Peter (I.) von Spaur (* 1345; † 1424) Landeshauptmann an der Etsch sowie Hauptmann des Bistums Trient. Er war einer der vermögendsten und einflussreichsten Tiroler Adeligen seiner Zeit, der als berüchtigter Kriegsherr in die Geschichte einging, und die Tiroler Linie des Adelsgeschlechts der Spaur gründete.

Leben Herkunft Peter war der zweitgeborene Sohn von Balthasar von Burgstall-Spaur und seiner Gattin Agnes(e) von Castelbarco.Walter Landi: Miles nobilis et honestus. Ulrich I di Coredo e i castellani di Valer prima degli Spaur. S. 106. Als Geburtsjahr wird in der Literatur das Jahr 1345 angegeben.Henri de Schaller: Généalogie de la maison des comtes Spaur de Flavon & Valör au Tyrol méridional. S. 22.Desiderio Reich: I castelli di Sporo e Belforte. S. 107.Alessandro Battisti, Andrea Biasi: Castel Valer e le sue stufe. S. 64. Er wurde vermutlich auf Schloss Kleinspaur () geboren, mit dem sein Großvater Volkmar von Burgstall 1333 belehnt worden war und das im Besitz seines Vaters Balthasar war.Desiderio Reich: I castelli di Sporo e Belforte. S. 51.

Früher Lebensweg Erstmals urkundlich erwähnt wurde er zusammen mit seinem Bruder Matthias, der auch als Matthäus dokumentiert ist, 1362 als Peter von Burgstall.Tobias Pamer: „wann das ewr gnad horen wil“. Der Rotulus des Peter von Spaur. Ein Zeugnis zur kriegerischen Auseinandersetzung und politischen Kommunikation der Spaurer Fehde. S. 78. Laut dem Dokument wurde ein Albertino di Sporo aus dem Geschlecht der Altspaur aus Spormaggiore am Nonsberg zum Vikar der beiden Brüder ernannt.Marco Bettotti: L’aristocrazia nel tardo medioevo. S. 427. In den folgenden Jahren festigten die beiden Brüder den Familienbesitz. 1371 verzichtete Simon von Thun, Herr von Schloss Bragher und Gatte der noch minderjährigen Catherina von Spaur sowie Schwester der beiden Spaurer, Ansprüche auf den Spaurischen Besitz geltend zu machen.Stefania Franzoi (Hrsg.): Famiglia Spaur di Castel Valer. Inventario dell’archivio storico (1231, copia - sec. XX prima metà). S. 27–28 1382 war Peter von Spaur Vikar des Tridentiner Fürstbischofs Albert von Ortenburg auf dem Nons- und Sulzberg.

1386 heiratete er die Witwe Konrads von Botsch, Dorothea von Laatsch.Stefania Franzoi (Hrsg.): Famiglia Spaur di Castel Valer. Inventario dell’archivio storico (1231, copia - sec. XX prima metà). S. 29. Durch seine Heirat erhielt Peter umfangreiche Besitzungen in Tramin. Als Vormund und Stiefvater der beiden Söhne seiner Gemahlin sicherte er sich später auch den Anspruch auf deren Besitz, darunter die Haderburg bei Salurn.Stefania Franzoi (Hrsg.): Famiglia Spaur di Castel Valer. Inventario dell’archivio storico (1231, copia - sec. XX prima metà). S. 35–36. 1389 kaufte er von seinem Cousin Heinrich, dem Sohn seines Onkels Matthäus von Burgstall-Flavon, dessen Anteile an der Grafschaft und der Burg Flavon.Südtiroler Landesarchiv (Hrsg.): Archiv Welsperg Spaur. S. 7. Bereits vorher war er vom Bischof mit Schloss Nanno belehnt worden.Katia Lenzi: Castel Nanno. S. 218. Zwei Jahre später bestätigte ihm der neue Fürstbischof des Hochstifts Trient, Georg von Liechtenstein, die Gerichtsbarkeit über Fai und über verschiedene Zehnten im Etschtal nördlich von Trient, wie Zambana. Das Lehen über Schloss Nanno gab er dagegen zurück.Desiderio Reich: I castelli di Sporo e Belforte. S. 107–108. Er sollte es sich 1411 im Zuge des von Herzog Friedrich IV. geführten Konfliktes mit Heinrich VI. von Rottenburg mit Waffengewalt wieder aneignen.Enzo Leonardi: Anaunia: Storia della Valle di Non. S. 133.

1393 wurde ihm das Lehen über Flavon von Herzog Albrecht III. von ÖsterreichStefania Franzoi (Hrsg.): Famiglia Spaur di Castel Valer. Inventario dell’archivio storico (1231, copia - sec. XX prima metà). S. 30. und nach dessen Tod die Lehen über Flavon, Kleinspaur und Metz von Herzog Leopold IV. von Österreich bestätigt.Südtiroler Landesarchiv (Hrsg.): Archiv Welsperg Spaur. S. 10. 1394 wurde Peter von Spaur zum bischöflichen Vikar der Judikarien ernannt.Desiderio Reich: I castelli di Sporo e Belforte. S. 108. Nach dem Tod seiner Frau Dorothea 1396 wurde ihr Erbe auf seinen Stiefsohn Gabein von Botsch und auf seine aus der Ehe hervorgegangenen Söhne Georg und Johann von Spaur gleichmäßig aufgeteilt. Im Jahr darauf erteilte ihm Kardinal Francesco Carbone die Erlaubnis für eine Pilgerfahrt in das Heilige Land und dem Besuch der Grabeskirche in Jerusalem.Stefania Franzoi (Hrsg.): Famiglia Spaur di Castel Valer. Inventario dell’archivio storico (1231, copia - sec. XX prima metà). S. 32.

Appenzellerkrieg 1403 schloss er sich mit Heinrich VI. von Rottenburg, Hofmeister auf Tirol und Hauptmann an der Etsch, und mit Osanna von Starkenberg, der Witwe von Sigmund von Starkenberg und Vormund ihrer noch unmündigen Söhne zu einem ersten Adelsbund zusammen. Nach der Intervention der Habsburger im gleichen Jahr im Appenzellerkrieg, wurde Peter von Spaur 1404 anstelle des in den Krieg gezogenen Rottenburgers zum Hauptmann an der Etsch ernannt. Später folgte der Spaurer seinem Bündnispartner nach.Claudia Feller: Das Rechnungsbuch Heinrichs von Rottenburg: ein Zeugnis adeliger Herrschaft und Wirtschaftsführung im spätmittelalterlichen Tirol. S. 47. Beim Versuch die in das Oberinntal vorgestoßenen Bundestruppen aufzuhalten, wurde ein von ihm angeführtes Tiroler Aufgebot im Juni 1406 an der Innbrücke bei Zams in die Flucht geschlagen.Josef Riedmann: Mittelalter. S. 466. Wenige Monate danach gab er das Amt des Hauptmanns an der Etsch im Oktober 1406 wieder an Heinrich VI. von Rottenburg ab.Claudia Feller: Das Rechnungsbuch Heinrichs von Rottenburg: ein Zeugnis adeliger Herrschaft und Wirtschaftsführung im spätmittelalterlichen Tirol. S. 48–49.

Unterstützung Belenzanis Als einer der vier Hauptleute stand Peter von Spaur an der Spitze des im März 1407 von Heinrich VI. von Rottenburg gegründeten Falkenbundes. Dem Bund trat auch eine Delegation der Stadt Trient bei, deren Bürger sich im Monat zuvor gegen Fürstbischof Georg von Liechtenstein erhoben hatten.Marco Bellabarba: Il principato vescovile di Trento nel Quattrocento. S. 395. Im anschließenden Machtkampf im Hochstift Trient zwischen Herzog Friedrich IV., seinem Stellvertreter Heinrich VI. von Rottenburg, den Aufständischen unter Führung von Rodolfo Belenzani und dem Bischof ergriff der seit August 1407 zum Hauptmann des Hochstifts ernannte Peter von Spaur für Belenzani Partei. Nach der Verhaftung Belenzanis im Oktober 1407 durch die Männer des Rottenburgers bürgte er mit 25.000 Dukaten für den Anführer der Aufständischen und bot ihm womöglich sogar Zuflucht auf seiner Burg.Tobias Pamer: „wann das ewr gnad horen wil“. Der Rotulus des Peter von Spaur. Ein Zeugnis zur kriegerischen Auseinandersetzung und politischen Kommunikation der Spaurer Fehde. S. 78–80. Die Gründe dafür bleiben im Dunkeln. Reich und andere Autoren führen eine Freundschaft zwischen Belenzani und dem Spaurer an, ohne dies weiter auszuführen.Desiderio Reich: I castelli di Sporo e Belforte. S. 110. Bellabarba vermutet, dass Teile des Adels sich mit den Aufständischen verbunden fühlten.Marco Bellabarba: Il principato vescovile di Trento nel Quattrocento. S. 396. Ausserer spricht in dem Zusammenhang über Peter von Spaur als einen skrupellosen, gewalttätigen Machtmenschen, der seinen eigenen Interessen nachging.Carl Ausserer: Der Adel des Nonsberges: Sein Verhältnis zu den Bischöfen und zu den Landesfürsten, seine Schlösser, Burgen und Edelsitze, seine Organisation, Freiheiten und Rechte. Die „Nobili rurali“. S. 183. Nach Mosca versuchte Peter von Spaur, wie andere Adelige aus dem Nonstal, aus dem Aufstand von 1407 und dem aus dem Konflikt zwischen Fürstbischof und Landesfürst entstandenen Machtvakuum zu profitieren und seine eigene Position im Tal auszubauen.Alberto Mosca: Fortes Fortuna Iuvat. Gli uomini d’armi di Casa Spaur. S. 198.

Die Gefangennahme und Freilassung Belenzanis belastete das Verhältnis mit dem Landesfürsten Herzog Friedrich IV. Peter von Spaur wurde deswegen später auch vom Herzog angeklagt.Tobias Pamer: „wann das ewr gnad horen wil“. Der Rotulus des Peter von Spaur. Ein Zeugnis zur kriegerischen Auseinandersetzung und politischen Kommunikation der Spaurer Fehde. S. 80. Als Belenzani Anfang Jänner 1408 nicht wie vereinbart vor Gericht erschien, wurde Peter von Spaur mit einem seiner Söhne verhaftet. Erst nach heftigen Protesten einiger tridentinischer Adeliger wie den Lodron und den Arco wurde er und sein Sohn freigelassen, musste aber zugleich versprechen den Landesfürsten in Zukunft im Kampf gegen die Aufständischen zu unterstützen.Marco Bellabarba: Il principato vescovile di Trento nel Quattrocento. S. 397. Dennoch wurde ihm später von Friedrich IV. vorgeworfen bei der endgültigen Niederschlagung des Aufstands 1409 Belenzani militärisch unterstützt zu haben. Anschuldigungen, die er jedoch zurückwies.Tobias Pamer: „wann das ewr gnad horen wil“. Der Rotulus des Peter von Spaur. Ein Zeugnis zur kriegerischen Auseinandersetzung und politischen Kommunikation der Spaurer Fehde. S. 81.

Rottenburger Fehde Aus dem politischen Chaos im Hochstift Trient versuchte nun auch Heinrich VI. von Rottenburg Kapital zu schlagen. Der Rottenburger schreckte auch nicht davor zurück 1409 einen Mordanschlag auf seinen ehemaligen Verbündeten Peter von Spaur auszuüben. In der anschließenden Rottenburger Fehde mit Herzog Friedrich IV. unterstützte Peter den Landesfürsten. In dem Konflikt gelang es ihm seinen Herrschaftsbereich auf dem Nonsberg auf Kosten des Rottenburgers auszudehnen. Mehrere Burgen wurden mit Waffengewalt eingenommen. Nach dem Tod Heinrichs 1411 war Peter von Spaur einer der bedeutendsten und einflussreichsten Adeligen im Hochstift Trient und hatte sich die Gunst des Herzogs erworben.Tobias Pamer: „wann das ewr gnad horen wil“. Der Rotulus des Peter von Spaur. Ein Zeugnis zur kriegerischen Auseinandersetzung und politischen Kommunikation der Spaurer Fehde. S. 82–84. Schon einige Jahre zuvor wurde er zum Hauptmann an der Etsch, im Inntal und im Hochstift Trient ernannt.Tobias Pamer: „wann das ewr gnad horen wil“. Der Rotulus des Peter von Spaur. Ein Zeugnis zur kriegerischen Auseinandersetzung und politischen Kommunikation der Spaurer Fehde. S. 78.

Habsburger Bruderzwist Nachdem 1415 über Friedrich IV. wegen seiner Unterstützung des Gegenpapstes Johannes XXIII. im Konstanzer Konzil die Reichsacht verhängt worden war, riefen die Tiroler Adeligen unter Führung von Peter von Spaur den Bruder Friedrichs, Herzog Ernst I. von Österreich, genannt „der Eiserne“, ins Land, der die Regierungsgeschäfte der Grafschaft übernehmen sollte. Im anschließenden Bruderzwist zwischen den beiden Habsburgern um die Grafschaft wurde Peter von Spaur von Herzog Ernst unterstützt.Tobias Pamer: „wann das ewr gnad horen wil“. Der Rotulus des Peter von Spaur. Ein Zeugnis zur kriegerischen Auseinandersetzung und politischen Kommunikation der Spaurer Fehde. S. 85–86. Peter nutzte dies aus und übte nach Ausserer eine „Schreckensherrschaft“ auf dem Nonsberg aus. Er eroberte eine Reihe von Burgen, die sich in den Händen von den Anhängern Friedrichs IV. befanden, darunter die Burgen Altspaur, Belasi, Visione, Rocchetta, Coredo, Livo und Mollaro.Carl Ausserer: Der Adel des Nonsberges: Sein Verhältnis zu den Bischöfen und zu den Landesfürsten, seine Schlösser, Burgen und Edelsitze, seine Organisation, Freiheiten und Rechte. Die „Nobili rurali“. S. 184.