Die Prophet-Elija-Kathedrale oder Prophet-Elias-Kathedrale (, ) ist eine melkitische griechisch-katholische Kirche im Range einer Kathedrale in Haifa, Israel. Sie ist Bischofskirche der Erzeparchie Akko, Haifa, Nazareth und ganz Galiläa, deren Bischof Gregorius Hajjar seine Kathedra 1922 nach Haifa verlegt hat. Die Erzeparchie, deren Diözesangebiet heute ganz Israel umfasst, ist mit gut 70.000 GetauftenDavid M. Cheney, „Archeparchy of Akka (San Giovanni d’Acri; Tolemaide) (Melkite Greek): Ptolemaidensis“ (23. Oktober 2022), auf: The Hierarchy of the Catholic Church: Current and historical information about its bishops and dioceses; abgerufen am 10. November 2022. zahlenmäßig die größte christliche Gemeinschaft Israels und Teil des Katholizismus im Lande. Etwa 60 % aller israelischen Christen sind katholische Melkiten. Auch in Haifa stellen sie die größte konfessionelle Gruppe unter den Christen der Stadt.

Lage 200px Die Kathedrale befindet sich an einer Straßenkreuzung in HaʿIr haTachtit nahe dem Stadtviertel Wadi Nisnas. Das Grundstück mit der Adresse Rechov ʿEjn Dor 23 () hatte die Kirchengemeinde von Familie Abyaḍ erworben, nachdem dort schon vorher mietweise ein Gemeindetreff bestanden hatte.NN, „“, auf: / St. Joseph’s Latin Parish - Haifa; abgerufen am 7. November 2022. Auf dem eingefriedeten Grundstück richtet sich die Westfassade der Kathedrale zum Rechov ʿEjn Dor, während sich die südliche Längsseite entlang der Derech Allenby erstreckt.

Geschichte Das Kirchengebäude verdankt seine Entstehung der Initiative eines Vereins von Parochianen, die eine weitere Betstätte ihrer Gemeinde in Haifa wünschten, deshalb anfangs genannt und wesentlich gefördert durch Haifas Gemeindepriester (ab 1922) Archimandrit Basilius Asʿad Qassis ( aus Miʿilya; 1908 ordiniert, 1962 gestorben in Tyros, ab 1911 Bischofsvikar der Eparchie Akko, Haifa, Nazareth und ganz Galiläa und in Akko Archimandrit 1911–1922Eintrag ‹› in der Liste der Biographien von Mönchen des Klosters Synaxarium der Basilianer vom Heiligsten Erlöser, auf: - Ordre Basilien Salvatorien; abgerufen am 4. März 2025.). Der Bau entstand 1938/1939 nach Plänen Samiḥ ʿAṭallahs () unter dem Episkopat von Bischof Gregorius Hajjar (, ; 1875–1940Kobi Peled (), “The fall of a village in the 1948 war: A historical close-up of the conquest of Miʿilya and its surrender” (18. Januar 2017), in: British Journal of Middle Eastern Studies, Bd. 45 (2018), Nr. 3, S. 410–429, hier S. 421, Fußnote 60), der den Bau veranlasste und am 9. April 1939 weihte.NN, “” (26. Oktober 2010), auf: ; abgerufen am 4. März 2025.

Zwischen 1922 und dem Krieg um Israels Unabhängigkeit diente die Liebfrauenkirche am Kikkar Paris, ebenfalls in HaʿIr haTachtit, als Kathedrale. Begonnen 1859 diente deren 1862 fertig gestellter Bau der wachsenden Zahl katholischer Melkiten als Kirche, nachdem die arabische Einwanderung vom Libanon (von dort vor allem Maroniten) und aus anderen Teilen der Levante den christlichen Anteil an der Ortsbevölkerung bis 1856 schon auf 40 % gehoben hatte, was eigene Kirchen der verschiedenen katholischen Konfessionen, die vorher zusammen die intra muros am damaligen Westtor der Stadt gelegene Karmelitenkirche Elias des Propheten weit unterhalb des Karmels Stella Maris nutzten, vom Aufwand her möglich und vom Platzbedarf her erforderlich machte.

Mit dem Bau der Jesreʿeltalbahn bis 1904 und dem Ausbau und Aufleben des Hafenbetriebs mit Bahnanschluss wuchs Haifas Bevölkerung. Muslime zogen verstärkt aus Galiläa und dem Libanon zu, deren viele als Bahn- und Hafenarbeiter ihren Lebensunterhalt fanden, wodurch sie bis 1910 zur größten Religionsgemeinschaft der Stadt avancierten, nicht aber zur Mehrheit. Die zweite bedeutende Gruppe an Zuzügen waren jüdische Araber, vor allem aus Nordafrika, und jüdische Türken. Nach 1920 wurde Haifa größte Stadt des Mandatsgebiets, wobei zuwandernde Muslime deren Zahl von etwa 9.400 mehr als verdoppelten, wie auch die gut 6.000 Juden der Stadt sich durch natürliche Geburten und Zuzug auf 16.000 verstärkten.

Dagegen fiel der christliche Bevölkerungsanteil in Akko, dessen Angehörige, vor allem wirtschaftliche Eliten, zahlreich nach Haifa verzogen.Alex Carmel (), Geschichte Haifas in der türkischen Zeit 1516-1918 [, Haifa: , 1969; dt.], Clara Zellermeyer (Übs.), Wiesbaden: Harrassowitz, 1975, (=Abhandlungen des Deutschen Palästinavereins; Bd. 3), Seite wie gesondert angegeben. ISBN 3-447-01636-1. Katholiken im Heiligen Land genossen konsularisches Bemühen Frankreichs, vielfach erlangten sie dessen Protektion bis hin zur Staatsbürgerschaft.

Wie der Name der Eparchie anzeigt, hatte sie vor 1922 ihren Bischofssitz in der Apostel-Andreas-Kathedrale in Akko, das in wirtschaftlicher und demographischer Hinsicht um diese Zeit seinen Vorrang gegenüber Haifa an dieses verloren hatte. Die Verlegung des Bischofssitzes war Ausdruck dieses Wandels, war doch Haifa zunächst die bevölkerungsreichste Stadt Mandats-Palästinas und, nachdem Tel Aviv sie 1938 überholte, dann bis 1967 die zweitgrößte in Israel.

mini|300px|Panorama Haifas gen Südosten – Wadi Nisnas mit je teils verdeckter Lukaskirche (blau unter­stri­chen), Johannes-Evangelist-Kirche (grün unter­stri­chen) und Prophet-Elija-Kathedrale (orange un­ter­strichen), 1957 Im Bürgerkrieg zwischen arabischen und jüdischen Palästinensern verließen bis Ende April 1948 viele nichtjüdische arabische Haifaner die Stadt, arabische Juden dagegen blieben, auf Befehl des arabischen lokalen Nationalkomitees (NC), das am 22. April 1948 einen ausgehandelten Waffenstillstand unter Zusicherung des Schutzes arabischer Zivilisten mit der jüdischen Seite auf höheren Befehl unter Androhung von Repressalien des Arabischen Höheren Komitees ausschlagen musste.Jamal al-Hussayni, Präsident des AHC, sagte in der Sitzung zum Auszug nichtjüdischer Araber aus Haifa in der UNO am 23. April 1948: „Die Araber wollten sich nicht einem Waffenstillstand unterwerfen, der Schande gebracht hätte, und zogen es vor, ihre Wohnungen aufzugeben, ihre Habseligkeiten und alles, was sie auf dieser Welt besaßen, und die Stadt zu verlassen. Das haben sie tatsächlich getan.“ (Vgl. im englischen Original: “The Arabs did not want to submit to a truce which would have brought shame upon them, as they rather preferred to abandon their homes, their belongings, and everything they possessed in this world, and leave the town. This is in fact what they did.”, United Nations / Nations Unies, “287th meeting/287ème séance” (23. April 1948), in: Security Council Official Records / Conseil de Securité Procès-verbaux officiels, Nr. 62, Jg. 3 (1948), S. 14. Stattdessen ordnete Haifas NC die Evakuierung nichtjüdischer arabischer Haifaner per Schiff an, jedoch konnte es – ohne Machtmittel seit die arabischen Kämpfer sich am 22. April ergeben hatten – die zu Evakuierenden nur mit Warnungen beeinflussen, dass nach einer siegreichen arabischen Einnahme Haifas dagebliebene Araber als Kollaborateure einer jüdischen Heimstatt bzw. Verräter der arabischen Sache, eine solche im Heiligen Land zu verhindern, angesehen und entsprechende Behandlung zu gewärtigen haben würden.Stefan Frank, „Die Methode Omri Boehm (Teil 4): Haifa 1948 und die Vertreibung der Araber, die es nicht gab“ (1. August 2021), auf: Mena-Watch - Der unabhängige Nahost-Thinktank; abgerufen am 11. November 2022. Dennoch blieben etwa 3.000 arabische Nichtjuden,Avraham Lewensohn (; 1923–1986), Reiseführer Israel mit Straßenkarten und Stadtplänen ['Israel Tourguide', 21979; dt.], Miriam Magall (Übs.), Tel Aviv-Jaffa: und Tourguide, 1982, Seite wie gesondert angegeben. darunter viele Melkiten. Im Jahre 2021 betrug die Zahl der Christen unter den Einwohnern der Stadt 16.500, zu über drei Vierteln Israelis arabischer Ethnizität, deren Angehörige 2016 insgesamt etwa 30.000 in Haifa zählten.

mini|Kathedrale von Südwest mit Westgiebel und südlicher Längsseite, 2013 Nichtjüdische Araber, die geblieben waren, stellte die Regierung Israels nach dessen Unabhängigkeit am 14. Mai 1948 zunächst unter Militäraufsicht mit beschränktem Bewegungsradius. Dazu wies die Regierung arabischen Haifanern Wohnsitze im Viertel Wadi Nisnas an,Nach Aufhebung der Aufsicht 1966 konnten alle arabischen Haifaner ihren Wohnsitz wieder frei wählen und sich frei bewegen. das in der Mandatszeit das Gros der zuziehenden Christen aufnahm, deren Zahl von 9.000 vor dem Ersten Weltkrieg bis 1930 auf 14.000 anwuchs. Haifas Melkiten gaben Ende der 1940er Jahre die Liebfrauenkirche auf (sie wurde ab 1982 wiederbelebt) und die Prophet-Elija-Kirche wurde Sitz des Bischofs (seit 1964 des Erzbischofs) und damit Kathedrale.

Die Erzeparchie ließ 1973/1974 die Kathedrale renovieren, dabei wurden die beiden Bilder am Westportal aus der Liebfrauenkirche übertragen, die als Mutterkirche der melkitischen Katholiken Haifas galt und gilt.

Als Kathedrale der größten christlichen Konfession IsraelsOfeḳ Ron-Carmel (), „“ (23. Dezember 2020), auf: ; abgerufen am 8. November 2022. ziehen Amtseinführungen der Erzbischöfe Gäste aus dem In- und Ausland an, wie am 4. Juni 2019 bei der Einführung Erzbischof Youssef Mattas als Metropolit der Erzeparchie. An der Zeremonie nahmen neben Dutzenden lokalen Größen aus Kirchgemeinden und Stadtgesellschaft (Haifas Bürgermeisterin Einat Kalisch-Rotem) auch religiöse Leitungsfiguren teil (Drusen-Scheich Muwaffaq Tarif, der Erzbischof von Jerusalem, der Lateinische Patriarchalvikar Giacinto-Boulos Marcuzzo), sowie Diplomaten (Botschafter Ägyptens Chalid ʿAzmi, Belgiens Olivier Belle, Deutschlands Susanne Wasum-Rainer und des Vatikans Nuntius Leopoldo Girelli) und ferner Politiker (Muhammad Barakah, Ayman Odeh und weitere).NN, „“ (4. Juni 2019), auf: Alqaria.net ; abgerufen am 10. November 2022.

Agapios Abu Saʿada (), Archimandrit an der Kathedrale, hielt am 15. Mai 2022 eine Messe in Andenken an die katholische Melkitin Schīrīn Abū ʿĀqilahs, die in der Woche zuvor in einem Schusswechsel ums Leben kam.NN, „“ (15. Mai 2022), auf: ; abgerufen am 8. November 2022. Der tragische und kontrovers diskutierte Tod der Journalistin bewog viele Christen unterschiedlicher Konfessionen an der Trauerfeier teilzunehmen, darunter Ayman Odeh, Listenführer der Vereinten Liste, Gemeindeglieder und Wadih Abu Nassar, spanischer Honorarkonsul in Haifa, und auch Vertreter des melkitisch griechisch-orthodoxen Gemeinderates in Haifa.

mini|Hauptportal mit Mosaik der Himmelfahrt Elijas

Kirchengebäude Das Kirchengebäude ist aus Stein errichtet und orientiert. Auf der westlichen Schmalseite des Baus erhebt sich ein gestufter Giebel, den in der Mitte ein hohes christliches Kreuz bekrönt.Racheli Orbach (), „“ (6. Januar 2022), auf: ; abgerufen am 7. November 2022. Die Ecken des Westgiebel flankieren schlanke Türmchen, worin Glocken hängen. Die Türmchen tragen ebenfalls Kreuze, überragen aber nicht das Giebelkreuz. Das flächig geschmiedete Kleeblattkreuz auf dem Westgiebel, wie eingangs zu sehen, wich 2014 einer Neuanfertigung, geschmiedet von Amir Balan () nach Entwürfen des Archimandriten Agapios.Rizq Sāhūrī (), „“ (4. April 2014), auf: ; abgerufen am 10. November 2022. Das neue Kreuz ist eine fünf Meter hohe durchbrochene Schmiedearbeit von 400 Kilogramm Gewicht und farblich in Gold, Schwarz und Silber gehalten.

In der Westfassade befindet sich das Hauptportal, darüber eine Lünette mit Mosaik der Himmelfahrt des Propheten Elija bekrönt, der in einem Streitwagen gen Himmel auffährt und seinen Umhang dem Propheten Elischa zuwirft. Oberhalb des Mosaiks hängt mittig ein Relief, das früher auf der westlichen Toreinfahrt der Einfriedung am Rechov ʿEjn Dor prangte, den Propheten Elias darstellend, wie er polytheistisch-heidnische Baʿalspriester niedermacht. Im oberen Giebelfeld befindet sich ein Triforium mit Buntglasfenstern.