 nach dem Tod des Vaters als einzigen Besitz die Herrschaft Wutental und das Schloss in Jestetten.

Übergang an die Fürstenberger Die Landgrafschaft Stühlingen mit Einbezug Horheims befand seit 1582 im Besitz des protestantischen kaiserlichen Oberst Conrad von Pappenheim; sie ging 1603 an den Sohn Maximilian von Pappenheim, dessen Tochter Maximiliana 1631 den katholischen Grafen Friedrich Rudolf von Fürstenberg heiratete. Im Krieg floh die Pappenheim-Familie ins reformierte Schaffhausen. Maximiliana trat später zum katholischen Glauben über und nach dem Tod ihres Vaters 1639 ging die Grafschaft Stühlingen mit Horheim auf dem Erbwege an das Haus Fürstenberg.

Der Sulzer Ulrich verkaufte „im Jahr vor seinem Tod 1649 die Herrschaft Wutental [ohne Horheim] für 35.000fl an den Landgraf von Stühlingen Friedrich Rudolf von Fürstenberg.“Zitate in vorangegangenen Abschnitten: H. Ruppaner, Wutental, S. 44 f. Damit war das verwüstete und völlig verarmte WutentalDer Chronist Pfarrer Wehrle – 1738 verstorben – schrieb noch von den „Ruinen, auf die man besonders in Öschingen stößt“ (Wehrle-Chronik, nach Ruppaner, S. 111). ein Jahr nach dem Dreißigjährigen Krieg unter den Fürstenbergern vorerst wiedervereinigt.

Im Dreißigjährigen Krieg Im September 1633 traf der protestantisch-schwedische General Gustaf Horn mit einer 30.000 Mann starken Armee am Hochrhein ein: Nachdem sie den Klettgau gründlich verheert und geplündert hatten, verließen die Schweden die verbrannte Landschaft noch im selben Monat in Richtung Bodensee.