mini|Verwaltungsgebäude von Schäffer & Budenberg, Schönebecker Straße 7 Schäffer & Budenberg ist ein ehemaliger Industriebetrieb in Magdeburg im heutigen Sachsen-Anhalt. Teile der erhaltenen Gebäudesubstanz stehen unter Denkmalschutz.
Geschichte
Gründung mini|Firmensitz im Keller (Pfeil) des Hinterhauses in der Stephansbrücke 15 Der Gesellschaftsvertrag der Firma Schäffer & Co. wurde am 14. Januar 1850 geschlossen und zielte auf eine Gründung zum 1. März 1850 ab. Gründer war der Ingenieur Bernhard Schäffer. Als Teilhaber beteiligte sich der Kaufmann Christian Friedrich Budenberg, mit dem eine entfernte Verwandtschaft bestand. Weitere Teilhaber war Franz Primavesi, der vorherige Arbeitgeber Schäffers, und ein Frommeyer. Bereits kurz darauf schied Primavesi jedoch aus der Gesellschaft aus. Neben Schäffer blieb nur Budenberg als Teilhaber. Die Firmierung wurde daher in Schäffer & Budenberg verändert.Lothar Thiede: Magdeburg und seine Industrie – Schäffer & Budenberg. Teil 1. Block-Verlag, Kremkau 2005, ISBN 3-934988-34-2, S. 20 Im Unternehmen sollte insbesondere das von Schäffer entwickelte und 1849 patentierte Plattenfeder-Manometer gebaut werden. Da das Manometer zunächst in Deutschland zu wenig abgesetzt wurde, meldete Budenberg es über seinen nach England gereisten Bruder Arnold dort zum Patent an, wo es bald stark nachgefragt wurde, worauf sich auch international ein Erfolg einstellte. Es wurden weitere neue Produkte entwickelt. Arnold Budenberg richtete in England eine Filiale ein.100 Jahre Wertarbeit – Geräte- und Armaturenwerk Magdeburg vormals Schäffer & Budenberg. Geräte- und Armaturenwerk Magdeburg, Magdeburg 1950, S. 19.
Zur Herstellung wurde eine Mechanische Werkstatt im Neuen Weg in Magdeburg eingerichtet. Wichtigste Maschine war zunächst eine per Fuß angetriebene Drehbank. Die finanzielle Situation war häufig angespannt, so dass die Bezahlung der Arbeiter schwierig war und Budenberg Reisen wegen mangelnder Barmittel nicht unternahm. Der Schwager Budenbergs, Frommeyer, war in dieser Zeit ein wichtiger Finanzier des Unternehmens. Als Bedingung für seine Finanzierung hatte er allerdings gefordert, dass das Unternehmen auch Westfälischen Schinken und Speck vertreibt, was auch tatsächlich geschah.100 Jahre Wertarbeit – Geräte- und Armaturenwerk Magdeburg vormals Schäffer & Budenberg. Geräte- und Armaturenwerk Magdeburg, Magdeburg 1950, S. 14. Die Mitarbeiterzahl stieg bald auf zwölf Personen, so dass das Unternehmen in größere Räumlichkeiten in die Prälatenstraße verlegt wurde. Nach weiterem Wachstum bezog der Betrieb 1852 das Hinterhaus der Stephansbrücke 15, wo das Unternehmen bis 1859 ansässig war. Die Zahl der Mitarbeiter war auf 48 angestiegen. Der Name wurde 1852 in Schäffer & Budenberg geändert.
Dem ersten Aufsichtsrat stand Selma Rudolph vor. Weitere Mitglieder waren die Ingenieure Walter und Carl Rudolph, der Landgerichtsdirektor Heinz Rudolph sowie Lisa Rudolph. Später wurde der Vorsitz wechselnd von Kommerzienrat Otto Arnold und Rittergutsbesitzer Fritz Dresel wahrgenommen. Weitere Mitglieder waren neben Selma Rudolph dann Richard Langensiepen, Bernhard und Ernst Schäffler.
Verlegung nach Buckau mini|Gasthof Zum Landhaus an der Schönebecker Straße nach dem Umbau zum Firmensitz 1859 war der Platzbedarf für nun 120 Mitarbeiter so gestiegen, dass im April des Jahres ein neuer Standort außerhalb Magdeburgs in Buckau bezogen wurde. Dafür hatte Schäffer & Budenberg 1858 den Gasthof Zum Landhaus an der Schönebecker Straße erworben. Von Gärten umgeben entstand dort eine modern mit Dampfmaschinen und einer Eisengießerei ausgestattete Fabrik, die nach und nach erweitert wurde. Die Produktionspalette wurde um Armaturen erweitert. 1861 wurde der Manometerbau in einen neu errichteten Anbau ausgelagert. Zwischen 1866 und 1876 erwarb das Unternehmen weitere benachbarte Grundstücke. Es folgten Neubauten, auch die Maschinen- und Dampfkesselanlagen mussten erweitert werden. Letztlich wurden Grundstücke auch auf der anderen Seite der Schönebecker Straße gekauft und dort eine Gießerei, eine Schmiede und die Modelltischlerei errichtet. 1881 und 1882 wurden die Werkstätten erweitert und ein Modellraum sowie ein Holzlager angefügt. Fortlaufend wurden neue Produkte entwickelt und produziert, so Absperr- und Sicherheitsventile, Dampfdruck-Reduzierventile, Injekteure, Kondenswasserableiter, Schwimmerventile, Speiserufer und mechanische Thermometer. Der Absatz von Manometern stieg über 17.000 Stück im Jahr 1865, auf 25.000 Stück 1871 auf 40.000 Manometer im Jahr 1872. Das 500.000ste Manometer wurde 1881 in Gold hergestellt und dem preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm Nikolaus Karl überreicht. Schon 1889 entstand das einmillionste, 1924 das sechsmillionste Manometer.
mini|Stand von Schäffer & Budenberg auf der Weltausstellung 1873 in Wien mini|Werk Buckau im Jahr 1867 mit den erfolgten Erweiterungen mini|Ausbauzustand 1880 mini|Ausbau bis 1900 Budenberg trieb insbesondere das Auslandsgeschäft voran. Schon im Jahr 1857 hatte Schäffer & Budenberg eine Werkstatt in Manchester eingerichtet, Verkaufsniederlassungen bestanden in London und Glasgow. Auslandsvertretungen wurden im Laufe der Zeit in Aussig, Gravenhage, Helsingfors, Johannesburg, Kiew, Kristiania, Lille, Mailand, Moskau, Paris, Prag, St. Petersburg, Stockholm, Warschau, Wien, Wladiwostok und Zürich eröffnet. Ein eigenes Werk entstand in Brooklyn in New York, eine Filiale in Chicago. In Lüttich entstand eine Werkstatt. Viele der Niederlassungen gingen im Zuge des Ersten Weltkriegs verloren oder wurden zerstört. Innerhalb Deutschlands bestanden Filialen in Berlin und Hamburg. Schäffer und Budenberg beteiligte sich an einer Vielzahl von internationalen Ausstellungen, so zum Beispiel auch an der Weltausstellung Paris 1867.
1866 war die Mitarbeiterzahl bereits auf 380 gestiegen. Bedingt durch den Deutschen Krieg sank sie auf 320, stieg aber bis 1874 auf 530 und 1881 dann auf 800 Personen. Sämtliche Mitarbeiter des Unternehmens wurden ab 1873 und damit lange vor einer entsprechenden gesetzlichen Verpflichtung, bei der Leipziger Deutschen Unfall- und Invaliditäts-Versicherungsgesellschaft gegen Unfall und Invalidität versichert. Am 22. Oktober 1873 besuchte Kaiser Wilhelm I. das Werk.
Bereits 1873 waren die Schwiegersöhne von Schäffer und Budenberg, Fritz Dresel und Otto Arnold als Teilhaber in das Unternehmen eingetreten. Bernhard Schäffer verstarb 1877.
Im Jahr 1883 wurde ein Grundstück an der heutigen Budenbergstraße erworben, auf dem eine Eisengießerei errichtet wurde. Die Gießerei war durch den steigenden Bedarf an Eisenarmaturen notwendig geworden. Grauguss war aus Tangerhütte bezogen worden. Die Gießerei wurde im Oktober 1884 eröffnet. Bei Schäffer & Budenberg waren nun 1000 Personen beschäftigt und wurden 320 Drehbänke betrieben.
Es entstanden auch neue betriebliche Sozialeinrichtungen. So wurde 1887 eine Werksküche eingerichtet, in der ein Mittagessen für 27,5 Pfennig und ein Abendessen für 20 Pfennig gekauft werden konnte.100 Jahre Wertarbeit – Geräte- und Armaturenwerk Magdeburg vormals Schäffer & Budenberg. Geräte- und Armaturenwerk Magdeburg, Magdeburg 1950, S. 47. Auch eine Konsumeinrichtung und eine Badeanstalt mit zunächst zwölf Duschen geschaffen. 1889, anlässlich des Baus des millionsten Manometers, wurde eine Unterstützungskasse für Arbeiter und Angestellte eingerichtet, die zunächst 30.000 Mark umfasste und 1900 auf 100.000 Mark aufgestockt wurde. Die Kasse bestand jedoch nur bis 1922 und musste dann infolge der starken Inflation ihren Betrieb einstellen. Ein Altenheim bestand mit dem Budenberg-Stift seit 1884.
1893/94 wurden alte Verwaltungs- und Lagergebäude abgerissen und durch moderne Neubauten in massiver Bauweise ersetzt. 1896 wurde ein neuer Trakt für den Instrumentenbau auf dem sogenannten Denecke’schen Grundstück gebaut. Die Hauptbetriebe Manometer- und Armaturenbau wurden auf der Ostseite der Schönebecker Straße endgültig voneinander getrennt Es wurden nun 1700 Personen beschäftigt. Im Jahr 1897 erwarb man ein südlich der Schönebecker Straße, an der Klosterbergestraße gelegenes Grundstück, das bald darauf bebaut wurde. 1898 erfolgten Erweiterungen der Metall und Eisengießerei.
Im Jahr 1900 war die Mitarbeiterzahl auf 3150 angestiegen. 2250 Menschen arbeiteten dabei in Buckau. Etwa in diesen Zeitraum fiel auch die Einrichtung des Werkes in Aussig. Jährlich entstanden nun 100.000 Manometer. Der Armaturenbau hatte sich ebenfalls gut entwickelt. So wurden die Lokomotiv-Injektoren des Unternehmens bei allen Eisenbahnen in Deutschland genutzt. Außerdem rüstete Schäffer & Budenberg die Kaiserliche Marine und große Teile des Bergbaus in Lothringen und im Saarland aus.
1901 wurde die Rechtsform des Unternehmens in eine GmbH umgewandelt. Geschäftsführer wurden Karl Laval, der zuvor als Prokurist im Unternehmen tätig war und Carl Prüsmann. Laval übernahm die Funktion als technischer, Prüsmann als kaufmännischer Direktor. 1907 wurde ein in der Freien Straße gelegenes Grundstück der ehemaligen Fabrik Garrett Smith & Co. angekauft. Dort entstanden durch Umbau vorhandener Gebäude und der Errichtung von Neubauten eine Stahlgießerei sowie eine mechanische Werkstatt. Die Gesamtfläche der Werksanlagen in Buckau umfasste nun zehn Hektar.
Schon im Vorfeld des Ersten Weltkriegs nahm die Rüstungsproduktion im Werk deutlich zu. Es wurden Stahlgußgranaten aber auch Zielgeräte für die Marineartillerie, Teile für Torpedowerften sowie Armaturen und Manometer für die Kaiserliche Marine hergestellt. 1913 war die Mitarbeiterzahl auf 3200 Personen angestiegen.
mini|Druckmessgerät von Schäffer & Budenberg mini|Entwicklung der Manometer von Schäffer & Budenberg 1914 erwirtschaftete man einen Gewinn von etwa 1,9 Millionen Mark. Mit Kriegsbeginn kamen auch viele Mitarbeiter des Unternehmens zum deutschen Militär. Der Produktionsumfang musste zunächst deutlich reduziert werden. Mit der Verstärkung der Rüstungsproduktion stieg die Produktion jedoch bald wieder an. Im Laufe des Krieges gingen die im Ausland befindlichen Werke und Niederlassungen zu einem großen Teil verloren. Die Produktion musste wieder auf eine Friedensproduktion umgestellt werden. Es kamen neue Produktlinien wie elektrische Fernmessgeräte und Starkstromkontaktgeräte hinzu. Auch wurden nach 1924 die Niederlassungen im Ausland zum Teil wieder eingerichtet. Außerdem entstanden 20 Verkaufsfilialen in deutschen Großstädten. 1925 beschäftigte das Unternehmen bereits wieder 3250 Mitarbeiter.
Ende der 1910er/Anfang der 1920er Jahre ergab sich ein Generationswechsel in der Unternehmensführung. Am 17. Mai 1918 verstarb Otto Arnold, 1923 auch Fritz Dresel. Auch die langjährigen Geschäftsführer Carl Laval (1919) und Carl Prüsemann (1921) verstarben. Ihre Nachfolger wurden Otto Spühr und Theodor Lottmann.
Im Jahr 1928 wurde das stromgünstigste Rhei-Ventil entworfen, das in den nächsten Jahren in Millionen-Stückzahl hergestellt wurde. Weitere wichtige Entwicklungen fanden im Bereich der Hochdruckarmaturen, insbesondere im Bereich hoher Temperaturen und für die Dampftechnik und Ölsynthese.100 Jahre Wertarbeit – Geräte- und Armaturenwerk Magdeburg vormals Schäffer & Budenberg. Geräte- und Armaturenwerk Magdeburg, Magdeburg 1950, S. 21. Die Einrichtungen kamen international auf Ölfeldern und in Ölraffinerien zum Einsatz. 1929 wurde ein Elektrostahlwerk in der Freien Straße errichtet. Während der Weltwirtschaftskrise geriet jedoch auch Schäffer & Budenberg in Schwierigkeiten. Bis 1932 sank die Belegschaftszahl auf 1156 Personen und erreichte 1933 die Zahl von nur noch 1100 Personen.
1933 bis 1945