mini|hochkant=1.7|Major Perrinet von Thauvenay vor der Abreise in die Türkei im Dezember 1913 (ganz links) Etienne David Perrinet von Thauvenay (* 30. Januar 1870 in Hannover;Deutsche Verlustlisten des Ersten Weltkrieges: Ausgabe 1915 vom 25. Mai 1918 (Preußen 1146), S. 23812 (Perrinet v. Thauvenay, Maj. – 30. 1. Hannover – leicht verwundet). † 31. August 1927 in Buenos Aires) war ein deutscher Offizier, zuletzt charakterisierter Generalmajor.

Leben Herkunft und Familie Etienne David war der Sohn von Adalbert Ludwig Franz Perrinet von Thauvenay (1836–1884) und dessen Ehefrau Anna, geb. von Bri(e)tzke-Kemnitz (1842–1923),Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Deutscher Uradel. Zugleich Adelsmatrikel der Deutschen Adelsgenossenschaft. 1926. Sechsundzwanzigster Jahrgang, Gotha 1925, S. 128–129. einer Schwester des Generals der Infanterie Arthur von Brietzke. Sein Vater war Rittmeister im preußischen Königs-Ulanen-Regiment in Hannover.Adolph M. Hildebrandt: Perrinet v. Thauvenay. In: Der Deutsche Herold, 5. Jg., Nr. 2 (Februar 1874), . Die Familie wohnte bei seiner Geburt am Georgsplatz 6Adressbucheintrag Perrinet v. Thauvenay, in: Adreßbuch der Königlichen Residenz-Stadt Hannover 1868, S. 357. und zog 1876 nach Berlin,Gästeliste Louisenstraße 63, Hauptgebäude (Hotel de France, Bad Homburg): „Ankunft 29.09.1877–06.10.1877: Perrinet von Thauvenay, mit Bedienung, Major, Berlin“. als der Vater in den Großen Generalstab versetzt wurde.G. Wittje: Vollständige Anciennetäts-Liste der Königlich Preußischen Offiziere und der Offiziere der Kaiserlichen Marine. Hopfer, Burg 1881, S. 110 u. 181 (). Die Vorfahren waren französische Adlige, die nach der Französischen Revolution nach Preußen emigriert waren. Schon sein Großvater war Major im 1. Garde-Regiment zu FußDeutsche Wehr-Zeitung. Militairische Zeitschrift. Nr. 262 vom 20. Februar 1851, . und 1851/52 Direktor der Garde-Divisionsschule gewesen.Allgemeine Zeitung. Nr. 307 vom 3. November 1851, .Königliche Geheime Kriegs-Kanzlei: Rang- und Quartier-Liste der Königlich Preussischen Armee für das Jahr 1853, nebst den Anciennetäts-Listen der Generalität und Stabs-Officiere. Verlag E. S. Mittler & Sohn, Berlin 1853, S. 55 u. 345 (Digitale Sammlungen). Etienne hatte zwei ältere Schwestern, Clara und Laurette. Er verheiratete sich am 12. Februar 1913 in Coburg in zweiter Ehe mit der Witwe Martha von Lindern geborene von Wittken (* 1870),Coburger Zeitung, 52. Jg., Nr. 43 vom 20. Februar 1913, Zweites Blatt verso (Digitale Sammlungen). einer Tochter des Juristen und Landrats Edmund Karl Hermann von Wittken. Aus erster Ehe hatte er eine Tochter. mini|Bei der Verabschiedung des China-Expeditionskorps, dem Perrinet von Thauvenay als Oberleutnant und Adjutant der 3. Brigade angehörte, hält Kaiser Wilhelm II. am 27. Juli 1900 in Bremerhaven die sog. Hunnenrede

Militärlaufbahn und Auslandseinsätze China-Expeditionen Perrinet von Thauvenay trat nach dem Abitur 1889 in die preußische Armee ein und erhielt am 20. September 1890 das Patent zum Sekondeleutnant.Dienstalters-Liste der Offiziere der Königlich Preußischen Armee und des XIII. (Königlich Württembergischen) Armeekorps, 1918. Verlag E. S. Mittler & Sohn, Berlin, 1. Januar 1918, . Er wohnte 1891 in der Berliner Karlstraße 34/35U. Ludwig (Bearb.): Berliner Adreßbuch für das Jahr 1891. 23. Jg., Bd. 1, S. 1318 (Digitale Sammlungen). und diente im 2. Garde-Regiment zu Fuß,Rang- und Quartier-Liste der Königlich-Preußischen Armee und des XIII. (Königlich-Württembergischen) Armeekorps für 1894. Verlag E. S. Mittler & Sohn, Berlin 1894, S. 112 (Digitale Sammlungen). bis er aus dem Heer ausschied und zur Marineinfanterie der Kaiserlichen Marine übertrat.

Als Marineinfanterist war er Teilnehmer der deutschen China-Expeditionen und nahm zunächst in den Jahren 1897 und 1898 an der deutschen Besetzung von Kiautschou teil.Philip Rance (Hrsg. u. Übers.), Erich Prigge: The Struggle for the Dardanelles. The Memoirs of a German Staff Officer in Ottoman Service. Pen & Sword, Barnsley 2017, ISBN 978-1-78303-045-3, S. 174 mit Anm. 35 (Inhaltsverzeichnis; ) Im Mai 1898 kehrte er aus China zurück,Marineverordnungsblatt, 29. Jg., Nr. 14 vom 28. Mai 1898, S. 169. wurde am 20. Juli 1898 beim I. Seebataillon in Kiel zum Premierleutnant befördertMarineverordnungsblatt, 29. Jg., Nr. 20 vom 4. August 1898, S. 239. und am 24. September desselben Jahres zum Inspekteur der Marineinfanterie, Oberst Paul von Hoepfner, als dessen Adjutant kommandiert.Marineverordnungsblatt, 29. Jg., Nr. 24 vom 20. Oktober 1898, S. 356.Von der Marine. In: Hamburgischer Correspondent, Nr. 454, 28. September 1898 (Abendausgabe), S. 4 (Digitale Sammlungen). Damit wurde er gleichzeitig Platzmajor von Kiel,Der Bergmannsfreund, 30. Jg., Nr. 71 vom 29. Juni 1900, S. 1. und er begleitete Hoepfner 1899 auf Inspektionstouren.Von der Marine. In: Hamburgischer Correspondent, Nr. 419, 7. September 1899 (Morgenausgabe), S. 4 (Digitale Sammlungen). Mit den im Juni 1900 mobilgemachten Seebataillonen unter dem Kommando des zum Generalmajor avancierten von Hoepfner brach er im Juli erneut nach China auf und nahm als Adjutant der von Hoepfner kommandierten 3. Ostasiatischen Infanterie-Brigade der deutschen Expeditionstruppen an der internationalen Strafexpedition zur Niederschlagung des Boxeraufstandes teil. Das deutsche Ostasien-Korps traf erst im Herbst 1900 in China ein und nahm an der Eroberung von Peking durch die Verbündeten Mitte August nicht mehr teil. Thauvenays Brigade erreichte am 13. Oktober 1900 die deutsche Kolonie Tsingtau und besetzte anschließend das ebenfalls im August von russischen Truppen eroberte und stark zerstörte Tientsin.Georg Friederici: Berittene Infanterie in China und andere Feldzugs-Erinnerungen. Dietrich Reimer (Ernst Vohsen), Berlin 1904, S. 29 (Digitalisat auf Commons). Hoepfner war zwischenzeitlich erkrankt und wurde als Brigadekommandeur durch Oberst Oskar von Rohrscheidt ersetzt. Auf dessen Schimmel gewann sein Adjutant Etienne Perrinet von Thauvenay am Ostersonntag, den 7. April 1901 die Offiziersklasse eines im Lager bei Tientsin improvisierten großen Pferderennens mit erbeuteten chinesischen Pferden („Der Große Preis vom Ost-Arsenal“).Georg Friederici: Berittene Infanterie in China und andere Feldzugs-Erinnerungen. Berlin 1904, S. 252.

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland ging er zurück zur preußischen Armee, gehörte wieder dem 2. Fußgarderegiment an und wurde 1902 zum Großen Generalstab kommandiert. 1904 wurde er unter Belassung beim Großen Generalstab Generalstabsoffizier seines Regiments.Militär-Wochenblatt. Nr. 31 vom 12. März 1904, Sp. 765. Ab 1905 war er als Hauptmann im Generalstab des VIII. Armeekorps in Koblenz stationiert.Militär-Wochenblatt. Band 90 (1905), Teil 2, Sp. 2617; Militär-Wochenblatt. 1911, Nr. 13/14, Sp. 279.

Entsendung nach Argentinien Am 11. April 1907Deutsche Instruktionsoffiziere für Argentinien. In: Saale-Zeitung 1907, Nr. 158, S. 2 (Digitale Sammlungen). reiste Perrinet von Thauvenay mit zwei weiteren deutschen Generalstabshauptleuten als militärischer Berater nach Argentinien ab, wo er im Rahmen der argentinisch-deutschen Militärkooperation bis Ende 1910Jürgen Schaefer: Deutsche Militärhilfe an Südamerika. Militär- und Rüstungsinteressen in Argentinien, Bolivien und Chile vor 1914. Bertelsmann-Universitäts-Verlag, Düsseldorf 1974, ISBN 3-571-09148-5, S. 91. als Dozent an der argentinischen Kriegsakademie (Escuela Superior de Guerra) in Buenos Aires unterrichtete. Seine Begleiter waren der spätere SS-Gruppenführer Fritz von der Goltz (1873–1945), ein Sohn des Reorganisators der türkischen Armee Colmar von der Goltz, und der sächsische Generalstabsoffizier Johann Kretzschmar,Jürgen Schaefer: Deutsche Militärhilfe an Südamerika. Militär- und Rüstungsinteressen in Argentinien, Bolivien und Chile vor 1914. Düsseldorf 1974, S. 86. der bis in die 1930er Jahre in Argentinien wirkte.Oliver Gliech: Die Deutsch-argentinischen Militärbeziehungen (1900–1945). In: Peter Birle (Hrsg.): Die Beziehungen zwischen Deutschland und Argentinien (= Bibliotheca Ibero-Americana, Band 135). Vervuert, Frankfurt am Main 2010, S. 75–95, hier: S. 89. Alle drei wurden als Majore (Mayor) in der argentinischen Armee angestellt und erhielten Mitte 1909 den Charakter als Oberstleutnant (Teniente coronel honorario) verliehen.Hernán Cornut: Las representaciones del libro De la guerra entre los militares argentinos en la primera mitad del siglo XX. La concepción de un modelo doctrinario. In: Prohistoria, 24. Jg., Nr. 35 (Juni 2021), S. 137–161, hier: S. 148.

„Thauvenay-Bericht“ Im September 1909 verfasste Perrinet von Thauvenay eine einflussreiche Denkschrift für José Félix Uriburu,54 S., im Argentinischen Nationalarchiv (Archivo General de la Nación) im Nachlass von Uriburu unter Bestandssignatur L 2581 mit der Bezeichnung Informe Thauvenay („Thauvenay-Bericht“) abgelegt; vgl. Hernán Cornut 2021, Anm. 6. den 1907 ernannten Direktor der Kriegsakademie, der sich zu dieser Zeit (1909/10) allerdings in Deutschland aufhielt. In seiner Schrift entwickelte Thauvenay einen Plan für einen Zweifrontenkrieg Argentiniens gegen Brasilien und Chile, der stark an damalige deutsche Vorstellungen der „Einkreisung“ anknüpft und die strategische Lage Argentiniens mit derjenigen des Deutschen Reiches in Europa parallelisiert. Analog zum Schlieffen-Plan empfahl er eine schnelle Niederwerfung Brasiliens im Osten mittels Zangenbewegung über die Provinz Misiones und das neutrale Uruguay in das brasilianische Aufmarschgebiet in Rio Grande do Sul hinein und ein anfänglich defensives Agieren im Westen gegenüber dem militärisch besser organisierten Chile, das erst im Anschluss an die vollständige Klärung der Ostfront besiegt werden sollte. Obgleich dieser Plan nie verwirklicht wurde, prägten die hier vertretenen methodischen und strategischen Maximen das Denken der argentinischen Militärs bis in die 1930er Jahre, als Uriburu durch einen Militärputsch de facto Präsident von Argentinien wurde.Hernán Cornut: Las representaciones del libro De la guerra entre los militares argentinos en la primera mitad del siglo XX. La concepción de un modelo doctrinario. In: Prohistoria, 24. Jg., Nr. 35 (Juni 2021), S. 137–161, hier: S. 148 f. Uriburus 1915 veröffentlichte Abhandlung über die Marne-Schlacht,José Evaristo Uriburu: La Guerra actual. Apuntes y enseñanzas. Estudio del General argentino José F. Uriburu. Revelaciones sobre la batalla del Marne. Buenos Aires 1915. Erneut veröffentlicht unter eigenem Namen als La batalla del Marne. Apuntes y enseñanzas de la guerra actual (= Biblioteca de la Renovación, Band 3). Buenos Aires 1918. in der er die deutsche Kriegsstrategie des Ersten Weltkriegs als vorbildlich hervorhebt,María Ximena Alvarez: Uriburu, José Felix Benito. In: Handbuch des Antisemitismus, Band 2: Personen, Teilband 2 (L–Z). De Gruyter Saur, Berlin 2009, ISBN 978-3-598-24072-0, S. 847. nimmt Anstöße aus Perrinets Denkschrift auf und entwickelt sie fort.

Sondergesandtschaft von der Goltz