mini|Georg Friedrich Hönel im Jahr 1908 Georg Friedrich Hönel (* 5. Mai 1851 in Bielitz im vormals Österreichisch-Schlesien, heute Bielsko-Biała; † 17. April 1909 in Graz) war ein österreichischer Architekt des Historismus und einer der Stadtbaumeister in Graz. Von 1881 bis 1909 plante, errichtete und gestaltete er als selbständiger Unternehmer mehr als sechzig öffentliche und private Gebäude in Graz und Umgebung. Er war in mehreren Organisationen in leitender Funktion tätig, unter anderem auch im Vorstand der Handels- und Gewerbekammer Graz und als ein Vizepräsident der Delegation der Baumeister, dem Bindeglied zwischen den autarken Landesinnungen und dem cisleithanischen Handelsministerium.

Leben mini|Georg Friedrich Hönel als Student in Karlsruhe 1870 Georg Friedrich Hönel war das neunte Kind des Pastors von Bielitz, Jakob Hönel, der ab 1870 auch Superintendent A.B. von Galizien war, und seiner Ehefrau Katharina, geborene Lauerbach. Ihr Vater Georg Friedrich Lauerbach, Nürnberger Magistratsrat und Kaufmann, war Georgs Pate. Im Oktober 1871 begann Georg daher ein Studium an der Großherzoglich Badischen Polytechnischen Schule in Karlsruhe (seit 1865 Technische Hochschule, damals führend in der Ausbildung von Bautechnikern) und schloss dieses im Juli 1878 in den Fächern Festigkeitslehre und Ingenieurwissenschaften ab. Beraten von beiden Großvätern begann er sein Berufsleben in Graz, nach der Stagnation von 1873 ab 1880 ein Zentrum des bürgerlichen Bedarfs nach repräsentativem Wohnraum. Von 1. Dezember 1878 wirkte er bis zum 1. Jänner 1880 am Bau der Lokalbahn Mürzzuschlag–Neuberg mit.

Nach seiner Heirat 1879 mit Anna Augusta, geb. Zipser, Tochter und Erbin des vermögenden Textilindustriellen Robert Zipser aus Mikuszowice bei Bielitz, lebte seine Familie in der Elisabethstraße in Graz. Georg Hönel führte von Juni 1881 bis Jänner 1884 die Firma Hönel & Gutmann als Kompagnon von Baumeister Gustav Gutmann. Am 8. Jänner 1884 erhielt er seine eigene Konzession als Baumeister. Danach eröffnete er das Ingenieurbüro und Atelier für Architektur Georg Hönel in der Glacisstraße 9. 1888 bis 1889 erbaute er für sich und seine Familie die Villa Hönel in der Schubertstraße 35, auf einem Grundstück, auf dem sich seit 1797 ein denkmalgeschützter Mozarttempel befindet.mini|Der Mozarttempel. Aquarell von Hans Hönel mini|Georg Friedrich Hönel (sitzend mit Hut) und Familie vor der Villa Hönel 1904, nach der Taufe seiner ersten Enkelin „Liesl“ Elise Hildegard Ptack, rechts sein Sohn und Nachfolger Hans Hönel Neben der Führung seines Unternehmens und den Aufgaben als einer der Stadtbaumeister von Graz war er auch in den Leitungsgremien der Handels- und Gewerbekammer, des Vereins Grazer Herbstmesse, des Vereins der Baumeister Steiermarks, des Steiermärkischen Gewerbevereins, der Genossenschaft Bauhütte, sowie als ein beeideter Sachverständiger, städtischer Schätzmeister und als Presbyter tätig. Als Vizepräsident der Delegation der Baumeister Österreichs war er federführend bei der Umsetzung der Gewerbeordnungs-Novelle von 1883.

Seinen sechs Kindern war Georg Hönel ein kunstsinniger Förderer und liebevoller Vater. Bei seinem allzu frühen und überraschenden Tod war er gerade mit der Errichtung des 3. Staatsgymnasiums in der Oeverseegasse 28 beschäftigt. Georg Friedrich Hönel verstarb aus ungeklärter Ursache, vermutlich an einem Herzinfarkt. Sein ältester Sohn, der in Graz und München ausgebildete Architekt Hans Hönel, übernahm die Leitung des Architekturbüros und führte die begonnenen Werke des Vaters zum erfolgreichen Abschluss. Das bekannteste Bauwerk von Hans Hönel ist das 1928 erbaute Grazer Werkbundhaus in der Schubertstraße 31 ().Das Werkbundhaus im Haus der Geschichte Österreich Der Erste Weltkrieg und die danach folgenden Wirtschaftskrisen verursachten existenzbedrohende finanzielle Verluste. Daher musste das Architekturbüro Hönel seine Tätigkeit 1934 beenden. Werke mini|Villa Hönel in Graz, Schubertstraße 35 mini|Civil-Justizpalast, heute das Grazer Landesgericht mini|Villa Malwine mit Flachdach Der Schwerpunkt im Schaffen von Georg Hönel war zunächst der Wohnhausbau. Er errichtete Mietshäuser in den Stilen der Neorenaissance, der Neogotik und des Neobarock, und Gebäude mit altdeutschen Formen, sowohl nach eigenen Plänen als auch nach Entwürfen von bekannten Architekten, wie Friedrich Sigmundt und August Gunolt. Den vier privaten Häusern in der Humboldtstraße gemeinsam sind besonders gestaltete Portale, beeindruckende Vestibüle, zweiläufig-gegensinnige Treppen mit Schmiedeeisengeländer, ein straßenseitiges Souterrain sowie ein typisch gründerzeitlicher Vorgarten mit schmiedeeisernem Gitterzaun. Das Vestibül von Nr. 29 verfügt über korbbogengewölbte Stuckrippen, ein Porträt aus Stuck der Kaiserin Elisabeth von Österreich, Schwingflügeltüren und Fenster im Stiegenhaus mit Ätzglas, dekorierte Fliesenböden und schmiedeeiserne Hängeluster. Die 1887 erbaute Villa Roth, steht unter Denkmalschutz (). Ab 1900 nutzte Hönel auch die modernen Elemente des Jugendstils und des englischen Cottagestils. Neueste Bautechnologien setzte er schritthaltend ein. Die Villa Malvine des Bauherrn Hugo Schuchardt, eines der ersten Häuser mit Flachdach in Graz, wurde von ihm 1907 realisiert. Aufgrund seiner Erfolge wurden ihm bald auch Aufträge für große öffentliche Bauwerke erteilt. Zwischen 1889 und 1894 errichtete er den ehemaligen Civil-Justizpalast am Marburger Kai Nr. 49 nach Plänen von Alexander Wielemans von Monteforte. Für die von ihm dabei geleisteten Dienste wurde Georg Hönel von Kaiser Franz Joseph I. das goldene Verdienstkreuz verliehen.

Zwischen 1891 und 1892 baute er das, inzwischen unter Denkmalschutz stehende, Palais Kottulinsky nach Entwürfen von August Gunolt im Inneren durchgreifend um und erneuerte auch die Fassade. Von 1894 bis 1895 führte Georg Hönel den Gesamtumbau des Palais Mayr-Melnhof in der Elisabethstraße 30 gemäß einem Entwurf von August Gunolt durch. Im selben Jahr wurde nach fast vierjähriger Bauzeit das Landesgericht für Strafsachen in der Conrad-von-Hötzendorf-Straße 41 nach einem Entwurf von Franz Maurus fertiggestellt, wofür er mit der Verleihung des Ritterkreuzes des Franz-Joseph-Ordens ausgezeichnet wurde. 1901 errichtete er seinen einzigen Sakralbau, die Friedenskirche in Stainz. Werke (Auswahl) 1887: Villa Roth, Graz, Schubertstraße 25 1889: Villa Hönel, Graz, Schubertstraße 35Dehio Graz 1979, S. 145. 1892: Umbau des Palais Kottulinsky, Graz, Elisabethstraße Nr. 29 1897: Plabutscher Schlössl, Gösting bei GrazDehio Graz 1979, S. 237. 1901: Friedenskirche, Stainz 1902: Wohnhaus, Graz, Humboldtstraße 29Andrea Hönel, Werner Götz: Georg Hönel und die Humboldtstraße. Ein Beispiel des Historismus im ausgehenden 19. Jahrhundert, ohne Seitenangaben (S. 3 f.), auf margerl.at, abgerufen am 12. Januar 2026. 1906–1907: Jugendstil-Mietshaus Hönel, Graz, Heinrichstraße 54Heinrichstraße 54 auf baugeschichte.at, abgerufen am 8. April 2026 1908: Villa Malvine, Graz, Johann-Fux-Gasse 30 1910: Gymnasium, Graz, Oeverseegasse 28Website des Oeverseegymnasiums

Weblinks

Andrea Hönel und Werner Götz: Ing. Georg Hönel und die Humboldtstraße. Ein Beispiel des Historismus im ausgehenden 19. Jahrhundert. (Digitalisat)

Einzelnachweise

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