Die Schlacht um Imphal war eine größere Schlacht des Zweiten Weltkriegs zwischen britischen und japanischen Streitkräften, die als Teil der Operation U-gō zwischen März und Juli 1944 im Großraum der Stadt Imphal im Bundesstaat Manipur (damals Britisch-Indien) ausgefochten wurde. Teile der Schlacht fanden auch in Myanmar (damals Britisch-Burma) statt.

Die Schlacht um Imphal ist eng mit der Schlacht um Kohima verknüpft, welche, ebenfalls als Teil von U-gō, in der Nähe und in derselben Zeitspanne (4. April – 22. Juni 1944) ausgefochten wurde.

Hintergrund Das Japanische Kaiserreich war seit 1937 in einen Krieg gegen die Republik China verwickelt. Japan hatte danach nicht nur im Jahr 1940 die französische Kolonie Indochina besetzt, sondern im Dezember 1941 zusätzlich auch das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten angegriffen (siehe auch: Angriff auf Pearl Harbor, Schlacht um Hongkong, Chronologie des Pazifikkrieges). links|mini|Japanische Geländegewinne im Burmafeldzug, Mitte 1942 Am 16. Januar 1942 begann mit einem Grenzübertritt japanischer Truppen aus dem mit Japan verbündeten Thailand nach Britisch-Burma (heute: Myanmar) der Burmafeldzug, der von 1942 bis 1945 andauern sollte. Die japanischen Geländegewinne des Jahres 1942 waren nicht nur in Burma beachtlich; Japan fügte den Alliierten im Verlauf des Jahres mehrere schmerzhafte Niederlagen (etwa bei Singapur) zu. Die japanischen Hauptziele in Burma waren die Unterbrechung der Burmastraße, von welcher aus die Republik China mit britischem Nachschub versorgt wurde, und die Beendigung der britischen Kolonialherrschaft in Indien, wo sich die Japaner einen möglichen Verbündeten versprachen. Hierzu begründeten die Japaner im Jahr 1942 die Indische Nationalarmee, gefolgt im Jahr 1943 von einer antibritischen Exilregierung für Indien (Azad Hind). Die INA bezog ihre Rekruten sowohl aus britisch-indischen Kriegsgefangenen der Japaner, welche vor allem nach dem Fall Singapurs in japanische Hände gefallen waren, als auch aus indischen Zivilisten aus Südostasien und später aus dem japanisch besetzten Burma, welche sich für die indische Befreiung von britischer Herrschaft begeisterten.

Die Japaner machten im Verlauf des Jahres 1942 in Burma große Geländegewinne (Japanische Eroberung Burmas 1942), und schon bald begannen auf beiden Seiten Planungen für eine Verlagerung der Kampfhandlungen von Britisch-Burma nach Britisch-Indien. Das Tal von Imphal (engl.: Imphal Valley) ist einer der am wenigsten bergigen Abschnitte der Grenze zwischen Indien und Burma, und die Straßen durch Manipur wurden zur wichtigsten britischen Nachschublinie für Burma. Hierbei spielte die Stadt Imphal als regionaler Knotenpunkt eine wichtige Rolle. Das Burma Corps (kommandiert von William Slim) hatte sich im längsten Rückzug der britischen Militärgeschichte (über eine Strecke von 1.500 Kilometern in fünf Monaten) von Südburma nach Indien zurückgezogen, und zudem bildeten sich starke Flüchtlingsströme von Burma nach Indien. links|mini|hochkant|William Slim, Kommandeur des Burma Corps und XV. Corps, später der 14. Armee, 1950 Die Japaner hatten indes ihr Hauptziel in Burma, die Burmastraße, erreicht und gaben sich zunächst damit zufrieden, sich östlich des Flusses Chindwin einzugraben. Diese Entscheidung ist insofern bemerkenswert, als dass es auf der britischen Seite sehr wenige militärische Kräfte gab, die eine Fortsetzung der japanischen Vormärsche nach Nordostindien hätten stoppen können. Jedoch gab es aus japanischer Sicht gute Gründe, den Vormarsch zunächst nicht fortzusetzen: die japanischen Nachschublinien in Burma waren überdehnt, und die Japaner kämpften an so vielen Fronten gleichzeitig, dass mit großen Verstärkungen nicht zu rechnen war. Aus diesen Gründen ließen die Japaner (nicht ohne interne Kritik) ihre Chance des Jahres 1942 auf einen schnellen Durchstoß nach Nordostindien verstreichen; die Alliierten begannen indes mit der Befestigung der Region. Das IV. Corps wurde aus Großbritannien und dem Nahen Osten nach Imphal versetzt und die Infrastruktur in Nordostindien mit zusätzlichen Straßen und Eisenbahnlinien verbessert. Im August 1943 wurde in Burma die 14. britische Armee aufgestellt. William Slim, vormals Kommandeur des Burma Corps, übernahm den Oberbefehl über die neue Armee.

Die Alliierten waren sich bezüglich der Fortsetzung des Krieges uneinig: die Regierung der Vereinigten Staaten unter Franklin D. Roosevelt war traditionell ein enger Partner der Republik China; die Amerikaner wollten die Burmastraße schnell zurückerobern, um den Chinesen erneut wichtigen Nachschub senden zu können. Die Briten wollten einen Landkrieg in Burma zunächst vermeiden und zogen eine amphibische Lösung vor, auch wenn diese aufgrund der begrenzten Zahl militärischer Landungsboote auf kurze Sicht nicht in Frage kam. Die britische Aversion gegen einen Landkrieg in Burma verstärkte sich, weil ein britischer Vorstoßversuch in Küstennähe, der Arakan-Feldzug (1942–43), scheiterte. links|mini|hochkant|Generalleutnant Renya Mutaguchi kommandierte während der Doppelschlacht bei Imphal und Kohima die japanische 15. Armee.

Die britischen Teilerfolge in der Operation Longcloth (Februar 1943) der Chindits unter Führung von Orde Wingate, in welcher etwa 3.000 britische Soldaten die japanischen Linien infiltrierten und dort kriegswichtige Infrastruktur angriffen, zeigte den Japanern um Renya Mutaguchi jedoch, dass Kriegführung in Nordburma möglich und sogar erfolgversprechend war. Mutaguchi, seit März 1943 Kommandeur der 15. Armee, forderte nun erneut beim japanischen Oberkommando die Wiederaufnahme der japanischen Offensive in Nordostindien; ein wichtiges Ziel hierbei war es, die US-amerikanische Luftbrücke nach China („The Hump“) zu kappen. Dieser Plan fand auch die Unterstützung von Subhash Chandra Bose, einem nationalistischen Führer der indischen Unabhängigkeitsbewegung aus Kalkutta. mini|Operation U-gō 1944: Japanischer Doppelangriff auf Imphal und Kohima Letztendlich wurde durch das japanische Oberkommando den Forderungen Mutaguchis stattgegeben; das Ergebnis der japanischen Offensivplanungen war die Operation U-gō. Das Hauptziel von U-gō war die Eroberung des wichtigen Knotenpunkts Imphal. Um die Operation zu verschleierten, führten die Japaner im Februar 1944 einen Scheinangriff in Arakan, die Operation Ha-gō.

Kräfteverhältnis Alliierte mini|Britische Mörsereinheit der 19. ind. Division Am Vorabend des 8. März 1944, des Beginns der Schlacht um Imphal, standen den britischen Verteidigern der 14. Armee drei Infanteriedivisionen der britisch-indischen Armee zur Verfügung (17., 20., 23.), organisiert im IV. Corps. Im Verlauf des März 1944 kam noch die 50. indische Fallschirmbrigade dazu. Später wurden die Verteidiger durch Elemente weiterer indischer Divisionen (zwei Brigaden der 5. Division und eine Brigade der 7. Division) zusätzlich verstärkt. Schwerere Waffen standen in Form der 254. Panzerbrigade zur Verfügung; die 254. Brigade war mit US-amerikanischen Kampfpanzern der Typen M3 Lee/Grant und M3 Stuart ausgerüstet. Dazu kamen Artillerieeinheiten mit verschiedenen Waffensystemen in mehreren Artillerieeinheiten. Zum Höhepunkt der Kämpfe erreichten die Alliierten eine Maximalstärke von 120.000 Mann (ohne das XXXIIII. Corps, welches die Kämpfe ganz zum Schluss unterstützte).

Kommandeur der britischen 14. Armee war William Slim. Ihm unterstand das IV. Corps unter Geoffry Scoones. Die zugeteilte 17., 20. und 23. Division wurde jeweils von den Generalen David Tennant Cowan, Douglas Gracey und Ouvry Roberts befehligt. Scoones hatte das IV. Corps für eine begrenzte Offensive im Frühjahr 1944 vorbereiten wollen und hatte deswegen die 17. Division 260 Kilometer südlich von Imphal bei Tiddim aufgestellt, während die 20. Division etwa 50 Kilometer südöstlich von Imphal bei Tamu stand.

Achsenmächte mini|Soldaten der 31. jap. Division in Burma, März 1944 Die japanische 15. Armee, Teil der Regionalarmee Burma, verfügte zu Schlachtbeginn über 84.000 Soldaten, welche auf drei Divisionen verteilt waren. Die 31. Division (15.000 Mann) war nicht an der Schlacht von Imphal beteiligt und marschierte stattdessen weiter nördlich gegen Kohima (siehe: Schlacht um Kohima). Damit verblieben der 15. Armee die 15. Division (15.000 Mann) und die 33. Division (18.000 Mann). Weiterhin waren der Armee noch einmal 36.000 Soldaten direkt unterstellt. Im Verlauf der Schlacht erhielt die 15. Armee Verstärkung in Form von etwa 4.000 weiteren japanischen Soldaten. Die 15. Division litt schon zu Schlachtbeginn unter ernsthaftem Personalmangel (auch da Teile der Division der Operation Thursday der Chindits entgegenwirken mussten) und hatte viel zu wenige Artilleriegeschütze. Die Hauptwaffensysteme der Artillerie auf japanischer Seite waren das Bataillonsgeschütz 70mm Typ 92, und das Feldgeschütz 75mm Typ 90.

Die Japaner wurden durch die 1. Division der Indischen Nationalarmee unterstützt. Mit etwa 6.000 Mann waren die Truppen des „Freien Indien“ die mit Abstand kleinste der beteiligten Fraktionen der Schlacht. Die Kampfkraft der INA wurde zusätzlich dadurch herabgewertet, dass es sich bei vielen ihrer Kämpfer um Paramilitärs mit mangelhafter Ausbildung handelte. Die INA blieb im Verlauf der Schlacht logistisch völlig auf die Japaner angewiesen.

Der Befehlshaber der 15. Armee war Renya Mutaguchi, welcher sich als Divisionskommandeur der 17. Division bei der Schlacht um Singapur 1942 einen Namen gemacht hatte. Ihm unterstanden die Kommandeure der 15. und der 33. Division, Masafumi Yamauchi und Genzō Yanagida. Beide Divisionskommandeure wurden im Verlauf der Schlacht abgelöst; Yamauchi wurde durch Uichi Shibata ersetzt, Yamauchi durch Nobuo Tanaka.

Schlachtverlauf Die Schlacht von Imphal lässt sich grob in vier Phasen teilen. In der ersten Phase (März bis Mitte April) marschierten die Japaner aus drei Richtung auf Imphal vor. In der zweiten Phase (Mitte April bis Mai) führten die beiden Seiten eine ausgeglichene Abnutzungs- und Materialschlacht gegeneinander. Die dritte Phase (Juni 1944) war geprägt durch eine allmähliche Verschiebung des militärischen Vorteils zu den Briten, während die vierte Phase (Juli 1944) durch den Rückzug der japanischen Truppen geprägt ist.

Erste Phase: Der japanische Dreifachangriff (März–April 1944) Kämpfe im Südwesten Am 8. März 1944 setzte sich die 33. japanische Division in Bewegung. Der Plan der 33. Division war es, von Kalewa und Kalemyo (heute: Kalay) aus über Tiddim (heute: Tedim, Myanmar) zur nordwärts laufenden Verbindungsstraße, der Tiddim Road, nach Imphal vorzustoßen. Bei Tiddim stand die 17. indische Division zur Verteidigung, erhielt aber bereits vor Anrollen des japanischen Angriffs die Anweisung, langsam nordwärts auszuweichen und den Vorstoß der 33. Division dergestalt zu verzögern. Jedoch hatten die Japaner die Rückzugsabsicht der 17. Division vorausgesehen; das japanische 214. Infanterie-Regiment näherte sich der Tiddim Road nach Imphal also von Yazagyo im Osten durch schwerstes Gelände hindurch an, um die 17. Division bei Tonzang abzuschneiden. Das 215. Infanterie-Regiment erhielt einen ähnlichen Auftrag und schlug sich westlich der Tiddim Road durch bergiges Gelände, um seinerseits bei Singgel (unmittelbar südlich der burmesisch-indischen Grenze) zu versuchen, die Verbindung der 17. Division nach Norden zu kappen. Nicht beteiligt an den Kämpfen im Südwesten war das 213. Infanterie-Regiment. Dieses 213. Regiment wurde zeitgleich mit dem Vormarsch der anderen beiden Regiment nordostwärts geschickt, um an den Kämpfen an der Tamu-Palel Road teilzunehmen (siehe unten). links|mini|Japanische Soldaten der 15. Armee tragen ein Gebirgsgeschütz Typ 41 durch schwieriges Gelände (1944)