Die Potočka zijavka ([]),Die orthographisch richtige Schreibweise lautet zijavka (Kluft, Felsenschlund, Grotte), gleichbedeutend mit jama (Höhle), siehe Wörterbücher des Fran-Ramovš-Instituts für die slowenische Sprache ZRC SAZU. Srečko Brodar verwendete in seinem ersten Grabungstagebuch zunächst die richtige Form, später etablierte er die Schreibweise zijalka. Beide Wörter haben dieselbe Aussprache (schriftliche Mitteilung Dr. Boštjan Odar, 8. Oktober 2022). auch Potočka zijalka, Uschowa-Höhle, Potočnik-Höhle, Pototschnik-Höhle, Potočka-Höhle, ist eine in den Karawanken im Norden Sloweniens gelegene horizontale Karsthöhle.

Sie ist neben der 18 km entfernten Mokriška jama die einzige hochalpine Fundstelle in Europa, deren anthropogene Fundschichten in das frühe Jungpaläolithikum zurückreichen. Neben einer großen Menge Höhlenbärenknochen wurden dort rund 32.000 Jahre alte Spitzen von Jagdwaffen sowie Stein- und Knochengeräte gefunden.

Lage und Topographie

Die Potočka zijavka liegt rund 200 m unterhalb des Westgipfels Obel kamen im obertriassischen Dachsteinkalk des Bergmassivs Olševa in den slowenischen Ostkarawanken. Sie befindet sich auf dem Gemeindegebiet von Solčava, die nächstgelegene Ortschaft ist Podolševa. Die Höhle ist durch einen unbefestigten Wanderweg erschlossen. Die Umgebung ist unter der Nummer 541 als kulturhistorisches, die Höhle selbst als archäologisches Denkmal ausgewiesen.

Das etwa 7 m hohe und 17 m breite Höhlenportal liegt an der Baumgrenze in 1630 m Seehöhe und öffnet Richtung Süden. Der grasbewachsene Vorplatz geht in einen Steilhang über, dem sich eine senkrecht abfallende Felswand anschließt. Die Höhle hat eine Länge von 115 m, die Gesamtfläche mit Vorplatz beträgt ca. 4000 m². Etwa 30 m hinter dem Eingang knickt sie in nordwestlicher Richtung ab und weitet sich auf eine Breite von 40 m. Bis zu dieser Stelle teilen große Felsbrocken den Höhlengang in einen westlichen und einen östlichen Sektor, die sich beide überwiegend ebenerdig und leicht ansteigend zur Höhlenmitte hin fortsetzen. Der Schutt eines spät-jungpleistozänen oder früh-holozänen Deckeneinsturzes lässt dort den Höhlenboden auf einer Länge von 30 m um 14 m steil ansteigen, bis er anschließend zum Höhlenende hin wieder leicht abfällt. Die letzten 12 m des hier noch gut 20 m breiten Höhlengangs verlaufen erneut in nördlicher Richtung. Die Deckenhöhe beträgt im hinteren Teil bis zu 10 m, sonst liegt sie zwischen 4 und 8 m. Ein Großteil des Bodens im mittleren und hinteren Bereich ist mit einer weichen, stellenweise mehrere Millimeter dicken Sinterschicht (Mondmilch, regional Olševa-Milch) überzogen.

Forschungsgeschichte Wegen ihres weithin sichtbaren Portals ist die Höhle seit langem bekannt. Die ersten dokumentierten Ausgrabungen führte der aus dem österreichischen Bad Vellach stammende spätere Arzt Josef Carl Groß jun. (1907–1967) zwischen Herbst 1926 und Herbst 1928 durch. Um nicht entdeckt zu werden, arbeitete er in der Höhle ausschließlich nachts. Er legte in verschiedenen Bereichen über 900 Knochen von Höhlenbären frei, von denen er mehrere geglättete Exemplare als Knochenwerkzeuge beschrieb. Außer einer Knochenspitze wurden später alle Stücke dieser sogenannten Protholithischen Knochenindustrie als Pseudoartefakte bewertet. Groß dokumentierte seine Arbeiten detailliert in einem Grabungstagebuch und fertigte aquarellierte Zeichnungen von Funden und Grabungsprofilen an. Aus einem Teil der Knochen rekonstruierte er im Keller des elterlichen Badehauses ein vollständiges Höhlenbärenskelett. In einem schriftlichen Vertrag sicherte sich Groß im Dezember 1928 nachträglich die Eigentumsrechte an den von ihm geborgenen Funden und bezahlte dafür 1000 Dinar an den Besitzer der Höhle, Alojz „Rogar“ Vršnik aus Sveti Duh (heute Podolševa), nach dessen Hausname Potočnik die Höhle benannt ist.

Am 1. August 1928 bemerkte der Archäologe und Gymnasiallehrer Srečko Brodar (1893–1987) aus Celje Groß’ Aktivitäten und begann wenige Wochen später selbst die Höhle zu sondieren. Finanzielle Unterstützung erhielt er dafür von der Stadt Celje und der Museumsgesellschaft des dortigen Stadtmuseums (heute Regionalmuseum Celje). Eine am 6. Grabungstag gefundene Knochenspitze brachte den Nachweis für die Anwesenheit des steinzeitlichen Menschen, woraufhin die Museumsgesellschaft die Höhle und das umgebende Grundstück von Vršnik aufkaufte, um weitere Raubgrabungen zu verhindern. Brodar führte Ausgrabungen zunächst am Ende der Höhle durch und veröffentlichte noch im selben Jahr in Zusammenarbeit mit dem Archäologen Josef Bayer einen Bericht über die Kampagne, bei der 25 Knochenspitzen, eine Knochennadel und gelochte Höhlenbärenknochen gefunden worden waren. Auch im folgenden Jahr grub er vor der hinteren östlichen Höhlenwand und setzte die Arbeiten von Ende 1929 bis 1935 fort: vor und im Eingangsbereich sowie im westlichen und östlichen Sektor. Der Großteil der Funde Brodars wurde am Ende des Zweiten Weltkriegs zerstört oder gilt als verschollen. Eine ausführliche Monographie zu seinen Forschungen in der Potočka zijavka legten er und sein Sohn Mitja erst 48 Jahre später vor.

Zwischen 1997 und 2000 führten Mitarbeiter des Geologischen Instituts der Universität Ljubljana und des Instituts für Paläontologie der Universität Wien Grabungen im nordöstlichen Sektor und vor der Westwand in der Höhlenmitte durch. Ziel war es, Material für radiometrische Datierungen sowie für Sediment- und Pollenanalysen zu gewinnen.

Im Juli 2012 barg der slowenische Archäologe Boštjan Odar in Zusammenarbeit mit Studierenden der Universität Ljubljana am hinteren Versturz rund 1,5 m³ Abraum, der von Brodar 1929 zurückgelassen worden war. Bereits 2004 hatte Odar an derselben Stelle eine geringe Menge Höhlenlehm entnommen und darin ein kleines gebogenes Klingenstück entdeckt. Ein Hubschrauber der Slowenischen Streitkräfte brachte die 3 t Sediment als Außenlast in Säcken nach Solčava, wo sie am Fluss Savinja geschlämmt wurden. In den Schlämmrückständen fanden sich weitere 44 kg Bärenknochen, mehrere Steinwerkzeuge und 5 Fragmente von Geschossspitzen.

Schichtenfolge

Brodar grub am Höhlenende eine Fläche von ca. 120 m² bis zu einer Tiefe von etwas über 1 m aus. In einem Suchschnitt konnte er 17 Straten differenzieren, bevor in 4 m Tiefe die großen Felsblöcke des Grundversturzes erreicht waren. Die Fundschichten 5 und 4 enthielten 80 Spitzen, 1 Knochennadel, 2 bearbeitete Unterkieferhälften und die kleinteiligen Holzkohlereste einer Feuerstelle. Die anderen Schichten wiesen keine Spuren menschlicher Begehung auf.

Die beiden meistgenutzten Siedlungszonen mit den Hauptfundschichten 7 und 5 lagen im Zentrum direkt hinter der Trauflinie und etwa 15 m zurückversetzt im Westsektor, von dem 750 m² in Terrassen ausgegraben wurden. Hier fanden sich mehrere intensiv genutzte Feuerstellen, in denen sich 2 m³ Holzkohle mit bis zu faustgroßen Stücken erhalten hatten. Neben weiteren Spitzen stammen auch alle Steinwerkzeuge aus diesen Bereichen. Eine fast 10 m tiefe Sonde an der Westwand erreichte nicht die Felssohle.

Der Ostsektor am Höhleneingang umfasste Ende 1935 eine ergrabene Fläche von etwa 160 m². Die 500 m³ Sediment enthielten nur wenige Funde.

Funde

Fauna mini|Höhlenbärenreste aus der Potočka zijavka, ausgestellt im Regionalmuseum in Celje Im Zeitraum zwischen ca. 40.500 und 26.000 Jahren vor heute wurde die Potočka zijavka häufig von Höhlenbären zum Abhalten der Winterruhe aufgesucht. Von den bis zu 1500 kg schweren Tieren barg Brodar in den Schichten 3 bis 9 mehrere 10.000 Knochen, Zähne und Schädel, die von über 1000 Individuen stammten.Ausstellungstexte im Regionalmuseum Pokrajinski muzej Celje, Dauerausstellung Vorgeschichte, Raum 1: Fossilien, Steinzeit, September 2022 Bei den Grabungen Ende der 1990er Jahre waren es weitere fast 10.000 Stück, von mehr als 100 Tieren. Genetische Untersuchungen bestätigten die daraus gewonnen morphologischen und metrischen Daten, nach denen diese Tiere dem Gamssulzenbär (Ursus ingressus) aus dem Toten Gebirge am nächsten standen. Die Reste 40 anderer Tierarten wie zum Beispiel Höhlenlöwe, Wolf, Vielfraß, Rothirsch, Gämse, Alpenmurmeltier und Alpenkrähe waren nur im vorderen Höhlenbereich und in geringer Zahl vertreten. Neun dicht beieinander liegende, aus dem Oberkiefer eines Moschusochsen herausgebrochene Zähne, müssen durch den Menschen aus wesentlich tieferen Lagen in die Höhle gebracht worden sein.

Steingeräte Das lithische Inventar umfasst 329 Teile, rund ein Drittel davon gilt als verschollen. Vorhanden sind Schlagabfälle, mehrere Kerne und 64 typologisch überwiegend einheitliche Werkzeuge, die klassische Merkmale des frühen Aurignacien aufweisen. Die Klingen, Schaber und Kratzer sind meist seitlich retuschiert und weisen frische, wenig beschädigte Arbeitskanten auf, sie wurden demnach wenig bis gar nicht benutzt und später im Sediment kaum umgelagert. Das meistverwendete Rohmaterial ist brauner bis schwarzer Lydit, ein paläozoischer Radiolarit von mäßiger Qualität, der 20 km nördlich im Flussbett der Drau zu finden ist. Zum Einsatz kamen außerdem Rhyolith, Quarzit und Tuff.

Spitzen mini|Durch die heute beschädigte Öse der Knochenspitze Nr. 75 war vermutlich ein Lederriemen oder eine Schnur als Handschlaufe gezogen Aus den Höhlenablagerungen wurden bislang 129 Spitzen von Jagdwaffen mit massiver und 1 Exemplar mit gespaltener Basis geborgen. Solche Spitzen sind auch aus anderen mitteleuropäischen Fundstellen als Einzelfunde oder in wesentlich geringerer Anzahl bekannt und gelten als eine Leitform des Aurignacien. Josef Bayer definierte die Form dieser Lautscher Spitzen anhand der großen Knochenspitze aus der Höhle Bočkova dira bei Mladeč sehr allgemeingültig als „… ist die größte Verbreiterung gegen das eine, spitzzungenförmig auslaufende Ende gerückt, während das andere Ende langkonisch in eine Spitze ausläuft.“ Da sich viele Spitzen der Potočka zijavka von typischen Lautscher Spitzen formenkundlich und durch Ritzmuster unterscheiden, führte Lothar Zotz 1951 für diese den Begriff „Potočkaform“ ein, der auch abgewandelt als Typ Potočka zijalka oder Olševa Typ Verwendung findet.

Die meisten Spitzen sind wahrscheinlich aus Höhlenbärenknochen gefertigt, drei Stück bestehen aus Mammutelfenbein und zwei aneinander passende Spitzenfragmente aus Geweih.Beim Ausarbeiten der Spitzen ging die ursprüngliche Knochenform so weit verloren, dass eine sichere Zuordnung zu einer bestimmten Tierart nicht mehr möglich ist. Nur zwei der sechs durchgeführten DNA-Analysen lieferten hierfür entsprechend eindeutige Ergebnisse. Nur wenige sind vollständig erhalten, meist fehlt das terminale, spitz zulaufende Ende und in manchen Fällen die Basis, sodass die ursprüngliche Länge nur geschätzt werden kann. Sie variierte zwischen 40 und 270 mm, im Durchschnitt betrug sie 123 mm.