Belen Gettwart (* 15. März 2002 in München) ist eine deutsche Handballspielerin auf der Position Rückraum Mitte. In der Disziplin Beachhandball ist sie als Rechtsaußen deutsche Nationalspielerin und gewann mit der Mannschaft 2021/22 in weniger als einem Jahr den Titel bei den Europa- und Weltmeisterschaften sowie den World Games.
Privates Gettwart ist seit dem Frühjahr 2023 ausgebildete Physiotherapeutin. Im November 2024 trat sie als Sportsoldatin der Bundeswehr bei. Ihre Schwester Laura Gettwart ist Notfallsanitäterin und spielt ebenfalls Handball. Sie spielen zusammen Beachhandball bei den Beach Bazis.
Hallenhandball mini|links|Gettwart beim Torwurf im Spiel der Bayernliga Weiblich B SG FC Mintraching – TSV Schleißheim 2018 mini|links|Gettwart beim Torwurf im Drittligaspiel HCD Gröbenzell – HSG Leinfelden-Echterdingen 2022
Belen Gettwart begann im Alter von fünf Jahren beim TSV Schleißheim mit dem Handballsport. Zwischenzeitlich pausierte sie hier und widmete sich zunächst dem Tanzsport, kehrte dann aber zum Handball zurück. Dort zeigte sie schnell ihr Talent und wurde mehrfach zu Lehrgängen und Turnieren von Auswahlmannschaften berufen, so z. B. 2017, zu einem Sichtungslehrgang der Jugend-Nationalmannschaft. Mit ihrer C-Jugend-Mannschaft gelang Gettwart 2015 die Qualifikation für die Bayernliga. Sie spielte in der Folgezeit sowohl in ihrer Altersklasse in der Bayernliga als auch in den jeweils höheren Jahrgangsmannschaften, ihres Schleißheimer Vereins.
2017 wechselte Gettwart zum HCD Gröbenzell, behielt aber ein Zweitspielrecht beim TSV Schleißheim. Somit spielte sie in der Saison 2017/18 sowohl für Schleißheim in der B-Jugend-Mannschaft (Bayernliga), als auch mit Gröbenzell in der Jugendbundesliga. Daneben trainierte sie mit der ersten Frauenmannschaft des HCD. Seit Sommer 2019 spielt sie nur noch für Gröbenzell. Hier bestritt sie 2019/20 Spiele für verschiedene Mannschaften des HCD: Jugendbundesliga. Mit der B-Jugend spielte sie in der Bayernliga und die Mannschaft gewann die bayerische Meisterschaft. Mit der 2. Frauenmannschaft spielte sie in der Landesliga. Zudem bekam sie vereinzelte Einsätze in der ersten Mannschaft in der 3. Liga. In der darauf folgenden Saison spielte sie in Gröbenzell vorrangig in der zweiten Frauenmannschaft und erneut vereinzelt in der ersten Mannschaft. Zudem war sie als Gastspielerin der HSG Würm-Mitte in der Jugendbundesliga aktiv. Zur Mitte der Saison 2021/22 gab es viele Ausfälle von Spielerinnen, bedingt durch die Corona-Pandemie. Infolgedessen bekam Gettwart jeweils viele Einsätze bei Spielen der ersten Mannschaft und sie konnte das in sie gesetzte Vertrauen mit starken Leistungen rechtfertigen: Sie erzielte in 20 von 22 möglichen Saisonspielen 61 Tore und wurde fortan zur Stammspielerin ihrer Mannschaft. Gröbenzell erreichte – zuhause ungeschlagen – einen Aufstiegsplatz in der 3. Liga, verzichtete aber auf den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Zudem spielte sie in den drei letzten Saisonspielen in der zweiten Mannschaft und half nachhaltig dabei, die Klasse für Gröbenzell zu halten. In der Saison 2022/23 spielte sie durchwegs alle Spiele der ersten Mannschaft und vereinzelt in der zweiten Mannschaft. Mit ihrer Drittliga-Mannschaft feierte sie erneut die Meisterschaft. Dieses Mal entschied man sich dazu die Aufstiegsrunde zu spielen. Diese gewann man eindrucksvoll auf dem ersten Platz. Somit spielte Gettwart mit ihrer Mannschaft in der Saison 2023/2024 in der 2. Bundesliga.
Gettwart wechselte im Sommer 2024 zum VfL Waiblingen.
Beachhandball Gettwart spielt seit dem Jahre 2014 neben dem Hallenhandball, in den Sommermonaten Beachhandball. Ihr Verein sind die Beach Bazis Schleissheim.
Nachwuchsbereich 2019 wurde Gettwart erstmals für ein Turnier, die Junioren-Europameisterschaften in Stare Jabłonki, Polen, für die deutsche Nachwuchs-Nationalmannschaft nominiert. Die Mannschaft konnte bis in das Halbfinale vordringen, unterlag dort aber der Vertretung Spaniens. Im Spiel um die Bronzemedaille wurden die Niederlande geschlagen, Deutschland gewann das dritte Mal in Folge die Bronzemedaille. Gettwart wurde in allen acht Spielen eingesetzt und erzielte 70 Punkte. Damit war sie gemeinsam mit Michelle Schäfer zweitbeste Torschützin der deutschen Mannschaft hinter Michelle Köbrich.
Nationalmannschaft Ihr internationales Debüt als Spielerin der A-Nationalmannschaft gab Gettwart im Rahmen des Canaren-Cups 2021, eines Vorbereitungsturniers für Nationalmannschaften, vor den Europameisterschaften 2021. Gettwart gewann mit der Mannschaft das Turnier und konnte sich nachhaltig für die EM-Mannschaft empfehlen. Nationaltrainer Alexander Novakovic nominierte sie schließlich für das finale Aufgebot der kontinentalen Meisterschaften in Warna, Bulgarien. Die deutsche Mannschaft startete mit drei klaren Zweisatzsiegen über Rumänien, Portugal und die Niederlande, in ihrer Vorrunde in das Turnier. Das setzte das Team gegen Frankreich, Griechenland und Polen in der Hauptrunde fort und zog ohne Satzverlust in das Viertelfinale ein. Dort traf Deutschland auf die amtierenden Vize-Europameister und zweimaligen Europameister aus Ungarn und musste erstmals im Turnierverlauf in den Shootout, wo die Ungarinnen knapp geschlagen wurden. Auch im Halbfinale gegen Spanien musste die deutsche Mannschaft in den Shootout, nachdem in der zweiten Hälfte die einzige wirklich schwache Leistung im Turnierverlauf gezeigt worden war. Den Shootout gewann Deutschland sicher und erreichte erstmals seit 2007 das EM-Finale. Hier traf man auf die Titelverteidiger aus Dänemark, die sicher in zwei Sätzen geschlagen wurden, womit der zweite deutsche EM-Titelgewinn nach 2005 gelang. Gettwart kam in allen neun Spielen zum Einsatz und erzielte auch in jedem Spiel – insgesamt 41 – Punkte. Sowohl im Halbfinale mit sieben Punkten nach Lena Klingler als auch im Finale mit acht Punkten nach der überragenden Amelie Möllmann, die mehr als die Hälfte aller deutschen Punkte im Finalspiel erzielte, war sie die zweitbeste Werferin Deutschlands. mini|Gettwart beim Torwurf im Vorrundenspiel der WM 2022 gegen Norwegen Ein Jahr später bei den Weltmeisterschaften 2022 in Iraklio auf Kreta, wurde Gettwart erneut für den um zwei Spieler verkleinerten Kader nominiert. In den ersten beiden Spielen gegen Brasilien (Rekord-Weltmeisterinnen) und Ungarn, konnte sie sich noch nicht durch Punkte auszeichnen. Beim dritten Sieg in der Vorrunde über Norwegen war sie mit zehn erzielten Punkten, hinter Möllmann und Isabel Kattner, beste deutsche Scorerin. Im ersten Spiel der Hauptrunde gegen Uruguay, blieb Gettwart erneut ohne Punkte, gegen Argentinien steuerte sie vier, gegen die Niederlande acht und damit mit Möllmann, die drittmeisten, nach Klingler und Kattner, bei. Im Viertelfinale gegen Portugal, gelangen Gettwart zwei Punkte, im Halbfinale gegen die Niederlande, blieb sie nochmals ohne Treffer, um im Finale gegen Spanien, wiederum mit zwei Punkten, zu treffen. Gettwart gewann mit der deutschen Mannschaft den ersten WM-Titel in der deutschen Beachhandball-Geschichte. Die deutsche Mannschaft leistete dabei Historisches, blieb nicht nur ohne Niederlage, sondern verlor im Verlauf des Turniers nicht einen Satz.
Nur wenige Wochen später trat die deutsche Mannschaft, mittlerweile als Mitfavoritin auf den Titel, in nur auf einer Position verändert, das erste Mal seit 2005, wieder bei den World Games an. Das war das erste Mal, seitdem Beachhandball nicht mehr nur Demonstrationssport, bei der Multisport-Veranstaltung ist. Erneut gewann die Mannschaft alle ihre Spiele, wenngleich sie in der Vorrunde gegen Argentinien und gegen Norwegen, jeweils einen Satz abgeben musste, aber jeweils den folgenden Shootout gewann. Am Ende gewann die Mannschaft im Finale über Norwegen und damit binnen weniger als drei Wochen, ihren zweiten Titel. Für Gettwart hatte das Turnier allerdings einen Wermutstropfen. Aufgrund einer Verletzung konnte sie nur die drei ersten Spiele bestreiten, war in diesen aber ganz klar eine der Leistungsträgerinnen des Teams – gegen Argentinien und Norwegen erzielte sie 12 und 14 Punkte und war damit zweitbeste deutsche Werferin nach Amelie Möllmann. Den Ausfall von Belen Gettwart als Koordinatorin des Angriffspiels, konnte die Mannschaft nur schwer kompensieren. Nach dem Gewinn der Goldmedaille wurden die beteiligten Spielerinnen durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Schloss Bellevue mit dem Silbernen Lorbeerblatt ausgezeichnet. mini|EM2023 Portugal, Gettwart beim Torwurf gegen Griechenland Bei der Europameisterschaft 2023, in Nazaré, Portugal, wurde Belen Gettwart wieder für die in weiten Teilen unveränderte, deutsche Nationalmannschaft, nominiert. Sie gehörte durchweg zur Stammmannschaft und bestritt alle möglichen neun Spiele. Neben vielen Spinwürfen war sie als „Fakeshooter“ die Spielmacherin und bediente mit Zuspielen ihre Mitspielerinnen im Angriff. Außerdem warf sie ausnahmslos alle Strafwürfe der Mannschaft und verwarf im Verlauf des Turniers nur einen, womit sie eine überaus hohe Treffsicherheit vom Punkt aufwies. Doch auch dieser Pfostentreffer wurde von ihr im Nachwurf verwandelt, ein zweiter Pfostentreffer ging vom Rücken der Torhüterin ins Tor, womit letztlich zumindest indirekt, alle Strafwürfe zu Toren führten. Mit 108 Punkten war sie, nach Isabel Kattner mit 110 Punkten, zweitbeste Schützin ihrer Mannschaft und landete auf Platz sieben der Torschützenliste dieser EM. Die Mannschaft gewann erneut, trotz fehlender Spielpraxis, alle Spiele dieses Turniers und konnte sich, wenn nötig, in jedem Spiel noch einmal steigern. Im Endspiel gegen die Niederlande gab man den ersten Satz mit 18:20 Punkten ab und gewann den zweiten Satz mit 20:14 Punkten. Das entscheidende Shootout entschied man mit 7:4 Punkten für sich. Somit gewann die deutsche Mannschaft nicht nur die Goldmedaille, sondern holte zugleich den 34. Pflichtspielsieg in Folge. Somit war die Mannschaft seit einschließlich der EM 2021 bei internationalen Meisterschaften ungeschlagen.
Bei den European Games 2023 in Krakau, konnte Belen Gettwart mit der Mannschaft, in vielen Teilen mit veränderter Besetzung, erstmals seit 2021, eine internationale Meisterschaft nicht für sich entscheiden. Nach 36 Siegen in Folge mussten die deutschen Frauen zunächst gegen die Niederlande in der Vorrunde, als auch gegen Dänemark im Halbfinale, jeweils eine Niederlage hinnehmen. Gettwart bestritt dennoch erneut ein sehr gutes Turnier als Antreiberin des Angriffsspiels. Sie kam bei allen Turnierspielen zum Einsatz und hatte eine hohe Trefferquote. Zudem war sie wieder für die Strafwürfe verantwortlich, die sie alle verwandeln konnte. Mit ihren 107 erzielten Punkten war Gettwart hinter der Dänin Line Gyldenløve Kristensen (110 Punkte), zweitbeste Torschützin des Turniers. Da die Veranstaltung vom EOK organisiert wurde, war die Im Spiel um den dritten Rang gewonnene Bronzemedaille, die erste olympische Medaille für Deutschland in der Sportart.
Die für August 2023 terminierten ANOC World Beach Games wurden einen Monat vor dem Beginn überraschend abgesagt. Somit wurde die IHF Beachhandball Global Tour in Płock, als letztes Turnier der deutschen Nationalmannschaft 2023, anders als geplant, mit der A-Mannschaft bestritten. Von den aktuellen Europameisterinnen fehlten Lena Klingler und Katharina Filter. Das erste Spiel gegen Dänemark wurde knapp im Shoot-Out verloren. Es folgten zwei souveräne Siege gegen Portugal sowie gegen Polen. Das Endspiel gegen Dänemark wurde in beiden Halbzeiten jeweils mit 22:14 Punkten gewonnen. Belen Gettwart bestritt wiederum ein sehr gutes Turnier als Spielmacherin und wurde zudem als MVP ausgezeichnet.