Josep „Pep“ Guardiola Sala [] (* 18. Januar 1971 in Santpedor) ist ein spanischer Fußballtrainer und ehemaliger -spieler.
Guardiola wurde als Spieler in der Jugendakademie des FC Barcelona ausgebildet und spielte von 1990 bis 2001 elf Profijahre für die Katalanen als defensiver Mittelfeldspieler. Er wurde mit dem Verein sechs Mal spanischer Meister und war fester Bestandteil des „Dreamteams“, das 1992 den Europapokal der Landesmeister gewann. Zudem spielte er für die Nationalmannschaft und wurde mit ihr Olympiasieger 1992.
Seine Trainerkarriere begann er 2007 bei der zweiten Mannschaft des FC Barcelona; ein Jahr später übernahm er die erste Mannschaft. Diese führte er in seiner ersten Saison zum Gewinn der spanischen Meisterschaft, der Copa del Rey und der UEFA Champions League. Nach drei weiteren Titeln im selben Jahr war Guardiola der erste Trainer, der sechs Titel in einem Jahr gewann. Die Champions League gewann er 2011 erneut, ebenso wie bis zu seinem Rücktritt 2012 zwei weitere Meisterschaften und einen Pokalwettbewerb. Von 2013 bis 2016 trainierte er die Bundesligamannschaft des FC Bayern München, mit der er drei deutsche Meisterschaften und zwei DFB-Pokalsiege erreichte. Im Sommer 2016 übernahm Guardiola das Premier-League-Team von Manchester City und führte den Klub in die erfolgreichste Ära der Vereinsgeschichte. Neben sechs Meisterschaften gewann City 2023 das Triple aus Meisterschaft, FA Cup und Champions League.
Spielerkarriere Bereits als Spieler zeichnete sich Guardiola durch hohe Spielintelligenz aus, durch die er körperliche Defizite ausgleichen konnte. Daher wurde er auf dem Spielfeld oft als „verlängerter Arm“ von Trainer Johan Cruyff gesehen. Abgesehen davon schätzten seine Trainer vor allem seine Führungspersönlichkeit und Passgenauigkeit.Michael Walker: Pep Guardiola was the boy born to lead Barcelona; an in-depth look at the Nou Camp sensation. In: Daily Mail. 20. April 2010 (englisch).
Verein FC Barcelona mini|hochkant=1.1|Guardiola (rechts) als Spieler neben Guillermo Amor, Albert Ferrer und Barça-Vizepräsident Josep Mussons (1992)
Guardiola trat im Alter von 13 Jahren der Jugendakademie des FC Barcelona, La Masia, bei. Zuvor hatte er bei Gimnàstic de Manresa gespielt. In den Jugendmannschaften agierte er zunächst auf der rechten Seite des Mittelfeldes. Erst Johan Cruyff, zu dieser Zeit Trainer der ersten Mannschaft, gab nach einem Besuch im Mini Estadi der zweiten Mannschaft Barcelona Atlètic die Anweisung, Guardiola auf der zentralen Spielmacherposition aufzustellen.
Ab der Saison 1990/91 gehörte er zum Profikader. Er gab als 19-Jähriger am 16. Dezember 1990 sein Debüt in der Primera División. Eineinhalb Jahre später, am 20. Mai 1992, gewann er mit dem Team den Europapokal der Landesmeister gegen Sampdoria Genua durch ein Tor von Ronald Koeman in der Verlängerung. Guardiola war Bestandteil der heute noch als „Dreamteam“ bezeichneten Mannschaft, die von Johan Cruyff trainiert wurde, und in der u. a. Andoni Zubizarreta, Nando, Michael Laudrup und Hristo Stoitchkov spielten. Mit Barcelona gewann er zwischen 1991 und 1994 zudem viermal die spanische Meisterschaft. Hatte er im ersten Meisterschaftsjahr nur vier Ligaspiele bestritten, so zählte er in den weiteren Meisterjahren zu den am häufigsten eingesetzten Spielern. Guardiola wurde in seinen Ansichten über den Fußball ungemein stark von Cruyff geprägt und bezeichnete sich in seiner Autobiographie 2001 offen als „Cruyffianer“.Jonathan Wilson: The Barcelona Legacy: The Evolution of winning soccer Tactics from Cruyff to Guardiola, Blink Publishing, London, 2018. S. 120.
Auch in den folgenden Spielzeiten gehörte er zum Stammpersonal und bestritt jeweils mindestens 22 Ligaspiele,BDFutbol: Guardiola außer in der Saison 1997/98, an deren Beginn er das Kapitänsamt von José Mari Bakero übernommen hatte: Er verpasste fast die gesamte Saison aufgrund einer Knieverletzung.independent.co.uk: Josep Guardiola – Defensive midfielder Barcelona 1990–2001FC Barcelona: Josep Guardiola Guardiola spielte insgesamt 17 Jahre für den FC Barcelona. In den elf Profijahren gewann er mit der Mannschaft 16 Titel.FC Bayern München: Introducing Josep ‘Pep’ Guardiola
In der Saison 2000/01 entschloss sich Guardiola, den FC Barcelona zum Saisonende zu verlassen und seine Karriere im Ausland zu beenden.Manuel Vázquez Montalbán: Guardiola deja el Barça para acabar su carrera en el extranjero. In: El País. 12. April 2001 (spanisch) Vornehmlich waren es sein damaliger Trainer Louis van Gaal, der Guardiola zu Gunsten des jüngeren Xavi aus dem Team drängte, und die Unzufriedenheit mit der Vereinsführung um Präsident Joan Gaspart, die Guardiola zum Abschied veranlassten. Eine offizielle Verabschiedung lehnte er ab.
Karriereausklang in Italien, Katar und Mexiko So wechselte er im September 2001 zum ein Jahr zuvor in die Serie A aufgestiegenen Brescia Calcio und war erstmals außerhalb Spaniens tätig. In Italien wurde Guardiola, ab dem 7. Spieltag bei Brescia eingesetzt, des Dopings beschuldigt, da ihm nach zwei Ligaspielen im Oktober und November Spuren von Nandrolon nachgewiesen wurden. Daraufhin sperrten ihn die FIGC und die FIFA nach bis dahin fünf Spielen am 22. November 2001 für vier Monate.Doping-Sperren für Stam und Guardiola ausgeweitet. In: Rheinische Post. 6. Februar 2002. Erst am 24. März 2002 kam er ab dem 28. Spieltag wieder zum Einsatz und zu sechs Partien. Dem Verein gelang mit einem Punkt Vorsprung der Klassenerhalt. 2005 wurde Guardiola als erster Spieler wegen Dopings zu einer Freiheitsstrafe von sieben Monaten und einer Geldstrafe von 9.000 Euro verurteilt.Haftstrafe für Guardiola. In: Kicker-Sportmagazin online, 12. Mai 2005. Da er Berufung eingelegt und auch keine Vorstrafen vorzuweisen hatte, blieb er bis zur Verhandlung in Freiheit. 2009 wurde er schließlich von sämtlichen Dopingvorwürfen freigesprochen.Freispruch gegen Guardiola bleibt gültig. In: Focus. 29. September 2009.Eigenblut tut selten gut. In: Die Zeit. 31. Oktober 2013.
Zur Saison 2002/03 spielte Guardiola für den Vizemeister des Vorjahres, die AS Rom. Dort bestritt er im ersten Halbjahr allerdings nur vier Ligaspiele und eine einzige Partie in der Champions League. Bei seinem 72. und letzten Europapokalspiel handelte es sich ausgerechnet um ein 0:3 gegen Real Madrid, den traditionellen Rivalen eines Barcelonesers. Trainer Fabio Capello, den Guardiola selbst bewunderte und der 1994 Trainer der AC Mailand bei der 0:4-Champions-League-Finalniederlage des FC Barcelona gewesen war, setzte den Spanier häufig auf die Bank, da er ihm Defizite in puncto Schnelligkeit und Physis bescheinigte. Im Januar 2003 kehrte er bis zum Saisonende zu Brescia Calcio zurück, wo er mit 13 Partien noch einmal regelmäßig eingesetzt wurde. Als Neunter landete er mit Brescia nur einen Platz hinter der Roma, war aber im Tabellenmittelfeld trotzdem lediglich vier Punkte von einem Abstiegsplatz entfernt. Seine Zeit in Italien war nicht mehr so erfolgreich wie die beim FC Barcelona.
Ab der Saison 2003/04 spielte er zwei Jahre lang für den katarischen Verein Al-Ahli aus Doha. Im Sommer 2005 beendete er zunächst seine Spielerkarriere, schloss sich dann aber im Dezember dem damaligen mexikanischen Erstligisten Dorados de Sinaloa an. Als zum Ende der Clausura, in der er nochmals 10 von 17 Partien bestritten hatte, der Abstieg des Teams in die Primera División 'A' feststand, beendete er endgültig seine aktive Karriere.
Nationalmannschaft Guardiola holte mit Spanien 1992 Olympiagold. Am 14. Oktober 1992 gab er beim 0:0 im WM-Qualifikationsspiel gegen Nordirland seinen Einstand in der A-Nationalmannschaft. Er nahm an der Weltmeisterschaft 1994 und der Europameisterschaft 2000 teil. Die Weltmeisterschaften 1998 und 2002 verpasste er wegen einer Knieverletzung. Sein letztes Länderspiel bestritt Guardiola am 14. November 2001 gegen Mexiko (1:0). In 47 Einsätzen erzielte er fünf Tore.
Titel und Auszeichnungen als Spieler Nationalmannschaft Olympiasieger: 1992
Vereine International Sieger des Europapokals der Landesmeister: 1992 Sieger des Europapokals der Pokalsieger: 1997 UEFA-Super-Cup-Sieger (2): 1992, 1997
Spanien Meister (6): 1991, 1992, 1993, 1994, 1998, 1999 Pokalsieger (2): 1997, 1998 Supercupsieger (4): 1991, 1992, 1994, 1996
Persönliche Auszeichnungen Trofeo Bravo: 1992
Trainerkarriere Als Trainer zählt Guardiola zu den prominentesten Vertretern des Positionsspiels (spanisch juego de posición), einer Form des Ballbesitzfußballs, in der besonderer Wert auf die Positionierung der Spieler im Raum, die Erzeugung von Passdreiecken und Anspielstationen zwischen den Linien gelegt wird.
FC Barcelona mini|Guardiola als Trainer des FC Barcelona (2009)
Am 8. Mai 2008 gab Joan Laporta, Präsident des FC Barcelona, bekannt, dass Guardiola zur Saison 2008/09 Frank Rijkaard als Cheftrainer des Profi-Kaders ersetzen werde.telegraph.co.uk: Barcelona drop Frank Rijkaard for Guardiola Er erhielt einen Zweijahresvertrag und war bei Amtsantritt mit seinen 37 Jahren der drittjüngste Trainer in der Geschichte des Vereins. Zuvor hatte er bei den Katalanen bereits als Trainer der B-Mannschaft gearbeitet, diese hatte er in seiner Premierensaison 2007/08 prompt zum Aufstieg in die Segunda División B geführt. Für Aufsehen sorgte Guardiola, als er den Spielern Ronaldinho, Deco und Samuel Eto’o gleich bei seinem Amtsantritt mitteilte, dass er mit ihnen nicht plane.Lucas Brown: Star trio set for Barca exit. In: Sky Sports. 17. Juni 2008 (englisch). Die beiden Erstgenannten verließen den Verein sofort, Eto’o ein Jahr später.
In seiner ersten Saison als Cheftrainer gelang Guardiola auf Anhieb der Gewinn aller Wettbewerbe, in denen der FC Barcelona vertreten war. Die spanische Meisterschaft wurde mit 87 Punkten gewonnen und der spanische Pokal durch einen 4:1-Finalsieg über Athletic Bilbao. In der Champions League zog man ins Endspiel ein, in dem man auf Titelverteidiger Manchester United und dessen Cheftrainer Sir Alex Ferguson traf. Das Finale am 27. Mai 2009 in Rom wurde mit 2:0 gewonnen, wodurch Guardiola mit 38 Jahren und in weniger als 12 Monaten alle großen Vereinstitel als Trainer gewonnen hatte. Mit dem Gewinn der Champions League wurde Guardiola außerdem zum fünften Trainer, dem der Gewinn des großen europäischen Triples gelang. Im selben Jahr gewann er mit seiner Mannschaft zudem den spanischen Supercup und den UEFA Super Cup. Am 19. Dezember 2009 gelang ihm schließlich noch der Gewinn der FIFA-Klub-Weltmeisterschaft durch einen 2:1-Sieg im Endspiel gegen Estudiantes de La Plata. Mit dem Gewinn der Klub-WM erreichte er in seinem ersten Jahr als Cheftrainer das noch nie dagewesene „Sextuple“, also alle bedeutenden nationalen und internationalen Titel in einem Jahr.
mini|Guardiola nach dem Gewinn der FIFA-Klub-Weltmeisterschaft 2011
In der folgenden Spielzeit 2009/10 konnte Guardiola nahtlos an seinen Liga-Erfolg im Jahr zuvor anknüpfen. So gelang die Verteidigung der spanischen Meisterschaft mit einem Rekordwert von 99 Punkten und einem Vorsprung von drei Punkten auf Real Madrid und dessen Trainer Manuel Pellegrini. Die Titelverteidigung in den K.o.-Wettbewerben gelang dagegen nicht. Im spanischen Pokal schied man im Achtelfinale gegen den FC Sevilla aus und in der Champions League im Halbfinale gegen Inter Mailand und dessen Cheftrainer José Mourinho. Später im selben Jahr folgte noch der erneute Gewinn des spanischen Supercups durch einen 5:3-Gesamtsieg (Hinspiel 1:3; Rückspiel 4:0) über den Pokalgewinner Sevilla.