Der Braunschwanz-Seeadler (Icthyophaga humilis; Syn.: Haliaeetus humilis) auch Braunschwanzseeadler geschrieben, ist ein großer Greifvogel aus der Familie der Habichtartigen (Accipitridae). Die in Süd- und Südostasien verbreitete Art ernährt sich ausschließlich von Fisch und kommt entsprechend nur in der Nähe fischreicher Gewässer vor. Die eher seltenen Vögel gelten vor allem auf Grund von Habitatverlust als potenziell gefährdet.
Merkmale Körperbau und Aussehen Der Braunschwanz-Seeadler ist ein vergleichsweise großer Vogel, ist mit einer Länge von 53 bis 68 cm und einer Flügelspannweite zwischen 120 und 165 cm dennoch die kleinste Art aus der Gattung der Seeadler. Das Gewicht der wenigen bislang gewogenen Exemplare lag bei 780 bis 785 g. Wie bei vielen Mitgliedern der Familie werden auch beim Braunschwanz-Seeadler die Weibchen deutlich größer als ihre männlichen Artgenossen, die im Schnitt nur etwa 75 % ihrer Größe erreichen. Ein weitergehender Sexualdimorphismus liegt bei der Art hingegen nicht vor. Die Flügel sind sehr breit und abgerundet, die Handschwingen werden im Gleitflug oft weit aufgefächert. Dabei werden die Flügel in einer geraden Linie mit dem Körper gehalten. Im Vergleich zu anderen Adlern gleitet die Art allerdings nur über eher kurze Strecken, stattdessen ist das Flugbild durch kraftvolle, an eine große Eule erinnernde Schläge geprägt. Der Kopf wirkt im Vergleich zum Körper recht klein. Der Schnabel ist kurz und sehr kräftig, der Oberschnabel ist dabei stark nach unten gebogen und endet in einem spitzen Haken. Der abgerundete Schwanz ist keilförmig und recht breit. Die unbefiederten Läufe enden in großen, kräftig gebauten Klauen, die gut zum Halten schlüpfriger Fische geeignet sind. Die Gefiederfärbung ist eher unauffällig und wird von Grau- und Brauntönen dominiert. Kopf und Nacken sind hell- bis mittelgrau gefärbt, oft findet sich hier ein angedeutetes, dunkleres Streifenmuster. In Richtung Rücken und Flügel geht die Färbung graduell in ein dunkles Braun über, das an den Handschwingen schließlich fast schwarz wirkt. Im Flug wirkt ihre Basis besonders dunkel. Der Schwanz ist grau-braun mit Ausnahme einer schwärzlichen Subterminalbinde, die Basis der Unterseite ist bei manchen Exemplaren weiß gesprenkelt. Die Färbung an Brust und Kehle ist sehr variabel und reicht von kastanienbraun bis grau, oft mit gut erkennbaren, dunklen Federschäften, die ein feines Strichelmuster bilden. Hiervon in starkem Kontrast abgesetzt sind ein reinweißer Bauch und ebenso gefärbte Flanken. Die unbefiederten Läufe sind mattweiß bis leicht bläulich gefärbt, die Klauen ebenso wie der Schnabel einheitlich schwarz. Zügel und Wachshaut zeigen eine grau-braune bis schiefergraue Färbung. Die Iris des Auges ist hell gelblich. mini|links|Braunschwanz-Seeadler im Flug
Jungvögel Immature Braunschwanz-Seeadler neigen zu einer allgemein blasseren Gefiederfärbung. Kopf, Rücken und Brust sind bei ihnen eher bräunlich, wobei vor allem die Brust leicht verwaschen wirkt und von einem breiten, weißen Streifenmuster durchzogen ist. Am Rücken finden sich häufig schmale, rotbraune Federsäume, während an manchen Stellen die noch deutlich hellere Basis der Federn durchscheint. Meist nur im Flug erkennbar ist ein deutlicher ausgeprägtes, weißes Fleckenmuster an der Basis des Schwanzes. Die Spitzen der Schwungfedern sind besonders dunkel. Die Iris ist zunächst noch braun und nimmt erst mit fortschreitendem Alter langsam die gelbliche Färbung der Adulten an.
Verwechslungskandidaten Der Braunschwanz-Seeadler teilt sich weite Teile seines Verbreitungsgebiets mit dem eng verwandten und optisch sehr ähnlichen Graukopf-Seeadler (H. ichthyaetus), wobei beide Arten jedoch in der Regel unterschiedliche Habitate bevorzugen. Darüber hinaus werden Graukopfseeadler meist größer, allerdings werden die größten Braunschwanz-Seeadler in etwa so groß wie die kleineren Vertreter des Graukopfseeadlers. Eine Unterscheidung ist in solchen Fällen anhand der grazileren Körperform des Braunschwanz-Seeadlers und einigen Details der Gefiederfärbung möglich. Am leichtesten fällt dies im Flug, anhand der eher einheitlich gefärbt wirkenden Flügel und einer klarer abgegrenzten Bänderung des Schwanzes.
Stimme Von Braunschwanz-Seeadlern sind eine Reihe von Lautäußerungen mit verschiedenen Funktionen bekannt. Die Stimme der Vögel wird allgemein als laut und nasal, wie ein klagendes, trauriges Schnattern, das besonders aus einiger Entfernung an Kinderlaute erinnern soll, beschrieben. Ein anderer Bericht beschreibt eine Serie tiefer, kläffender ow-Laute, die an eine große Möwe (Larus spec.) denken lassen. Ein typischer Ruf besteht aus 7 bis 10 kurzen hak-Lauten, gefolgt von einem längeren nyarrrrh. Dabei steigen die einzelnen Laute zunächst in Höhe und Lautstärke an, um dann zum Ende hin plötzlich abzufallen. Besonders während der Balz und der anschließenden Brutzeit sind Paare sowohl an ihrem Ansitz als auch während des Gleitflugs häufig im Duett zu hören. Nistende Paare bleiben durch einen dezidierten Kontaktruf miteinander in Verbindung, wobei dieser typischerweise vom am Nest verbliebenen Vogel initiiert wird. Besonders das Weibchen ruft seinen Partner regelmäßig zu sich, um von diesem am Nest abgelöst zu werden. Dieser Wechsel wird wiederum von aufgeregtem Rufen begleitet. Generell scheinen brütende Weibchen in dieser Zeit häufiger zu rufen als männliche Vögel. Außerhalb der Brutzeit gilt die Art als deutlich weniger ruffreudig.
Habitat und Lebensweise Der Braunschwanz-Seeadler ist typischerweise an schnell fließenden, von Wäldern umgebenden Bächen und Flüssen zu finden. Deutlich seltener werden auch Stillgewässer mit bewaldeten Ufern wie Sümpfe und Seen besiedelt. Eine isolierte Population im Süden Indiens hat sich außerdem scheinbar an vom Menschen aufgestaute, sehr langsam fließende Gewässer angepasst. Ähnliche Berichte existieren aus dem malaysischen Bundesstaat Sabah, wo die Art auch in küstennahen Mangroven und stark veränderten Lebensräumen wie Plantagen und teilweise abgeholzten Wäldern in der Nähe von Gewässern nachgewiesen wurde. Besonders im Osten ihres Verbreitungsgebiets kommt der Braunschwanz-Seeadler dabei auf Höhenlagen bis 1000 m vor. Weiter westlich in Richtung des Himalaya-Gebirges gelingen graduell immer seltenere Nachweise auch bis auf 2500 m Höhe, in Nepal lokal begrenzt sogar bis in Höhen von 4250 m. Braunschwanz-Seeadler leben normalerweise entweder solitär oder in Paaren, selten werden auch kleine Gruppen aus bis zu vier Individuen angetroffen, bei denen es sich vermutlich um Familienverbände handelt. Die Vögel verhalten sich dabei das ganze Jahr über territorial, fremde Artgenossen werden gemeinsam aus dem eigenen Territorium vertrieben. Die Größe der Reviere scheint regional zu variieren, während in Indien Paare in 2 bis 3 km (Corbett-Nationalpark) beziehungsweise 6 bis 7 km (Südindien) Abstand voneinander gefunden wurden, beanspruchen Vögel in Laos zwischen 15 und 25 km lange Flussabschnitte als Territorium.
Ernährung und Jagdverhalten mini|Braunschwanz-Seeadler mit erbeutetem Fisch Braunschwanz-Seeadler sind ausschließlich Fischfresser. Zu den dokumentierten Beutetieren gehören Karpfenfische der Gattung Tor, Fransenlipper der Gattung Osteochilus und Buntbarsche der Gattung Etroplus. Darüber hinaus sind sie als Schädlinge für die kommerzielle Forellenzucht in der Region bekannt. Geschlagene Fische sind in der Regel zwischen 10 und 18 cm groß, seltener werden auch größere Tiere mit bis zu 30 cm Länge erbeutet. Jagdversuche finden am häufigsten in den späten Morgenstunden statt, haben die Vögel jedoch Nestlinge zu versorgen, jagen sie den ganzen Tag über. Bevorzugte Jagdmethode ist dabei die Ansitzjagd, bei der die Braunschwanz-Seeadler an einem überhängenden Ast oder einem Felsen im Fluss auf geeignete Beute im flachen Wasser warten. Wurde ein Fisch erspäht, starten die Vögel einen schnellen, direkten Flug zur Wasseroberfläche und schlagen die Beute im Moment der Landung mit ihren kräftigen Klauen. Dabei ist einer von etwa zwei bis drei Versuchen erfolgreich. Zeigt sich keine lohnenswerte Beute, wird regelmäßig zwischen einer Reihe bevorzugter Ansitze gewechselt. Deutlich seltener werden direkt unter der Oberfläche schwimmende Fische auch ohne zu landen mit vorgestreckten Klauen aus dem Flug heraus gegriffen. Gefangene Fische werden anschließend zum Verzehr zurück zum Ansitz getragen und dort mit den Füßen fixiert, während mit dem Schnabel Fleischstücke ausgerissen werden. Bei entsprechender Gelegenheit wird neben der aktiven Jagd auch Aas in Form von bereits verendeten Fischen aufgenommen. Bevor sie sich in den Abendstunden an ihre Ruheplätze begeben, können Braunschwanz-Seeadler außerdem dabei beobachtet werden, wie sie am Ufer Wasser aus dem Fluss trinken.
Fortpflanzung