Fürstenau () ist eine politische Gemeinde im Schweizer Kanton Graubünden. Sie gehört zur Region Viamala.
Geographie Fürstenau besteht aus dem historischen Städtchen Fürstenau und dem Ortsteil Fürstenaubruck über dem Zusammenfluss von Hinterrhein und Albula. Fürstenau ist im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung eingetragen.
Geschichte mini|links|Fürstenau mit dem Bischöflichen Schloss hinten links und Schloss Schauenstein rechts hinter dem Stoffelhaus mini|links|In Fürstenau Mairaus, der alte Name von Fürstenau, wird urkundlich erstmals in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts erwähnt. Der neue Name ist erstmals 1257 mit Fürstinowe belegt. Fürst bezieht sich hier auf den Bischof von Chur, in dessen Eigentum der Meierhof von Fürstenau war. Der Name wurde erst später auch auf die danach erbaute Burg übertragen.
Zwei mittelalterliche Wehr- oder Wohntürme und ein bischöflicher Hof waren die Vorgänger der landesherrlichen Grossburg aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Kaiser Karl IV. gestand Fürstenau 1354 Stock und Galgen sowie zwei Jahrmärkte zu. Gleichzeitig erscheint Fürstenau urkundlich als oppidum. Mit seiner Burg bildete es das Verwaltungszentrum der bischöflicher Besitzungen im Domleschg und am Heinzenberg. Wegen der deutschsprachigen Herkunft der meisten Churer Bischöfe und Domherren war Fürstenau ein Zentrum deutschsprachigen Einflusses im rätoromanischen Tal. Die Gerichtsgemeinde Fürstenau als Glied des 1367 gegründeten Gotteshausbundes entsprach den unter bischöflicher Herrschaft stehenden Nachbarschaften Fürstenau, Scharans, Almens (bis 1845 mit Pratval) und ab 1456 mit Sils im Domleschg.
Das Schloss war der Sitz des bischöflichen Landvogts, dem die hohe Gerichtsbarkeit über die Gerichte Fürstenau und Ortenstein, Obervaz und Heinzenberg zustand. Es war oft Residenz der Bischöfe von Chur und Versammlungsort des Gotteshausbundes. So tagte unter anderem hier 1464 ein Schiedsgericht in Anständen zwischen dem Bistum und Herzog Siegmund von Tirol wegen des Unterengadins. 1468 versammelten sich daselbst Abgeordnete des ganzen Gotteshausbundes, um dem Bischof eine Art Verfassung aufzunötigen.
Erst in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts konnte der Bischof die Territorialhoheit im inneren Domleschg gegen die Werdenberger durchsetzen. 1527 wurden die letzten bischöflichen Herrschaftsrechte ausgekauft. 1667 bis 1676 wurde das Schauenstein’schen oder Oberen Schlosses, 1709 bis 1711 das Bischöfliche oder Untere Schloss neu erbaut. Zusammen mit Ortenstein bildete die Gerichtsgemeinde Fürstenau bis 1851 das Hochgericht Ortenstein. 1354 wird die Kirche St. Michael und Georg, später Heilige drei Könige, erwähnt. Die Reformation fand in Fürstenau vor 1530 statt.
Fürstenaubruck (oder Zollbrugg) am Rheinübergang verband über den alten Schinweg die Septimer- mit der Splügen-/San-Bernhardinoroute. Mit dem Bau der linksrheinischen Fahrstrasse über Thusis verlor die Brücke an Bedeutung und wurde im 19. Jahrhundert aufgegeben. Dank der gleichzeitig beginnenden Rheinverbauungen gewann Fürstenau an Kulturland für Futterbau, Vieh- und Milchwirtschaft. 2000 arbeiteten fast alle Personen, die in Fürstenau erwerbstätig waren, im dritten Wirtschaftssektor. 1841 bis 1855 bestand in Fürstenau eine Korrektions- und Armenanstalt und 1878 bis 1895 ein Spital. 1990 wurde das regionale Alters- und Pflegeheim erbaut.
Wappen
Bevölkerung Bevölkerungsentwicklung Jahr 1803 1850 1860 1888 1900 1930 1950 1980 1990 2000 2005 2016 2020 Einwohner 107 304 244 316 235 200 253 198 271 311 329 345 350
Eine erste Auswandererwelle gab es zwischen 1850 und 1860. Die Bevölkerung sank damals innert eines Jahrzehnts um 19,74 %. Danach wuchs die Einwohnerzahl ununterbrochen an bis ins Jahr 1888, als 316 Bewohner gezählt wurden (1860–1888: + 29,51 %). Zwei weitere Auswandererwellen zwischen 1888 und 1900 sowie 1910 und 1930 liessen die Bevölkerung auf ein historisches Zwischentief von 200 Personen im Jahr 1930 sinken (1888–1930: −36,71 %). Danach kam es zu einem starken Wachstum bis 1950, gefolgt von einer letzten Auswanderungswelle zwischen 1950 und 1980. Nach dem historischen Tief von 1980 wuchs die Bevölkerung rasch an.
Grund hierfür sind die schöne Landschaft kombiniert mit einer guten Verkehrsanbindung (Schiene, Autobahn). Die jungen Leute aus dem Dorf bleiben und pendeln, statt Fürstenau zu verlassen. Gleichzeitig ziehen viele „Unterländer“ zu. Sprachen Ursprünglich sprachen die Bewohner als Umgangssprache Sutselvisch, eine Mundart des Bündnerromanischen. Doch schon früh gingen die Bewohner zur deutschen Sprache über. Während 1880 noch 20 % der Bevölkerung romanischer Muttersprache waren – und dies bis 1900 so blieb – sank der Anteil 1910 auf 14 % und 1941 auf 11 %. Seither sank er stetig weiter. Die Gemeinde ist heutzutage nahezu völlig deutschsprachig. Dies belegt auch folgende Tabelle:
Sprachen in Fürstenau GR Sprachen Volkszählung 1980 Volkszählung 1990 Volkszählung 2000 Anzahl Anteil Anzahl Anteil Anzahl Anteil Deutsch 170 85,86 % 243 89,66 % 287 92,28 % Rätoromanisch 13 6,57 % 15 5,54 % 10 3,22 % Italienisch 10 5,05 % 4 1,48 % 6 1,93 % Einwohner 198 100 % 271 100 % 311 100 %
Herkunft und Nationalität Von den 329 Bewohnern am Ende des Jahres 2005 waren 303 (= 92,10 %) Schweizer Staatsangehörige.
Sehenswürdigkeiten mini|Stoffelhaus
Seit dem 19. Jahrhundert ist das Burgstädtchen Fürstenau baulich fast unverändert geblieben und ist deshalb als Ensemble eine Sehenswürdigkeit. Daneben besonders zu erwähnen sind: Reformierte Dorfkirche Schloss Schauenstein oder Oberes Schloss Bischöfliches Schloss oder Unteres Schloss StoffelhausStoffelhaus. Auf: PortaCultura, abgerufen am 26. August 2025. Casa Aperta
Persönlichkeiten Fortunat von Juvalta (1567–1654), Landvogt in Fürstenau
Literatur Erwin Poeschel: Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden III. Die Talschaften Räzünser Boden, Domleschg, Heinzenberg, Oberhalbstein, Ober- und Unterengadin (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 11). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1940. Markus Rischgasser: Fürstenau – Stadt im Kleinstformat (= Schweizerische Kunstführer. Nr. 697, Serie 70). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 2001, ISBN 3-85782-697-5.
Weblinks
Offizielle Website der Gemeinde und Stadt Fürstenau
Fürstenau Tourismus (Fotos) auf viamala.ch
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Domleschg Kategorie:Schweizer Gemeinde Kategorie:Ort am Hinterrhein Kategorie:Ortsbild von nationaler Bedeutung im Kanton Graubünden
Kategorie:Ersterwähnung im 12. Jahrhundert