Ernst Albert Karl Holstein (* 14. Mai 1901 in Lichtenberg bei BerlinGeburtsregister Standesamt Lichtenberg I, Nr. 623/1901; † 30. August 1985 in Berlin) war ein deutscher Mediziner und Professor an der Humboldt-Universität Berlin, der bedeutende Forschungen zur Arbeitshygiene veröffentlichte.

Leben Holstein, Sohn eines Tischlermeisters, schloss das Gymnasium ab und studierte Medizin. 1926 wurde er in Berlin promoviert. Er war Mitglied des Corps Baltia Berlin (heute Corps Silingia Breslau zu Köln).Verzeichnis der alten Rudolstädter Corpsstudenten. (AH Liste des RSC). 1928, ZDB-ID 1350548-8, Nr. 1993 Von 1925 bis 1928 war er, als Mitarbeiter Ernst W. Baaders, Assistenzarzt an der klinischen Abteilung für Gewerbekrankheiten am Auguste-Viktoria-Krankenhaus in Berlin-Lichtenberg. 1928 wurde er zum Gewerbemedizinalrat in Frankfurt (Oder) berufen, was er bis 1945 blieb. 1940 wurde er an der Medizinischen Akademie Danzig habilitiert und wurde hier Dozent für Gewerbehygiene. Im Juni 1946 trat Holstein der Liberal-Demokratische Partei Deutschlands (LDP) bei.

1946/47 war Holstein Stadtarzt und Leiter des Gesundheitsamts in Frankfurt (Oder). 1946 kehrte er nach Berlin zurück und wurde Dozent für Hygiene und Berufskrankheiten an der Humboldt-Universität Berlin. Außerdem hatte Holstein ebenfalls einen Lehrauftrag an der renommierten Berliner Charité u. a. für Gebwerbekrankheiten.Landesarchiv Berlin. C Rep. 118 Magistrat von Berlin, Abteilung Gesundheits- und Sozialwesen. Findbuch 2010. S. 129. 1947 wurde er zum Professor mit Lehrauftrag berufen. Im selben Jahr wurde Holstein Referats- und Abteilungsleiter für Arbeitsmedizin bei der Deutschen Zentralverwaltung für Gesundheitswesen und Leiter der Hauptabteilung Arbeitsschutz bei der Deutschen Zentralverwaltung für Arbeit und Soziales. Diese Stelle hatte er bis 1951 inne, wobei bereits 1948 in einem internen Vermerk der Personalabteilung kritisch angemerkt wurde, dass Holstein den neuen sozialpolitischen Rahmenbedingungen aufgrund seiner liberaleren Ausrichtung nicht genug Rechnung trage.

Von 1951 bis 1961 war er stellvertretender Direktor des Zentralinstituts für Sozial- und Gewerbehygiene und baute dieses mit auf. Von 1957 bis 1983 war Holstein Leiter des Nationalen Sekretariats der DDR bei der Ständigen Kommission und Internationalen Vereinigung für Arbeitsmedizin und von 1961 bis 1964 Präsident der Gesellschaft für die gesamte Hygiene und leitete die Forschungsgruppe Rehabilitation. Hier war er Nachfolger von Paul Oesterle.

Zudem war Holstein Gründungsdirektor und von 1961 bis 1966 Leiter des Zentralinstituts für Arbeitsmedizin und Prorektor der Akademie für Ärztliche Fortbildung der DDR.

Wirken Holstein wurde auch Nestor der Arbeitsmedizin in der DDR genannt125 Jahre Hygiene-Institute an Berliner Universitäten - Eine Festschrift Link und zählte zu den bedeutendsten Sozialhygienikern der DDR.

Er forschte insbesondere zur Arbeitshygiene und dem Arbeitsschutz von Arbeitern, Beamten und Angestellten sowie dem Einfluss unterschiedlicher Gefahrenstoffe und Bedrohungslagen im Zusammenhang mit ausgeführten Tätigkeiten im Beruf. So forschte Holstein im Bereich Intoxikationen durch Quecksilber, Blei, Nitro- und Aminoverbindungen sowie Silikoseerkrankungen.

Des Weiteren erkannte er sehr früh, dass Spitzenleistungen und der Einfluss von Ermüdung und Pausen auf die Leistungsfähigkeit zusammenhängen. Beispielsweise forderte Holstein, dass die Bemessung der Löhne nach dem Leistungsprinzip anhand der durchschnittlichen Person vorgenommen werden sollte. Holstein stieß zahlreiche wissenschaftliche Versuche an, wie man Arbeitsdruck ausgleichend begegnen kann.

Sein Buch Grundriss der Arbeitsmedizin entwickelte sich zu einem Standardwerk.

Ehrungen 1956: Vaterländischer Verdienstorden (DDR) 1984: Ehrendoktor der Akademie für ärztliche Fortbildung der DDR

Schriften (Auswahl) Sortiert nach Erscheinungsjahr (absteigend): Holstein, E. &, Renker, K. (1962). Arbeiterfolge auf dem Gebiet der Rehabilitation in der Deutschen Demokratischen Republik. Verlag Volk und Gesundheit, Berlin. Holstein, E. (1962). Arbeitshygienische Fragen der Körperschutzmittel im Bergbau. In: Freiberger Forschungshefte, Bände 190–195. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie, 5–10. Holstein, E. (1958). Gefährdung der Anwohner durch Betriebseinflüsse. In: Zeitschrift für die Gesamte Hygiene und ihre Grenzgebiete, Jg. 4, Heft 3/4, 202–207. Holstein, E. (1957). Berufliche Erkrankungen durch Lösemittel und andere arbeitsmedizinische Probleme. Barth, Leipzig. Gutmann W. &, Holstein, E. (1952). Arbeits- und Gesundheitsschutz in der Glas- und keramischen Industrie. 2., erweiterte Auflage. Fachbuchverlag, Leipzig. Holstein, E. (1951). Die Melde- und Entschädigungspflicht der Berufskrankheiten. Barth, Leipzig (diverse Auflagen). Holstein, E. (1949). Grundriss der Arbeitsmedizin. Barth, Leipzig (diverse Auflagen; 5. Auflage 1969). Holstein, E. (1948). Arbeitsschäden in der Holzindustrie. Zentralvorstand der IG Holz in der sowjetischen Besatzungszone (Hrsg.). Holstein, E. (1947). Gase im Berufsleben. In: Arbeit und Soziales, Nr. 12, S. 290ff. Holstein, E. (1937). Benzolerkrankungen bei Gummiklebern. In: Neue Medizinische Welt, Nr. 12, S. 391ff. Holstein E., (1937). Beiträge zur Trichloräthylenvergiftungen. In: Zentralblatt für Gewerbehygiene, Jg. 14, Nr. 49. Holstein, E. (1935). Die Gesundheitsgefahren des Malerberufs unter besonderer Berücksichtigung der gewerblichen Bleivergiftung. 1. Teil. In: Neue medizinische Welt, Jg. 9, 183–185. Baader, E. W. &, Holstein, E. (1933). Das Quecksilber, seine Gewinnung, technische Verwendung und Gifteinwirkung mit einer eingehenden Darstellung der gewerblichen Quecksilbervergiftung nebst Therapie und Prophylaxe. R. Schoetz, Berlin. Kremer, D. &, Holstein, E. (1931). Hygiene im Büro und im kaufmännischen Betriebe, Springer, Berlin (diverse Auflagen). Mitherausgeber der Zeitschriften: Zeitschrift für die gesamte Hygiene und ihre Grenzgebiete Internationales Archiv für Gewerbepathologie und Gewerbehygiene International Archives of Occupational and Environmental Health Arbeitshygiene (Schriftenreihe)

Literatur

Günther Buch: Namen und Daten. Biographien wichtiger Personen der DDR. Dietz, Berlin (West)/Bonn-Bad Godesberg 1973, ISBN 3-8012-0020-5. Gabriele Baumgartner, Dieter Hebig (Hrsg.): Biographisches Handbuch der SBZ/DDR. 1945–1990. Band 1: Abendroth – Lyr. K. G. Saur, München 1996, ISBN 3-598-11176-2.

Weblinks

Einzelnachweise

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