Anton Fichtlmeier (* 1. November 1951 als Robert-Wayne Jocher in München) ist ein deutsch-amerikanischer Hundetrainer, Hundeverhaltensberater, Sachverständiger, sowie Sachbuch- und Filmautor im Bereich der Hundeerziehung.
Populär wurde Fichtlmeier u. a. mit dem Weg des Vertrauens, seinem Ausbildungskonzept für Hunde – „ein erfolgreiches Konzept für Hundeausbildung im deutschsprachigen Raum“.Astrid Nestler (Mitarb.): DogsExperten. Welche Hunderasse passt zu mir? Experten-Interview mit Anton Fichtlmeier. Gräfe und Unzer 2012, S. 32–35 Im Jahr 2003 begann er, seine Methode durch mehrere Buchpublikationen und Lehrfilme mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen, sowie diese über eigens lizenzierte Hundeschulen zu vermitteln (bis 2021 ohne Lizenzgebühr).
Leben und Wirken
Beruflicher Werdegang
Nach Abschluss der Schulzeit begann Fichtlmeier eine Ausbildung zum Elektromechaniker. Es folgte eine Weiterbildung zum Radio- und Fernsehtechniker. Daran anschließend wurde er Werkstattleiter einer Radio- und Fernsehtechnikfirma und übernahm dort auch die Ausbildung von Lehrlingen. Nebenbei studierte er Musik auf Lehramt, was er auch über viele Jahre ausübte. Ab den 1970er Jahren war Fichtlmeier zusätzlich als Musiker, Kabarettist und Schauspieler auf den Kleinkunstbühnen Bayerns, v. a. Münchens unterwegs (Opera Curiosa mit Marianne Sägebrecht, Musikalisches Unterholz „MUH“, Liederbühne Robinson, Song Parnass, Schwabinger Gisela im Nowak etc.). In dieser Zeit legte er sich auch den Künstlernamen „Anton Fichtlmeier“ zu. Es folgten ausgedehnte Tourneen mit dem „Komödienstadl“Portrait Anton Fichtlmeier. „Der Hund soll wollen und nicht müssen“. In: Dogs, Heft Juli/August 2010, S. 52–54Fichtlmeier, Anton: Der Hund an der Leine, Kosmos 2018, S. 6 sowie eigene Tonträger-Aufnahmen im Bereich der volkstümlichen Unterhaltungsmusik.Anton Fichtlmeier: Der Junge aus Hamburg (7′ Single) 1979, Label: Phillips 6003 825; Various – MUH Vol. 1: Live Aus Dem Musikalischen Unter Holz in München 1979, Label: Hinterhof – 1045; Anton Fichtlmeier: Rock'n Roll Lawine (Wir Fahr'n Ins Grüne) (7′ Single) 1984, Label: Tonio – 089476872; TV weiß-blau und Anton Fichtlmeier präsentieren: Der Grosse Preis der Volksmusik, (CD) 1990, Label: TeBiTon-Musikverlag; Anton Fichtlmeier Live (7′ Single sowie Kassette) Ab den 1990er Jahren moderierte Fichtlmeier eine eigene TV-Sendung („Weißblauer Tanzboden“ des Münchner Senders „ TV Weiß-Blau“) mit heimatbezogenen Themen und volkstümlicher Musik.Portrait Michael Holm von Anton Fichtlmeier für „TV weiß-blau“: weiß blauer Tanzboden 1990. https://www.youtube.com/watch?v=puiEqJ412Pw
Der Weg zum Spezialisten / Hundeexperten
Fichtlmeiers seit Jugend ausgeprägtes Interesse an Hunden ließ ihn ab den 1970er Jahren zunächst in diversen Hundevereinen bzw. im Hundesport aktiv werden (mehrfacher Vereinsmeister, Lehrgangsleiter für Fährtenhunde, Übungswart, Schutzdiensthelfer).Vita Fichtlmeier. https://www.fichtlmeier.de/ueber-anton/vita Unzufrieden mit der Art und Weise, wie damals auf Hunde geblickt und wie mit ihnen umgegangen wurde, begann Fichtlmeier, das vorherrschende Hundeverständnis zu hinterfragen. Gängige Ansichten, die im Hund vorrangig einen bloßen Befehlsempfänger sahen, die das Mensch-Hund Verhältnis vorzugsweise auf eine Dominanzbeziehung reduzierten und die dabei vergaßen, den Hund ernsthaft zu reflektieren, wurden von Fichtlmeier als völlig unzureichend betrachtet.
Fichtlmeier begann daher eigene, kommunikationsbezogene Ideen für eine artgerechtere Hundeerziehung zu entwickeln, um damit – nach seinem Verständnis – dem Wesen des Hundes besser Rechnung tragen zu können.Der Hund an der Leine (2. Aufl.) 2018, S. 7ffHundeWelt H.8, 2020, S. 34–35 zugleich Blogbeitrag https://www.fichtlmeier.de/news-und-stories/hundesprache-1-blicke-sagen-mehr-als-worte
So gelang es Fichtlmeier unter weitgehendem Verzicht auf Lautsignale und vielmehr über körpersprachliche Signale und Gesten, mit seinen Hunden eine immer bessere und intensivere Verständigungsebene zu erzielen, die zum Dreh- und Angelpunkt seiner Hundephilosophie wurde.Der Hund an der Leine (2. Aufl.) 2018, S. 8f
Bestärkt durch stetig wachsende Erfolge bei seinem Umgang mit Hunden, konzentrierte sich Fichtlmeier Anfang der 1990er Jahre daher immer stärker auf die hundeerzieherische Tätigkeit und machte sich mit der therapiebezogenen Arbeit an verhaltensauffälligen Hunden einen Namen. Er stellte sich mit Rat und Tat diversen Tierheimen und deren Mitarbeitern zur Verfügung. In dieser Zeit wurde er durch die Regierung von Oberbayern zum „öffentlich bestellten und beeidigten Sachverständigen für das Verhalten von Hunden im Hinblick auf Aggressivität und Gefährlichkeit gegenüber Menschen und Tieren“ berufen.Vita Fichtlmeier: Fachtätigkeit 1999–2020 / Engagement ab 1993–2023.//https://www.fichtlmeier.de/ueber-anton
Mit dem Ziel, seine praktische Arbeit mit Hunden zu dokumentieren und im Nachgang analysieren zu können, filmte Fichtlmeier über Jahrzehnte unzählige soziale Interaktionen von HundenDogs H.5. 2012. Nestler, Astrid: Ziemlich beste Freunde S. 22–25;Grunderziehung für Welpen, 2005 (1. Aufl.) S.11 und begann so ein umfangreiches eigenes Videoarchiv aufzubauen. Daraus hervorgehend erschien 2003 schließlich mit der DVD „Der Weg des Vertrauens – Grundlagen“ ein Lehrfilm, in dem Fichtlmeier erstmals Grundzüge seiner Methodik und Kommunikationsphilosophie einer breiteren Öffentlichkeit konzeptionell vorstellte. Es folgten erste Buchpublikationen mit „Grunderziehung für Welpen“ (2005 / NA 2014), und „Der Hund an der Leine“ (2007/NA 2018), welche die grundlegenden Ideen der Fichtlmeier Methode vertieften.
Tätigkeitsschwerpunkte
Hundeerziehung
Fichtlmeiers Methode der kommunikativen Hundeführung
Die Fichtlmeier-Methode ist ein ganzheitlich angelegtes Erziehungskonzept, das bei jedem Hund unabhängig seiner Rassezugehörigkeit funktioniert und aufgrund seiner Einfachheit von jedem Hundehalter verstanden und umgesetzt werden könnte. Mithilfe dieses Konzeptes wird dem Hundebesitzer das Wesen des Hundes nähergebracht und ermöglicht diesem, ein stimmiges Regelwerk für ein soziales Miteinander zu erarbeiten.Der Hund an der Leine (2. Aufl.) 2018, S. 9 Der schrittweise Aufbau einer gemeinsamen Kommunikationsebene erfolgt anhand bestimmter Grundelemente der Fichtlmeiermethode:
Binärsprache:Die einfachste Art der Verständigung mit dem Hund ist binäre Kommunikation, die den Aktionen des Hundes am nächsten kommt – Anton Fichtlmeier nennt es: Das Binärsystem, JA oder NEIN, Richtig oder Falsch.Grunderziehung für Welpen, 2005 (1. Aufl.), S.88ff; Die Prägung des Jagdhundwelpen 2011, S. 63f
Freiraumzonen:Anton Fichtlmeiers Konzept der fünf Freiraumzonen verfolgt die Idee, den Hundebesitzer dafür zu sensibilisieren, welche Freiräume er seinem Hund zugestehen kann und wo er dessen Freiräume begrenzen müsste, um Schaden von seinem Hund und dem Umfeld präventiv abzuwenden.Der Hund an der Leine (2. Aufl.) 2018, S. 32 ff
Leinenkonzept: Das Leinenkonzept von Anton Fichtlmeier ist eine Methode, die als gewaltlose Kommunikationshilfe dient und in dieser Form bei allen Hunden erfolgreich eingesetzt werden kann. Sie beruht in ihrer Gesamtheit auf gegenseitigem Vertrauen, Respekt und Verständnis.Der Hund an der Leine (2. Aufl.) 2018
Tauschkonzept: Anton Fichtlmeiers Prinzip des Tauschens fördert Kontaktaufnahme und Kontakthalten und ist die Basis für das spätere „Suchen und Apportieren“. Von Anfang an wird mit dem Hund die Übereinkunft getroffen: „Beute-Bringen und freiwillig überlassen bedeutet immer etwas Gutes im Austausch dafür zu erhalten!“Suchen und Apportieren, 2015, S. 44ff
Suchen und Apportieren: Fichtlmeiers Apportierkonzept hilft dem Hundebesitzer dabei, den Hund in allen Bereichen des Zusammenlebens kontrollierbarer zu machen, ihn sinnvoll (hundegerecht) auszulasten und im Bereich seiner Talente zufriedenzustellen. Es bildet die perfekte Basis, den Hund später auch als Jagd-, Dienst- oder Rettungshund für den Realeinsatz vorzubereiten.Vgl. hierzu: Suchen und Apportieren, 2015 sowie Fichtlmeiers Artikel in „Wild und Hund“ 2001–2011
Ein grundsätzliches Ziel der Fichtlmeier-Methode ist es, eine möglichst freiwillige und freudige Mitarbeit des Hundes zu erreichen, gemäß dem Leitsatz: „Der Hund soll wollen und nicht müssen“.„Der Hund soll wollen und nicht müssen“. Portrait Anton Fichtlmeier. In: Dogs, Heft Juli/August 2010, S. 52–54 Daher spielt zum Erreichen eines gewünschten Verhaltens die Motivation eine große RolleDer Hund an der Leine (2. Aufl.) 2018, S. 26., wobei die Methode lerntheoretisch vorrangig auf Grundsätzen der positiven Verstärkung aufbaut. Allerdings wird die Überzeugung vertreten, dass auf unerwünschtes, gefährliches Hundeverhalten im Zweifel auch mithilfe des Verhaltensabbruchs (unter Berücksichtigung des Gebots situativer und individueller Verhältnismäßigkeit) eingewirkt werden muss.Die Ausbildung des Jagdhundes S. 116–121
Im Gegensatz zu anderen Erziehungsmethoden kommt Fichtlmeiers Methodik ohne spezielle Hilfsmittel wie Clicker, Halti, Brustgeschirr, Schleppleine usw. aus, ebenso werden Futtersuch-, Wurf- und Zerrspiele abgelehnt.„Der Hund soll wollen und nicht müssen“. Portrait Anton Fichtlmeier. In: Dogs, Heft Juli/August 2010, S. 52–5 Die Fichtlmeier-Methode wird in lizenzierten Hundeschulen vorrangig in Deutschland, Österreich und der Schweiz weitervermittelt. Eine Trainerschulung sowie vielfältige Seminarprogramme und Online-Schulungen sind Bestandteil des Konzepts.https://www.fichtlmeier.de
Jagdhundeausbildung
Verein brauchbarer Jagdhund