Flegessen ist einer von 16 Ortsteilen der Stadt Bad Münder am Deister (Landkreis Hameln-Pyrmont, Niedersachsen).

Geografie Flegessen liegt im Naturpark Weserbergland Schaumburg-Hameln. Der Ort liegt etwas abseits der Kreuzung der L 423 mit der Bundesstraße 217 zwischen Springe und Hameln. Nordöstlich liegt das Naturschutzgebiet Saupark Springe. Im Norden liegt der Deister und im Westen nahe dem Ort der Süntel.

Geschichte mini|Blick vom Süntelhang auf das Gut Flegessen, im Hintergrund der Ith

Frühmittelalter Nach der Siedlungsforschung wurden Orte mit den Endungen „-hausen“ und „-husen“ (abgeschliffen zu „-sen“), wie Flegessen, in der zweiten Hälfte des ersten Jahrtausends am Süntel in zweitrangiger Siedlungslage angelegt.Helga Knoke: Wald und Siedlung im Süntel. Eine siedlungsgeschichtliche Untersuchung. Rinteln 1968, S. 118. Frühe Ortsnamen waren „Flascereshusen“ und „Vlekedessen“.Vgl. zur Ortsnamenforschung das Niedersächsische Ortsnamenbuch (NOB). Es ist ein langfristig angelegtes Projekt des Instituts für Historische Landesforschung an der Universität Göttingen. Laut dem Historischen Kirchengemeindelexikon der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers gehörten Dorf und Gut in der karolingischen Okkupationszeit vermutlich dem Bonifatiusstift Hameln.

Ursprünglich gehörte das Gebiet, in dem Flegessen liegt, zum Gogerichtsbezirk und Untergau Goe auf der Hamel im Tilithigau des Stammesherzogtums Sachsen,Ludwig Fricke: Dorfchronik Welliehausen. Druck- und Verlagshaus J. C. Erhardt GmbH, Springe 2002, S. 18–22. sowie kirchlich zum um 800 unter dem römisch-deutschen Kaiser Karl der Große gegründeten Bistum Minden.

Flegessen gehörte zum Archiadiakonat Ohsen der Diözese Minden, das faktisch bis 1647/1648 bestand und infolge des Westfälischen Friedens offiziell aufgelöst wurde.

Spätmittelalter und Frühe Neuzeit 1259 gelangten Dorf und Gut Flegessen angeblich in das Obereigentum des Bischofs von Minden, der das Dorf und das Gut angeblich um 1275 an das Kloster Barsinghausen übertrug. Jedoch erwies sich eine entsprechende Urkunde von 1288 als eine Fälschung aus dem 15. Jahrhundert.HKLH, Einzelgemeinde Flegessen, zit. Westfälisches UB VI Nr. 1387 und UB Barsinghausen Nr. 79, abgerufen am 15. November 2025.

Die erste sichere urkundliche Erwähnung des Dorfes datiert auf das Jahr 1294;HLKH, Einzelgemeinde Flegessen, zit. UB Barsinghausen Nr. 79, abgerufen am 15. November 2025. ältere Zuschreibungen im Urkundenbuch des Klosters Fulda und in den Corveyer Traditionen sind zweifelhaft. Die Entwicklung des Dorfes Flegessen verlief parallel mit der des Gutes Flegessen.

Nachdem der letzte Besitz der Reichsgrafen von Hallermund um Springe 1411 durch Verkauf an das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel gefallen war, gehörte Flegessen von 1411 bis 1885 zum Amt Springe, mit Ausnahme der Zeit von 1537 bis 1586, in der der Ort zur Großvogtei Calenberg gehörte. Das Amt Springe gehörte im 15. und 16. Jahrhundert zum Fürstentum Calenberg, das aus dem welfischen Herzogtum Braunschweig-Lüneburg entstanden war. 1692 gehörte Flegessen zum Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg, 1814 zum Königreich Hannover und 1866 zur preußischen Provinz Hannover.

Um 1400 waren die von Halle,Beim Adelsgeschlecht von Halle (lat. de Hallis) handelte es sich um Mindener Ministerialen. Das Geschlecht starb 1721 im Mannesstamm aus. die von RumschöttelDie von Rumschöttel waren ein altes westfälisches Adelsgeschlecht aus dem Raum Paderborn und Lippe im Spätmittelalter. und die von ElzeDie braunschweigische Uradelsfamilie von Elze wurde im Jahr 1142 erstmals urkundlich erwähnt und starb im 16. Jahrhundert aus. Grundherren im Ort.HKLH, Einzelgemeinde Flegessen, abgerufen am 15. November 2025. Anfang des 14. Jahrhunderts hatten die Grafen von Spiegelberg Lehen in Flegessen.Heinrich Niclas: Chronik von Flegessen, Flegessen, 1958, S. 140. Später besaßen die Grafen von Lenthe aus dem Landadel der Grafschaft Wunstorf die Güter Flegessen und Hasperde. 1413 bis 1416 hielten Bruno und Dietrich von Eddingerode den OrtFlug, Bardehle: Urkundenbuch des Klosters Wittenburg, S. 51.

Das Adelsgeschlecht von Eddingerode staamte vermutlich aus der Wüstung Eddingerode auf dem Kronsberg in Hannover. und besaßen hier die Vogtei, das Kirchenpatronat und die Gerichtshoheit. Sie kauften 1415 die Güter Flegessen und Hasperde von den Grafen von Lenthe. Flegessen gelangte 1425/1427 in das Eigentum des Klosters Wittenburg.HKLH, Einzelgemeinde Flegessen, zit. UB Wittenburg Nr. 120–126, abgerufen am 15. November 2025. Mönche und Laienbrüder des Klosters Wittenburg bewirtschafteten die Ländereien des Gutes Flegessen, für das sich daher der Begriff Mönchshof herausbildete. 1462 wurde eine Flurbereinigung vorgenommen.

Neuere Geschichte 1543/1546 wurde die Reformation unter der Herzogin Elisabeth von Calenberg in Flegessen eingeführt. Theodorus Anholt war 1547 der erste lutherische Geistliche in Flegessen. Mindestens seit Mitte des 17. Jahrhunderts bestand eine Schule in Flegessen: „Der Lehrer Caspar Sielschott erscheint 1653 im Flegesser Kirchenbuch.“

Das Eigentum des Klosters Wittenburg wurde 1580 durch Herzog Heinrich Julius von Braunschweig und Lüneburg im Zuge der Säkularisierung eingezogen.HKLH, Einzelgemeinde Flegessen, abgerufen am 15. November 2025. Er schenkte das Gut seiner Ehefrau Elisabeth von Dänemark, die es 1608 an den Kammerherrn und Juristen Lorenz Berkelmann verlieh und es ihm 1615 verkaufte.HKLH, Einzelgemeinde Flegessen, abgerufen am 15. November 2025. 1633 kam das Dorf an die von Eddingerode.Manfred Willeke, 175 Jahre Realverband Forstgenossenschaft Holtensen im Landkreis Hameln-Pyrmont, Hameln, 2019, S. 37. Von 1675 bis 1805 gehörte es den (1638 geadelten) Calenberger Freiherren von Kipe und den aus einem Uradelsgeschlecht des Hochstifts Hildesheim (stiftisches Junkertum) stammenden Herren von Steinberg. Ab 1869 gehörte es den aus einem altsächsischen Uradelsgeschlecht stammenden Freiherren von Hake. Nach der Familie von Hake kam noch eine weitere Familie in den Besitz des Gutes, das heute verpachtet ist und als Landwirtschaftsbetrieb und Hofcafé genutzt wird. Von 1885 bis 1974 gehörte die Gemeinde Flegessen zum Kreis Springe/ab 1. Januar 1939 Landkreis Springe.

Am 29. November 1843 erfolgte im Rahmen einer Generalteilung die Teilung der Ostermark,Siehe Goe auf der Hamel. zu der u. a. die Forsten am Süntel, im Wiesblock und am Schweineberg gehörten. Nach der Teilung bildete sich u. a. die Forstgenossenschaft Flegessen. Von 1856 bis 1860 fand in Flegessen eine Flurbereinigung im Rahmen einer Agrarreform, mit Ablösung der Grunddienstbarkeiten, die noch im Lehnswesen wurzelten (Generalteilung/Gemeinheitsteilung sowie Spezialteilung) statt.

Der örtliche Pastor Julius Hermann Theodor Schramm (amtierte bis 1936) war Mitglied der Bekennenden Kirche und stand dem Nationalsozialismus ablehnend gegenüber.HKLH, Einzelgemeinde Flegessen, abgerufen am 15. November 2025.

Während des Zweiten Weltkrieges arbeiteten französische Kriegsgefangene als Zwangsarbeiter auf Bauernhöfen in Flegessen. Auf dem Gemeindefriedhof von Flegessen ruhen sechs Tote des Zweiten Weltkriegs und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Es handelt sich um drei Gräber von serbischen ZwangsarbeiternEine Gruppe von ca. 200 Zwangsarbeitern, die von Soldaten bewacht wurden, befand sich auf einem Marsch von Hessisch-Oldendorf nach Springe, als es auf der B217 bei Flegessen zu den Todesfällen kam. Siehe Witthinrich, 2022,S. 341. sowie um drei Gräber von deutschen Soldaten, die am 5. April 1945 während eines alliierten Tieffliegerangriffs in der Nähe von Flegessen von deutschem Flakfeuer auf der Bundesstraße 217 getötet und hier beigesetzt wurden. Ein deutscher Flakhelfer starb gegen Ende des Krieges durch einen Fliegerangriff bei Flegessen.

Neueste Geschichte Das Dorf Flegessen wurde durch die Gebietsreform am 1. Januar 1973 als einer von 16 Ortsteilen in die Stadt Bad Münder eingemeindet. (PDF; 196 kB) Am 1. März 1974 kam die Stadt Bad Münder am Deister und damit auch der Ortsteil Flegessen aus dem aufgelösten Landkreis Springe in den Landkreis Hameln-Pyrmont.Siehe „Landkreis Hameln-Pyrmont“.

Einwohnerentwicklung +Jahr1950196320172022Einwohnerzahl944636925945

Politik Ortsbürgermeister ist Cordt-Hinrich Piephoh (CDU).Ortsrat Hasperde-Flegessen-Klein Süntel in Gremien, Ratsinfo Bad Münder, abgerufen am 8. Mai 2025.

Flegessen hat einen gemeinsamen Ortsrat mit den Nachbarorten Hasperde und Klein Süntel. Die Dorfgemeinschaft der drei Dörfer wird durch 5 (von 53) Ratsherren und -frauen im Rat der Stadt Bad Münder vertreten.

Nach der Kommunalwahl vom 13. September 2026 sind die Ortsbürgermeister bisher noch nicht gewählt. Dies geschieht erst noch durch die neu gewählten Ortsratsmitglieder. +Ergebnisse der Ortsratswahlen 2016, 2021 und 2026 für die Gemeinde FlegessenErgebnisse der Ortsratswahlen 2016, 2021 und 2026 für die Gemeinde Flegessen nach dem Votemanager, abgerufen am 23. September 2026.ParteiWahl 2016Wahl 2021Wahl 2026SPD48,35 %23,04 %18,30 %CDU21,79 %39,27 %42,45 %Die Grünen13,48 %22,20 %17,29 %Bürgerliste Fle-Ha-KS -15,50 %21,96 %FDP5,33 % - -Die Unabhängigen0,32 % - -Die Linke2,26 % - -AfD5,49 % - -Die Partei1,29 % - -Piraten0,81 % - -UFB Hameln-Pyrmont0,89 % - -

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|St.-Petri-Kirche Unter der St.-Petri-Kirche von 1892 im neuromanischen Stil liegen noch Überreste der Vorgängerkirche aus der romanischen Zeitstellung, die angeblich aus dem 9. Jahrhundert stammt, gesichert aber Ende des 13. Jahrhunderts belegt ist.HKLH, Einzelgemeinde Flegessen, abgerufen am 15. November 2025. Sie enthält ein Kruzifix aus dem 15. Jahrhundert und ein Grabmal der Patronatsfamilie von Eddingerode von ca. 1600.Historische Kirchen auf Weserbergland.com Ein erster Dorffriedhof existierte bis 1849 auf dem Kirchhof. Ein zweiter Friedhof befand sich im Dorf beim früheren Armenhaus und wurde 1883 aufgelassen. Ein dritter Friedhof wurde 1883 im Kirchfelde, vor dem Dorf in Richtung Hasperde, angelegt. 1950 wurde dort eine Friedhofskapelle gebaut. Nach 1592 wurde das gegenüber der St.-Petri-Kirche liegende alte Pfarrhaus gebaut. Es wurde im Dreißigjährigen Krieg zerstört und 1649 erneuert. Das neue Pfarr- und Gemeindehaus wurde 1892 gebaut.HKLH, Einzelgemeinde Flegessen, abgerufen am 15. November 2025. Es steht unter Denkmalschutz, wurde 2018/2019 an die „Neues Leben in alten Mauern UG“ verkauft und wird seither als Mehrgenerationenhaus genutzt. Aus den Kirchenbüchern sind folgende Einträge erhalten geblieben und digitalisiert worden: Taufen und Trauungen ab 1651, Kommunikanten ab 1756 (Lücken 1805–1816, 1861–1875), Konfirmationen ab 1757 (Lücken 1762–1837), Begräbnisse ab 1651 (Lücken Mai 1749-August 1757). Ebenfalls im alten Ortskern befindet sich die 1970 und 2012 umfassend renovierte, unter Denkmalschutz stehende ehemalige Klosterschänke des Ortes. Es ist das älteste Fachwerkhaus der Region aus dem Jahr 1597. In Flegessen gibt es eine Dorfhochschule, ein Dorfkino und die Dorfzeitung „Süntelblatt“. Die Wassertretstelle an einem Panoramaweg am Eingang zum Süntel wurde vom ortsansässigen Verkehrs- und Verschönerungsverein (VVV) im Jahr 1989 gebaut und ist ein beliebtes Ausflugsziel für Wanderer im Süntel. Im unmittelbar nördlich von Flegessen angrenzenden Nachbardorf Klein Süntel gibt es eine Grabungsstätte „Alte Glashütte“.

Wirtschaft und Infrastruktur mini|Gut Flegessen, mit Eingang zum Hofcafé