Die wahre Geschichte des Jacob Wunschwitz (Originaltitel: Jacob Wunschwitz igaz története) ist ein 1997 veröffentlichter Roman des ungarischen Schriftstellers László Márton. Das Buch erschien 1999 bei Zsolnay erstmals in deutscher Übersetzung von Hans-Henning Paetzke. Kurzbeschreibung Anlässlich einer Verkettung von Unaufmerksamkeiten, Missverständnissen und Eitelkeiten lehnen sich die Bürger von Guben gegen ihren Stadtrat auf. Durch eine Verkettung von Zufällen wird der Ex-Gubener Jacob Wunschwitz zeitweise zum Anführer dieses Aufruhrs und am Ende hingerichtet. Inhalt Die Wurzeln des Aufruhrs Am 9. November 1603 wollen in der Stadt Guben die Winzer in die Markthalle, um ihren Wein vom vergangenen Jahr möglichst bald per Neiße-Binnenschiff loszuwerden. Die Winzer finden die Markthalle verschlossenLászló Márton: Die wahre Geschichte des Jacob Wunschwitz. Roman. Zsolnay, Wien 1999. ISBN 3-552-04933-9. S. 18. und mutmaßen, „daß sowohl die Schiffer als auch der Weinprüfer beziehungsweise die für die Entsendung des Weinprüfers zuständigen städtischen Beamten auf dem Fest der Schützenvereine weilten“,Márton, Die wahre Geschichte des Jacob Wunschwitz. S. 19. wo die Winzer einen stellvertretenden Bürgermeister treffen, der sie belehrt, „daß sie, sofern sie eine Klage vorzubringen hätten, diese zu Papier bringen und das Schriftstück einreichen sollten […]. Der andere stellvertretende Bürgermeister schnaufte und kicherte“. Der dritte stellvertretende Bürgermeister, Cosman Damian Happenrodt von Wenzelsberg, „jedoch forderte sie auf, keinen Aufruhr zu machen und das Fest nicht zu stören, sie sollten sich wegscheren“,Márton, Die wahre Geschichte des Jacob Wunschwitz. S. 21. was die Winzer daher tun. Ein Schiffer teilt den verbitterten Winzern mit, dass „der Rat der Stadt andere Pläne mit den Schiffen habe“,Márton, Die wahre Geschichte des Jacob Wunschwitz. S. 22. weswegen sich die Winzer in ihrer Existenz bedroht sehen.Márton, Die wahre Geschichte des Jacob Wunschwitz. S. 23. Während auf dem Schützenfest eine Schlägerei ausbricht, die man später den bereits abwesenden Winzern zur Last legt,Márton, Die wahre Geschichte des Jacob Wunschwitz. S. 27. suchen die Winzer bei einem wendischen Seelsorger Rat, der allerdings in Beschlag genommen ist durch „Fragen der Muttersprache“ und daher abgelenkt.Márton, Die wahre Geschichte des Jacob Wunschwitz. S. 28. Anschließend sprechen die Winzer mit einem anderen Geistlichen, der mit seinen Gedanken vor allem bei seiner eigenen politischen Karriere ist, ihnen aber immerhin juristische Ratschläge erteilt wie den, „eine Eingabe abzufassen“; im Fall einer Abfuhr „stünde ihnen noch die Möglichkeit zu Gebote, Berufung einzulegen bei dem Freiherrn Anselm von Promnitz, dem kaiserlichen Statthalter.“Márton, Die wahre Geschichte des Jacob Wunschwitz. S. 35. Die Winzer setzen also eine Eingabe auf und wollen sie abgeben beim Notars-Stellvertreter,Márton, Die wahre Geschichte des Jacob Wunschwitz. S. 41. der allerdings abgelenkt ist durch heimliche Liebesnöte mit einem Mündel des Vize-Bürgermeisters Happenrodt.Márton, Die wahre Geschichte des Jacob Wunschwitz. S. 43–44. Der Notars-Stellvertreter behandelt die Winzer ähnlich herablassend wie zuvor andere Staatsbedienstete und nimmt die Eingabe an den Stadtrat entgegen. Als diese Angelegenheit in die Wege geleitet ist, finden die Winzer zu ihrem Erstaunen dann aber die Markthalle offen, wenn auch nur zum Zwecke der öffentlichen Inaugenscheinnahme eines scheintoten mutmaßlichen Verbrechers,Márton, Die wahre Geschichte des Jacob Wunschwitz. S. 52. dessen tatsächliches oder vorgetäuschtes Ableben überprüft wird. Das Ergebnis dieser Inaugenscheinnahme ist so unbefriedigend, dass die Obrigkeit für den Folgetag die Markthalle für eine weitere Inaugenscheinnahme in Beschlag zu nehmen ankündigt. „In der soeben noch neugierigen Menge begannen viele ob des Gehörten zu murren, vor allem Händler und Handwerksmeister“, die sich in ihrem Gewerbe behindert fühlen.Márton, Die wahre Geschichte des Jacob Wunschwitz. S. 54. Unverhoffter Dinge werden die dort auftauchenden Winzer zur Speerspitze einer aufkeimenden Volksbewegung: „Sie sollten keine Angst haben, sie seien nicht allein. Jeder ehrliche Gubener Bürger fühle mit ihnen und unterstütze sie.“Márton, Die wahre Geschichte des Jacob Wunschwitz. S. 57. Da mancher sich vom Stadtrat nichts erwartet, sollen die Winzer eine unmittelbare Eingabe an den Freiherrn Anselm von Promnitz verfassen,Márton, Die wahre Geschichte des Jacob Wunschwitz. S. 58. in der es dann nicht nur um Winzer-Belange geht, „sondern worin auch sonstige Beanstandungen, Mißstände, Kränkungen, Unrechtmäßigkeiten, Übergriffe und Tyranneien angeführt werden“, die der Stadtrat zu verantworten habe.Márton, Die wahre Geschichte des Jacob Wunschwitz. S. 59. Als der Bote mit der Eingabe an Promnitz abgeht, kommt der genervte Vize-Bürgermeister Happenrodt mit jener Eingabe in die Markthalle, die über den Notars-Stellvertreter an den Stadtrat ging. Der einzige Grund dafür, dass die Weinfässer nicht verladen werden könnten, sei die zugefrorene Neiße: „Geben Sie sich mit dieser Antwort zufrieden? Haben Sie noch einen Wunsch? Woraufhin die Winzer erwiderten, daß sie mit dieser Antwort zufrieden seien und lediglich wünschten, diese Antwort auch schriftlich zu bekommen“.Márton, Die wahre Geschichte des Jacob Wunschwitz. S. 61. Happenrodt fühlt sich durch das Misstrauen beleidigt, antwortet beleidigend und verschwindet, so dass die „in der Markthalle versammelten Bürger […] es für angebracht hielten, sich um die Protektion einer höheren Macht zu bemühen“, nämlich des sächsischen Kurfürsten.Márton, Die wahre Geschichte des Jacob Wunschwitz. S. 63. Diese Botschaft zu überbringen ist ein Kaufmann namens Hans Wahl bereit, da er ohnehin „anderntags nach Meißen reise, um gewisse Angelegenheiten mit einem Färber namens Jacob Wunschwitz zu erledigen“.Márton, Die wahre Geschichte des Jacob Wunschwitz. S. 64. Einige Gubener Bürger bekommen allerdings am nächsten Morgen Angst vor ihrer eigenen Courage und schicken Hans Wahl vergeblich einen Boten hinterher, um die Eingabe an den Kurfürsten zurückzuholen.Márton, Die wahre Geschichte des Jacob Wunschwitz. S. 67–68. Dass der Versuch vergeblich war, entgeht allerdings anderen Gubener Bürgern.Márton, Die wahre Geschichte des Jacob Wunschwitz. S. 87. Und der Stadtrat verschärft wegen der Unruhe das Versammlungsrecht, rekrutiert eine „außerordentliche Stadtwache“ aus den „Ärmsten der Stadt und der Umgebung“ und verbietet, sich in städtischen Angelegenheiten an höhere Instanzen zu wenden.Márton, Die wahre Geschichte des Jacob Wunschwitz. S. 69. Die Verwicklung des Jacob Wunschwitz